05.02.2021 | Presseinfo Nr. 67

Interview zum Thema Kurzarbeitergeld

Interviewpartner:
Rainer Imkamp, Leiter der Agentur für Arbeit Brühl
Heinz-Konrad Rüffer, Geschäftsführer vom Operativen Service u.a. der Arbeitsagentur Brühl

Frage 1: Warum ist das Instrument der Kurzarbeit in der Krise so wichtig?
Imkamp: Die Pandemie hat den Arbeitsmarkt im letzten Frühjahr mit voller Wucht getroffen. Mit Kurzarbeit konnte aber ein noch größerer Schaden vom Arbeitsmarkt abgewendet werden. Die Kurzarbeit stabilisiert den Arbeitsmarkt, weil sie die Menschen vor der Arbeitslosigkeit bewahrt. Das heißt sie sichert aktuelle Jobs in der Krise.

Frage 2: Können Unternehmen die Kurzarbeit auch positiv nutzen?
Imkamp: Ja, das können sie. Wir raten Unternehmen während der Kurzarbeit ihre Beschäftigten weiterzubilden. Durch die Verknüpfung von Kurzarbeit und Qualifizierung können Unternehmen die Zeit nutzen und ihre Beschäftigen zum Beispiel für die Digitalisierung fit machen. Auch die hier entstehenden Kosten bezuschusst die Agentur für Arbeit. Konkret bedeutet dies: Es werden sowohl Anteile der Kosten der Weiterbildungsmaßnahme als auch des entstandenen Lohnausfalls übernommen. Kurzarbeit kann also überflüssig werden, wenn ein Teil der Mitarbeiterkapazität durch Weiterbildung gebunden ist und die Auftragslage für die verbleibenden Mitarbeitenden ausreicht. Wie hoch die Beteiligung der Agentur für Arbeit an den Kosten der Weiterbildung und am Lohnausfall ist, ist abhängig vom Ziel der Weiterbildung und der Unternehmensgröße Interessierte Unternehmen können sich an den gemeinsamen Arbeitgeberservice wenden. Unternehmen erreichen den Arbeitgeber-Service unter der kostenfreien Hotline: 0800 4 5555 20

Frage 3: Warum erfolgt eine Abschlussprüfung zum Bezug von Kurzarbeitergeld?
Rüffer: Damit die Arbeitgeber das Kurzarbeitergeld so schnell wie möglich erhalten, wird es zunächst vorläufig ausgezahlt. In einem ersten Schritt müssen also keine Nachweise für die Auszahlung vorgelegt werden. Der Arbeitgeber versichert uns mit seiner Unterschrift die Richtigkeit seiner Angaben. Erst, wenn der Arbeitgeber kein Kurzarbeitergeld mehr erhält und der Bezug abgeschlossen ist, erfolgt die Prüfung. Geprüft werden das ausgezahlte Kurzarbeitergeld und auch die Beiträge zur Sozialversicherung, die der Arbeitgeber erhalten hat. Eventuell zu viel gezahlte Beträge werden mit der Abschlussprüfung zurückgefordert, Nachzahlungen werden im Anschluss ausgezahlt. Erst mit dem Prüfungsbescheid, den das Unternehmen von uns erhält, werden die Entscheidungen zur Zahlung bindend.

Frage 4:  Ab wann wird geprüft?
Rüffer: Grundsätzlich nach Beendigung der Kurzarbeit im Betrieb und Auszahlung des letzten Kurzarbeitergeldes. Aufgrund der sehr hohen Fallzahlen wurde während der Pandemie bisher nur in Einzelfällen anlassorientiert geprüft. Voraussichtlich ab Anfang bzw. Mitte März 2021 werden die Prüfungen ausgeweitet. Die Prüfungen werden vermutlich noch bis in das Jahr 2022 andauern.

Frage 5: Welche Arbeitgeber werden geprüft?
Rüffer: Alle Betriebe, die Kurzarbeitergeld oder Beiträge zur Sozialversicherung abgerechnet haben, werden geprüft.

Frage 6: Wie läuft die Prüfung ab und welche Unterlagen muss ich als Arbeitgeber einreichen?
Rüffer: Die Prüfung wird dem Betrieb rechtzeitig angekündigt. Der Arbeitgeber erhält von der Arbeitsagentur eine schriftliche Mitteilung über die Prüfung und hat dann genügend Zeit die erforderlichen Unterlagen zusammenzustellen. Die Prüfung selbst findet in den meisten Fällen bei uns im Haus anhand der eingereichten Unterlagen, wie zum Beispiel Lohnabrechnungen, Auszahlungsnachweise und Stundenzettel, statt. In Ausnahmefällen bietet sich nach Absprache auch die Prüfung im Betrieb oder bei der Lohnabrechnungsstelle an. Das teilen wir dem Betrieb aber natürlich ebenfalls rechtzeitig mit. Wichtig ist, dass die Unternehmen erstmal nichts tun müssen, bis sie von uns eine Prüfungsmitteilung erhalten haben. Wir bitten also von Rückfragen abzusehen.

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