04.12.2019 | Presseinfo Nr. 43

Internationale Tag der Menschen mit Behinderung am 03. Dezember 2019

Der internationale Tag der Menschen mit Behinderung am 03. Dezember 2019 ist für die Agentur für Arbeit Brühl auch im diesen Jahr ein Anlass, über die Situation für diesen Personenkreis auf dem Arbeitsmarkt näher zu berichten.

Das Pressegespräch fand am 04. Dezember 2019 im Präses-Held-Haus der Diakonie Michaelshoven in Wesseling statt. Dort werden im hauswirtschaftlichen Bereich in einer Inklusionsabteilung drei junge schwerbehinderte Fachkräfte beschäftigt.

 

Im Rhein-Erft-Kreis lebten Ende 2017 45.762 Männer, Frauen und Kinder mit einem anerkannten Grad der Behinderung von mindestens 50; ab diesem Wert gilt eine Behinderung als Schwerbehinderung. Das ist ein Anteil von 9,8 Prozent an der Bevölkerung. Damit liegt der Rhein-Erft-Kreis noch unter dem NRW-Schnitt von 10,1 Prozent.

Von den Menschen im erwerbsfähigen Alter zwischen 15 und 65 Jahren zählen 6,6 Prozent zu den schwerbehinderten Menschen.

Arbeitgeber, die über mindestens 20 Arbeitsplätze verfügen, sind gesetzlich verpflichtet, auf wenigstens 5 Prozent der Arbeitsplätze schwerbehinderte Menschen zu beschäftigen. Im Rhein-Erft-Kreis traf diese Beschäftigungspflicht 2017 auf 668 Unternehmen zu. Die tatsächliche Besetzungsquote dieser Pflicht-Arbeitsplätze ist jedoch zuletzt gesunken und liegt bei 4,27 Prozent für das Jahr 2017. Sie liegt auch deutlich unter dem NRW-Schnitt von 5,18 Prozent.

In den vergangenen zwölf Monaten waren im Rhein-Erft-Kreis 1.192 schwerbehinderte Menschen arbeitslos gemeldet. Ihre Zahl ist im Gegensatz zur Arbeitslosigkeit insgesamt gestiegen. Dadurch steigt der Anteil schwerbehinderter Arbeitsloser an allen Arbeitslosen wieder und beträgt aktuell 8,15 Prozent.

„Viele Arbeitgeber sind immer noch zurückhaltend, wenn es um schwerbehinderte Bewerber für eine Stelle geht. Damit hat es ein schwerbehinderter Mensch besonders schwer, wenn er einmal arbeitslos ist, wieder in Arbeit zu kommen", erläutert Anja Daub, Geschäftsführerin operativ der Agentur für Arbeit Brühl.

Schwerbehinderte Arbeitslose sind im Schnitt deutlich älter als Arbeitslose ohne Schwerbehinderung. Ein Grund ist die fortschreitende Alterung der Gesellschaft. Nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch in der Arbeitslosigkeit steigt der Anteil der Älteren. Es ist nicht selten, dass schwerbehinderte Menschen während ihrer Arbeitslosigkeit das 55. Lebensjahr erreichen. Das erschwert ihre Situation zusätzlich.

Dabei sind schwerbehinderte Arbeitslose oft gut qualifiziert. Fast 60 Prozent suchen eine Tätigkeit als Fachkraft oder in einem darüber liegenden Niveau. Bei den nicht schwerbehinderten Arbeitslosen liegt dieser Wert deutlich niedriger.

„Eine Behinderung wird fälschlicherweise viel zu oft mit geistigen und intellektuellen Einschränkungen gleichgesetzt. Eine Annahme, die schlicht falsch ist", so Anja Daub. 94 Prozent der Behinderungen entstehen durch Erkrankungen, nur ein geringer Teil der Behinderungen sind angeboren. „Natürlich gibt es Menschen bei denen die Arbeitsfähigkeit durch geistige und seelische Behinderungen eingeschränkt sein kann. Eine körperliche Einschränkung durch Erkrankungen muss aber noch lange nicht bedeuten, dass die Arbeitsfähigkeit darunter leidet".

Die Agentur für Arbeit unterstützt Arbeitgeber, die Menschen mit Behinderung eine Chance geben wollen: „Wir bieten für Arbeitgeber, die inklusive Arbeitsplätze einrichten wollen, eine Vielzahl unterstützender Dienstleistungen und Programme", rät Daub. „Die Unterstützung gilt sowohl für kleine Unternehmen unter 20 Mitarbeitern, aber auch für die, die Pflichtplätze zur Verfügung stellen müssen. Da Unternehmen rund ein Fünftel dieser Plätze aktuell nicht besetzen, bleiben viele Fachkraft-Potentiale ungenutzt. Und wir wollen helfen, das zu ändern."

So kann die Agentur für Arbeit zum Beispiel eine auf bis zu drei Monate befristete Probebeschäftigung fördern. In diesem Zeitraum übernimmt sie die vollständigen Lohnkosten und den Arbeitgeberanteil an den Sozialversicherungsabgaben.

Arbeitgeber, die einem schwerbehinderten Arbeitslosen eine Chance geben möchten, wenden sich an ihren bekannten Ansprechpartner im gemeinsamen Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Brühl und des Jobcenters oder unter der Servicenummer: 0800 4 5555 20 (gebührenfrei). Alle Informationen finden Sie auch auf www.arbeitsagentur.de

Weitergehende Informationen:

Zahlen für den Kreis Euskirchen

  • 18.729 Frauen, Männer und Kinder mit GdB von mindestens 50, das entspricht einem Anteil 9,7 Prozent an der Bevölkerung
  • 6,9 Prozent der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter (15-65) sind schwerbehindert
  • Beschätigungspflicht besteht in 270 Unternehmen
  • Besetzungsquote dieser Pflicht-Plätze liegt bei 4,77 Prozent
  • 398 schwerbehinderte Arbeitslose, entspricht einem Anteil von 7,48 Prozent an allen Arbeitslosen
  • 67 Prozent der schwerbehinderten Menschen suchen eine Tätigkeit als Fachkraft oder in einem darüber liegenden Niveau

Präses-Held-Haus

Im Jahre 2010 eröffnete die Diakonie Michaelshoven ihre Senioreneinrichtung Präses-Held-Haus (PHH) in Wesseling-Keldenich mit sechs Wohngemeinschaften, in denen insgesamt 80 Menschen mit und ohne Demenz von rund 70 Mitarbeiter/innen betreut und gepflegt werden. Neben der vollstätionären Pflege wird ebenso die Möglichkeit der Kurzzeit-und Verhinderungspflege angeboten. In den Räumlichkeiten des PHH ist auch die Tagespflege „ebensfreude" zuhause, die ihre Gäste an fünf Tagen in der Woche begrüßt. Das PHH ermöglicht durch enge Kontakte mit den Kindergärten „Apfelbaum" und „usteblume" den Austausch zwischen „ung und Alt". Eine weitere Besonderheit ist die Inklusionsabteilung der Hauswirtschaft, in der Menschen mit Behinderung der Weg auf den ersten Arbeitsmarkt ermöglicht wird.