30.07.2020 | Presseinfo Nr. 41

Der Arbeitsmarkt im Kreis Euskirchen

Die Arbeitslosenzahlen stiegen im Juli weiter an. Insgesamt waren 6.542 Menschen arbeitslos, das waren 159 oder 2,5 Prozent mehr als im Vormonat. Der Bestand der Arbeitslosen lag mit einem Plus von 1.268 oder 24,0 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Die aktuelle Arbeitslosenquote stieg um 0,2 Prozentpunkte und beträgt im Juli 6,2 Prozent.
 

  • Arbeitslosenzahlen erwartungsgemäß weiter gestiegen.
  • Ende Juli waren 6.542 Menschen aus den Kreis Euskirchen arbeitslos. Das sind 159 oder 2,5 Prozent mehr als im Juni 2020.
  • Die Arbeitslosenquote im Kreis Euskirchen lag bei 6,2 Prozent
  • 1.060 Zugänge in Arbeitslosigkeit. Zum Vormonat 260 oder 32,5 Prozent mehr Zugänge in Arbeitslosigkeit. Davon erfolgten 483 Zugänge aus Erwerbstätigkeit (+102 oder +26,8 Prozent zum Vormonat)
  • 900 Menschen beendeten ihre Arbeitslosigkeit. Plus 83 oder +10,2 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Davon begannen 366 Menschen eine Erwerbstätigkeit (-41 oder -10,1 Prozent zum Vormonat)
  • Zahl der neu gemeldeten Stellen gesunken. Der Agentur für Arbeit wurden im Juli 353 Arbeitsstellen im Kreis Euskirchen gemeldet, das sind 148 oder 72,2 Prozent mehr Stellen als im Vormonat aber 10 oder 2,8 Prozent weniger als im Juli 2019.

Gesamtentwicklung

Die Arbeitslosenzahlen stiegen im Juli weiter an. Insgesamt waren 6.542 Menschen arbeitslos, das waren 159 oder 2,5 Prozent mehr als im Vormonat. Der Bestand der Arbeitslosen lag mit einem Plus von 1.268 oder 24,0 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Die aktuelle Arbeitslosenquote stieg um 0,2 Prozentpunkte und beträgt im Juli 6,2 Prozent.

„Im Juli sind die Auswirkungen von COVID-19 nach wie vor deutlich zu spüren. Auch wenn ein Anstieg im Juli üblich ist, fallen die Zuwächse an Arbeitslosen in diesem Sommerloch etwas deutlicher aus. Den größten Anteil am Anstieg der Arbeitslosen ist bei den Jugendlichen zu beobachten“, so Rainer Imkamp, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Brühl. Konkret sind in dieser Gruppe im Juli 702 Menschen arbeitslos gemeldet, das sind 39 oder 5,9 Prozent mehr als im Vormonat und 146 oder 26,3 Prozent mehr als im Vorjahr.
“Im Sommer enden viele Schul- und Ausbildungsverhältnisse und nicht immer werden die jungen Absolventen durch ihren Ausbildungsbetrieb übernommen, daher erhöht sich diese Zahl vorübergehend. Der Anstieg fiel – trotz der Corona-Pandemie – aber etwas geringer aus als üblich. Ein möglicher Grund dafür könnte beispielsweise eine Verschiebung von Prüfungsterminen bei den Auszubildenden sein “, so Imkamp weiter.

Der Stellenmarkt im Kreis Euskirchen hat sich im Juli auf niedrigem Niveau etwas stabilisiert. „Gemeldete Arbeitsstellen geben das Ausmaß der Nachfrage nach Arbeitskräften auf dem Arbeitsmarkt an, also denjenigen Kräftebedarf, der noch nicht befriedigt werden konnte. Bestand und Zugang von gemeldeten Arbeitsstellen sind im Vormonatsvergleich gestiegen. Die Zugangsseite, welche die Einstellungsbereitschaft der Betriebe widerspiegelt, haben wir im Vergleich zum Vormonat einen Anstieg von 72,2 Prozent zu verzeichnen“, so Imkamp. Seit Jahresbeginn wurden der Agentur für Arbeit Brühl aber fast 643 weniger neue Stellen aus dem Kreis Euskirchen gemeldet als im gleichen Zeitraum des letzten Jahres.

Normalerweise ist es gesetzlich vorgeschrieben, dass man sich persönlich bei der zuständigen Agentur für Arbeit arbeitslos melden muss, um den Anspruch auf Arbeitslosengeld geltend zu machen. In der Zeit der Pandemie kann dies ausnahmsweise auch telefonisch oder online geschehen. Die Identitätsprüfung muss aber in jedem Fall nachgeholt werden. Damit nicht alle Kunden dies mit einem Termin vor Ort machen müssen, bieten wir temporär bis 30.9. für die Betroffenen eine Online-Identifikationsmöglichkeit an. Damit kann die notwendige Identifikation ohne persönliches Erscheinen über Handy oder Tablet nachgeholt werden. Alle Kundinnen und Kunden, die das Verfahren nutzen können, bekommen ein Schreiben mit Barcode. Für die Online-Identifizierung brauchen die Kundinnen und Kunden drei Dinge: erstes ein App-fähiges Gerät mit Kamera (Smartphone, Tablet), zweitens eine stabile Internetverbindung und drittens ein gültiges Ausweisdokument (Personalausweis oder Reisepass) mit holographischem Merkmal. „Der Schutz der personenbezogenen Daten hat für uns höchste Priorität. In Kooperation mit unserem Partnerunternehmen garantieren wir eine sichere Verarbeitung der Personendaten. Das Angebot, am Selfie-Ident-Verfahren teilzunehmen, ist freiwillig. Sollten sich betroffene Kunden dagegen entscheiden, erhalten sie zu einem späteren Zeitpunkt einen Brief, sich auf herkömmlichem Weg persönlich in ihrer Agentur für Arbeit zu identifizieren“, erklärt Imkamp.

Kurzarbeitergeld
Für den Juni 2020 legte die Statistik nun die endgültigen Daten zu den Anzeigen und betroffenen Personen vor. Danach zeigten im Juni insgesamt 35 Unternehmen aus dem Kreis Euskirchen Kurzarbeit an. Im Juni 2019 waren es weniger als drei (für weniger als drei darin aufgeführte Personen). In den Anzeigen wurden der Arbeitsagentur für Juni 2020 insgesamt 398 Personen genannt.
Für den Juli 2020 erfasste die Statistik vorläufige Zahlen für den Zeitraum 01. Juli bis 26. Juli 2020. Demzufolge zeigten im Juli insgesamt 28 Unternehmen Kurzarbeit an. In den Anzeigen wurden für Juli voraussichtlich insgesamt 225 Personen genannt. Seit April wurden insgesamt von 1.752 Betrieben für 18.576 darin aufgeführte Personen Kurzarbeit angezeigt. Im gleichen Zeitraum des letzten Jahres wurde von acht Betrieben für 92 Personen angezeigt. Zur realisierten Kurzarbeit liegen aus verfahrenstechnischen Gründen* derzeit nur die Daten mit Stand Januar 2020 vor, da eine fünfmonatige Wartezeit zur statistischen Erhebung abgewartet wird.
*Die Betriebe müssen vor Beginn von Kurzarbeit eine schriftliche Anzeige bei der zuständigen Agentur für Arbeit (Betriebssitz) erstatten; dies hat spätestens bis zum Ende des Monats zu erfolgen, für den erstmalig Leistungen bezogen werden sollen. Für Saison-Kurzarbeit gibt es keine Anzeigepflicht mehr. Anzeigen sind nur noch für konjunkturelle Kurzarbeit (§ 96 SGB III) sowie für Transferkurzarbeit (§ 111 SGB III) abzugeben.
Nach Bewilligung der Anzeige durch die Agentur für Arbeit kann der Betrieb für jeden Kalendermonat, in dem Kurzarbeit stattfand, einen Antrag auf Kurzarbeitergeld stellen; dies hat innerhalb einer Ausschlussfrist von drei Kalendermonaten zu erfolgen. Die für die Zahlung notwendigen Angaben werden in einer Abrechnungsliste vermerkt, die durch die Agentur für Arbeit anschließend dahingehend geprüft wird, ob ein Leistungsanspruch besteht, bewilligt und ausgezahlt werden kann. 

Unterbeschäftigung
Insgesamt konnten 7.663 Menschen aus dem Kreis Euskirchen zum Zähltag im Juli keiner regulären Beschäftigung nachgehen (sogenannte Unterbeschäftigung*). Damit lag die Zahl der Menschen ohne Beschäftigung mit 104 oder 1,4 Prozent über dem Wert des Vormonats und um 879 oder +13,0 Prozent über dem des Vorjahresmonats. Der Entlastungseffekt durch arbeitsmarktpolitische Aktivitäten ist weiterhin beachtlich. Ohne die Entlastung hätte die Arbeitslosenquote im Kreis Euskirchen im Juli bei 7,2 anstatt bei 6,2 Prozent gelegen.
*) Der Begriff der Unterbeschäftigung erweitert den Begriff der Arbeitslosigkeit und bildet das Defizit an regulärer Beschäftigung umfassender ab. Zusätzlich zu den registrierten Arbeitslosen zählt die Statistik der Bundesagentur für Arbeit zur Unterbeschäftigung die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in bestimmten arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen (z.B. Berufliche Weiterbildung, Arbeitsgelegenheiten oder in Aktivierungs- und berufliche Eingliederung) sowie Personen in bestimmten rechtlichen Sonderstatus (z.B. Vorruhestandsähnliche Regelungen, Arbeitsunfähigkeit). Würden diese Personen nicht an der jeweiligen Maßnahme teilnehmen oder unter den jeweiligen Sonderstatus fallen, läge die Arbeitslosigkeit entsprechend höher. Die ausgewiesenen Daten zur Unterbeschäftigung sind vorläufig und hochgerechnet.

Arbeitslosigkeit nach Rechtskreisen
In der Arbeitslosenversicherung (SGB III) wurden im Vergleich zum Vormonat insgesamt 123 oder 4,3 Prozent mehr Arbeitslose aus dem Kreis Euskirchen gezählt. Insgesamt betreut die Brühler Arbeitsagentur damit aktuell 3.015 Kunden aus dem Kreis Euskirchen. Im Vergleich zum Vorjahr wurden 932 oder +44,7 Prozent mehr Arbeitslose verzeichnet.

Die Zahl der vom Jobcenter EU-aktiv (gemeinsame Einrichtung des Kreises Euskirchen und der Arbeitsagentur) betreuten Arbeitslosen in der Grundsicherung (SGB II) ist im Juli um 36 oder 1,0 Prozent gestiegen. Aktuell sind 3.527 Frauen und Männer beim Jobcenter EU-aktiv arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl um 336 oder +10,5 Prozent gestiegen.

Arbeitslosenquote
Die Arbeitslosenquote auf Basis aller zivilen Erwerbspersonen stieg im Juli um 0,2 Prozentpunkte und beträgt somit 6,2 Prozent. Im Juli 2019 betrug die Arbeitslosenquote im Kreis Euskirchen noch 4,9 Prozent.

Arbeitslosmeldungen und Arbeitsaufnahmen
Im Juli meldeten sich 1.060 Männer und Frauen arbeitslos, 260 oder 32,5 Prozent mehr als im Vormonat und 86 oder 7,5 Prozent weniger als im gleichen Monat des Vorjahres. Die Zahl der Personen, die sich unmittelbar nach Verlust ihres Arbeitsplatzes arbeitslos meldeten, betrug im aktuellen Monat 483, das sind 102 oder 26,8 Prozent mehr als im Vormonat (zum Vorjahr: +86 oder +21,7 Prozent). Bis zum Zähltag im Juli meldeten sich insgesamt 310 Personen nach einer Ausbildung oder sonstigen Maßnahme arbeitslos. Im Vergleich zum Vormonat wurden hier 139 oder 81,3 Prozent mehr gezählt (zum Vorjahr: -110 oder -26,2 Prozent).

Den im Juli arbeitslos gewordenen Menschen standen im gleichen Zeitraum 900 Männer und Frauen gegenüber, die ihre Arbeitslosigkeit beenden konnten, 83 oder 10,2 Prozent mehr als im letzten Monat aber 164 oder -15,4 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. 366 Personen und damit 41 oder 10,1 Prozent weniger als im letzten Monat (+22 oder +6,4 Prozent zum Vorjahresmonat) nahmen eine abhängige Beschäftigung auf. Insgesamt 222 Menschen (+96 oder +76,2 Prozent zum Vormonat; -59 oder -21,0 Prozent zum Vorjahresmonat) begannen eine Ausbildung oder sonstige Maßnahme.

Veränderung der Arbeitslosigkeit nach Personengruppen

Junge Arbeitslose unter 25 Jahren
Die Arbeitslosigkeit in der Altersgruppe der 15 bis unter 25 Jahre jungen Menschen stieg auf 702. Davon entfielen 369 auf die Arbeitslosenversicherung (SGB III) und 333 auf die Grundsicherung (SGB II). Das waren 39 oder 5,9 Prozent mehr als im Vormonat (Veränderung SGB III zum Vormonat: +46 oder +14,2 Prozent, SGB II: -7 oder -2,1 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahresmonat ist die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen unter 25 Jahren um 146 oder +26,3 Prozent gestiegen (Veränderung SGB III zum Vorjahresmonat: +87 oder +30,9 Prozent, SGB II: +59 oder +21,5 Prozent).

Langzeitarbeitslose
Insgesamt 2.133 (davon SGB III: 437, SGB II: 1.696) Menschen waren länger als zwölf Monate ohne Beschäftigung; +59 oder +2,8 Prozent zum Vormonat (davon SGB III: +29 oder +7,1 Prozent, SGB II: +30 oder +1,8 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahresmonat wurden 267 oder 14,3 Prozent (SGB III: +138 oder +46,2 Prozent, SGB II: +129 oder +8,2 Prozent) mehr Langzeitarbeitslose gezählt.

Ältere Arbeitslose
Insgesamt 2.249 (davon SGB III: 1.297, SGB II: 949) ältere Menschen über 50 Jahre waren im Juli im Kreis Euskirchen arbeitslos gemeldet. Die Betroffenheit stieg gegenüber dem Vormonat um 51 oder 2,3 Prozent (SGB III: +33 oder +2,6 Prozent, SGB II: +18 oder +1,9 Prozent). Das sind 390 oder 21,0 Prozent ältere Männer und Frauen mehr als im letzten Jahr (SGB III: +313 oder +31,8 Prozent, SGB II: +77 oder +8,8 Prozent).

Stellenangebote
Arbeitgeber meldeten im Juli 353 neue Arbeitsstellen, das waren 148 oder 72,2 Prozent mehr als im letzten Monat aber 10 oder 2,8 Prozent weniger als vor einem Jahr. Derzeit hat die Agentur für Arbeit Brühl 1.335 Arbeitsstellen aus dem Kreis Euskirchen im Bestand, gegenüber dem letzten Monat ist dies ein Plus von 32 oder 2,5 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat gab es 415 Stellen weniger (-23,7 Prozent).

Aktive Arbeitsmarktpolitik
321 Menschen bereiteten sich durch die Teilnahme an einer beruflichen Weiterbildung auf eine Beschäftigung im ersten Arbeitsmarkt vor, -45 oder -12,3 Prozent zum Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren dies -48 oder -13,0 Prozent. 196 Menschen nahmen an Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung teil (+2 oder +1,0 Prozent zum Vormonat, -130 oder -39,9 Prozent zum Vorjahresmonat), 154 Menschen wurden in ihrer Aufnahme einer Erwerbstätigkeit gefördert (-11 oder -6,7 Prozent gegenüber Vormonat und -50 oder -24,5 Prozent zum Vorjahresmonat).