29.10.2020 | Presseinfo Nr. 52

Ausbildungsstellenmarkt im Rhein-Erft-Kreis

Es ist noch nicht zu spät, da geht noch was!

Die Agentur für Arbeit Brühl, die Industrie- und Handelskammer Köln (IHK), die Handwerkskammer zu Köln (HWK) sowie die Kreishandwerkerschaft appellieren: „Es ist noch nicht zu spät, da geht noch was!“ Die Experten für den Ausbildungsmarkt sind sich einig: „bei entsprechenden Aktivitäten kann auch in diesem Jahr noch ein Ausbildungsvertrag abgeschlossen werden.“
Bereits in den vergangenen Monaten hat sich das Ausbildungsgeschehen aufgrund der Corona-Pandemie deutlich nach hinten verschoben. Die zeitlichen Abläufe haben sich um etwa zwei Monate nach hinten verschoben. Deshalb ziehen die Ausbildungspartner auch noch keine Bilanz.
„In diesem Jahr erwarten wir eine deutlich höhere Dynamik in der Nachvermittlungszeit, dem sogenannten 5. Quartal des Berufsberatungsjahres. Das 5. Quartal auf dem Ausbildungsmarkt geht bis Ende Januar 2021. Voraussichtlich wird eine größere Zahl Jugendlicher zu einem späteren Zeitpunkt als sonst üblich eine duale Ausbildung beginnen. Uns stehen aktuell im Rhein-Erft-Kreis noch 282 unbesetzte Ausbildungsstellen zur Verfügung. In fast gleicher Größenordnung haben wir auch noch Bewerberinnen und Bewerber, die noch nach einer passenden Ausbildungsstelle suchen. Das hängt vor allem damit zusammen, dass Stellenanforderungen und Bewerberwünsche nicht immer zusammenpassen und viele Ausbildungsbetriebe mit wirtschaftlichen Unsicherheiten konfrontiert sind. Wir appellieren weiterhin an Unternehmen, nicht auf Ausbildung zu verzichten und sich für eine Bewerberin/einen Bewerber zu entscheiden. Nach Corona werden sonst die Fachkräfte fehlen. Den Bewerberinnen und Bewerbern rate ich, noch nicht aufzugeben, viele Unternehmen haben ihre Ausbildungsaktivitäten wegen der wirtschaftlichen Unsicherheit hinausgezögert. Drum lohnt es sich, jetzt weiterhin aktiv auf die Unternehmen in der Region zuzugehen“, betont Rainer Imkamp, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Brühl.

Daten und Fakten zum Ausbildungsmarkt Ende September 2020

Im Zeitraum Oktober 2019 bis September 2020 wurden dem gemeinsamen Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und Jobcenter insgesamt 2.274 Ausbildungsstellen im Rhein-Erft-Kreis gemeldet, 99 oder 4,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Im bisherigen Beratungsjahr wurden insgesamt 2.392 Jugendliche durch die Ausbildungsvermittlung der Arbeitsagentur bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz unterstützt. Das sind 327 oder 12,0 Prozent weniger als im Vorjahr.
Von den seit Anfang Oktober 2019 gemeldeten Ausbildungsstellen waren Ende September noch 282 unbesetzt. Diese Zahl liegt um 57 Stellen oder 16,8 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Von den gemeldeten Bewerbern/-innen waren zum gleichen Zeitpunkt noch 277 unversorgt. Gegenüber dem Vorjahr war das eine Steigerung von 142 Personen oder 105,2 Prozent.

Zahlreiche freie Ausbildungsstellen gibt es derzeit beispielsweise noch in folgenden Berufen:

  • Fachverkäufer/in im Lebensmittelhandwerk - Bäckerei (42)
  • Kaufmann/-frau im Einzelhandel (28)
  • Chemikant/in (19)
  • Medizinische/r Fachangestellte/r (15)
  • Kaufmann/-frau - Büromanagement (13)
  • Zahnmedizinische/r Fachangestellte/r (12)
  • Verkäufer/in (11)
  • Fachkraft - Küchen-/Möbel-/Umzugsservice (10)
  • Berufskraftfahrer/in (9)
  • Fachkraft - Lagerlogistik (7)

Imkamp wirbt außerdem dafür, dass Unternehmen in dieser unsicheren Situation die Ausbildungsprämien in Anspruch nehmen können. Das Bundesprogramm richtet sich an Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern. Diese können folgende Prämien der ersten Förderrichtlinie beantragen:

  • Ausbildungsprämie in Höhe von 2.000 Euro für jeden neuen Ausbildungsvertrag bei Erhalt des Ausbildungsniveaus.
  • Ausbildungsprämie Plus in Höhe von 3.000 Euro für jeden neuen Ausbildungsvertrag, der zur Erhöhung des Ausbildungsniveaus führt.
  • Zuschuss zur Ausbildungsvergütung in Höhe von 75 Prozent, wenn Kurzarbeit von Auszubildenden und Ausbildern vom 01.08.2020 bis 31.12.2020 vermieden wird.
  • Übernahmeprämie in Höhe von 3.000 Euro für die Übernahme von Auszubildenden, deren Ausbildung wegen einer Corona-bedingten Insolvenz vorzeitig beendet wurde.

Voraussetzung ist, dass kleine und mittlere Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern im ersten Halbjahr 2020 mindestens einen Monat Kurzarbeitergeld bezogen oder in den Monaten April/Mai mindestens 60 Prozent Umsatzeinbußen zum Vorjahr verzeichnet haben. Gefördert werden Ausbildungen, die frühestens am 1. August 2020 begonnen haben. Der Ausbildungsvertrag kann früher geschlossen worden sein. Die Antragsunterlagen und weitere Informationen stehen auf www.arbeitsagentur.de/unternehmen bereit. Fragen beantwortet der gemeinsame Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Brühl und des Jobcenters Rhein-Erft unter 0800-4555520 (Mo-Fr 8-18 Uhr) oder per E-Mail an: Bruehl.Arbeitgeberservice@arbeitsagentur.de

Diese Unterstützung ist eine von vielen weiteren Hilfen und bereits durchgeführter Aktivitäten, die in diesem Jahr von besonderer Bedeutung sind. Das Angebot der Partner im Ausbildungskonsens ist breit gefächert: Gemeinschaftlich beraten alle Partner zu Ausbildungsberufen, helfen bei der Erstellung von Bewerbungsunterlagen, benennen noch freie Ausbildungsstellen und begleiten, wenn gewünscht, Jugendlichen auch zum Gespräch bei einem Arbeitgeber. Die Arbeitsagentur eine einheitliche Hotline geschaltet. Hier können Jugendlichen sowie deren Eltern die Berufsberatung direkt erreichen. Diese Rufnummer lautet 02251 / 79 79 79.

Ausbildungsbetriebe des regionalen Handwerks trotzen der Corona-Pandemie
Rückgang an Neuverträgen geringer als erwartet
Weiterhin freie Lehrstellen - HWK setzt Matching fort

Im Berufsberatungsjahr 2019/2020 haben die Mitgliedsbetriebe der Handwerkskammer zu Köln insgesamt 4.790 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Das sind 8,4 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Corona-Pandemie wirkt sich im gesamten Kammerbezirk erfreulicherweise nicht so stark aus, wie es anzunehmen war. „Gerade mit Blick auf andere Wirtschaftsbereiche und unsere eigenen Zwischenergebnisse aus dem Sommer ist dieses Ergebnis sehr gut“, stellt Roberto Lepore, Abteilungsleiter Berufliche Orientierung | Karrierewerkstatt der Handwerkskammer zu Köln, fest. Corona und das Ausfallen von Ausbildungsmessen und -börsen, Praktika sowie beruflicher Orientierung in Schulen beeinträchtige das Matching enorm, also das Zusammenführen von Angebot und Nachfrage. Dadurch habe sich der Abschluss der Lehrverträge um etwa acht bis zwölf Wochen nach hinten verschoben.

Mit dem Blick auf die Region Rhein-Erft Kreis sind 584 Neuabschlüsse zu verzeichnen, was einem Rückgang von 16,09% Prozent entspricht. Dies ist im Vergleich zu den letzten 3 Jahren akzeptabel, bietet aber noch Luft nach oben, so Lepore. Deutliche Rückgänge gibt es im Elektrohandwerk (-25%),  im Friseurhandwerk (-23%) sowie im KFZ-Handwerk (-17%).

Auch wenn die wirtschaftliche Lage aller Handwerksbereiche stark von Corona betroffen ist, ist es vielen Betrieben gelungen, verhältnismäßig gut durch die Krise zu kommen. „Hier kam ihnen die Flexibilität der mittelständischen Struktur zugute“, stellt Lepore fest. Die vergangenen Monate haben auch die Systemrelevanz des Handwerks verdeutlicht. Das Handwerk ist krisenfest, sinnstiftend und nachhaltig. Damit bedient es die Ziele der jungen Leute wie kaum ein zweiter Wirtschaftsbereich.“ Aktuell sind der Handwerkskammer weiterhin viele attraktive Ausbildungsangebote gemeldet. In den meisten Berufen ist bis zum Jahresende ein Ausbildungsstart möglich. Interessierte Jugendliche sowie Betriebe, die weiterhin auf der Suche nach geeigneten Auszubildenden sind, wenden sich an die Abteilung Berufliche Orientierung | Karrierewerkstatt der Handwerkskammer zu Köln. Hotline: 0221-2022 144 -WhatsApp: 0151 40152386 oder auch an die Kreishandwerkerschaft Rhein-Erft in Frechen: Telefon: 022 34 52 222 – E-Mail: peter.ropertz@handwerk-rhein-erft.de

IHK Köln: Corona-Pandemie setzt dem Ausbildungsmarkt sichtbar zu
Über 15 Prozent weniger neue Ausbildungsverträge im IHK-Bezirk als am Vorjahresstichtag – Zuwächse im August, September und Oktober sorgen für Lichtblick

Die Corona-Pandemie setzt dem Ausbildungsmarkt sichtbar zu. Im Bezirk der IHK Köln, also in Köln, Leverkusen, im Rhein-Erft-, dem Rheinisch-Bergischen und dem Oberbergischen Kreis, wurden bis Ende September 7.232 neue Ausbildungsverträge vereinbart, 1.344 Verträge oder 15,7 Prozent weniger als zum Vorjahresstichtag. Unternehmen und Jugendliche sind gleichermaßen verunsichert: Soll man in diesen Zeiten, in diesem Jahr noch in die Ausbildung einsteigen? „Die Antwort auf diese Frage ist ein klares ‚Ja‘“, bekräftigt Vera Lange, Leiterin Prüfungswesen und Bildungsrecht der IHK Köln. „Aktuell ist das Thema Fachkräftemangel zwar in den Hintergrund gerückt, aber das Problem besteht ja weiter, auch nach der Corona-Krise“, so Lange.

Nachdem der Ausbildungsmarkt im Frühjahr infolge der Corona-Beschränkungen zeitlich um zehn bis zwölf Wochen zurückgeworfen worden war, konnte er in den vergangenen Wochen und Monaten deutlich aufholen: „Wenn die Bewerbungsverfahren wie sonst üblich laufen können, haben die meisten Betriebe und Jugendlichen in der Regel spätestens im Juli die Verträge unter Dach und Fach. Nicht so in diesem Jahr: Diesmal haben wir noch im August und im September jeweils 12 Prozent neue Verträge mehr registriert als im Vorjahr, auch im Oktober hat sich dieser Trend fortgesetzt“, berichtet die IHK-Bildungsexpertin.

Innerhalb des IHK-Bezirks kommt der Rhein-Erft-Kreis mit insgesamt 1.252 neuen Ausbildungsverträgen am nächsten an das Vorjahresergebnis heran – hier wurden bis zum Stichtag 30.09.2020 genau 70 Verträge (minus 5,3 Prozent) weniger vereinbart als zum Vorjahresstichtag (1.322 Verträge). Bei den gewerblich-technischen Berufen wurden vier Verträge weniger registriert (464 in 2020 gegenüber 468 in 2019); bei den kaufmännischen Berufen waren es 788 gegenüber 854 in 2019.

In den anderen Regionen waren die Rückgänge stärker. Köln kommt mit einem Minus von 850 Verträgen oder 17,8 Prozent auf 3.924 neue Ausbildungsverhältnisse. Leverkusen verzeichnet ein Minus von 118 Verträgen oder 16,1 Prozent auf nun 615 Verträge. Der Oberbergische Kreis registriert einen Rückgang um 18,1 Prozent oder 204 Ausbildungsverhältnisse auf 925 Verträge. Und im Rheinisch-Bergischen Kreis wurden 516 neue Ausbildungsverhältnisse vereinbart, minus 16,5 Prozent oder 102 Verträge weniger.

Trotz der insgesamt geringeren Zahl neuer Ausbildungsverträge sieht die IHK in den atypischen Zuwächsen in den Monaten August, September und Oktober eine positive Entwicklung. „Das kann noch bis Ende des Jahres so weitergehen“, betont Lange: Junge Leute, die jetzt noch aus einem Nebenjob oder einer berufsvorbereitenden Klasse in eine Ausbildung wechseln, können sich die verspäteten Monate auf die Ausbildung anrechnen lassen. Das gilt für alle, die bis zum 31. Januar 2021 eine Ausbildung beginnen. „Das kann noch besser werden, da geht noch was!“ bekräftigt IHK-Bildungsexpertin Vera Lange. „Es gibt immer noch viele interessante freie Ausbildungsplätze und an vielen Stellen kompetente und engagierte Unterstützung für Betriebe, Jugendliche und Eltern“. In gleicher Weise ermuntert die stellvertretende IHK-Geschäftsführerin die Unternehmen, noch freie Ausbildungsplätze für 2020 an Agenturen für Arbeit, IHK oder Handwerkskammer zu melden: „Die Chancen, jetzt noch den oder die Richtige für einen Ausbildungsplatz zu finden, sind sehr gut, denn es gibt auch noch mehr Bewerberinnen und Bewerber als sonst.“

Die Ausbildungsstellenvermittlung der IHK Köln unterstützt Betriebe und Jugendliche bei Ausbildungsplatzsuche und Bewerbung per WhatsApp (0173 5487517), Mail (ausbildungsvermittlung@koeln.ihk.de) oder Telefon (0221 1640-6650). Eltern können sich in IHK-Webinaren über das „Abenteuer Ausbildung“ informieren. Kleine und mittelgroße Unternehmen, die durch starke Umsatzeinbrüche oder Kurzarbeit von der Corona-Krise betroffen sind und weiter ausbilden, bekommen eine Ausbildungsprämie, wenn sie die Zahl ihrer Ausbildungsplätze konstant halten oder erhöhen.