30.11.2020 | Presseinfo Nr. 59

Agentur für Arbeit Brühl zeigt selbst auch hohes Engagement für Inklusion im Kreis-Euskirchen

Immer mehr Menschen mit einer Schwerbehinderung sind in der Lage, am Arbeitsleben teilzunehmen. Viele Unternehmen und Betriebe ermöglichen ihren schwerbehinderten Beschäftigten den Verbleib oder auch den Einstieg in den Beruf und gehen damit mit gutem Beispiel voran. So auch die Agentur für Arbeit Brühl.

Phillip Fragkopoulos (25) und Areeba Zahid Areeba (19) sind Auszubildende bei der Brühler Arbeitsagentur und haben ein Handicap. Phillip hat Glasknochen und sitzt seit seiner Geburt im Rollstuhl. Areeba hat eine starke Sehschwäche und ist neben ihrer Brille bei der Bildschirmarbeit auf eine Vergrößerungs-software angewiesen. Die beiden Auszubildenden sind zwei von insgesamt sechs Auszubildenden in diesem Jahrgang. Die Antwort auf die Frage, was sie von ihren drei gesunden Kolleginnen unterscheidet, fällt kurz aus: „Der Rollstuhl“. „Die Brille“ .
Beide sind sich einig, dass es in der täglichen Arbeit - und darauf kommt es ja an – keine wirklich auffälligen Unterscheidungen gibt. Während Phillip beim Schreiben vielleicht manchmal etwas länger braucht, weil er bei längeren Texten auf seinen Laptop angewiesen ist, braucht Areeba etwas länger beim Lesen. „Aber das gleichen wir auf andere Weise wieder aus“. Areeba beispielsweise fällt es sehr leicht, aus langen Texten schnell das wesentliche herauszufiltern und Phillip hat ein gutes technisches Verständnis und kann sich schnell - auch noch fremde Computerprogramme - einfinden.

„Menschen mit einem Handicap wissen sehr genau, was sie sich zutrauen können und in welchem Beruf ihre Schwächen keine Rolle spielen. Auch ich habe mich bewusst bei der Bundesagentur für Arbeit beworben, weil ich weiß, dass ich gut mit Menschen umgehen kann und meine körperliche Einschränkung in der Beratung, Vermittlung oder anderen Bereichen der Arbeitsverwaltung keine Rolle spielt“, so der 25-jährige Auszubildende, der sich mehr Offenheit und weniger Vorurteile von den Arbeitgebern wünscht.
„Wir haben bei der Arbeitsagentur Brühl 234 Beschäftigte, davon haben 22 Menschen einen Grad der Behinderung oder sind diesen gleichgestellt. Inklusion bedeutet für uns mehr als ein barrierefreier Zugang. Nämlich vorurteilsfrei und offen für die besonderen Stärken sein, die die Menschen mitbringen, die sich bei uns bewerben. Das ist leider noch nicht in allen Unternehmen so. Für viele gute Fachkräfte ist der Weg in den Job wegen ihrer Einschränkung nicht leicht, weil sie mit Vorurteilen zu kämpfen haben. Das können wir uns nicht leisten. Viele Branchen und Betriebe brauchen Fachkräfte und dieser Bedarf nimmt weiter zu. Deshalb sollte sich der Blick auch auf dieses Potenzial richten. Handicaps können fast immer organisatorisch oder durch moderne Technik ausgeglichen werden. Am passenden Arbeitsplatz sind behinderte Menschen genau so leistungsfähig wie Menschen ohne Einschränkungen. Und wenn der gefunden ist, profitieren beide Seiten – Arbeitgeber und Arbeitnehmer“, so Rainer Imkamp, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Brühl.
Um die Beschäftigungschancen von Menschen mit einer Schwerbehinderung zu erhöhen, sind Unternehmen mit mindestens 20 Arbeitsplätzen gesetzlich verpflichtet, mindestens 5 Prozent dieser Stellen mit Menschen zu besetzen, die eine Behinderung haben. Die neueste Statistik nach dem so genannten Anzeigeverfahren datiert wegen der Meldefristen aus dem Jahr 2018. Demnach gab es im Kreis Euskirchen 278 Betriebe, die die „Fünf-Prozent-Klausel“ erfüllen mussten. Von insgesamt 1.550 Pflichtarbeitsplätzen blieben 270 unbesetzt. „Das zeigt, dass es bei manchen Unternehmen noch immer Vorbehalte gibt, die es abzubauen gilt. Wir haben festgestellt, dass die beidseitige Zufriedenheit und Loyalität überdurchschnittlich hoch ist und berücksichtigen dies konsequent bei unserer Rekrutierung“, so Imkamp weiter.

Das wichtigsten Zahlen in Kürze

  • Ende 2017 besaßen im Kreis Euskirchen rund 18.729 Einwohnerinnen und Einwohner einen anerkannten Grad der Behinderung. Dies entspricht einem Anteil von 9,7 Prozent. Die Anteile der schwerbehinderten Menschen steigen mit zunehmenden Alter. Mehr als die Hälfte aller schwerbehinderten Bürgerinnen und Bürger hatte das 65. Lebensjahr bereits vollendet.
  • Die Zahl der Arbeitgeber mit der Pflicht, schwerbehinderte Menschen zu beschäftigen, ist von 2014 bis 2018 gestiegen, zuletzt um 8 oder oder 3,0 Prozent. 2018 gab es 278 anzeigepflichtige Unternehmen im Kreis Euskirchen mit jahresdurchschnittlich monatlich mindestens 20 Arbeitsplätzen.
  • Die Beschäftigung der über das Anzeigeverfahren gemeldeten schwerbehinderten Personen hat von 2014 bis 2018 stetig zugenommen. Im Jahr 2018 wurden 1.878 schwerbehinderte Beschäftigte im Kreis Euskirchen registriert, dies waren 43 oder 2,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
  • Die Besetzungsquote der Arbeitsplätze mit schwerbehinderten und ihnen gleichgestellten Menschen betrug im Jahr 2018 landesweit 5,1 Prozent. Im Kreis Euskirchen betrug diese Besetzungsquote 4,8 Prozent.
  • Im Zeitraum vom November 2019 bis Oktober 2020 waren im Kreis Euskirchen durchschnittlich 419 schwerbehinderte Menschen arbeitslos gemeldet. Das waren 20 oder 5,1 Prozent mehr als im Jahresdurchschnitt 2019. Der Anteil der schwerbehinderten Menschen an allen Arbeitslosen liegt bei 7,1 Prozent. Mehr als die Hälfte der arbeitslos gemeldeten Schwerbehinderten sind 50 Jahre und älter.

Der Arbeitgeber-Service der Arbeitsagentur und des Jobcenters EU-aktiv wirbt bei den Betrieben für die Einstellung schwerbehinderter Menschen, die auf Jobsuche sind und informiert über Gesetze, Regelungen und Fördermöglichkeiten. Interessierte Unternehmen wählen bitte die kostenlose Servicenummer 0800 4 5555 20.