02.09.2020 | Presseinfo Nr. 46

Ausbildungsstellenmarkt im Rhein-Erft-Kreis

Ausbildungskonsens: Chancen für junge Menschen auch in der Pandemie

Auch wenn für viele Jugendliche die Ausbildung bereits begonnen hat, möchten die Agentur für Arbeit Brühl, die Industrie- und Handelskammer Köln (IHK), die Handwerkskammer zu Köln (HWK) sowie die Kreishandwerkerschaft noch einmal aufzeigen, dass es für Jugendliche noch nicht zu spät ist und sie auch in diesem Jahr noch eine Ausbildung aufnehmen können.
„Die Partner im Ausbildungskonsens mobilisieren gerade gemeinsam ihr großes Dienstleistungsangebot, damit der Ausbildungsmarkt gezielt dort unterstützt werden kann, wo besondere Herausforderungen durch die Corona-Krise entstanden sind. Wir arbeiten partnerschaftlich daran, dass möglichst viele junge Menschen in diesem Jahr eine Chance auf eine Berufsausbildung erhalten. Ebenso gilt es, Unternehmen in dieser unsicheren Situation bei der Ausbildung ihrer künftigen Fachkräfte zu unterstützen. Dabei können die Ausbildungsprämien einen Beitrag leisten“, betont Rainer Imkamp, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Brühl.

Das Bundesprogramm richtet sich an Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern. Diese können folgende Prämien der Ersten Förderrichtlinie beantragen:

  • Ausbildungsprämie in Höhe von 2.000 Euro für jeden neuen Ausbildungsvertrag bei Erhalt des Ausbildungsniveaus.
  • Ausbildungsprämie Plus in Höhe von 3.000 Euro für jeden neuen Ausbildungsvertrag, der zur Erhöhung des Ausbildungsniveaus führt.
  • Zuschuss zur Ausbildungsvergütung in Höhe von 75 Prozent, wenn Kurzarbeit von Auszubildenden und Ausbildern vom 01.08.20 bis 31.12.20 vermieden wird.
  • Übernahmeprämie in Höhe von 3.000 Euro für die Übernahme von Auszubildenden, deren Ausbildung wegen einer Corona-bedingten Insolvenz vorzeitig beendet wurde.

Voraussetzung ist, dass kleine und mittlere Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern im ersten Halbjahr 2020 mindestens einen Monat Kurzarbeitergeld bezogen oder in den Monaten April/Mai mindestens 60 Prozent Umsatzeinbußen zum Vorjahr verzeichnet haben. Gefördert werden Ausbildungen, die frühestens am 1. August 2020 begonnen haben. Der Ausbildungsvertrag kann früher geschlossen worden sein. Die Antragsunterlagen und weitere Informationen stehen auf www.arbeitsagentur.de/unternehmen bereit. Fragen beantwortet der gemeinsame Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Brühl und des Jobcenters Rhein-Erft unter 0800 45555 20 (Mo-Fr 8-18 Uhr) oder per E-Mail an Bruehl.Arbeitgeberservice@arbeitsagentur.de

Diese Unterstützung ist eine von vielen weiteren Hilfen und bereits durchgeführter Aktivitäten, die in diesem Jahr von besonderer Bedeutung sind. Das Angebot der Partner im Ausbildungskonsens ist breit gefächert: Gemeinschaftlich beraten alle Partner zu Ausbildungsberufen, helfen bei der Erstellung von Bewerbungsunterlagen, benennen noch freie Ausbildungsstellen und begleiten, wenn gewünscht, Jugendlichen auch zum Gespräch bei einem Arbeitgeber. Die Arbeitsagentur eine einheitliche Hotline geschaltet. Hier können Jugendlichen sowie deren Eltern die Berufsberatung direkt erreichen. Diese Rufnummer lautet 02251 / 79 79 79.

Ausbildung im Handwerk trotz Corona? „Jetzt erst recht“, sagt Roberto Lepore, Leiter der neuen Karrierewerkstatt der Handwerkskammer zu Köln: „Es ist nicht zu spät jetzt noch eine Ausbildung zu beginnen, denn das Handwerk bildet weiter aus.
Insgesamt stehen im Rhein-Erft-Kreis derzeit über 170 Ausbildungsplätze in zukunftssicheren Handwerksberufen zur Verfügung. Unser Appell an die Jugendlichen die noch auf der Suche sind lautet: Schaut nach vorn und startet durch! Eine berufliche Ausbildung ist von unschätzbaren Wert, mit ihr ebnet Ihr die Grundlage für Eure persönliche berufliche Zukunft!“
Unterstützung erhalten Jugendliche und deren Eltern vom Team der Karrierewerkstatt, das den direkten Draht zu unseren Mitgliedsbetrieben hat. Die Hotline lautet:  0221-2022 144 oder ganz einfach per WhatsApp: 0151-40152386. Viele freie Ausbildungsstellengibt es beispielsweise noch als Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk (m/w/d), Hörakustiker (m/w/d), Augenoptiker (m/w/d), Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (m/w/d) oder Friseur (m/w/d). Auch die Kreishandwerkerschaft unterstützt Jugendliche aktiv bei der Suche nach einer passenden Ausbildungsstelle im Handwerk und bietet den direkten Draht zu den Handwerksbetrieben vor Ort. Bei Interesse können sich Jugendliche an Herrn Peter Ropertz (Tel. 02234 – 52222 oder info@handwerk-rhein-erft.de) wenden.

„Da geht noch was!“, betont Christopher Meier, Geschäftsführer Aus- und Weiterbildung bei der IHK Köln. „Im Monat August wurden über acht Prozent mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen als im August 2019. Man sieht daran, dass das Ausbildungsjahr aufgrund der Corona-Einschränkungen etwa acht bis zehn Wochen hinterherhinkt. Es gibt also in diesem Jahr auch jetzt noch viele spannende Ausbildungsplätze in unterschiedlichen Branchen. Es lohnt sich also sich zu bewerben.“ Bislang wurden in der IHK-Region Köln mit den Städten Köln und Leverkusen und den Kreisen Rhein-Erft, Rhein-Berg und Oberberg insgesamt 6.707 neue Ausbildungsverträge in einem der rund 150 kaufmännischen und industriell-technischen Berufe vereinbart. „Das sind zwar circa 17 Prozent weniger als Anfang September 2019, aber der Ausbildungsmarkt ist eben immer noch sehr aktiv. Die Unternehmen in der Region suchen immer noch Azubis für einen Start in diesem Jahr, um den zukünftigen Fachkräftebedarf zu decken“, so Meier weiter. Im Rhein-Erft-Kreis registrierte die IHK Köln bis Ende August 1.140 neue Ausbildungsverhältnisse, 123 Verträge oder knapp zehn Prozent weniger als 2019 zu diesem Zeitpunkt.

Wichtig: Ein Start in die Ausbildung ist ohne Probleme auch noch im Oktober und November, ja sogar zum 1. Dezember möglich: „Für Jugendliche, die jetzt doch lieber von der weiterführenden Schule in eine duale Ausbildung wechseln möchten, ist es deshalb auf keinen Fall zu spät.“ Jugendliche und deren Eltern können sich sehr gerne an die Ausbildungsvermittlung der IHK Köln wenden, schnell und einfach per Mail ausbildungsvermittlung@koeln.ihk.de, per Telefon 0221 1640-6650 oder über WhatsApp 0173 5487517.

Rainer Imkamp bedankt sich ausdrücklich bei den Ausbildungsbetrieben an Rhein und Erft sowie für das Engagement der Industrie- und Handelskammer Köln und der Handwerkskammer Köln: „Die Zahl der gemeldeten Stellen für betriebliche und außerbetriebliche Ausbildungsstellen ist trotz der Corona-Krise beachtlich. Nicht in Vergessenheit geraten darf die Zahl an Ausbildungsverhältnissen, die zusätzlich aufgrund von Initiativbewerbungen zustande gekommen sind. Uns ist wichtig, dass die Ausbildungsstellen schnell und mit den passenden Bewerbern besetzt werden. Dabei unterstützen wir aktiv die Ausbildungsbetriebe nach ihren Vorgaben und können so gezielt - von uns ausgewählte - Bewerber vorschlagen. Dies gelingt leider nicht immer. Bei abnehmenden Bewerberzahlen brauchen wir dringend mehr Bereitschaft der heimischen Betriebe, auch den vermeintlich schwächeren Jugendlichen in ihrem Hause eine realistische, gerne auch eine zweite Chance zu geben.“

Damit die Ausbildung trotzdem erfolgreich verläuft, kann die Agentur für Arbeit Brühl auch hierbei unterstützen. Beispielsweise erhalten junge Auszubildende durch die sogenannten "ausbildungsbegleitenden Hilfen" (abH) an mindestens drei Stunden in der Woche die persönliche Unterstützung, die sie brauchen:

  • Nachhilfe in Theorie und Praxis
  • Vorbereitung auf Klassenarbeiten und Prüfungen
  • Nachhilfe in Deutsch
  • Unterstützung bei Alltagsproblemen
  • Vermittelnde Gespräche mit Ausbildern, Lehrkräften und Eltern

Ein Bildungsträger mit erfahrenen Ausbildern, Lehrkräften, Sozialpädagoginnen und –pädagogen begleitet die/den Jugendlichen während der gesamten Zeit. Sie bekommen einen ganz individuellen Förderplan. Die Termine werden mit den jungen Menschen abgesprochen und finden in der Regel nachmittags oder abends statt.

Daten und Fakten zum Ausbildungsmarkt im August 2020

Im Zeitraum Oktober 2019 bis August 2020 wurden dem gemeinsamen Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und Jobcenter insgesamt 2.213 Ausbildungsstellen im Rhein-Erft-Kreis gemeldet, 161 oder 7,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Im bisherigen Beratungsjahr wurden insgesamt 2.291 Jugendliche durch die Ausbildungsvermittlung der Arbeitsagentur bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz unterstützt. Das sind 348 oder 13,2 Prozent weniger als im Vorjahr.
Von den seit Anfang Oktober 2019 gemeldeten Ausbildungsstellen sind im August noch 742 unbesetzt. Diese Zahl liegt um 45 Stellen oder 6,5 Prozent über dem Vorjahresniveau. Von den gemeldeten Bewerbern/-innen waren zum gleichen Zeitpunkt noch 494 unversorgt. Gegenüber dem Vorjahr war das eine Steigerung von 10 Personen oder 2,1 Prozent.

Zahlreiche freie Ausbildungsstellen gibt es derzeit beispielsweise noch in folgenden Berufen:

  • Kaufmann/-frau im Einzelhandel 65
  • Fachverkäufer/in-Lebensmittelhandwerk - Bäckerei 63
  • Chemikant/in 50
  • Industriemechaniker/in 33
  • Fachkraft - Lagerlogistik 31
  • Verkäufer/in 30
  • Medizinische/r Fachangestellte/r 28
  • Elektroniker/in für Betriebstechnik 24
  • Elektroniker- Automatisierungstechnik 21
  • Kaufmann/-frau - Büromanagement 18