04.01.2019 | Presseinfo Nr. 1

Neue Rekordwerte auf dem Arbeitsmarkt im Rhein-Erft Kreis

Im Jahresdurchschnitt 2018 lag der Bestand an Arbeitslosen bei 15.490. In 2017 hatte er 16.890 betragen und ist somit um 1.400 oder 8,3 Prozent gesunken.

  • Rekordhoch: Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Rhein-Erft-Kreis weiter angestiegen
  • Rekordhoch: 11.348 gemeldete Stellen im Jahr 2018
  • Rekordtief: Jugendarbeitslosigkeit weiter gesunken
  • Niedrigste Dezember-Arbeitslosigkeit seit 18 Jahren
  • 40.330 Menschen beendeten ihre Arbeitslosigkeit im Jahr 2018
  • Durchschnittlich 3.132 Arbeitslose weniger als vor 10 Jahren
  • In 2019 wird ein weiterer Rückgang bei Arbeitslosigkeit erwartet. Integration von Langzeitarbeitslosen ist ein Schwerpunkt
  • Zunehmende Herausforderungen in der Gewinnung von Fachkräften

Gesamtentwicklung

Im Dezember sank die Zahl der Arbeitslosen im Rhein-Erft-Kreis um 229 oder 1,6 Prozent. Insgesamt waren im Dezember 14.210 Menschen arbeitslos. Vor 10 Jahren waren es noch 17.720 Menschen. Der Bestand der Arbeitslosen im Dezember 2018 lag mit Minus 1.657 oder 10,4 Prozent deutlich unter dem Niveau des Dezember 2017. Die aktuelle Arbeitslosenquote im Dezember 2018 liegt bei 5,6 Prozent. Im Jahresdurchschnitt ergibt sich damit für 2018 eine Quote von 6,1 Prozent. Die Berechnung der Arbeitslosenquote bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen ist seit 1998 möglich, seither gab es keine niedrigere Arbeitslosenquote.

„Wir blicken auf ein erfolgreiches Jahr 2018 im Rhein-Erft-Kreis zurück. So ist nicht nur die Zahl der Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt auf 15.490 - ein deutlicher Rückgang um 1.400 oder 8,3 Prozent - gesunken. Auch der neue Rekord bei der Arbeitskräftenachfrage muss an dieser Stelle erwähnt werden. So wurden dem gemeinsamen Arbeitsgeberservice der Arbeitsagentur und des Jobcenters Rhein-Erft seit Jahresanfang 2018 insgesamt 11.017 sozialversicherungspflichtige Stellen gemeldet. Damit hatten wir in diesem Jahr die stärkste Nachfrage seit 17 Jahren", so Rainer Imkamp, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Brühl.

Der Arbeitsmarktexperte weiß, dass die gute Arbeitsmarktsituation ohne die stabile wirtschaftliche Lage und den stetigen Zuwachs an sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung nicht möglich gewesen wäre. „Wirtschaft und Arbeitsmarkt sind untrennbar miteinander verwoben", so Imkamp. Mit einem neuen Allzeithoch lag die Beschäftigung im März 2018 bei 139.612 und ist damit im Vergleich zum März 2017 nochmals um 1.408 oder 1,0 Prozent gestiegen. Im März 2008 lag die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten noch bei 116.367 was einem Beschäftigungswachstum von 23.245 Beschäftigen oder 20 Prozent in den letzten 10 Jahren entspricht. „Damit wurde der Rekord aus dem letzten Jahr gebrochen. Noch nie war die Zahl der registrierten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten höher", freut sich Imkamp.

2018 war aber auch ein Jahr, in dem die arbeitsmarktpolitischen Möglichkeiten der Bundesagentur für Arbeit stärker in den Fokus rückten. Denn Unternehmen haben zunehmend Schwierigkeiten, gut qualifizierte Fachkräfte zu finden. Auch wenn im Rhein-Erft-Kreis von einem flächendeckenden „Mangel" noch nicht die Rede sein kann, werden in immer mehr Branchen qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter knapp. Hier ist schon lange nicht mehr nur der Gesundheits- und Pflegebereich betroffen, sondern beispielsweise auch die Verkehr- und Logistikbranche und das Baugewerbe. Die Agentur für Arbeit Brühl hat darum auch im vergangenen Jahr einen Schwerpunkt auf die Förderung von Qualifizierung gelegt. Und den Menschen, unabhängig davon, ob sie beschäftigt oder arbeitslos sind, die Möglichkeit gegeben, ihren Berufsabschluss nachzuholen oder zu aktualisieren. „Außerdem haben wir im vergangenen Jahr auch intensiv Netzwerkarbeit betrieben. Denn es wird zunehmend deutlich, dass der Fachkräftebedarf dann am besten erfolgreich gemeistert wird, wenn sich Politik, Arbeitgeber, Kammern, Agentur für Arbeit, Jobcenter und lokalen Initiativen weiter zusammenschließen, um gemeinsam die Möglichkeiten der Förderung noch besser auszuschöpfen", so Imkamp.

Arbeitsmarkt 2019

Imkamp ist zuversichtlich, dass sich der Arbeitsmarkt auch in 2019 weiter gut entwickelt. „Es ist noch kein Ende der Beschäftigungssteigerung in Sicht. Der Trend für mehr sozialversicherungspflichtige Beschäftigung hält seit Jahren an. Das ist ein deutliches Zeichen für Wachstum", stellt Imkamp in Aussicht. Bei einem aufnahmefähigen Markt ist die Chance eine Arbeit zu finden für unsere Kundinnen und Kunden höher, so dass ich auch von einem weiteren Rückgang bei der Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen ausgehe. Imkamp sieht für das neue Jahr aber auch Herausforderungen: „Der demografische Wandel im Rhein-Erft-Kreis ist in vollem Gange: Immer mehr Menschen – darunter viele Fachkräfte - treten aus dem Erwerbsleben aus, gleichzeitig nimmt die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber ab. Hier entsteht eine Lücke, die auch durch die Produktivitätsgewinne durch Digitalisierung und Automatisierung nicht zu schließen ist. Aufgaben werden komplexer und Berufe werden sich grundlegend ändern. Wer hier nicht den Anschluss verlieren will, muss sich auf stets auf den neusten Stand bringen", so Imkamp. Das Qualifizierungschancengesetz der Bundesregierung, das einen Ausbau der Fördermöglichkeiten für die Weiterbildung Beschäftigter vorsieht, gibt einen wichtigen arbeitsmarktpolitischen Impuls. Das neue Gesetz setzt vor allem bei Branchen an, deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Digitalisierung und Strukturwandel potenziell beeinflusst werden. Dabei geht es nicht nur um Fachkräfte, die sich weiterentwickeln wollen – oder müssen. Für Menschen im Job, die keinen Berufsabschluss haben, die sogenannten Geringqualifizierten, bietet es die Chance, sich entscheidend weiterzuentwickeln.

Arbeitsmarktpolitisch von zentraler Bedeutung ist auch das neue Gesetz zur Verbesserung der Teilhabe Langzeitarbeitsloser. Trotz vieler Programme und Initiativen konnten Langzeitarbeitslose bis jetzt nur eingeschränkt von der guten Entwicklung am Arbeitsmarkt profitieren. Nun sollen für diese Menschen individuell Arbeitsplätze gefördert, Arbeit statt Arbeitslosigkeit finanziert werden. Keiner der neuen Ansätze kann ohne engagierte Zusammenarbeit aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Arbeitsmarkt etwas bewirken. Gesetze und Programme wirken nur, wenn ihre Möglichkeiten gelebt werden. „Mittel und Programme gegen Langzeitarbeitslosigkeit bleiben so lange unwirksam, bis Arbeitgeber mitziehen, die neuen gesetzlichen Möglichkeiten nutzen und Arbeitsplätze zur Verfügung stellen", appelliert Imkamp. „Jeder Langzeitarbeitslose ist einer zu viel. Ein Job, ein geregelter Tagesablauf und ein eigenes Einkommen sind für das Selbstwertgefühl eines Menschen nicht hoch genug zu bewerten. Ein Arbeitsplatz ist die Voraussetzung für soziale Teilhabe".

Arbeitslosigkeit nach Rechtskreisen

In der Agentur für Arbeit Brühl - hier werden die direkt aus der Erwerbstätigkeit kommenden Arbeitslosen geführt - lag der Bestand an Arbeitslosen nach dem SGB III im Jahresdurchschnitt 2018 bei 5.322. In 2017 hatte er 5.608 betragen und ist somit um 286 oder 5,1 Prozent gesunken. Im Dezember 2017 betreute die Brühler Arbeitsagentur damit 4.895 Kunden aus dem Rhein-Erft-Kreis. Im Vergleich zum November 2018 wurden damit insgesamt 45 oder 0,9 Prozent weniger Arbeitslose nach dem SGB III gezählt. Im Vergleich zum Dezember 2017 wurden 310 oder 6,0 Prozent weniger Arbeitslose verzeichnet.

Die Zahl der in der Grundsicherung vom Jobcenter betreuten Arbeitslosen lag im Jahresdurchschnitt bei 10.168 Arbeitslosen. In 2017 hatte er 11.282 betragen und ist somit um 1.114 oder 9,9 Prozent gesunken. Im Dezember ist die Zahl der Arbeitslosen nach dem SGB II um 184 oder 1,9 Prozent gesunken. Aktuell sind 9.315 Frauen und Männer beim Jobcenter Rhein-Erft arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zum Dezember 2017 wurden 1.347 oder 12,6 Prozent weniger Arbeitslose registriert.

Arbeitslosenquote

Im Jahresdurchschnitt 2018 lag die Arbeitslosenquote bei 6,1 Prozent. In 2017 hat die durchschnittliche Arbeitslosenquote bei 6,7 Prozent gelegen. Die Arbeitslosenquote auf Basis aller zivilen Erwerbspersonen lag wie bereits im November 2018 auch im Dezember bei 5,6 Prozent. Im Dezember 2017 betrug die Arbeitslosenquote im Rhein-Erft-Kreis 6,3 Prozent.

Arbeitslosmeldungen und Arbeitsaufnahmen

Im Jahr 2018 wurden 38.709 Menschen arbeitslos, 954 oder 2,4 Prozent weniger als in 2017. Im Dezember meldeten sich 2.949 Männer und Frauen arbeitslos, 195 oder 6,2 Prozent weniger als im November 2018 und 34 oder 1,1 Prozent weniger als im Dezember 2017. Insgesamt meldeten sich in 2018 14.125 Menschen aus der Erwerbstätigkeit arbeitslos, 6 oder 0,0 Prozent mehr als in 2017. Die Zahl der Personen, die sich unmittelbar nach Verlust ihres Arbeitsplatzes arbeitslos meldeten, betrug im Dezember 2018: 1.092, 16 oder 1,4 Prozent weniger als im Vormonat (zum Vorjahr: -15 oder - 1,4 Prozent). In den vergangenen 12 Monaten meldeten sich insgesamt 10.200 Personen nach einer Ausbildung oder sonstigen Maßnahme arbeitslos. Im Vergleich zum Vorjahr wurden hier 104 oder 1,0 Prozent weniger gezählt.

Den im Jahresverlauf 2018 arbeitslos gewordenen Menschen standen im gleichen Zeitraum 40.330 Männer und Frauen gegenüber, die ihre Arbeitslosigkeit beenden konnten, 240 oder 0,6 Prozent weniger als im Jahr 2017. Im Dezember beendeten insgesamt 3.183 Menschen ihre Arbeitslosigkeit, 120 oder 3,6 Prozent weniger als im November 2018 und 84 oder 2,7 Prozent mehr als im Dezember 2017. 956 Personen und damit 47 oder 4,7 Prozent weniger als im November 2018 und 72 oder 8,1 Prozent mehr als im letzten Jahr nahmen eine abhängige Beschäftigung auf

In 2018 konnten insgesamt 12.116 Menschen aus dem Rhein-Erft- Kreis ihre Arbeitslosigkeit durch Aufnahme einer Erwerbstätigkeit beenden, 140 oder 1,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Insgesamt 10.103 Menschen (+80 oder +0,8 Prozent zum Vormonat) begannen eine Ausbildung oder sonstige Maßnahme.

Veränderung der Arbeitslosigkeit nach Personengruppen

Junge Arbeitslose unter 25 Jahren

Im Jahresdurchschnitt 2018 lag der Bestand an Arbeitslosen unter 25 Jahren bei 1.371 und damit so tief wie seit mindestens 13 Jahren nicht mehr. In 2017 hatte er 1.511 betragen und ist somit um 140 oder 9,2 Prozent gesunken. Die Arbeitslosigkeit in dieser Altersgruppe sank im Dezember um 26 oder 2,2 Prozent und liegt nun bei 1.163 (davon SGB II: 727). Das waren 138 oder 10,6 Prozent (davon SGB II: -113 oder -13,5 Prozent) weniger als Ende Dezember 2017.

Langzeitarbeitslose

Im Jahresdurchschnitt 2018 lag der Bestand an Langzeitarbeitslosen bei 6.496. In 2017 hatte er 7.178 betragen und ist somit um 682 oder 9,5 Prozent gesunken. Aktuell sind 5.941 (davon SGB II: 5.215) Menschen länger als zwölf Monate ohne Beschäftigung; -157 oder -2,6 Prozent zum Vormonat (davon SGB II: - 132 oder -2,5 Prozent). Im Vergleich zum Dezember 2017 wurden 893 oder 13,1 Prozent (SGB II: -804 oder -13,4 Prozent) weniger Langzeitarbeitslose gezählt.

Ältere Arbeitslose

Im Jahresdurchschnitt 2018 waren 5.304 Arbeitslose über 50 Jahre gemeldet. In 2017 waren es 5.727 und somit noch 423 oder 7,4 Prozent mehr als in diesem Jahr. Die Betroffenheit älterer Arbeitsloser (über 50 Jahre) sank im Dezember gegenüber November um 42 oder 0,8 Prozent (SGB II: -38 oder -1,4 Prozent). Insgesamt 4.907 (davon SGB II: 2.759) Ältere waren im Dezember 2018 im Rhein-Erft-Kreis arbeitslos gemeldet. Das sind 572 oder 10,4 Prozent ältere Männer und Frauen weniger als im letzten Jahr.

Stellenangebote

Der Arbeitsagentur Brühl wurden im Jahr 2018 insgesamt 11.348 Stellen (+148 oder +1,3 Prozent) gemeldet (davon sozialversicherungspflichtige Stellen: 11.017, das waren 67 Stellen mehr als im Jahr 2017).
Die Betriebe aus dem Rhein-Erft-Kreis erteilten der Agentur für Arbeit Brühl im Dezember Vermittlungsaufträge für 790 Stellen, 75 oder 8,7 Prozent weniger als im Vormonat. Insgesamt 4.467 Stellenangebote waren Ende Dezember noch unbesetzt, 138 oder 3,0 Prozent weniger als im November 2018.

Aktive Arbeitsmarktpolitik

Von Januar bis Dezember 2018 nahmen 1.367 Menschen an einer beruflichen Weiterbildung teil. Im Dezember 2018 bereiteten sich 884 Teilnehmer durch die Teilnahme an einer beruflichen Weiterbildung auf eine Beschäftigung im ersten Arbeitsmarkt vor, 10 oder 1,1 Prozent weniger als im Vormonat und 116 oder 15,1 Prozent mehr als im letzten Jahr.
Insgesamt 11.090 Menschen nahmen in 2018 an Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung teil.
Im Dezember nahmen 944 Menschen an diesen Maßnahmen teil (-13 oder -1,4 Prozent gegenüber Vormonat). 509 Menschen wurden in der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit gefördert (+25 oder +5,2 Prozent gegenüber Vormonat und +87 oder +20,6 Prozent zum Vorjahr).