30.07.2020 | Presseinfo Nr. 40

Der Arbeitsmarkt im Rhein-Erft-Kreis

Die Arbeitslosenzahlen stiegen im Juli weiter an. Insgesamt waren 19.394 Menschen arbeitslos, das waren 461 oder 2,4 Prozent mehr als im Vormonat. Der Bestand der Arbeitslosen lag mit einem Plus von 4.183 oder 27,5 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Die aktuelle Arbeitslosenquote stieg um 0,2 Prozentpunkte und beträgt im Juli 7,5 Prozent.

  • Ende Juli waren 19.394 Menschen aus den Rhein-Erft-Kreis arbeitslos. Das sind 461 oder 2,4 Prozent mehr als im Juni 2020.
  • Die Arbeitslosenquote im Rhein-Erft-Kreis lag bei 7,5 Prozent
  • 2.779 Zugänge in Arbeitslosigkeit Zum Vormonat 469 oder 20,3 Prozent mehr Zugänge in Arbeitslosigkeit. Davon erfolgten 1.327 Zugänge aus Erwerbstätigkeit (+210 oder +18,8 Prozent zum Vormonat)
  • 2.288 Menschen beendeten ihre Arbeitslosigkeit Plus 139 oder +6,5 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Davon begannen 835 Menschen eine Erwerbstätigkeit (-138 oder -14,2 Prozent zum Vormonat)
  • Zahl der neu gemeldeten Stellen gesunken Der Agentur für Arbeit wurden im Juli 608 Arbeitsstellen gemeldet, das sind 112 oder 22,6 Prozent mehr Stellen als im Vormonat aber 134 oder 18,1 Prozent weniger als im Juli 2019.
Gesamtentwicklung

Die Arbeitslosenzahlen stiegen im Juli weiter an. Insgesamt waren 19.394 Menschen arbeitslos, das waren 461 oder 2,4 Prozent mehr als im Vormonat. Der Bestand der Arbeitslosen lag mit einem Plus von 4.183 oder 27,5 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Die aktuelle Arbeitslosenquote stieg um 0,2 Prozentpunkte und beträgt im Juli 7,5 Prozent.

„Im Juli sind die Auswirkungen von COVID-19 nach wie vor deutlich zu spüren. Auch wenn ein Anstieg im Juli üblich ist, fallen die Zuwächse an Arbeitslosen in diesem Sommerloch etwas deutlicher aus. Den größten Anteil am Anstieg der Arbeitslosen ist bei den Jugendlichen zu beobachten“ , so Rainer Imkamp, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Brühl. Konkret sind in dieser Gruppe im Juli 1.952 Menschen arbeitslos gemeldet, das sind 136 oder 7,5 Prozent mehr als im Vormonat und 512 oder 35,6 Prozent mehr als im Vorjahr.
“Im Sommer enden viele Schul- und Ausbildungsverhältnisse und nicht immer werden die jungen Absolventen durch ihren Ausbildungsbetrieb übernommen, daher erhöht sich diese Zahl vorübergehend. Der Anstieg fiel – trotz der Corona-Pandemie – aber etwas geringer aus als üblich. Ein möglicher Grund dafür könnte beispielsweise eine Verschiebung von Prüfungsterminen bei den Auszubildenden sein “ , so Imkamp weiter.

Der Stellenmarkt im Rhein-Erft-Kreis hat sich im Juli auf niedrigem Niveau etwas stabilisiert. „Gemeldete Arbeitsstellen geben das Ausmaß der Nachfrage nach Arbeitskräften auf dem Arbeitsmarkt an, also denjenigen Kräftebedarf, der noch nicht befriedigt werden konnte. Bestand und Zugang von gemeldeten Arbeitsstellen sind im Vormonatsvergleich leicht gestiegen. Die Zugangsseite, welche die Einstellungsbereitschaft der Betriebe widerspiegelt, haben wir im Vergleich zum Vormonat einen Anstieg von 22,6 Prozent zu verzeichnen“ , so Imkamp. Seit Jahresbeginn wurden der Agentur für Arbeit Brühl fast 1.500 weniger neue Stellen gemeldet als im gleichen Zeitraum des letzten Jahres.

Normalerweise ist es gesetzlich vorgeschrieben, dass man sich persönlich bei der zuständigen Agentur für Arbeit arbeitslos melden muss, um den Anspruch auf Arbeitslosengeld geltend zu machen. In der Zeit der Pandemie kann dies ausnahmsweise auch telefonisch oder online geschehen. Die Identitätsprüfung muss aber in jedem Fall nachgeholt werden. Damit nicht alle Kunden dies mit einem Termin vor Ort machen müssen, bieten wir temporär bis 30.9. für die Betroffenen eine Online-Identifikationsmöglichkeit an. Damit kann die notwendige Identifikation ohne persönliches Erscheinen über Handy oder Tablet nachgeholt werden. Alle Kundinnen und Kunden, die das Verfahren nutzen können, bekommen ein Schreiben mit Barcode. Für die Online-Identifizierung brauchen die Kundinnen und Kunden drei Dinge: erstes ein App-fähiges Gerät mit Kamera (Smartphone, Tablet), zweitens eine stabile Internetverbindung und drittens ein gültiges Ausweisdokument (Personalausweis oder Reisepass) mit holographischem Merkmal. „Der Schutz der personenbezogenen Daten hat für uns höchste Priorität. In Kooperation mit unserem Partnerunternehmen garantieren wir eine sichere Verarbeitung der Personendaten. Das Angebot, am Selfie-Ident-Verfahren teilzunehmen, ist freiwillig. Sollten sich betroffene Kunden dagegen entscheiden, erhalten sie zu einem späteren Zeitpunkt einen Brief, sich auf herkömmlichem Weg persönlich in ihrer Agentur für Arbeit zu identifizieren“, erklärt Imkamp.

Kurzarbeitergeld
Für den Juni 2020 legte die Statistik nun die endgültigen Daten zu den Anzeigen und betroffenen Personen vor. Danach zeigten im Juni insgesamt 103 Unternehmen aus dem Rhein-Erft-Kreis Kurzarbeit an. Im Juni 2019 waren es weniger als drei (für weniger als drei darin aufgeführte Personen). In den Anzeigen wurden der Arbeitsagentur für Juni 2020 insgesamt 1.502 Personen genannt.
Für den Juli 2020 erfasste die Statistik vorläufige Zahlen für den Zeitraum 01. Juli bis 26. Juli 2020. Demzufolge zeigten im Juli insgesamt 65 Unternehmen Kurzarbeit an. In den Anzeigen wurden für Juli voraussichtlich insgesamt 926 Personen genannt. Seit April wurden insgesamt von 4.401 Betrieben für 46.917 darin aufgeführte Personen Kurzarbeit angezeigt. Im gleichen Zeitraum des letzten Jahres wurde von 14 Betrieben für 120 Personen angezeigt. Zur realisierten Kurzarbeit liegen aus verfahrenstechnischen Gründen* derzeit nur die Daten mit Stand Januar 2020 vor, da eine fünfmonatige Wartezeit zur statistischen Erhebung abgewartet wird.
*Die Betriebe müssen vor Beginn von Kurzarbeit eine schriftliche Anzeige bei der zuständigen Agentur für Arbeit (Betriebssitz) erstatten; dies hat spätestens bis zum Ende des Monats zu erfolgen, für den erstmalig Leistungen bezogen werden sollen. Für Saison-Kurzarbeit gibt es keine Anzeigepflicht mehr. Anzeigen sind nur noch für konjunkturelle Kurzarbeit (§ 96 SGB III) sowie für Transferkurzarbeit (§ 111 SGB III) abzugeben.
Nach Bewilligung der Anzeige durch die Agentur für Arbeit kann der Betrieb für jeden Kalendermonat, in dem Kurzarbeit stattfand, einen Antrag auf Kurzarbeitergeld stellen; dies hat innerhalb einer Ausschlussfrist von drei Kalendermonaten zu erfolgen. Die für die Zahlung notwendigen Angaben werden in einer Abrechnungsliste vermerkt, die durch die Agentur für Arbeit anschließend dahingehend geprüft wird, ob ein Leistungsanspruch besteht, bewilligt und ausgezahlt werden kann .

Unterbeschäftigung
Insgesamt konnten 22.432 Menschen aus dem Rhein-Erft-Kreis zum Zähltag im Juli keiner regulären Beschäftigung nachgehen (sogenannte Unterbeschäftigung*). Damit lag die Zahl der Menschen ohne Beschäftigung mit 361 oder 1,6 Prozent über dem Wert des Vormonats und um 3.028 oder +15,6 Prozent über dem des Vorjahresmonats. Der Entlastungseffekt durch arbeitsmarktpolitische Aktivitäten ist weiterhin beachtlich. Ohne die Entlastung hätte die Arbeitslosenquote im Rhein-Erft-Kreis im Juli bei 8,6 anstatt bei 7,5 Prozent gelegen.
*) Der Begriff der Unterbeschäftigung erweitert den Begriff der Arbeitslosigkeit und bildet das Defizit an regulärer Beschäftigung umfassender ab. Zusätzlich zu den registrierten Arbeitslosen zählt die Statistik der Bundesagentur für Arbeit zur Unterbeschäftigung die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in bestimmten arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen (z.B. Berufliche Weiterbildung, Arbeitsgelegenheiten oder in Aktivierungs- und berufliche Eingliederung) sowie Personen in bestimmten rechtlichen Sonderstatus (z.B. Vorruhestandsähnliche Regelungen, Arbeitsunfähigkeit). Würden diese Personen nicht an der jeweiligen Maßnahme teilnehmen oder unter den jeweiligen Sonderstatus fallen, läge die Arbeitslosigkeit entsprechend höher. Die ausgewiesenen Daten zur Unterbeschäftigung sind vorläufig und hochgerechnet.

Arbeitslosigkeit nach Rechtskreisen
In der Arbeitslosenversicherung (SGB III) wurden im Vergleich zum Vormonat insgesamt 542 oder 7,2 Prozent mehr Arbeitslose aus dem Rhein-Erft-Kreis gezählt. Insgesamt betreut die Brühler Arbeitsagentur damit aktuell 8.096 Kunden aus dem Rhein-Erft-Kreis. Im Vergleich zum Vorjahr wurden 2.862 oder +54,7 Prozent mehr Arbeitslose verzeichnet. Die Zahl der vom Jobcenter Rhein-Erft (gemeinsame Einrichtung des Rhein-Erft-Kreises und der Arbeitsagentur) betreuten Arbeitslosen in der Grundsicherung (SGB II) ist im Juli um 81 oder 0,7 Prozent gesunken. Aktuell sind 11.298 Frauen und Männer beim Jobcenter Rhein-Erft arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl um 1.321 oder +13,2 Prozent gestiegen.

Arbeitslosenquote
Die Arbeitslosenquote auf Basis aller zivilen Erwerbspersonen stieg im Juli um 0,2 Prozentpunkte und beträgt somit 7,5 Prozent. Im Juli 2019 betrug die Arbeitslosenquote im Rhein-Erft-Kreis noch 5,9 Prozent.

Arbeitslosmeldungen und Arbeitsaufnahmen
Im Juli meldeten sich 2.779 Männer und Frauen arbeitslos, 469 oder 20,3 Prozent mehr als im Vormonat und 569 oder 17,0 Prozent weniger als im gleichen Monat des Vorjahres. Die Zahl der Personen, die sich unmittelbar nach Verlust ihres Arbeitsplatzes arbeitslos meldeten, betrug im aktuellen Monat 1.327, das sind 210 oder 18,8 Prozent weniger als im Vormonat (zum Vorjahr: +175 oder +15,2 Prozent). Bis zum Zähltag im Juli meldeten sich insgesamt 726 Personen nach einer Ausbildung oder sonstigen Maßnahme arbeitslos. Im Vergleich zum Vormonat wurden hier 211 oder 41,0 Prozent mehr gezählt (zum Vorjahr: -389 oder -34,9 Prozent).
Den im Juli arbeitslos gewordenen Menschen standen im gleichen Zeitraum 2.288 Männer und Frauen gegenüber, die ihre Arbeitslosigkeit beenden konnten, 139 oder 6,5 Prozent mehr als im letzten Monat aber 711 oder -23,7 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. 835 Personen und damit 138 oder 14,2 Prozent weniger als im letzten Monat (-74 oder -8,1 Prozent zum Vorjahresmonat) nahmen eine abhängige Beschäftigung auf. Insgesamt 593 Menschen (+187 oder +46,1 Prozent zum Vormonat; -137 oder -18,8 Prozent zum Vorjahresmonat) begannen eine Ausbildung oder sonstige Maßnahme.

Veränderung der Arbeitslosigkeit nach Personengruppen

Junge Arbeitslose unter 25 Jahren
Die Arbeitslosigkeit in der Altersgruppe der 15 bis unter 25 Jahre jungen Menschen stieg auf 1.952. Davon entfielen 958 auf die Arbeitslosenversicherung (SGB III) und 994 auf die Grundsicherung (SGB II). Das waren 136 oder 7,5 Prozent mehr als im Vormonat (Veränderung SGB III zum Vormonat: +126 oder +15,1 Prozent, SGB II: +10 oder +1,0 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahresmonat ist die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen unter 25 Jahren um 512 oder +35,6 Prozent gestiegen (Veränderung SGB III zum Vorjahresmonat: +306 oder +46,9 Prozent, SGB II: +206 oder +26,1 Prozent).

Langzeitarbeitslose
Insgesamt 6.597 (davon SGB III: 918, SGB II: 5.679) Menschen waren länger als zwölf Monate ohne Beschäftigung; +205 oder +3,2 Prozent zum Vormonat (davon SGB III: +134 oder +17,1 Prozent, SGB II: +71 oder +1,3 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahresmonat wurden 766 oder 13,1 Prozent (SGB III: +255 oder +38,5 Prozent, SGB II: +511 oder +9,9 Prozent) mehr Langzeitarbeitslose gezählt.

Ältere Arbeitslose
Insgesamt 6.237 (davon SGB III: 2.940, SGB II: 3.297) ältere Menschen über 50 Jahre waren im Juli im Rhein-Erft-Kreis arbeitslos gemeldet. Die Betroffenheit stieg gegenüber dem Vormonat um 142 oder 2,3 Prozent (SGB III: +148 oder +5,3 Prozent, SGB II: -6 oder -0,2 Prozent). Das sind 1.127 oder 22,1 Prozent ältere Männer und Frauen mehr als im letzten Jahr (SGB III: +774 oder +35,7 Prozent, SGB II: +353 oder +12,0 Prozent).

Stellenangebote
Arbeitgeber meldeten im Juli 608 neue Arbeitsstellen, das waren 112 oder 22,6 Prozent mehr als im letzten Monat aber 134 oder 18,1 Prozent weniger als vor einem Jahr. Derzeit hat die Agentur für Arbeit Brühl 3.623 Arbeitsstellen aus dem Rhein-Erft-Kreis im Bestand, gegenüber dem letzten Monat ist dies ein Plus von 31 oder 0,9 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat gab es 674 Stellen weniger (-15,7 Prozent).

Aktive Arbeitsmarktpolitik
773 Menschen bereiteten sich durch die Teilnahme an einer beruflichen Weiterbildung auf eine Beschäftigung im ersten Arbeitsmarkt vor, -34 oder -4,2 Prozent zum Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren dies -57 oder -6,9 Prozent. 682 Menschen nahmen an Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung teil (+52 oder +8,3 Prozent zum Vormonat, -366 oder -34,9 Prozent zum Vorjahresmonat), 275 Menschen wurden in ihrer Aufnahme einer Erwerbstätigkeit gefördert (-43 oder -13,5 Prozent gegenüber Vormonat und -174 oder -38,8 Prozent zum Vorjahresmonat).