30.04.2020 | Presseinfo Nr. 20

Der Arbeitsmarkt im Rhein-Erft-Kreis Ende April 2020

In diesem Monat sind die Auswirkungen, die Covid-19 bzw. die Corona-bedingten Einschränkungen auf den regionalen Arbeitsmarkt hat, erstmals ersichtlich. Insgesamt waren 17.775 Menschen arbeitslos, das waren 1.957 oder 12,4 Prozent mehr als im Vormonat. Der Bestand der Arbeitslosen lag mit einem Plus von 3.906 oder 28,2 Prozent über dem niedrigen Niveau des Vorjahresmonats. Die aktuelle Arbeitslosenquote stieg um 0,7 Prozentpunkte auf 6,9 Prozent.

  • Arbeitslosenzahlen wegen der Corona-bedingten Einschränkungen deutlich gestiegen.

  • Ende April waren 17.775 Menschen aus den Rhein-Erft-Kreis arbeitslos. Das sind 1.957 oder 12,4 Prozent mehr als im März 2020.

  • Die Arbeitslosenquote im Rhein-Erft-Kreis lag bei 6,9 Prozent

  • 4.092 Zugänge in Arbeitslosogkeit
    Zum Vormonat 948 oder 30,2 Prozent mehr Zugänge in Arbeitslosigkeit. Davon erfolgten 2.052 Zugänge aus Erwerbstätigkeit (+840 oder 69,3 Prozent zum Vormonat)

  • 2.148 Menschen beendeten ihre Arbeitslosigkeit
    Minus 970 oder -31,1 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Davon begannen 827 Menschen eine Erwerbstätigkeit (-167 oder -16,8 Prozent zum Vormonat)

  • Zahl der neu gemeldeten Stellen deutlich gesunken
    Der Agentur für Arbeit wurden im April 360 Arbeitsstellen gemeldet, das sind 272 oder 43,0 Prozent weniger Stellen als im Vormonat

Gesamtentwicklung

In diesem Monat sind die Auswirkungen, die Covid-19 bzw. die Corona-bedingten Einschränkungen auf den regionalen Arbeitsmarkt hat, erstmals ersichtlich. Insgesamt waren 17.775 Menschen arbeitslos, das waren 1.957 oder 12,4 Prozent mehr als im Vormonat. Der Bestand der Arbeitslosen lag mit einem Plus von 3.906 oder 28,2 Prozent über dem niedrigen Niveau des Vorjahresmonats. Die aktuelle Arbeitslosenquote stieg um 0,7 Prozentpunkte auf 6,9 Prozent.

„Dass sich die in weiten Teilen ruhende Wirtschaft deutlich auf den Arbeitsmarkt auswirkt, ist nicht überraschend“, kommentiert Rainer Imkamp, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Brühl die aktuellen Daten. Im April ist die Arbeitslosigkeit um 12,4 Prozent gestiegen, das sind fast 2.000 Arbeitslose mehr im Rhein-Erft-Kreis. Auch die Zahl neu gemeldeter Arbeitsstellen ist gegenüber dem April des Vorjahres um mehr als die Hälfte zurückgegangen. Die verminderten Entlastungseffekte von arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen tragen ebenfalls zu den steigenden Arbeitslosenzahlen bei, denn einerseits gehen, wie immer, Maßnahmen aktiver Arbeitsmarktpolitik zu Ende und die Personen mit der Beendigung und dem Austritt aus einer Maßnahme erhalten den Status „arbeitslos“. Anderseits beginnen derzeit kaum Maßnahmen. „Die gestiegenen Zugänge von Arbeitslosen aus Erwerbstätigkeit sind noch nicht besorgniserregend. Viele Arbeitgeber greifen auf die Kurzarbeit zurück um ihre langjährigen Fachkräfte im Unternehmen zu halten. Schwierig sind aktuell aber die fehlenden Möglichkeiten in den Arbeitsmarkt einzumünden “, so Imkamp.

Erfreut zeigt sich der Chef der Brühler Arbeitsagentur über den Bearbeitungsstand der großen Menge an Anzeigen über Kurzarbeit: „Wir haben die personellen Kapazitäten dort gebündelt, wo die Menschen im Rhein-Erft-Kreis sie aktuell am meisten brauchen. Ich bin stolz, dass wir mit großem Engagement fast alle Anzeigen auf Kurzarbeit abarbeiten konnten. Diese erste Etappe war eine Mammut-Aufgabe. Mit der nun folgenden zweiten Etappe - denn nun kommen mit der Bearbeitung der Erstattungsanträge zu Kurzarbeitergeld sowie einer zusätzlich verstärkten Bearbeitung von Anträgen auf Arbeitslosengeld, Insolvenzgeld und Leistungen der Grundsicherung – kommen schon die nächsten großen Herausforderungen auf Arbeitsagentur und Jobcenter zu.“  Die Agentur für Arbeit Brühl hat viele zusätzliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus anderen Bereichen für die Bearbeitung der Anträge geschult und setzt alles daran, beantragte Leistungen so schnell wie möglich auszuzahlen.

Kurzarbeitergeld

Die Entwicklung der Anzeigen für konjunkturelle Kurzarbeit lässt deutlich die Auswirkungen der Coronakrise auf den Arbeitsmarkt erkennen. Laut einer aktuellen Auswertung über die vorläufige Zahl der geprüften Anzeigen und der darin aufgeführten Personen wurden im Rhein-Erft-Kreis zwischen dem 01.03.2020 und dem 26.04.2020 insgesamt 3.575 Anzeigen und darin 36.190 aufgeführte Personen geprüft. Zum Vergleich: Im April 2019 lagen vier Anzeigen für 48 darin aufgeführte Personen vor.

Unterbeschäftigung

Insgesamt konnten 21.260 Menschen aus dem Rhein-Erft-Kreis zum Zähltag im April keiner regulären Beschäftigung nachgehen (sogenannte Unterbeschäftigung*). Damit lag die Zahl der Menschen ohne Beschäftigung mit 1.310 oder 6,6 Prozent über dem Wert des Vormonats und um 2.817 oder +15,3 Prozent über dem des Vorjahresmonats. Der Entlastungseffekt durch arbeitsmarktpolitische Aktivitäten ist weiterhin beachtlich. Ohne die Entlastung hätte die Arbeitslosenquote im Rhein-Erft-Kreis im April bei 8,2 anstatt bei 6,9 Prozent gelegen.

*) Der Begriff der Unterbeschäftigung erweitert den Begriff der Arbeitslosigkeit und bildet das Defizit an regulärer Beschäftigung umfassender ab. Zusätzlich zu den registrierten Arbeitslosen zählt die Statistik der Bundesagentur für Arbeit zur Unterbeschäftigung die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in bestimmten arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen (z.B. Berufliche Weiterbildung, Arbeitsgelegenheiten oder in Aktivierungs- und berufliche Eingliederung) sowie Personen in bestimmten rechtlichen Sonderstatus (z.B. Vorruhestandsähnliche Regelungen, Arbeitsunfähigkeit). Würden diese Personen nicht an der jeweiligen Maßnahme teilnehmen oder unter den jeweiligen Sonderstatus fallen, läge die Arbeitslosigkeit entsprechend höher. Die ausgewiesenen Daten zur Unterbeschäftigung sind vorläufig und hochgerechnet.

Arbeitslosigkeit nach Rechtskreisen

In der Arbeitslosenversicherung (SGB III) wurden im Vergleich zum Vormonat insgesamt 1.074 oder 18,5 Prozent mehr Arbeitslose aus dem Rhein-Erft-Kreis gezählt. Insgesamt betreut die Brühler Arbeitsagentur damit aktuell 6.883 Kunden aus dem Rhein-Erft-Kreis. Im Vergleich zum Vorjahr wurden 1.876 oder +37,5 Prozent mehr Arbeitslose verzeichnet.

Die Zahl der vom Jobcenter Rhein-Erft (gemeinsame Einrichtung des Rhein-Erft-Kreises und der Arbeitsagentur) betreuten Arbeitslosen in der Grundsicherung (SGB II) ist im April um 883 oder 8,8 Prozent gestiegen. Aktuell sind 10.892 Frauen und Männer beim Jobcenter Rhein-Erft arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl um 2.030 oder +22,9 Prozent gestiegen.

Arbeitslosenquote

Die Arbeitslosenquote auf Basis aller zivilen Erwerbspersonen steigt um 0,7 Prozentpunkte auf 6,9 Prozent. Im April 2019 betrug die Arbeitslosenquote im Rhein-Erft-Kreis noch 5,4 Prozent.

Arbeitslosmeldungen und Arbeitsaufnahmen

Im April meldeten sich 4.092 Männer und Frauen arbeitslos, 948 oder 30,2 Prozent mehr als im Vormonat und 899 oder 28,2 Prozent mehr als im gleichen Monat des Vorjahres. Die Zahl der Personen, die sich unmittelbar nach Verlust ihres Arbeitsplatzes arbeitslos meldeten, betrug im aktuellen Monat 2.052, das sind 840 oder 69,3 Prozent mehr als im Vormonat (zum Vorjahr: +821 oder +66,7 Prozent). Bis zum Zähltag im April meldeten sich insgesamt 797 Personen nach einer Ausbildung oder sonstigen Maßnahme arbeitslos. Im Vergleich zum Vormonat wurden hier 36 oder 4,3 Prozent weniger gezählt (zum Vorjahr: -54 oder -6,3 Prozent).

Den im April arbeitslos gewordenen Menschen standen im gleichen Zeitraum 2.148 Männer und Frauen gegenüber, die ihre Arbeitslosigkeit beenden konnten, 970 oder 31,1 Prozent weniger als im letzten Monat und 1.569 oder -42,2 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. 827 Personen und damit 167 oder 16,8 Prozent weniger als im letzten Monat (-403 oder -32,8 Prozent zum Vorjahresmonat) nahmen eine abhängige Beschäftigung auf. Insgesamt 409 Menschen (-319 oder -43,8 Prozent zum Vormonat; -642 oder -61,1 Prozent zum Vorjahresmonat) begannen eine Ausbildung oder sonstige Maßnahme.

Veränderung der Arbeitslosigkeit nach Personengruppen

Junge Arbeitslose unter 25 Jahren

Die Arbeitslosigkeit in der Altersgruppe der 15 bis unter 25 Jahre jungen Menschen stieg auf 1.674. Davon entfielen 745 auf die Arbeitslosenversicherung (SGB III) und 929 auf die Grundsicherung (SGB II). Das waren 252 oder 17,7 Prozent mehr als im Vormonat (Veränderung SGB III zum Vormonat: +160 oder +27,4 Prozent, SGB II: +92 oder +11,0 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahresmonat ist die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen unter 25 Jahren um 567 oder +51,2 Prozent gestiegen (Veränderung SGB III zum Vorjahresmonat: +283 oder +61,3 Prozent, SGB II: +284 oder +44,0 Prozent).

Langzeitarbeitslose

Insgesamt 6.095 (davon SGB III: 715, SGB II: 5.380) Menschen waren länger als zwölf Monate ohne Beschäftigung; +265 oder +4,5 Prozent zum Vormonat (davon SGB III: +51 oder +7,7 Prozent, SGB II: +214 oder +4,1 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahresmonat wurden 372 oder 6,5 Prozent (SGB III: +19 oder +2,7 Prozent, SGB II: +353 oder +7,0 Prozent) mehr Langzeitarbeitslose gezählt.

Ältere Arbeitslose

Insgesamt 5.924 (davon SGB III: 2.662, SGB II: 3.262) ältere Menschen über 50 Jahre waren im April im Rhein-Erft-Kreis arbeitslos gemeldet. Die Betroffenheit stieg gegenüber dem Vormonat um 544 oder 10,1 Prozent (SGB III: +281 oder +11,8 Prozent, SGB II: +263 oder +8,8 Prozent). Das sind 1.116 oder 23,2 Prozent ältere Männer und Frauen mehr als im letzten Jahr (SGB III: +493 oder +22,7 Prozent, SGB II: +623 oder +23,6 Prozent).

Stellenangebote

Arbeitgeber meldeten im April 360 neue Arbeitsstellen, das waren 272 oder 43,0 Prozent weniger als im letzten Monat und 446 oder 55,3 Prozent weniger als vor einem Jahr. Derzeit hat die Agentur für Arbeit Brühl 3.687 Arbeitsstellen aus dem Rhein-Erft-Kreis im Bestand, gegenüber dem letzten Monat ist dies ein Minus von 346 oder 8,6 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat gab es 712 Stellen weniger (-16,2 Prozent).

Aktive Arbeitsmarktpolitik

832 Menschen bereiteten sich durch die Teilnahme an einer beruflichen Weiterbildung auf eine Beschäftigung im ersten Arbeitsmarkt vor, -66 oder -7,3 Prozent zum Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren dies -117 oder -12,3 Prozent. 790 Menschen nahmen an Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung teil (-226 oder 22,2 Prozent zum Vormonat, -471 oder -37,4 Prozent zum Vorjahresmonat), 389 Menschen wurden in ihrer Aufnahme einer Erwerbstätigkeit gefördert (-31 oder -7,4 Prozent gegenüber Vormonat und -97 oder -20,0 Prozent zum Vorjahresmonat).