17.01.2022 | Presseinfo Nr. 5

Der Arbeitsmarkt im Kreis Euskirchen Jahresrückblick 2021

Im Jahr 2021 waren im Kreis Euskirchen durchschnittlich 6.277 Menschen gleichzeitig arbeitslos gemeldet. Das waren 153 oder 25 Prozent mehr als im Jahresdurchschnitt 2020. Die negativen Folgen der Corona-Pandemie machten sich im letzten Jahr besonders stark im Bereich der Arbeitslosenversicherung (SGB III) bemerkbar. Mit der Pandemie stieg die Arbeitslosigkeit trotz des massiven Einsatzes der Kurzarbeit deutlich an. Gründe waren zum einen eine stärkerer Zugang aus Erwerbstätigkeit, aber vor allem die fehlenden Möglichkeiten, die Arbeitslosigkeit zu beenden.

Jahresrückblick 2021 und Ausblick 2022

• Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung stagnierte pandemiebedingt

• Die Arbeitslosigkeit erreichte im Dezember das Niveau vor der Corona-Pandemie  

• Deutlich weniger Kurzarbeit als im letzten Jahr

• Meldung neuer Arbeitsstellen auf Vor-Krisen-Niveau 

• Fachkräfteengpässe werden zunehmen

„Trotz der Hochwasserkatastrophe zur Jahresmitte, der Pandemie und der Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung hat sich der Arbeitsmarkt im Verlauf des Jahres 2021 gut entwickelt. Der Arbeitsmarkt steht jedoch vor großen Herausforderungen, die über die Auswirkungen der weiteren pandemischen Entwicklung hinausgehen“. Neben dem Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit müsse die Qualifizierung von Beschäftigten und Arbeitslosen deutlich weiter vorangetrieben werden. „Der Fachkräftebedarf hat durch Strukturwandel und Transformation in der Wirtschaft deutlich zugenommen. Die Pandemie hat die Modernisierung der Wirtschaft deutlich beschleunigt. Darauf müssen wir jetzt schnell reagieren.“, bilanzierte der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Brühl, Rainer Imkamp, anlässlich der traditionellen Jahres-Pressekonferenz in Euskirchen.

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung

 Die Entwicklung der Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist weitestgehend stabil geblieben. Wir verzeichnen für das zweite Quartal im Juni keinen Einbruch, obwohl Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber angesichts der Pandemie und dadurch entstandenen Lieferengpässen über das ganze Jahr vor großen Herausforderungen standen“, so Imkamp.  Im Juni 2021 (die Wartezeit beträgt 6 Monate, neuere Daten liegen noch nicht vor) waren damit 57.622 Menschen im Kreis Euskirchen beschäftigt, im Juni 2020 lag dieser Wert noch bei 57.767. Somit sind 145 (0,3 Prozent) Personen weniger in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung als im Vorjahr. Die Beschäftigung liegt um 286 unter dem Wert aus dem entsprechenden Vor-Krisen-Quartal Juni 2019.

Arbeitsmarkt in der Pandemie

„Der Arbeitsmarkt hat sich im Jahr 2021 leicht erholt und erreichte im Dezember das Niveau vor Beginn der Corona-Pandemie", so Imkamp. Die Arbeitslosenquote hatte im August 2020 mit 6,3 Prozent den höchsten Stand und sank bis Dezember 2021 auf 5,3 Prozent. Im Jahresdurchschnitt lag die Arbeitslosenquote aber mit 5,9 Prozent noch 0,2 Prozentpunkte über der durchschnittlichen Arbeitslosenquote des Jahres 2020. Vor der Pandemie (Jahresdurchschnitt 2019) lag die durchschnittliche Arbeitslosenquote bei 4,9 Prozent.

Arbeitslosigkeit im Monatsvergleich

Im Jahr 2021 waren im Kreis Euskirchen durchschnittlich 6.277 Menschen gleichzeitig arbeitslos gemeldet. Das waren 153 oder 25 Prozent mehr als im Jahresdurchschnitt 2020. Die negativen Folgen der Corona-Pandemie machten sich im letzten Jahr besonders stark im Bereich der Arbeitslosenversicherung (SGB III) bemerkbar. Mit der Pandemie stieg die Arbeitslosigkeit trotz des massiven Einsatzes der Kurzarbeit deutlich an. Gründe waren zum einen eine stärkerer Zugang aus Erwerbstätigkeit, aber vor allem die fehlenden Möglichkeiten, die Arbeitslosigkeit zu beenden. Die Arbeitslosigkeit dauerte bei vielen Menschen länger an, als sie ohne die Pandemie gedauert hätte. Als die Beschäftigungsmöglichkeiten wieder anstiegen, konnten vor allem die Menschen eine neue Arbeit finden, die erst kurze Zeit arbeitslos waren. In der Folge haben wir in diesem Jahr einen Anstieg bei dem Arbeitslosen nach dem Zweites Buch Sozialgesetzbuch (SGB II) zu verzeichnen. Während die Zahl in der Arbeitslosenversicherung nach dem Dritten Buch Sozialgesetzbuch (SGB III) sank.  Die Anzahl der arbeitslosen Menschen, die Leistungen durch das Jobcenter EU - aktiv erhielten, stieg im Jahresdurchschnitt um 350 Personen an (+10,3 Prozent). In der Arbeitslosenversicherung reduzierte sich die Anzahl der Arbeitslosen um 197 Personen (-7,2 Prozent).

Personengruppen

Wie bereits beschrieben, waren die Menschen pandemiebedingt länger arbeitslos. Daher stieg der Anteil der Langzeitarbeitslosen signifikant an. Die Langzeitarbeitslosigkeit stieg im Vergleich zum Vorjahr durchschnittlich um 599 oder 28,4 Prozent. 2021 waren durchschnittlich insgesamt 2.708 Menschen länger als zwölf Monate arbeitslos. Das waren 789 mehr als im Jahresdurchschnitt 2019.

Besonders konnten von der Erholung am Arbeitsmarkt 2021 junge Menschen unter 25 Jahren profitieren. Die sogenannte Jugendarbeitslosigkeit sank leicht, aber stetig im Verlauf des Jahres. In 2021 waren durchschnittlich 527 junge Menschen arbeitslos gemeldet, 68 Personen oder 11,5 Prozent weniger als im Jahresdurchschnitt 2020. Im Vor-Corona Jahr 2019 waren durchschnittlich 48 junge Menschen oder 10,0 Prozent weniger arbeitslos gemeldet. 

Kurzarbeit 

„Auch wenn die Inanspruchnahme der Kurzarbeit im Vergleich zum ersten Corona-Jahr deutlich abgenommen hat, so hat der Einsatz von diesem wichtigen Instrument auch 2021 erheblich den Arbeitsmarkt im Kreis Euskirchen gestützt“, so Imkamp. Von Januar 2021 bis Dezember 2021 wurden (teilweise Hochrechnungen zufolge*) von 510 Unternehmen Kurzarbeit für insgesamt 4.815 Beschäftigte angezeigt.

Im letzten Jahr wurde noch von 2.094 Unternehmen Kurzarbeit für insgesamt 20.915 Beschäftigte angezeigt. Zum Vergleich: In 2019 zeigten insgesamt 32 Betriebe für 2.084 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Kurzarbeit im Kreis Euskirchen an. 

Bei einem (bundes-)durchschnittlichen Arbeitsausfall von etwa 49 Prozent hat der Einsatz von Kurzarbeit in 2021 rechnerisch Arbeitsplätze für rund 1.020 Beschäftigte gesichert und deren (vorübergehende) Arbeitslosigkeit verhindert.

*Hinweis zur Statistik

Die Dezember-Zahlen zu den Anzeigen Kurzarbeit sind vorläufig. Die Anzahl der Kurzarbeit-Anzeigen kann von der Anzahl der tatsächlich realisierten Kurzarbeit abweichen. Zunächst zeigen die Unternehmen an, dass sie Kurzarbeit in Anspruch nehmen werden. Nach der Anzeige können die Unternehmen das Instrument flexibel entsprechend ihres Bedarfs einsetzen. Rückwirkend werden die Abrechnungen bei der Agentur für Arbeit eingereicht. Erst der rückwirkende Antrag enthält eine detaillierte Aufstellung der tatsächlich in Anspruch genommenen Kurzarbeit. Für diesen Antrag haben die Unternehmen drei Monate Zeit. Ist der angegebene Zeitraum der Anzeige abgelaufen, aber trotzdem noch weiter Kurzarbeit erforderlich, so muss eine neue Anzeige gestellt werden. Daher sind in den angegebenen Zahlen Mehrfachzählungen von Unternehmen und Personen möglich.

Arbeitskräftenachfrage 

Im Jahr 2021 wurden insgesamt 4.350 freie (davon 4.197 Sozialversicherungspflichtig) Arbeitsstellen aus dem Kreis Euskirchen bei der Agentur für Arbeit Brühl zur Besetzung gemeldet. Dies waren 644 Stellen (+17,4 Prozent) mehr als im Vorjahr und entsprach etwa dem Niveau vom Jahr 2019 mit 4.369 gemeldeten Stellen.

Die gemeldete Nachfrage nach neuen Mitarbeitenden war im ersten Lockdown der Corona-Krise etwas eingebrochen, hat sich dann aber wieder erholt. Im Zuge der weitgehenden Öffnungsschritte im Frühsommer 2021 war dann eine spürbare Belebung festzustellen, die bis zur Hochwasserkatastrophe anhielt und sich nach einem kurzen Einbruch bis Oktober wieder regulierte. 

Insgesamt waren in diesem Jahr 1.611 Stellen im Bestand, 183 oder 12,8 Prozent mehr als 2020. „Die Besetzung dieser freien Stellen wird zusehends schwieriger. Denn die Anforderungen an die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer steigen und gesucht werden hauptsächlich Fachkräfte. Lediglich ein Viertel der Stellen richtet sich noch an Hilfskräfte“, erklärt Imkamp.

Strukturentwicklung

Die Agenturen für Arbeit im Rheinischen Revier leisten weiterhin und mit zunehmender Konkretisierung ihren Beitrag bei Europas größtem Transformationsprozess. Auch im vergangenen Jahr hat die Agentur für Arbeit Brühl als koordinierende Revieragentur der Ausstieg aus der Kohleverstromung besonders bewegt. Mit zahlreichen Aktivitäten und Maßnahmen konnten die Agentur für Arbeit Brühl dazu beitragen, dass die Schaffung und der Erhalt von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen als besondere Aufgabe im Strukturwandel angenommen und angegangen wird. 

„2021 war der Strukturwandel insbesondere durch die Aktualisierung des Wirtschafts- und Strukturprogramms, den Reviervertrag sowie den Start der Regelförderung geprägt - Aspekte, die wir entscheidend mitprägen konnten. In unzähligen Workshops, Audits und Austauschrunden haben wir zudem bei Prozess- und Projektentwicklungen unterstützend mitgewirkt. Im Frühjahr haben wir ein internes Projekt zur Vorbereitung unserer operativen Einheiten auf den Kohleausstieg abgeschlossen.

Im Rheinischen Revier fehlt immer noch ein konkretes Lagebild der Betroffenheit von Partnerunternehmen des Betreibers. Wir haben daher im letzten Jahr damit begonnen, potentiell betroffene Unternehmen zu kontaktieren und einen Überblick über die Auswirkungen auf Wertschöpfung und Arbeitsplätze zu erhalten. Die Arbeit setzen wir über 2022 hinaus weiter fort, um das Bild weiter zu verfeinern. 

Auf Grundlage der 2020 abgeschlossenen Vereinbarung zwischen der Bundesagentur für Arbeit und den Sozialpartnern der chemischen Industrie haben wir die Zusammenarbeit mit den Chemieunternehmen der Region deutlich intensiviert. Wir arbeiten derzeit gemeinsam an verschiedenen Ideen und Projekten, die die Unternehmen und Beschäftigten langfristig voranbringen sollen“, resümiert Imkamp die Aktivitäten bezogen auf den Strukturwandel.

„Für den gelingenden Strukturwandel sind finanzielle Zusagen in beträchtlichem Maße gemacht worden. Nun geht es darum, die Mittel zügig und zielgerichtet einzusetzen, um einen nachhaltigen Beitrag zur Wertschöpfung und damit zum Erhalt und zur Schaffung von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen zu leisten. Auch vor dem Hintergrund des möglicherweise deutlich früheren Ausstiegs aus der Braunkohle erwarten wir für 2022 eine Beschleunigung vieler Prozesse wie z.B. bei Entscheidungen über Projekte und Mittelfreigaben,“ so Imkamp.

Blick nach vorne

Im Ausblick auf das Jahr 2022 sieht der Chef der Brühler Arbeitsagentur die Entwicklung stark davon beeinflusst, wie sich die vierte Pandemie-Welle weiter auf Wirtschaft und damit auf den Arbeitsmarkt auswirkt. Bei aller Unsicherheit, die die Ausbreitung der neuen Omikron-Variante mit sich bringe, rechne er aber für das kommende Jahr mit keinem erneuten Einbruch am Arbeitsmarkt. Mit den verlängerten Sonderregelungen für die Kurzarbeit haben Unternehmen und Beschäftigte auch in 2022 größere Sicherheit und können auch bei sich verschärfenden Corona-Auflagen an Ihren Fachkräften festhalten.

„Die bereits spürbare Erholung, die sich in den letzten Monaten durch eine sinkende Arbeitslosigkeit und einen stabilen Beschäftigungsstand äußerte, sind gute Startbedingungen in das neue Jahr. Ich habe die Hoffnung, dass wir es in den kommenden Monaten schaffen, das gute Vorkrisenniveau wieder zurückzuerlangen. Spätestens dann wird der steigende Mangel an Fachkräften wieder deutlicher sichtbar“. 

Um das Fachkräftepotenzial deutlich zu erhöhen wird die Agentur für Arbeit Brühl in 2022 folgende Schwerpunkte verfolgen:

Betriebliche Ausbildung vorantreiben

Die betriebliche Ausbildung eigener Fachkräfte bleibt für Unternehmen unverzichtbar, auch wenn die Suche nach Bewerberinnen und Bewerbern schon 2021 nicht leicht war. Hier unterstützen wir durch frühzeitige Berufsorientierung und individuelle Beratung in den Schulen, das kann hoffentlich in diesem Jahr wieder verstärkt persönlich stattfinden. Außerdem unterstützen wir die Arbeitgeber der Region bei der Suche nach passenden Bewerberinnen und Bewerbern und unterstützen auch ihr Engagement, wenn Sie vermeintlich schwächeren Schülerinnen und Schülern eine Chance einräumen.

Menschen für die Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt weiterbilden

Ob Beschäftigte, von Arbeitslosigkeit Bedrohte oder Arbeit Suchende: Wir leisten berufliche Orientierungsberatung und investieren in die Weiterbildungsvorhaben unserer Kundinnen und Kunden. Insbesondere unterstützen wir Menschen ohne Berufsausbildung, zu einer gefragten Fachkraft zu werden.

Die Transformation aktiv gestalten

Wir unterstützen die Weiterbildungsvorhaben der Unternehmen und investieren umfangreich in die Qualifizierung von Beschäftigten. Aber auch das Management bzw. die passgenauen Übergänge „von Arbeit in Arbeit“ tragen zur Fachkräftesicherung in der Strukturentwicklung bei. Unser Dienstleistungsangebot haben wir entsprechend ausgebaut. Die Berufsberatung bieten wir nicht mehr nur Jugendlichen vor dem Erwerbsleben an, sondern begleiten auch Erwachsene im Erwerbsleben bei ihren beruflichen Entscheidungen.

Arbeitgeber für Fachkräfte aus dem Ausland öffnen

Weiter wird auch das Thema Zuwanderung immer bedeutender. Wir brauchen mehr Fachkräfte aus dem Ausland. Wir müssen bei den Unternehmen für eine bessere Willkommenskultur und größere Flexibilität werben und aktiver für die Unterstützungsmöglichkeiten der BA werben.  „Unverzichtbar bleibt bei all diesen Säulen die enge Zusammenarbeit mit unseren Partnern vor Ort. Wir werden unser Netzwerk weiter ausbauen und aktiv miteinander diese unterschiedlichen Säulen nochmals stärken“, so der Arbeitsmarktexperte abschließend.

Pressesprecher der Agentur für Arbeit Brühl

Frau Nicole Cuvelier