24.11.2020 | Presseinfo Nr. 56

Qualifizierungschancengesetz

Mit dem Qualifizierungschancengesetz (QCG) wurden im Januar 2019 die Möglichkeiten der Weiterbildungsförderung deutlich ausgebaut und verbessert: Beschäftigte erhalten unabhängig von Qualifikation, Lebensalter und Betriebsgröße Zugang zur Weiterbildungsförderung, wenn sich ihre Tätigkeit durch neue Technologien verändert oder vom Strukturwandel bedroht wird oder wenn sie eine Umschulung zu einem Engpassberuf anstreben.

Ausschlaggebend für das Gesetz waren der durch Digitalisierung und E-Mobilität ausgelöste Strukturwandel am Arbeitsmarkt sowie der zunehmende Fachkräftemangel in einigen Branchen.
Die Höhe der Förderung richtet sich nach der Betriebsgröße und umfasst für einzelne Beschäftigte Weiterbildungskosten (etwa Lehrgangskosten) sowie unter bestimmten Voraussetzungen Arbeitsentgeltzuschüsse für Betriebe bei weiterbildungsbedingten Arbeitsausfallzeiten.
„Das Qualifizierungschancengesetz wird im Rhein-Erft-Kreis und im Kreis Euskirchen bisher eher verhalten in Anspruch genommen“, resümiert Rainer Imkamp, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Brühl. „In diesem Jahr haben insgesamt 82 Beschäftigte berufliche Weiterbildungsmaßnahmen begonnen. Das sind über 40 Prozent weniger als im Vorjahr. Hier hat die Corona-Pandemie für diesen erheblichen Rückgang gesorgt. Der richtige Zeitpunkt für eine Investition in die eigene berufliche Qualifikation ist genau: Jetzt!“

Aktuelle Weiterentwicklung
Am 29. Mai 2020 trat das Gesetz zur Förderung der beruflichen Weiterbildung im Strukturwandel und zur Weiterentwicklung der Ausbildungsförderung in Kraft (auch bekannt als Arbeit-von-morgen-Gesetz – „AvmG“), in dem die Fördermöglichkeiten in einigen wesentlichen Punkten nochmals erweitert wurden:

1. Arbeitslose und Beschäftigte ohne Berufsabschluss haben danach einen Rechtsanspruch auf Förderung der beruflichen Weiterbildung, wenn sie einen Berufsabschluss nachholen wollen. Die Voraussetzungen dafür sind - wie schon zuvor - die Eignung für den angestrebten Beruf, eine voraussichtlich erfolgreiche Teilnahme an der Weiterbildung und die Verbesserung der Beschäftigungschancen.

2. Die Mindestdauer der Weiterbildungsmaßnahme wurde von mehr als 160 Stunden auf mehr als 120 Stunden reduziert.

3. Anpassungsqualifizierungen können nun auch dann zugelassen und gefördert werden, wenn dabei Bildungsinhalte aus berufsqualifizierenden Studiengängen vermittelt werden.

4. Die Fördermöglichkeiten von beruflicher Weiterbildung im Rahmen von Transferkurzarbeitergeld wurden erweitert, d. h. die Beschränkung auf Ältere und Geringqualifizierte wurde aufgehoben.

Außerdem verlängert sich im Rahmen des Gesetzes die Regelung zur (Weiterbildungs-) Prämie und zur Vergabemöglichkeit bei Maßnahmen zum Erwerb von Grundkompetenzen und umschulungsbegleitenden Hilfen bis zum 31.12.2023.

Imkamp verweist auf die jüngsten Änderungen des Qualifizierungschancengesetzes: „Zum 1. Oktober 2020 wurden die Förderzuschüsse zu den Weiterbildungskosten und zu den Arbeitsentgeltzuschüssen erhöht. Voraussetzung dafür sind eine Betriebsvereinbarung bzw. eine tarifvertragliche Regelung oder besonderer Weiterbildungsbedarf. Außerdem sollen ab dem 1. Januar 2021 Sammelanträge zur Qualifizierung von Beschäftigten ermöglicht werden. Beides entspricht den Wünschen, die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber in der Vergangenheit immer wieder geäußert haben. Es bleibt zu hoffen, dass das zarte Pflänzchen Weiterbildung auch trotz Corona weiterwächst und gedeiht.“
Jetzt ist die Zeit für Arbeitnehmer und Arbeitgeber, das ausfallende Arbeitsvolumen zu nutzen, um sich für den Strukturwandel fit zu machen.

Informationen und Unterlagen zum Thema gibt es unter
https://www.arbeitsagentur.de/vor-ort/bruehl/arbeitgeber-qualifizierungschancengesetz