29.10.2020 | Presseinfo Nr. 53

Ausbildungsstellenmarkt im Kreis-Euskirchen

Es ist noch nicht zu spät, da geht noch was!

Die Agentur für Arbeit Brühl, die Industrie- und Handelskammer Aachen (IHK), die Handwerkskammer Aachen (HWK) sowie die Kreishandwerkerschaft Rureifel appellieren: „Es ist noch nicht zu spät, da geht noch was!“ Die Experten für den Ausbildungsmarkt sind sich einig: „bei entsprechenden Aktivitäten kann auch in diesem Jahr noch ein Ausbildungsvertrag abgeschlossen werden.“
Bereits in den vergangenen Monaten hat sich das Ausbildungsgeschehen aufgrund der Corona-Pandemie deutlich nach hinten verschoben. Die zeitlichen Abläufe haben sich um etwa zwei Monate nach hinten verschoben. Deshalb ziehen die Ausbildungspartner auch noch keine Bilanz.

„In diesem Jahr erwarten wir eine deutlich höhere Dynamik in der Nachvermittlungszeit, dem sogenannten 5. Quartal des Berufsberatungsjahres. Das 5. Quartal auf dem Ausbildungsmarkt geht bis Ende Januar 2021. Voraussichtlich wird eine größere Zahl Jugendlicher zu einem späteren Zeitpunkt als sonst üblich eine duale Ausbildung beginnen. Uns stehen aktuell im Kreis Euskirchen noch 78 unbesetzte Ausbildungsstellen zur Verfügung. Es sind auf der anderen Seite auch noch 127 Bewerberinnen und Bewerber gemeldet, die noch nach einer passenden Ausbildungsstelle suchen. Das hängt vor allem damit zusammen, dass Stellenanforderungen und Bewerberwünsche nicht immer zusammenpassen und viele Ausbildungsbetriebe mit wirtschaftlichen Unsicherheiten konfrontiert sind. Wir appellieren weiterhin an Unternehmen, nicht auf Ausbildung zu verzichten und sich für eine Bewerberin/einen Bewerber zu entscheiden. Nach Corona werden sonst die Fachkräfte fehlen. Den Bewerberinnen und Bewerbern rate ich, noch nicht aufzugeben, viele Unternehmen haben ihre Ausbildungsaktivitäten wegen der wirtschaftlichen Unsicherheit hinausgezögert. Drum lohnt es sich, jetzt weiterhin aktiv auf die Unternehmen in der Region zuzugehen“, betont Rainer Imkamp, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Brühl.

Heike Borchers, Geschäftsführerin Aus- und Weiterbildung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen: "Aus dem Ausnahmezustand ist eine Aufholjagd geworden. Corona-bedingt wurden bis Sommer deutlich weniger Ausbildungsverträgen geschlossen als im Vorjahr. Glücklicherweise haben sich die Zahlen seit August etwas stabilisiert. Aktuell haben wir gegenüber dem Vorjahr noch ein Minus von 15,1 Prozent. Den Unternehmen werden jedoch weiterhin Fachkräfte fehlen. Deshalb empfehlen wir jungen Menschen: Nicht warten - bewerben! Es gibt noch freie Ausbildungsplätze, der Einstieg in das laufende Ausbildungsjahr ist nach wie vor möglich."

Georg Stoffels, Geschäftsführer der Handwerkskammer Aachen: "Durch die Pandemie hatten leider Handwerksbetriebe im letzten halben Jahr wenig Chancen, Kontakt zu interessierten Jugendlichen aufzunehmen, zumal auch Ausbildungsmessen ersatzlos ausgefallen sind. Das macht sich nun bemerkbar: Im Vergleich zum Vorjahr haben wir aktuell einen Rückstand von 7,4 % bei Neuabschlüssen von Ausbildungsverträgen. Im Kreis Euskirchen lag das Defizit mit 12,7 % leider am höchsten im Kammerbezirk.  Das Handwerk hat aber kräftig aufgeholt, und das Jahr ist noch nicht vorbei.  Für junge Menschen ist noch alles möglich. Aktuell sind zum Beispiel noch viele Lehrstellen offen für angehende Anlagenmechaniker, Elektroniker, Kfz-Mechatroniker, Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk oder Metallbauer. Wichtig für Jugendliche: Eine Ausbildung kann auch im November oder Dezember noch begonnen werden. Und im Handwerk kann man neben den klassischen Abschlüssen Geselle/-in und Meister/-in inzwischen auch den Bachelor oder Master Professional machen.“

Uwe Günther, Geschäftsführer Kreishandwerkerschaft Rureifel „In diesem Frühjahr konnten die allermeisten Veranstaltungen zur Berufsorientierung und Berufserkundung nicht stattfinden. Diese Instrumente, wie Berufsbildungsmessen und Betriebspraktika, fehlten den Innungsfachbetrieben des Handwerks zur Anbahnung von Ausbildungsverträgen. In den von der Pandemie besonders betroffenen Branchen (dem Nahrungsmittelhandwerken, dem Friseurhandwerk, in Teilen der Maschinenbau und der Automobilhandel) belastet neben Auftragsrückgang und Kurzarbeit, zusätzlich der Strukturwandel in der Automobilindustrie Zulieferer und Autohandel, mit negativen Folgen für die Personalpolitik. Es gibt aber auch positive Zahlen. Besonders im Bau- und Ausbauhandwerk konnten die Zahl der Ausbildungsverträge sogar gesteigert werden. Damit bestätigt sich, dass das Handwerk in seiner Vielseitigkeit und Flexibilität als Ausbilder und Arbeitgeber eine stabilisierende Wirkung hat.
Wichtig ist, dass das – unter Beachtung des Gesundheitsschutzes – Machbare für die Aufrechterhaltung der Betriebe, des Handels und der Schulen und Kitas getan wird.“

Daten und Fakten zum Ausbildungsmarkt Ende September 2020

Im Zeitraum Oktober 2019 bis September 2020 wurden dem gemeinsamen Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und Jobcenter für den Kreis Euskirchen insgesamt 836 Ausbildungsstellen gemeldet, 38 oder 4,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Im bisherigen Beratungsjahr wurden insgesamt 1.099 Jugendliche durch die Ausbildungsvermittlung der Arbeitsagentur bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz unterstützt. Das sind 171 oder 13,5 Prozent weniger als im Vorjahr.
Von den seit Anfang Oktober 2019 gemeldeten Ausbildungsstellen waren Ende September noch 78 unbesetzt. Diese Zahl liegt um 66 Stellen oder 45,8 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Von den gemeldeten Bewerbern/-innen waren zum gleichen Zeitpunkt noch 127 unversorgt. Gegenüber dem Vorjahr war das eine Steigerung von 16 Personen oder 14,4 Prozent.

Zahlreiche freie Ausbildungsstellen gibt es derzeit beispielsweise noch in folgenden Berufen:

  • Kaufmann/-frau im Einzelhandel (7)
  • Zahnmedizinische/r Fachangestellte/r (6)
  • Dachdecker/in 5
  • Fachkraft - Lagerlogistik (5)
  • Berufskraftfahrer/in (4)
  • Verkäufer/in (4)
  • Medizinische/r Fachangestellte/r (3)
  • Fachkraft Metalltechnik-Konstruktionstechnik (unter 3)
  • Werkzeugmechaniker/in (unter 3)
  • Elektroniker/in- Energie-/Gebäudetechnik (unter 3)

Imkamp wirbt außerdem dafür, dass Unternehmen in dieser unsicheren Situation die Ausbildungsprämien in Anspruch nehmen können. Das Bundesprogramm richtet sich an Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern. Diese können folgende Prämien der ersten Förderrichtlinie beantragen:

  • Ausbildungsprämie in Höhe von 2.000 Euro für jeden neuen Ausbildungsvertrag bei Erhalt des Ausbildungsniveaus.
  • Ausbildungsprämie Plus in Höhe von 3.000 Euro für jeden neuen Ausbildungsvertrag, der zur Erhöhung des Ausbildungsniveaus führt.
  • Zuschuss zur Ausbildungsvergütung in Höhe von 75 Prozent, wenn Kurzarbeit von Auszubildenden und Ausbildern vom 01.08.2020 bis 31.12.2020 vermieden wird.
  • Übernahmeprämie in Höhe von 3.000 Euro für die Übernahme von Auszubildenden, deren Ausbildung wegen einer Corona-bedingten Insolvenz vorzeitig beendet wurde.

Voraussetzung ist, dass kleine und mittlere Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern im ersten Halbjahr 2020 mindestens einen Monat Kurzarbeitergeld bezogen oder in den Monaten April/Mai mindestens 60 Prozent Umsatzeinbußen zum Vorjahr verzeichnet haben. Gefördert werden Ausbildungen, die frühestens am 1. August 2020 begonnen haben. Der Ausbildungsvertrag kann früher geschlossen worden sein. Die Antragsunterlagen und weitere Informationen stehen auf www.arbeitsagentur.de/unternehmen bereit. Fragen beantwortet der gemeinsame Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Brühl und des Jobcenters EU-aktiv  unter 0800-4555520 (Mo-Fr 8-18 Uhr) oder per E-Mail an Euskirchen.Arbeitgeberservice@arbeitsagentur.de

Diese Unterstützung ist eine von vielen weiteren Hilfen und bereits durchgeführter Aktivitäten, die in diesem Jahr von besonderer Bedeutung sind. Das Angebot der Partner im Ausbildungskonsens ist breit gefächert: Gemeinschaftlich beraten alle Partner zu Ausbildungsberufen, helfen bei der Erstellung von Bewerbungsunterlagen, benennen noch freie Ausbildungsstellen und begleiten, wenn gewünscht, Jugendlichen auch zum Gespräch bei einem Arbeitgeber. Die Arbeitsagentur eine einheitliche Hotline geschaltet. Hier können Jugendlichen sowie deren Eltern die Berufsberatung direkt erreichen. Diese Rufnummer lautet 02251 / 79 79 79.