31.03.2021 | Presseinfo Nr. 77

Der Ausbildungsmarkt im Rhein-Erft-Kreis

• Weniger gemeldete Bewerber
1.575 gemeldete Bewerber für Berufsausbildungsstellen (-241 oder -13,3 Prozent gegenüber Vorjahr)

• Zahl der gemeldeten Stellen gesunken
1.334 gemeldete Berufsausbildungsstellen (-557 oder -29,5 Prozent gegenüber Vorjahr)

• 853 Bewerber stehen dem Ausbildungsmarkt noch zur Verfügung 
Schulische Qualifikation der Bewerberinnen und Bewerber kann sich sehen lassen  

• 878 Ausbildungsstellen im Rhein-Erft-Kreis noch unbesetzt
                                                          

Pünktlich zur Halbzeit auf dem Ausbildungsmarkt stellt Rainer Imkamp, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Brühl, gemeinsam mit Johannes Juszczak der Industrie- und Handelskammer Köln, Roberto Lepore der Handwerkskammer Köln sowie Peter Ropertz der Kreishandwer-kerschaft Rhein-Erft, die ersten Daten zum Ausbildungsmarkt 2021 vor. In diesem Jahr erstmals virtuell, aber dennoch mit Beteiligung eines Unter-nehmens aus dem Rhein-Erft-Kreis. In diesem Jahr die Metalldrückerei Schmitt GmbH & Co. KG aus Hürth, in der trotz Corona ausgebildet wird.

Die Zahl der Bewerber und Bewerberinnen am Ausbildungsmarkt geht ebenso wie die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen aktuell zurück.  Von Oktober 2020 bis März 2021 meldeten sich 1.575 Bewerberinnen und Bewerber aus dem Rhein-Erft-Kreis für eine Ausbildungsstelle bei der Arbeitsagentur Brühl. Das sind 241 weniger als im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig wurden bisher 1.334 Ausbildungsstellen gemeldet, 557 weniger als vor einem Jahr.

„Der Ausbildungsmarkt ist im Frühjahr stark in Bewegung und es ist nicht ungewöhnlich, dass die Zahlen von Jahr zu Jahr schwanken. Aber auch in diesem Jahr erschwert vor allem die Corona Pandemie den Ausgleich am Ausbildungsmarkt. Der Lockdown schränkt die persönliche Beratung junger Menschen in den Arbeitsagenturen und Schulen stark ein. Schwierig ist für alle, besonders für diejenigen Jugendlichen, die besondere Unterstützung brauchen. Auf der anderen Seite können Betriebe aktuell leider weniger Praktika anbieten. Ich möchte deshalb an Arbeitgeber appellieren, trotz aller Herausforderungen bei der Ausbildung aktiv zu bleiben. Nach der Pandemie werden Sie sich wieder über fehlende Fachkräfte Gedanken machen. Sorgen Sie daher lieber jetzt für Ihren eigenen Fachkräftenachwuchs. Der demografische Wandel könnte sonst dazu führen, dass der Fachkräftemangel zur Krise nach der Krise wird.  Den Jugendlichen rate ich, sich bei uns zu melden, damit unsere Beratungsfachkräfte gezielt unterstützen können. Mit unserem digitalen Tool „Check U“ können sie vorab ihre Stärken und Interessen testen und anschließend einen Berufsberatungstermin – telefonisch oder per Videochat - vereinbaren.“, so Imkamp. Der Ausbildungsmarktexperte wirbt außerdem für die zahlreichen Online-Veranstaltungen, die die Berufsberatung der Arbeitsagentur für ihre jungen Kundinnen und Kunden anbietet. Unter www.arbeitsagentur.de/vor-ort/bruehl/virtuell könnten sich die Jugendlichen über das Angebot informieren und gleich anmelden.

Im März befanden sich noch 853 junge Menschen auf der Suche nach ei-ner Lehrstelle. Hier wurden im Vergleich zum Vorjahr 247 oder 22,5 Prozent weniger gezählt. 273 Jugendliche hatten im März bereits einen Ausbil-dungsplatz gefunden, das waren 48 weniger als vor einem Jahr. Die Zahl Derjenigen mit einer möglichen Alternative zu einer Ausbildung (z.B. weiterführende Schule, Studium, Freiwilligendienst, Auslandsjahr, Praktikum) lag im März bei 121 Personen. Insgesamt 101 oder 6,4 Prozent haben sich für die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit entschieden. 

Die Jugendlichen, die sich bisher bei der Arbeitsagentur gemeldet haben können gute Schulabschlüsse nachweisen und sind damit erstmal gerüstet für den Ausbildungsmarkt. 11,0 Prozent der Bewerberinnen und Bewerber haben die Allgemeine Hochschulreife, 16,8 Prozent die Fachhochschulrei-fe, 44,4 Prozent verfügen über einen Realschulabschluss und 21,2 Prozent stellen sich mit einem Hauptschulabschluss dem Ausbildungsmarkt zur Verfügung. „Besonders bemühen wir uns gemeinsam natürlich um die Jugendlichen, die bisher bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz noch leer ausgegangen sind, entweder durch die Pandemie oder aus anderen Grün-den. Um diese jungen Menschen wirklich zu erreichen, braucht es eine zielgruppengerechte Ansprache auch über Online-Kanäle. Zudem muss der ge-samte Baukasten der Förderung gezielt eingesetzt werden, um jungen Menschen Ausbildung zu ermöglichen, sie zu stabilisieren und pandemiebedingten Ausbildungsabbrüchen vorzubeugen. Hier kann der Start mit einer außerbetrieblichen Ausbildung eine sinnvolle Brücke in eine spätere betriebliche Ausbildung sein. Hierfür haben wir im Rhein-Erft-Kreis rund 95 Plätze eingekauft.“ Darüber hinaus böte die Arbeitsagentur zahlreiche weitere Unterstützungsmöglichkeiten, wie die Berufseinstiegsbegleitung, den individuellen Bewerberservice, die Assistierte Ausbildung oder die Ausbildungsbegleitenden Hilfen an. Mit den letztgenannten Angeboten kann die Arbeitsagentur Auszubildende unterstützen, deren Ausbildungsziel gefährdet ist. Durch individuelle Nachhilfe können in den Fächern, in denen Bedarf besteht, schnell die Wissenslücken geschlossen werden. Diese Angebote sind für Arbeitgeber und Auszubildende kostenlos.  

Zusätzlich wirbt Imkamp für das Ausbildungsprogramm NRW. In einer Zeit, in der der Ausbildungsmarkt von den Auswirkungen der Pandemie beein-flusst wird, sei dies ein wichtiger Beitrag zur Fachkräftesicherung. Denn hiermit verhelfe das Land rund 1.000 Jugendlichen, die sonst leer ausgegangen wären, zu einem regulären Ausbildungsplatz. Das ESF-geförderte Ausbildungsprogramm NRW solle Betriebe motivieren, zusätzliche Ausbil-dungsstellen einzurichten, um das bestehende Marktungleichgewicht ab-zumildern. Alle Ausbildungsmarktpartner rufen die Unternehmen auf, sich an dem Programm zu beteiligen und Jugendlichen eine Chance auf einen Einstieg ins Berufsleben zu bieten. 

Insgesamt sind im Rhein-Erft-Kreis derzeit noch 878 Ausbildungsstellen unbesetzt. Das waren 329 oder 27,3 Prozent mehr als im letzten Jahr. 

Die meisten noch offenen Ausbildungsstellen gab es im März in diesen Berufen:

   Kaufmann/-frau im Einzelhandel: 58 unbesetzte Ausbildungsstellen

   Chemikant/in: 50 unbesetzte Ausbildungsstellen

   Fachverkäufer/in-Lebensmittelhandwerk/Bäckerei: 41 unbesetzte Stellen

   Kaufmann/-frau – Büromanagement: 39 unbesetzte Ausbildungsstellen

   Fachkraft – Lagerlogistik: 38 unbesetzte Ausbildungsstellen

   Verkäufer/in: 36 unbesetzte Ausbildungsstellen

   Industriemechaniker/in: 34 unbesetzte Ausbildungsstellen

   Elektroniker- Automatisierungstechnik: 31 unbesetzte Ausbildungsstellen

   Handelsfachwirt/in (Ausbildung): 31 unbesetzte Ausbildungsstellen

   Elektroniker/in für Betriebstechnik: 28 unbesetzte Ausbildungsstellen

Berufswünsche der unversorgten BewerberInnen

   Kaufmann/-frau - Büromanagement (81 unversorgte Bewerber/innen)

   Kfz.mechatroniker - PKW-Technik (51 unversorgte Bewerber/innen)

   Chemikant/in (50 unversorgte Bewerber/innen)

   Kaufmann/-frau im Einzelhandel (42 unversorgte Bewerber/innen)

   Medizinische/r Fachangestellte/r (37 unversorgte Bewerber/innen)

   Verkäufer/in (33 unversorgte Bewerber/innen)

   Tischler/in (23 unversorgte Bewerber/innen)

   Fachinformatiker-Anwendungsentwicklung (21 unversorgte Bewerber/innen)

   Fachinformatiker/in - Systemintegration (18 unversorgte Bewerber/innen)

   Elektroniker/in- Energie-/Gebäudetechnik (17 unversorgte Bewerber/innen)

Kontakt zur Bundesagentur für Arbeit vor Ort – für Bewerber und Betriebe

Jugendliche, die noch eine Berufsausbildungsstelle suchen, sollten sich schnellstmöglich an die Berufsberatung der Agentur für Arbeit vor Ort wen-den. Ein Termin kann auch telefonisch unter der Service-Rufnummer 02251 797979 per E-Mail ( Bruehl.Zukunftklarmachen@arbeitsagentur.de ) oder direkt über das Internet unter www.arbeitsagentur.de/beratungswunsch vereinbart werden. 

Arbeitgeber, die noch Berufsausbildungsstellen melden möchten, wenden sich an den Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit vor Ort, unter der Ser-vicenummer: 0800 4 5555 20 (gebührenfrei vom Festnetz und vom Mobilte-lefon). Alle Informationen auf www.arbeitsagentur.de

IHK Köln appelliert an Jugendliche im Rhein-Erft-Kreis: Solide Chancen auf Ausbildung jetzt nutzen Halbzeitbilanz am Ausbildungsmarkt in IHK-Region Köln leidet unter dem Eindruck der Corona-Krise

Die Corona-Krise bringt den Ausbildungsmarkt von mehreren Seiten in die Bredouille: Die Pandemie hat die Angebotspalette der Ausbildungsberufe verändert, die Unternehmen suchen aber weiterhin Azubis. Gleichzeitig verunsichert die aktuelle Situation die junge Generation und verengt ihren Blick auf die Zukunftschancen einer dualen Berufsausbildung. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Zahlen der IHK Köln zum Ausbildungshalbjahr wider. Bislang wurden im Bezirk der IHK Köln 1.134 neue Ausbildungsverträge in den insgesamt fast 200 Berufen in Industrie, Handel und Dienstleistung vereinbart, 19,9 Prozent oder 282 Verträge weniger als zum Vorjahresstichtag. Das zeigen die aktuel-len Zahlen der IHK Köln zum Ausbildungshalbjahr. „Damit wächst das Risiko, dass uns nach dem En-de der Lockdown-Maßnahmen, wenn der Betrieb wieder hochgefahren werden kann, die Fachkräfte fehlen“, fürchtet Johannes Juszczak, Leiter Ausbildungsberatung der IHK Köln. Juszczak appelliert deshalb an Jugendliche und ihre Eltern, die vielfältigen digitalen Angebote zur Berufsorientierung wahrzunehmen und sich mit den Themen Ausbildung und Bewerbung zu beschäftigen. Denn: „Es gibt noch zahlreiche interessante freie Ausbildungsstellen. Bei vielen Betrieben kommen bislang keine oder fast keine Bewerbungen an.“

Rhein-Erft: 170 neue Ausbildungsverträge in Industrie-, Handels- und Dienstleistungsberufen verein-bart 

Von den bislang registrierten 1.134 neuen Ausbildungsverträgen für das Ausbildungsjahr 2021/2022 wurden 170 im Rhein-Erft-Kreis abgeschlossen, 70 Verträge oder 29,2 Prozent weniger gegenüber dem Vorjahresstichtag. Rückgänge gab es auch in der Stadt Köln (628 neue Ausbildungsverhältnisse nach 705 zum Vorjahresstichtag, minus 10,9 Prozent), im Oberbergischen Kreis (190 Verträge – mi-nus 70 Verträge oder minus 26,9 Prozent) und im Rheinisch-Bergischen Kreis (76 Ausbildungsverhält-nisse – minus 19 Verträge oder minus 20 Prozent). In Leverkusen sank die Zahl der neu vereinbarten Ausbildungsverhältnisse von 116 auf 70, das entspricht einem Minus von 39,7 Prozent. Insgesamt wa-ren im IHK-Bezirk kaufmännische Berufe (minus 170 Verträge) von dem Rückgang stärker betroffen als industriell-technische (minus 112 Verträge).

„Duale Ausbildung ist auch in der Pandemie gut machbar“

IHK-Bildungsexperte Johannes Juszczak warnt angesichts der Zahlen vor falschen Schlussfolgerun-gen: „Duale Ausbildung ist auch in der Pandemie gut machbar. Die Unternehmen halten, wenn es ir-gend möglich ist, an vorhandenen Ausbildungsangeboten fest. Auch bei bestehenden Ausbildungsver-trägen gibt es keine ‚Kündigungswelle‘.“ Das Angebot an neuen Ausbildungsplätzen sei nur in Bran-chen zurückgefahren worden, in denen der Wirtschaftsbetrieb aufgrund von Lockdown-Maßnahmen kaum oder gar nicht möglich ist. „Auf der anderen Seite gibt es Wirtschaftsbereiche, in denen reichlich attraktive Ausbildungsplätze zur Verfügung stehen, zum Beispiel in Transport, Logistik oder IT,“ so Juszczak.

Das bestätigte Anfang März auch eine Blitzumfrage der IHK Köln bei knapp 1.200 Ausbildungsbetrie-ben in Köln und der Region: Mehr als die Hälfte der Unternehmen bieten genauso viele Ausbildungs-plätze an wie vor der Pandemie. 

Fünf Prozent bilden mehr Azubis aus als vor der Corona-Krise. Zehn Prozent mussten ihr Angebot etwas verringern, bilden aber weiter aus. „Im Vergleich dazu fällt der Rückgang mit einem Anteil von acht Prozent bei Betrieben, die wegen der Pandemie aus der Ausbildung ausgestiegen sind, immer noch glimpflich aus.“ 

Das Problem: Viele Unternehmen – vor allem kleinere und mittelgroße – werden von angehenden Azubis einfach sehr viel weniger wahrgenommen. Sie gehen bei Bewerbungen häufig leer aus. Jo-hannes Juszczak: „Unser Rat an die Betriebe: Prüfen Sie, wie und ob Sie Praktika anbieten können, um Kontakt zu potenziellen Bewerbern zu bekommen.“ Zudem sollten auch KMU dafür sorgen, dass sie „im Netz mit einer kleinen ‚Karriereseite‘ sichtbar sind.“

Unternehmen und auch Schülerinnen und Schülern der Abschlussjahrgänge empfiehlt er außerdem, Kontakt mit der Ausbildungsstellenvermittlung der IHK Köln aufzunehmen (www.ihk-koeln.de/150). Sie ist zu erreichen per WhatsApp (0173 5487517), Mail (ausbildungsvermittlung@koeln.ihk.de) oder Tele-fon (0221 1640-6650). Unterstützung beim Azubi-Marketing bietet insbesondere für kleine und mittel-große Unternehmen das Projekt Ausbildung 4.0 (www.ausbildung40.koeln).

Beitrag der Handwerkskammer Köln zur Halbzeit auf dem Ausbildungsmarkt am 31.03.2021

Roberto Lepore, Abteilungsleiter Berufliche Orientierung | Karrierewerkstatt:

„Unser Blick ist nach vorne gerichtet, mit dem Finger am Puls der Zeit. Unser Ziel ist es nach wie vor, so viele junge Menschen wie möglich beruflich zu orientieren, für die vielfachen Facetten des Hand-werks zu begeistern sowie Wege einer sicheren Zukunftsgestaltung zu eröffnen, daran hat Corona nichts geändert. Dies gelingt uns aber nur mit der notwendigen Flexibilität, Offenheit und mit dem Mut was Neues auszuprobieren. Jetzt sind kreative Konzepte gefragt, um einerseits jungen Menschen den Weg in den Beruf zu ebnen und andererseits unseren Ausbildungsbetrieben den Rücken zu stärken. Unsere neue „Karrierewerkstatt“ sowie unsere innovativen Recruitingformate sind dafür sinnbildlich, damit unterstützen wir gleichermaßen Ausbildungsbetriebe sowie ausbildungswillige Jugendliche bei der passgenauen Zusammenführung von Angebot und Nachfrage. 

Vom 19.04. bis zum 21.05. bieten wir mit der „HWK-MATCHBOXX“ eine kostenlose und digitale Lö-sung der Azubiakquise an. Ab Juni planen wir mehrere Formate - auch in Präsenz - bei uns im Haus und in Zusammenarbeit mit den Kreishandwerkerschaften in der Region.

Gemeinsam müssen wir alles daransetzen, junge Menschen für das Handwerk zu gewinnen, um zu-künftig den Fachkräftebedarf zu sichern. Ausbildung lohnt sich – für Jugendliche wie Betriebe.“ 

Das Handwerk bietet krisen- und zukunftssichere Arbeitsplätze. Aktuell gibt es im Rhein-Erft-Kreis 244 offene Ausbildungsstellen. Die meisten als Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk (m/w/d) (139), Bäcker (m/w/d) (27) und Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (m/w/d) (11). Aber auch als Hörakustiker (m/w/d) (11), Augenoptiker (m/w/d) (10), Elektroniker (m/w/d) (8) oder Kraftfahrzeugmechatroniker (m/w/d) (8) ist derzeit ein Einstieg ins Handwerk problemlos möglich.

Pressesprecher der Agentur für Arbeit Brühl

Frau Nicole Cuvelier