30.04.2020 | Presseinfo Nr. 21

Der Arbeitsmarkt im Kreis Euskirchen Ende April 2020

In diesem Monat sind die Auswirkungen, die Covid-19 bzw. die Corona-bedingten Einschränkungen auf den regionalen Arbeitsmarkt haben, erstmals ersichtlich. Insgesamt waren 5.983 Menschen arbeitslos, das waren 556 oder 10,2 Prozent mehr als im Vormonat. Der Bestand der Arbeitslosen lag mit einem Plus von 692 oder 13,1 Prozent über dem niedrigen Niveau des Vorjahresmonats. Die aktuelle Arbeitslosenquote stieg um 0,5 Prozentpunkte auf 5,5 Prozent.

  • Arbeitslosenzahlen wegen der Corona-bedingten Einschränkungen deutlich gestiegen.

  • Ende April waren 5.983 Menschen aus den Kreis Euskirchen arbeitslos. Das sind 556 oder 10,2 Prozent mehr als im März 2020.

  • Die Arbeitslosenquote im Kreis Euskirchen lag bei 5,5 Prozent

  • 1.345 Zügange in Arbeitslosigkeit
    Zum Vormonat 197 oder 17,2 Prozent mehr Zugänge in Arbeitslosigkeit. Davon erfolgten 743 Zugänge aus Erwerbstätigkeit (+269 oder 56,8 Prozent zum Vormonat).

  • 784 Menschen beendeten ihre Arbeitslosigkeit
    Minus 348 oder -30,7 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Davon begannen 332 Menschen eine Erwerbstätigkeit (-81 oder -19,6 Prozent zum Vormonat).

  • Zahl der neu gemeldeten Stellen deutlich gesunken
    Der Agentur für Arbeit wurden im April 214 Arbeitsstellen gemeldet, das sind 103 oder 32,5 Prozent weniger Stellen als im Vormonat.

Gesamtentwicklung

In diesem Monat sind die Auswirkungen, die Covid-19 bzw. die Corona-bedingten Einschränkungen auf den regionalen Arbeitsmarkt haben, erstmals ersichtlich. Insgesamt waren 5.983 Menschen arbeitslos, das waren 556 oder 10,2 Prozent mehr als im Vormonat. Der Bestand der Arbeitslosen lag mit einem Plus von 692 oder 13,1 Prozent über dem niedrigen Niveau des Vorjahresmonats. Die aktuelle Arbeitslosenquote stieg um 0,5 Prozentpunkte auf 5,5 Prozent.

„Dass sich die in weiten Teilen ruhende Wirtschaft deutlich auf den Arbeitsmarkt auswirkt, ist nicht überraschend“, kommentiert Rainer Imkamp, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Brühl die aktuellen Daten. Im April ist die Arbeitslosigkeit um 10,2 Prozent gestiegen, das sind über 550 Arbeitslose mehr im Kreis Euskirchen. Auch die Zahl neu gemeldeter Arbeitsstellen ist gegenüber dem April des Vorjahres um fast die Hälfte zurückgegangen. Die verminderten Entlastungseffekte von arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen tragen ebenfalls zu den steigenden Arbeitslosenzahlen bei, denn einerseits gehen, wie immer, Maßnahmen aktiver Arbeitsmarktpolitik zu Ende und die Personen mit der Beendigung und dem Austritt aus einer Maßnahme erhalten den Status „arbeitslos“. Anderseits beginnen derzeit kaum Maßnahmen. „Die gestiegenen Zugänge von Arbeitslosen aus Erwerbstätigkeit sind noch nicht besorgniserregend. Viele Arbeitgeber greifen auf die Kurzarbeit zurück, um ihre langjährigen Fachkräfte im Unternehmen zu halten. Schwierig sind aktuell aber die fehlenden Möglichkeiten in den Arbeitsmarkt einzumünden“, so Imkamp.

Erfreut zeigt sich der Chef der Brühler Arbeitsagentur über den Bearbeitungsstand der großen Menge an Anzeigen über Kurzarbeit: „Wir haben die personellen Kapazitäten dort gebündelt, wo die Menschen im Kreis Euskirchen sie aktuell am meisten brauchen. Ich bin stolz, dass wir mit großem Engagement fast alle Anzeigen auf Kurzarbeit abarbeiten konnten. Diese erste Etappe war eine Mammut-Aufgabe. Mit der nun folgenden zweiten Etappe - denn nun kommen mit der Bearbeitung der Erstattungsanträge zu Kurzarbeitergeld sowie einer zusätzlich verstärkten Bearbeitung von Anträgen auf Arbeitslosengeld, Insolvenzgeld und Leistungen der Grundsicherung – kommen schon die nächsten großen Herausforderungen auf Arbeitsagentur und Jobcenter zu.“  Die Agentur für Arbeit Brühl hat zusätzliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus anderen Bereichen für die Bearbeitung der Anträge geschult und setzt alles daran, beantragte Leistungen so schnell wie möglich auszuzahlen.

Kurzarbeitergeld

Die Entwicklung der Anzeigen für konjunkturelle Kurzarbeit lässt deutlich die Auswirkungen der Coronakrise auf den Arbeitsmarkt erkennen. Laut einer aktuellen Auswertung über die vorläufige Zahl der geprüften Anzeigen und der darin aufgeführten Personen wurden im Kreis Euskirchen zwischen dem 01.03.2020 und dem 26.04.2020 insgesamt 1.496 Anzeigen und darin 15.774 aufgeführte Personen geprüft. Zum Vergleich: Im April 2019 lagen drei Anzeigen für 74 darin aufgeführte Personen vor.

Unterbeschäftigung

Insgesamt konnten 7.276 Menschen aus dem Kreis Euskirchen zum Zähltag im April keiner regulären Beschäftigung nachgehen (sogenannte Unterbeschäftigung*). Damit lag die Zahl der Menschen ohne Beschäftigung mit 370 oder 5,4 Prozent über dem Wert des Vormonats und um 426 oder +6,2 Prozent über dem des Vorjahresmonats. Der Entlastungseffekt durch arbeitsmarktpolitische Aktivitäten ist weiterhin beachtlich. Ohne die Entlastung hätte die Arbeitslosenquote im Kreis Euskirchen im April bei 6,6 anstatt bei 5,5 Prozent gelegen.

*) Der Begriff der Unterbeschäftigung erweitert den Begriff der Arbeitslosigkeit und bildet das Defizit an regulärer Beschäftigung umfassender ab. Zusätzlich zu den registrierten Arbeitslosen zählt die Statistik der Bundesagentur für Arbeit zur Unterbeschäftigung die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in bestimmten arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen (z.B. Berufliche Weiterbildung, Arbeitsgelegenheiten oder in Aktivierungs- und berufliche Eingliederung) sowie Personen in bestimmten rechtlichen Sonderstatus (z.B. Vorruhestandsähnliche Regelungen, Arbeitsunfähigkeit). Würden diese Personen nicht an der jeweiligen Maßnahme teilnehmen oder unter den jeweiligen Sonderstatus fallen, läge die Arbeitslosigkeit entsprechend höher. Die ausgewiesenen Daten zur Unterbeschäftigung sind vorläufig und hochgerechnet.

Arbeitslosigkeit nach Rechtskreisen

In der Arbeitslosenversicherung (SGB III) wurden im Vergleich zum Vormonat insgesamt 345 oder 14,8 Prozent mehr Arbeitslose aus dem Kreis Euskirchen gezählt. Insgesamt betreut die Brühler Arbeitsagentur damit aktuell 2.671 Kunden aus dem Kreis Euskirchen. Im Vergleich zum Vorjahr wurden 691 oder 34,9 Prozent mehr Arbeitslose verzeichnet.

Die Zahl der vom Jobcenter EU-aktiv (gemeinsame Einrichtung des Kreis Euskirchen und der Arbeitsagentur) betreuten Arbeitslosen in der Grundsicherung (SGB II) ist im April um 211 oder 6,8 Prozent gestiegen. Aktuell sind 3.312 Frauen und Männer beim Jobcenter EU-aktiv arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl um 1 oder +0,0 Prozent gestiegen.

Arbeitslosenquote

Die Arbeitslosenquote auf Basis aller zivilen Erwerbspersonen steigt um 0,5 Prozentpunkte auf 5,5 Prozent. Im April 2019 betrug die Arbeitslosenquote im Kreis Euskirchen noch 4,9 Prozent.

Arbeitslosmeldungen und Arbeitsaufnahmen

Im April meldeten sich 1.345 Männer und Frauen arbeitslos, 197 oder 17,2 Prozent mehr als im Vormonat und 93 oder 7,4 Prozent mehr als im gleichen Monat des Vorjahres. Die Zahl der Personen, die sich unmittelbar nach Verlust ihres Arbeitsplatzes arbeitslos meldeten, betrug im aktuellen Monat 743, das sind 269 oder 56,8 Prozent mehr als im Vormonat (zum Vorjahr: +293 oder +65,1 Prozent). Bis zum Zähltag im April meldeten sich insgesamt 249 Personen nach einer Ausbildung oder sonstigen Maßnahme arbeitslos. Im Vergleich zum Vormonat wurden hier 60 oder 19,4 Prozent weniger gezählt (zum Vorjahr: -138 oder -35,7 Prozent).

Den im April arbeitslos gewordenen Menschen standen im gleichen Zeitraum 784 Männer und Frauen gegenüber, die ihre Arbeitslosigkeit beenden konnten, 348 oder 30,7 Prozent weniger als im letzten Monat und 616 oder -44,0 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. 332 Personen und damit 81 oder 19,6 Prozent weniger als im letzten Monat (-148 oder -30,8 Prozent zum Vorjahresmonat) nahmen eine abhängige Beschäftigung auf. Insgesamt 127 Menschen (-131 oder -50,8 Prozent zum Vormonat; -273 oder -68,3 Prozent zum Vorjahresmonat) begannen eine Ausbildung oder sonstige Maßnahme.

Veränderung der Arbeitslosigkeit nach Personengruppen

Junge Arbeitslose unter 25 Jahren

Die Arbeitslosigkeit in der Altersgruppe der 15 bis unter 25 Jahre jungen Menschen stieg auf 603. Davon entfielen 295 auf die Arbeitslosenversicherung (SGB III) und 308 auf die Grundsicherung (SGB II). Das waren 94 oder 18,5 Prozent mehr als im Vormonat (Veränderung SGB III zum Vormonat: +61 oder +26,1 Prozent, SGB II: +33 oder +12,0 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahresmonat ist die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen unter 25 Jahren um 142 oder +30,8 Prozent gestiegen (Veränderung SGB III zum Vorjahresmonat: +108 oder +57,8 Prozent, SGB II: +34 oder +12,4 Prozent).

Langzeitarbeitslose

Insgesamt 1.949 (davon SGB III: 369, SGB II: 1.580) Menschen waren länger als zwölf Monate ohne Beschäftigung; +74 oder +3,9 Prozent zum Vormonat (davon SGB III: +27 oder +7,7 Prozent, SGB II: +47 oder +3,1 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahresmonat wurden 8 oder 0,4 Prozent (SGB III: +67 oder +22,2 Prozent, SGB II: -75 oder -4,5 Prozent) weniger Langzeitarbeitslose gezählt.

Ältere Arbeitslose

Insgesamt 2.104 (davon SGB III: 1.212, SGB II: 892) ältere Menschen über 50 Jahre waren im April im Kreis Euskirchen arbeitslos gemeldet. Die Betroffenheit stieg gegenüber dem Vormonat um 146 oder 7,5 Prozent (SGB III: +94 oder +8,4 Prozent, SGB II: +52 oder +6,2 Prozent). Das sind 197 oder 10,3 Prozent ältere Männer und Frauen mehr als im letzten Jahr (SGB III: +211 oder +21,1 Prozent, SGB II: -14 oder -1,5 Prozent).

Stellenangebote

Arbeitgeber meldeten im April 214 neue Arbeitsstellen, das waren 103 oder 32,5 Prozent weniger als im letzten Monat und 200 oder 48,3 Prozent weniger als vor einem Jahr. Derzeit hat die Agentur für Arbeit Brühl 1.359 Arbeitsstellen aus dem Kreis Euskirchen im Bestand, gegenüber dem letzten Monat ist dies ein Minus von 106 oder 7,2 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat gab es 355 Stellen weniger (-20,7 Prozent).

Aktive Arbeitsmarktpolitik

378 Menschen bereiteten sich durch die Teilnahme an einer beruflichen Weiterbildung auf eine Beschäftigung im ersten Arbeitsmarkt vor, -21 oder -5,3 Prozent zum Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren dies -16 oder -4,1 Prozent. 237 Menschen nahmen an Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung teil (-72 oder 23,3 Prozent zum Vormonat, -89 oder -27,3 Prozent zum Vorjahresmonat), 183 Menschen wurden in ihrer Aufnahme einer Erwerbstätigkeit gefördert (-10 oder -5,2 Prozent gegenüber Vormonat und -30 oder -14,1 Prozent zum Vorjahresmonat).