03.06.2020 | Presseinfo Nr. 26

Der Arbeitsmarkt im Rhein-Erft-Kreis Ende Mai 2020

Die ersten Lockerungen der Corona-bedingten Maßnahmen spiegeln sich in den Arbeitsmarktdaten noch nicht wider. Insgesamt waren 18.777 Menschen arbeitslos, das waren 1.002 oder 5,6 Prozent mehr als im Vormonat. Der Bestand der Arbeitslosen lag mit einem Plus von 5.136 oder 37,7 Prozent über dem niedrigen Niveau des Vorjahresmonats. Die aktuelle Arbeitslosenquote stieg um 0,4 Prozentpunkte auf 7,3 Prozent.

  • Arbeitslosenzahlen wegen der Corona-bedingten Einschränkungen weiter gestiegen.

  • Ende Mai waren 18.777 Menschen aus den Rhein-Erft-Kreis arbeitslos. Das sind 1.002 oder 5,6 Prozent mehr als im April 2020.

  • Die Arbeitslosenquote im Rhein-Erft-Kreis lag bei 7,3 Prozent

  • 2.798 Zugänge in Arbeitslosigkeit
    Zum Vormonat 1.294 oder 31,6 Prozent weniger Zugänge in Arbeitslosigkeit. Davon erfolgten 1.450 Zugänge aus Erwerbstätigkeit (-602 oder -29,3 Prozent zum Vormonat)

  • 1.783 Menschen beendeten ihre Arbeitslosigkeit
    Minus 365 oder -17,0 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Davon begannen 617 Menschen eine Erwerbstätigkeit (-210 oder -25,4 Prozent zum Vormonat)

  • Zahl der neu gemeldeten Stellen wieder gestiegen
    Der Agentur für Arbeit wurden im Mai 531 Arbeitsstellen gemeldet, das sind 171 oder 47,5 Prozent mehr Stellen als im Vormonat aber 85 oder 13,8 Prozent weniger als im Mai 2019.

Gesamtentwicklung

Die ersten Lockerungen der Corona-bedingten Maßnahmen spiegeln sich in den Arbeitsmarktdaten noch nicht wider. Insgesamt waren 18.777 Menschen arbeitslos, das waren 1.002 oder 5,6 Prozent mehr als im Vormonat. Der Bestand der Arbeitslosen lag mit einem Plus von 5.136 oder 37,7 Prozent über dem niedrigen Niveau des Vorjahresmonats. Die aktuelle Arbeitslosenquote stieg um 0,4 Prozentpunkte auf 7,3 Prozent.

„Auch, wenn sich die wirtschaftliche Lage mit jeder Lockerung der Corona-bedingten Maßnahmen mehr und mehr aufklärt, ist der Blick auf die Arbeitsmarktdaten noch getrübt“, kommentiert Rainer Imkamp, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Brühl die aktuellen Daten. Im Mai ist die Arbeitslosigkeit um weitere 5,6 Prozent gestiegen, das sind über 1.000 Arbeitslose mehr im Rhein-Erft-Kreis. Beruhigend ist, dass die Zahl neu gemeldeter Arbeitsstellen gegenüber dem April wieder zugelegt hat. Insgesamt wurden 531 neue Stelle aus dem Rhein-Erft-Kreis gemeldet. Das waren 171 oder 47,5 Prozent mehr als im letzten Monat.

„Die Zahl der Anzeigen und die voraussichtlich davon betroffenen Beschäftigten befindet sich noch auf Rekordniveau. Kurzarbeit bietet Unternehmen die Möglichkeit, Beschäftigte in Zeiten konjunktureller Engpässe zu halten und Krisenzeiten zu überbrücken. Sie vermeidet Arbeitslosigkeit, sichert Arbeitsplätze und hält gut qualifizierte Beschäftigte im Unternehmen: Ein Vorteil, der sich auszahlt, wenn die Geschäfte wieder voll aufgenommen werden können.“, so Imkamp. Eine durchaus lohnende Alternative wäre laut des Arbeitsmarktexperten, die Mitarbeiter zu qualifizieren anstatt sie in Kurzarbeit zu schicken. Imkamp verweist hier auf Möglichkeiten des neu geschaffenen Instrumentes der Teilqualifizierung. Hierbei sei eine Erstattung von bis zu 80 Prozent der Lohnkosten sowie Übernahme der Qualifizierungskosten möglich.

 Die Bearbeitung der Kurzarbeiteranträge hat für die Arbeitsagentur aber weiterhin höchste Priorität. „Aktuell halten wir unsere Dienstleistungen, wie die Arbeitsvermittlung, Arbeitgeberberatung und Berufsberatung, in der Agentur für Arbeit digital und telefonisch aufrecht. Mit dem schrittweisen Erwachen der Wirtschaft steigt aber auch die Zuversicht, dass die große Inanspruchnahme von Kurzarbeit abflacht und arbeitslos gewordene Menschen wieder eine Beschäftigung aufnehmen können. Vor diesem Hintergrund ist es nun an der Zeit, auch unser operatives Integrations-Geschäft wieder hochzufahren, um Menschen und Arbeit zueinander zu bringen. Ab Juni wollen wir deshalb den terminierten persönlichen Kontakt wieder möglich machen. Dafür haben wir schon entsprechende Pläne ausgearbeitet. Hierbei steht der Gesundheitsschutz für unsere Kundinnen und Kunden und unsere Mitarbeitenden an erster Stelle all unserer Planungen. Deshalb wird es nach jetzigem Stand zunächst keinen ungesteuerten Kundenzugang in unsere Häuser geben. Die schnelle und zuverlässige Leistungsgewährung werden wir weiterhin sicherstellen. Ich bin davon überzeugt, dass die Dienstleistungen der Agenturen für Arbeit zukünftig anders aussehen wird als wir sie vor der Corona-Zeit kannten. Zugangswege über Telefon und der Onlinezugang werden – soweit wir das heute absehen können – weiterhin wichtig bleiben.“

Kurzarbeitergeld

Für den April legte die Statistik nun die endgültigen Daten zu den Anzeigen und betroffenen Personen vor. Danach zeigten im April insgesamt 3.274 Unternehmen aus dem Rhein-Erft-Kreis Kurzarbeit an. Im April 2019 waren dies insgesamt 4 Betriebe (für 48 darin aufgeführte Personen). In den Anzeigen wurden der Arbeitsagentur für April 2020 insgesamt 33.354 Personen genannt.

Für den Mai erfasste die Statistik vorläufige Zahlen für den Zeitraum 01. Mai bis 27. Mai 2020. Demzufolge zeigten im Mai insgesamt 427 Unternehmen Kurzarbeit an. In den Anzeigen wurden für Mai voraussichtlich insgesamt 4.817 Personen genannt. Seit März wurden insgesamt von 4.215 Betrieben für 44.255 darin aufgeführte Personen Kurzarbeit angezeigt. Im gleichen Zeitraum des letzten Jahres wurde von sieben Betrieben für 62 Personen angezeigt. Zur realisierten Kurzarbeit liegen aus verfahrenstechnischen Gründen* derzeit nur die Daten mit Stand November 2019 vor, da eine fünfmonatige Wartezeit zur statistischen Erhebung abgewartet wird.

*Die Betriebe müssen vor Beginn von Kurzarbeit eine schriftliche Anzeige bei der zuständigen Agentur für Arbeit (Betriebssitz) erstatten; dies hat spätestens bis zum Ende des Monats zu erfolgen, für den erstmalig Leistungen bezogen werden sollen. Für Saison-Kurzarbeit gibt es keine Anzeigepflicht mehr. Anzeigen sind nur noch für konjunkturelle Kurzarbeit (§ 96 SGB III) sowie für Transferkurzarbeit (§ 111 SGB III) abzugeben.

Nach Bewilligung der Anzeige durch die Agentur für Arbeit kann der Betrieb für jeden Kalendermonat, in dem Kurzarbeit stattfand, einen Antrag auf Kurzarbeitergeld stellen; dies hat innerhalb einer Ausschlussfrist von drei Kalendermonaten zu erfolgen. Die für die Zahlung notwendigen Angaben werden in einer Abrechnungsliste vermerkt, die durch die Agentur für Arbeit anschließend dahingehend geprüft wird, ob ein Leistungsanspruch besteht, bewilligt und ausgezahlt werden kann .

Unterbeschäftigung

Insgesamt konnten 21.964 Menschen aus dem Rhein-Erft-Kreis zum Zähltag im Mai keiner regulären Beschäftigung nachgehen (sogenannte Unterbeschäftigung*). Damit lag die Zahl der Menschen ohne Beschäftigung mit 768 oder 3,6 Prozent über dem Wert des Vormonats und um 3.658 oder +20,0 Prozent über dem des Vorjahresmonats. Der Entlastungseffekt durch arbeitsmarktpolitische Aktivitäten ist weiterhin beachtlich. Ohne die Entlastung hätte die Arbeitslosenquote im Rhein-Erft-Kreis im Mai bei 8,4 anstatt bei 7,4 Prozent gelegen.

*) Der Begriff der Unterbeschäftigung erweitert den Begriff der Arbeitslosigkeit und bildet das Defizit an regulärer Beschäftigung umfassender ab. Zusätzlich zu den registrierten Arbeitslosen zählt die Statistik der Bundesagentur für Arbeit zur Unterbeschäftigung die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in bestimmten arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen (z.B. Berufliche Weiterbildung, Arbeitsgelegenheiten oder in Aktivierungs- und berufliche Eingliederung) sowie Personen in bestimmten rechtlichen Sonderstatus (z.B. Vorruhestandsähnliche Regelungen, Arbeitsunfähigkeit). Würden diese Personen nicht an der jeweiligen Maßnahme teilnehmen oder unter den jeweiligen Sonderstatus fallen, läge die Arbeitslosigkeit entsprechend höher. Die ausgewiesenen Daten zur Unterbeschäftigung sind vorläufig und hochgerechnet.

Arbeitslosigkeit nach Rechtskreisen

In der Arbeitslosenversicherung (SGB III) wurden im Vergleich zum Vormonat insgesamt 596 oder 8,7 Prozent mehr Arbeitslose aus dem Rhein-Erft-Kreis gezählt. Insgesamt betreut die Brühler Arbeitsagentur damit aktuell 7.479 Kunden aus dem Rhein-Erft-Kreis. Im Vergleich zum Vorjahr wurden 2.604 oder +53,4 Prozent mehr Arbeitslose verzeichnet.

Die Zahl der vom Jobcenter Rhein-Erft (gemeinsame Einrichtung des Rhein-Erft-Kreises und der Arbeitsagentur) betreuten Arbeitslosen in der Grundsicherung (SGB II) ist im Mai um 406 oder 3,7 Prozent gestiegen. Aktuell sind 11.298 Frauen und Männer beim Jobcenter Rhein-Erft arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl um 2.532 oder +28,9 Prozent gestiegen.

Arbeitslosenquote

Die Arbeitslosenquote auf Basis aller zivilen Erwerbspersonen steigt um 0,4 Prozentpunkte auf 7,3 Prozent. Im Mai 2019 betrug die Arbeitslosenquote im Rhein-Erft-Kreis noch 5,3 Prozent.

Arbeitslosmeldungen und Arbeitsaufnahmen

Im Mai meldeten sich 2.798 Männer und Frauen arbeitslos, 1.294 oder 31,6 Prozent weniger als im Vormonat und 201 oder 6,7 Prozent weniger als im gleichen Monat des Vorjahres. Die Zahl der Personen, die sich unmittelbar nach Verlust ihres Arbeitsplatzes arbeitslos meldeten, betrug im aktuellen Monat 1.450, das sind 602 oder 29,3 Prozent weniger als im Vormonat (zum Vorjahr: +384 oder +36,0 Prozent). Bis zum Zähltag im Mai meldeten sich insgesamt 581 Personen nach einer Ausbildung oder sonstigen Maßnahme arbeitslos. Im Vergleich zum Vormonat wurden hier 216 oder 27,1 Prozent weniger gezählt (zum Vorjahr: -217 oder -27,2 Prozent).

Den im Mai arbeitslos gewordenen Menschen standen im gleichen Zeitraum 1.783 Männer und Frauen gegenüber, die ihre Arbeitslosigkeit beenden konnten, 365 oder 17,0 Prozent weniger als im letzten Monat und 1.438 oder -44,6 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. 617 Personen und damit 210 oder 25,4 Prozent weniger als im letzten Monat (-367 oder -37,3 Prozent zum Vorjahresmonat) nahmen eine abhängige Beschäftigung auf. Insgesamt 289 Menschen (-120 oder -29,3 Prozent zum Vormonat; -669 oder -69,8 Prozent zum Vorjahresmonat) begannen eine Ausbildung oder sonstige Maßnahme.

Veränderung der Arbeitslosigkeit nach Personengruppen

Junge Arbeitslose unter 25 Jahren

Die Arbeitslosigkeit in der Altersgruppe der 15 bis unter 25 Jahre jungen Menschen stieg auf 1.829. Davon entfielen 827 auf die Arbeitslosenversicherung (SGB III) und 1.002 auf die Grundsicherung (SGB II). Das waren 155 oder 9,3 Prozent mehr als im Vormonat (Veränderung SGB III zum Vormonat: +82 oder +11,0 Prozent, SGB II: +73 oder +7,9 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahresmonat ist die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen unter 25 Jahren um 773 oder +73,2 Prozent gestiegen (Veränderung SGB III zum Vorjahresmonat: +409 oder +97,8 Prozent, SGB II: +364 oder +57,1 Prozent).

Langzeitarbeitslose

Insgesamt 6.241 (davon SGB III: 727, SGB II: 5.514) Menschen waren länger als zwölf Monate ohne Beschäftigung; +146 oder +2,4 Prozent zum Vormonat (davon SGB III: +12 oder +1,7 Prozent, SGB II: +134 oder +2,5 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahresmonat wurden 599 oder 10,6 Prozent (SGB III: +46 oder +6,8 Prozent, SGB II: +553 oder +11,1 Prozent) mehr Langzeitarbeitslose gezählt.

Ältere Arbeitslose

Insgesamt 6.079 (davon SGB III: 2.804, SGB II: 3.275) ältere Menschen über 50 Jahre waren im Mai im Rhein-Erft-Kreis arbeitslos gemeldet. Die Betroffenheit stieg gegenüber dem Vormonat um 155 oder 2,6 Prozent (SGB III: +142 oder +5,3 Prozent, SGB II: +13 oder +0,4 Prozent). Das sind 1.278 oder 26,6 Prozent ältere Männer und Frauen mehr als im letzten Jahr (SGB III: +652 oder +30,3 Prozent, SGB II: +626 oder +23,6 Prozent).

Stellenangebote

Arbeitgeber meldeten im Mai 531 neue Arbeitsstellen, das waren 171 oder 47,5 Prozent mehr als im letzten Monat aber 85 oder 13,8 Prozent weniger als vor einem Jahr. Derzeit hat die Agentur für Arbeit Brühl 3.639 Arbeitsstellen aus dem Rhein-Erft-Kreis im Bestand, gegenüber dem letzten Monat ist dies ein Minus von 48 oder 1,3 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat gab es 699 Stellen weniger (-16,1 Prozent).

Aktive Arbeitsmarktpolitik

795 Menschen bereiteten sich durch die Teilnahme an einer beruflichen Weiterbildung auf eine Beschäftigung im ersten Arbeitsmarkt vor, -15 oder -1,9 Prozent zum Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren dies -116 oder -12,7 Prozent. 617 Menschen nahmen an Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung teil (-116 oder -15,8 Prozent zum Vormonat, -831 oder -57,4 Prozent zum Vorjahresmonat), 325 Menschen wurden in ihrer Aufnahme einer Erwerbstätigkeit gefördert (-45 oder -12,2 Prozent gegenüber Vormonat und -149 oder -31,4 Prozent zum Vorjahresmonat).