07.01.2020 | Presseinfo Nr. 3

Der Arbeitsmarkt im Rhein-Erft-Kreis Jahresrückblick 2019

Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Rhein-Erft-Kreis ist gegenüber dem Vorjahr um 4.634 oder 3,3 Prozent auf 144.246 Beschäftigte gestiegen.
Die Zahl der Arbeitslosen ist hingegen im Jahresschnitt um 824 oder -5,3 Prozent auf 14.667 gesunken, dies entspricht einer Arbeitslosenquote vom 5,7 Prozent im Jahresschnitt. 2018 lag sie noch bei 6,1 Prozent.

  • Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung um 3,3 Prozent auf neues Rekordniveau gestiegen.
  • Arbeitslosenzahlen gegenüber 2018 um 5,3 Prozent gesunken, im Zehn-Jahres-Zeitraum gegenüber 2009 sogar um 21,9 Prozent
  • Langzeitarbeitslosigkeit ging stärker zurück: Minus 10,9 Prozent gegenüber 2018
  • Jugendarbeitslosigkeit ebenfalls gesunken: Minus 6,8 Prozent gegenüber 2018
  • Weniger neu gemeldete Arbeitsstellen: In der Jahressumme wurden 19,6 Prozent weniger Stellen gemeldet
  • 729 geflüchtete Menschen haben eine Arbeit aufgenommen, 1.726

Gesamtentwicklung

Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Rhein-Erft-Kreis ist gegenüber dem Vorjahr um 4.634 oder 3,3 Prozent auf 144.246 Beschäftigte gestiegen.

Die Zahl der Arbeitslosen ist hingegen im Jahresschnitt um 824 oder -5,3 Prozent auf 14.667 gesunken, dies entspricht einer Arbeitslosenquote vom 5,7 Prozent im Jahresschnitt. 2018 lag sie noch bei 6,1 Prozent.

„Die gute Beschäftigungslage im Rhein-Erft-Kreis hat sich 2019 fortgesetzt", freut sich Rainer Imkamp, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Brühl. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist auf ein neues Rekordhoch gestiegen. „Schon letztes Jahr durfte ich hier einen Anstieg um 1 Prozent und einen Höchstwert verkünden. Nun kann ich mich erfreulicherweise wiederholen, mit weiteren 3,3 Prozent Anstieg gibt es einen neuen Rekordwert." Im März 2019 (neuere Daten liegen noch nicht vor) waren damit 144.246 Menschen im Rhein-Erft-Kreis beschäftigt, im März 2009 lag dieser Wert noch bei 118.288.

Dies hat natürlich auch Auswirkungen auf die Arbeitslosigkeit. „Besonders stark haben dieses Jahr Jugendliche und Langzeitarbeitslose von der Arbeitsmarktentwicklung profitiert. Für diese beiden Personengruppen liegt der prozentuale Rückgang noch deutlich über den -5,3 Prozent, die die Arbeitslosigkeit insgesamt zurückgegangen ist", so Imkamp weiter. „Aber: wo Licht ist, ist auch Schatten. So gab es im Jahresschnitt leider einen Anstieg der Arbeitslosigkeit bei schwerbehinderten Menschen um 5,2 Prozent."

In vielen Branchen ist es für Unternehmen schwieriger geworden, qualifizierte Fachkräfte zu finden. Das betrifft nicht nur Pflege- und Gesundheitsberufe, sondern zum Beispiel auch den kompletten Logistik-Bereich. „Hier haben wir 2019 im gesamten Agenturbezirk mit 323 abschlussorientierten Qualifizierungen für Arbeitslose geholfen, das ist gegenüber 2018 eine Steigerung von 42,3 Prozent. Das Qualifizierungschancengesetz der Bundesregierung hat zudem unsere Möglichkeiten erweitert, auch die Weiterbildung Beschäftigter in Unternehmen zu fördern, die einen Berufsabschluss nachholen oder ihre Qualifikationen aktualisieren möchten. Aber auch da ist noch Luft nach oben, die Arbeitgeber nutzen dieses Instrument noch zu zögerlich", so Imkamp weiter. „2019 haben wir im Rechtskreis SGB III fast 7,8 Millionen Euro in Weiterbildung in unserem Agenturbezirk investiert. Und das wird –unabhängig von der Senkung der Versicherungsbeiträge– 2020 nicht weniger werden, sondern mehr".

Der Rückgang der Langzeitarbeitslosigkeit kann jedoch als Hinweis dafür gesehen werden, dass Unternehmen zunehmend auch den Menschen eine Chance geben, die früher nicht in die engere Wahl gekommen wären. „Hier würde ich mir noch mehr Aufgeschlossenheit der Arbeitgeber wünschen", erläutert Imkamp. „Gerade unter den älteren oder schwerbehinderten Arbeitslosen gibt es viele qualifizierte Kräfte. Und wenn jemand auf den ersten Blick nicht 100-prozentig zum Anforderungsprofil passt, dann haben wir Möglichkeiten, dies auszugleichen. Unser Arbeitgeber-Service berät hierzu gerne."

„Der demografische Wandel im Rhein-Erft-Kreis bleibt natürlich auch in diesem Jahr eine Herausforderung für uns", so Imkamp. „Als Thema neu hinzugekommen ist für uns der vorgezogene Ausstieg aus der Braunkohle und den hieraus resultierenden Herausforderungen bei der Strukturentwicklung im Rheinischen Revier. Hier sind wir bereits von Anfang an intensiv in verschiedene Gremien eingebunden arbeiten aktiv mit, so zum Beispiel bei der Erstellung des Wirtschafts- und Strukturprogramms (WSP 1.0) des Rheinischen Zukunftsreviers. Wir gehen davon aus, dass der Gesetzgeber mit dem Strukturstärkungs- und dem Kohleausstiegsgesetz bald weitere Klarheit über die Rahmenbedingungen schafft". Für den nächsten Schritt steht die Arbeitsagentur aber auch in den Startlöchern. „Wir analysieren gerade, welche Bildungs- und Qualifizierungsangebote hier in der Region angeboten werden, und welche Angebote noch geschaffen werden können. Wir wollen den Beschäftigten der vom Strukturwandel betroffenen Unternehmen schließlich nur zukunftsträchtige Angebote machen können", so der Arbeitsmarktexperte. „Natürlich sind die Arbeitgeber selbst in der Verantwortung, für ihre Firmen neue Geschäftsfelder zu identifizieren. Aber wenn daraus Qualifizierungsbedarfe bei den Beschäftigten entstehen, können wir helfen."

Die Arbeitsmarktlage im Jahr 2020 schätzt Imkamp als robust ein. „Der Arbeitsmarkt hat sich zumindest in Teilen von der konjunkturellen Lage abgekoppelt. Das liegt zum einen an den vielen Arbeitsplätzen, die in den konjunkturunempfindlichen Dienstleistungsberufen entstanden sind. Auf der anderen Seite haben wir eine hohe Nachfrage nach Fachkräften. Insbesondere konjunkturabhängige Betriebe wissen, dass sie nicht leicht Ersatz finden, wenn sie jemandem kündigen. Sie sind also weitaus mehr daran interessiert als früher, ihre Fachkräfte auch in Zeiten einer konjunkturellen Schwäche zu halten", so Imkamp. Er rechnet damit, dass die Arbeitslosenzahl im Frühjahr saisontypisch ansteigen wird, und sich dann in der zweiten Jahreshälfte wieder stabilisiert. „Eine deutliche Veränderung zeichnet sich 2020 nicht ab."

Arbeitslosigkeit nach Rechtskreisen

Insgesamt waren im Jahresdurchschnitt 2019 14.667 Menschen im Rhein-Erft-Kreis arbeitslos gemeldet, das waren 824 oder 5,3 Prozent weniger als im Durchschnitt des Vorjahres.

In der Arbeitslosenversicherung (SGB III) wurden 176 oder 3,3 Prozent weniger Arbeitslose aus dem Rhein-Erft-Kreis gezählt. Insgesamt betreute die Brühler Arbeitsagentur damit im Schnitt 5.146 Kunden aus dem Rhein-Erft-Kreis. Im Jahresdurchschnitt 2018 waren dies noch 5.322.

Die Zahl der vom Jobcenter Rhein-Erft (gemeinsame Einrichtung des Rhein-Erft-Kreises und der Arbeitsagentur) betreuten Arbeitslosen in der Grundsicherung (SGB II) ist im Jahresschnitt um 647 oder 6,4 Prozent gesunken. Damit betreute das Jobcenter Rhein-Erft 9.521 arbeitslose Menschen. Im Jahresdurchschnitt 2018 lag die Zahl noch bei 10.168.

Arbeitslosenquote

Die Arbeitslosenquote auf Basis aller zivilen Erwerbspersonen sank um 0,4 Prozentpunkte auf 5,7 Prozent. Vor einem Jahr betrug die Arbeitslosenquote im Rhein-Erft-Kreis noch 6,1 Prozent, während sie vor zehn Jahren noch bei 8,1 Prozent lag.

Arbeitslosmeldungen und Arbeitsaufnahmen

2019 meldeten sich in der Jahressumme 41.201 Männer und Frauen arbeitslos, 2.492 oder 6,4 Prozent mehr als im Jahr 2018. Die Zahl der Personen, die sich unmittelbar nach Verlust ihres Arbeitsplatzes arbeitslos meldeten, betrug 14.769, das sind 644 oder 4,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Nach einer Ausbildung oder sonstigen Maßnahme meldeten sich 11.906 Menschen arbeitslos. Im Vergleich zum Vorjahr wurden sind das 1.706 oder 16,7 Prozent mehr.

Den arbeitslos gewordenen Menschen standen im gleichen Jahr 40.482 Männer und Frauen gegenüber, die ihre Arbeitslosigkeit beenden konnten, 152 oder 0,4 Prozent mehr als in der Summe des Vorjahres. Davon nahmen 11.905 Personen und damit 211 oder 1,7 Prozent weniger als im Vorjahr eine abhängige Beschäftigung auf. Insgesamt 11.154 Menschen (+1.051 oder +10,4 Prozent) begannen eine Ausbildung oder sonstige Maßnahme.

Veränderung der Arbeitslosigkeit nach Personengruppen

Junge Arbeitslose unter 25 Jahren

Die Arbeitslosigkeit in der Altersgruppe der 15 bis unter 25 Jahre jungen Menschen sank im Jahresdurchschnitt auf 1.277. Davon entfielen 521 auf die Arbeitslosenversicherung (SGB III) und 756 auf die Grundsicherung (SGB II). Das waren 94 oder 6,8 Prozent weniger als im Vorjahr (Veränderung SGB III zum Vorjahr: -31 oder -5,6 Prozent, SGB II: -63 oder -7,6 Prozent).

Langzeitarbeitslose

Insgesamt 5.785 Menschen (davon SGB III: 676, SGB II: 5.110) waren 2019 im Jahresdurchschnitt länger als zwölf Monate ohne Beschäftigung, das sind 711 oder 10,9 Prozent weniger als im Vorjahr (Veränderung SGB III zum Vorjahr: -112 oder -14,2 Prozent, SGB II: -599 oder -10,5 Prozent).

Ältere Arbeitslose

Insgesamt 5.016 ältere Menschen über 50 Jahre waren im Jahresdurchschnitt 2019 im Rhein-Erft-Kreis arbeitslos gemeldet (davon SGB III: 2.185, SGB II: 2.830). Die Betroffenheit sank gegenüber dem Vorjahr um 288 oder 5,4 Prozent. (SGB III: -96 oder -4,2 Prozent, SGB II: -193 oder -6,4 Prozent).

Stellenangebote

Arbeitgeber meldeten 2019 in der Jahressumme 9.125 neue Arbeitsstellen, das waren 2.223 oder 19,6 Prozent weniger als im Jahr davor. Im Durchschnitt hatte die Agentur für Arbeit Brühl 4.335 Arbeitsstellen aus dem Rhein-Erft-Kreis im Bestand, im Vorjahr waren das 4.334 Arbeitsstellen.

Integration von geflüchteten Menschen

Im Dezember 2019 haben die Agentur für Arbeit Brühl und das Jobcenter Rhein-Erft zusammen 2.384 geflüchtete Menschen betreut, davon waren 1.155 arbeitslos gemeldet und 1.229 arbeitsuchend gemeldet, aber nicht arbeitslos.

In der Jahressumme konnten 3.203 geflüchtete Menschen ihre Arbeitslosigkeit beenden. Davon nahmen 729 eine Erwerbstätigkeit auf, während 1.726 in Maßnahmen oder sonstige Ausbildungen einmündeten.