11.11.2020 | Presseinfo Nr. 71

Jahresbilanz: Ausbildungsmarkt im Landkreis Celle und Heidekreis 2019/2020 stabil, aber unterdurchschnittlich

„Weniger Lehrstellen der Betriebe, weniger Jugendliche und die mit Corona einhergehende Herausforderung, die angegebenen Ausbildungswünsche der Jugendlichen und die angebotenen Ausbildungsstellen in Einklang zu bringen“, so bilanziert Agenturchef Sven Rodewald

• 2.087 gemeldete Ausbildungsstellen; 55 weniger als im Vorjahr

• 2.009 Bewerber; 195 weniger als im Vorjahr

• 209 unbesetzte Berufsausbildungsstellen

• 189 nicht vermittelte Bewerber

Von Oktober 2019 bis September 2020 nahm die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen ab und lag bei 2.087. Eine Abnahme von 55 Ausbildungsstellen zum Vorjahr. Gleichzeitig hat sich die Zahl der Ausbildungsbewerber verringert. Insgesamt 2.009 Bewerber zählte die Agentur für Arbeit Celle mit ihren Beratungseinrichtungen in Celle, Hermannsburg, Soltau und Walsrode. Das waren 195 (-8,85 Prozent) weniger als im Vorjahreszeitraum. Am Ende des Berichtsjahres waren 189 Bewerber in den Agenturstandorten und Jobcentern der Landkreise noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Dem gegenüber standen zum Ende des Berichtsjahres noch 209 unbesetzte Ausbildungsstellen.

Viele Bewerber verfolgen eine Doppelstrategie und haben eine Alternative (weiterer Schulbesuch, Studium, Freiwilligendienst, etc.) falls es mit einem Ausbildungsplatz nicht klappen sollte. Auch noch nicht vermittelte Bewerber haben zwischenzeitlich weitere Beratungsgespräche und Angebote erhalten und können ihren Weg in die Ausbildung anbahnen.

„Das Angebot ist da, doch fehlen passende Bewerber!“ – so skizziert Sven Rodewald, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Celle kurz die Lage am Ausbildungsmarkt 2019/2020. „Die Ausbildungswünsche der Jugendlichen sind häufig nicht deckungsgleich mit den gemeldeten Ausbildungsstellen, denn eine rein mathematische Betrachtung erfolgt auf Grund der unterschiedlichen Bewerberinteressen nicht. In einigen Bereichen gibt es mehr Bewerber als Ausbildungsplätze und andere Bereiche haben weniger Zulauf. Aus Sicht der Ausbildungsunternehmen zeigt sich der Markt – nicht nur durch die Corona-Pandemie - recht angespannt. Die Absolventen der Sekundarstufe II entscheiden sich nicht immer für die duale Ausbildung, auch weil sie sich nicht früh entscheiden wollen und noch Informations- und Beratungsbedarf haben – hier unterstützt die Berufsberatung durch Beratungsangebote mit Möglichkeiten der Studienberatung oder die Teilnahme am Selbsterkundungs- und Berufswahltest www.CHECK-U.de . Weitreichende Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Ausbildungsmarkt sind im Agenturbezirk Celle sichtbar, da die Ausgleichsprozesse stark verlangsamt wurden. Trotz aller Unsicherheiten am Ausbildungsmarkt sollten Unternehmen unbedingt daran festhalten und jungen Menschen einen Eintritt in Ausbildung zu ermöglichen.“

„Junge Menschen auszubilden heißt, die Zukunft zu sichern und dem Fachkräftemangel vorzubeugen. Das wissen die Unternehmen, und das spiegelt sich auch in den aktuellen Ausbildungsbemühungen wider“, sagt Sönke Feldhusen, Ausbildungsexperte und stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg (IHKLW). „Insgesamt verzeichnet unsere IHK Lüneburg-Wolfsburg zum 28. Oktober 3.614 neue Ausbildungsverträge. Im Vergleich zum Vorjahr sind das zwar 10,6 Prozent weniger. Allerdings hat dies zu einem gewichtigen Teil auch mit der Rückkehr von G8 auf G9 und den damit verbundenen geringeren Schülerzahlen zu tun. Denn viele Ausbildungsbetriebe hatten deshalb bereits zu Jahresbeginn ihre Ausbildungsplanungen nach unten angepasst.

Für Stadt und Landkreis Celle verzeichnet die IHKLW aktuell 536 neue Ausbildungsverträge, das sind 12,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Im Landkreis Heidekreis beträgt das Minus im Vorjahresvergleich 5,4 Prozent, insgesamt wurden in IHK-Berufen 473 Verträge neu abgeschlossen. Feldhusen: „Die Betriebe erhalten auch in schwieriger Lage ihr Engagement im Bereich Ausbildung, so gut es geht, aufrecht – trotz der in vielen Branchen unsicheren Lage. Coronabedingt hat sich die Bewerbungsphase um eineinhalb bis zwei Monate verzögert. Es gibt entsprechend immer noch freie Ausbildungsplätze. Der Ausbildungsbeginn ist auch verspätet noch möglich.“

Der Bestand an unbesetzten Ausbildungsstellen zum Ende des Beratungsjahres ist hoch und doch halten Betriebe an ihren hohen Erwartungen gegenüber den zukünftigen Lehrlingen fest. „Wer hingegen vermeintlich leistungsschwächeren Bewerbern eine Chance gibt, erhöht die Auswahl und erhält verschiedene Angebote der Arbeitsagentur. Wie bieten unterschiedliche Lösungen für mögliche Herausforderungen an, wie zum Beispiel die Einstiegsqualifizierung oder die ausbildungsbegleitenden Hilfen. Den Ausbildungsstart 2021 betrachten wir in der Corona-Pandemie mit einem wachen Auge: Unternehmen sollten schnellstmöglich die künftigen Ausbildungsstellen im Arbeitgeberservice unter 0800-4 55 55 00 oder per Mail unter celle.arbeitgeber@arbeitsagentur.de melden“, so Rodewald.

Den Unternehmern gibt er mit auf den Weg: „Bei allen Fragen rund um das Thema Ausbildung stehen Ihnen neben den Experten der Kammern die Beratungsfachkräfte der Berufsberatung beratend zur Seite. Mir liegt besonders am Herzen, alle jungen Menschen ins Berufsleben mitzunehmen, so dass keine/r im Übergang von der Schule in den Beruf verloren geht und mehr Jugendliche direkt den Weg in eine Ausbildung finden.

Das Ende des Berufsberatungsjahres bedeutet nicht auch das Ende der Vermittlungsaktivitäten. Auch jetzt melden sich noch Jugendliche, die z. B. keinen Studienplatz erhalten haben oder eine weiterführende Schule abbrechen und nun doch eine duale Berufsausbildung anstreben. Gleichzeitig melden auch Betriebe noch freie Ausbildungsstellen für das bereits begonnene Ausbildungsjahr. „Unsere bisherigen Erfahrungen zeigen, dass im so genannten „fünften Quartal“ von Oktober bis Dezember eine große Anzahl der derzeit noch freien Stellen mit Auszubildenden besetzt werden kann und im Gegenzug bislang unversorgte Bewerber einen Ausbildungsplatz oder eine Alternative finden,“ zeigt Rodewald die Perspektiven auf. Die Personalverantwortlichen sollten jedoch auch die Chance für das kommende Ausbildungsjahr 2021 nutzen und offene Ausbildungsstellen kurzfristig melden.

Im Handwerk lagen die Zahlen in der Region Lüneburg, zu der auch die Landkreise Celle und Heidekreis gehören, Ende September mit 1.292 neuen Ausbildungsverträgen noch 15,7 Prozent unter der Vorjahreszahl. Mittlerweile ist die Zahl der Lehrverträge auf 1.595 gestiegen und befindet sich damit fast auf dem Niveau von 2019 (1.629). „Durch den Wegfall von Ausbildungsmessen und den Ausfall von Aktionen der Handwerkskammer an den Schulen hat sich das Zusammenfinden von Jugendlichen und Ausbildungsbetrieben zeitlich nach hinten verschoben“, erklärt Günter Neumann, Leiter Berufliche Bildung bei der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade. „Jetzt greifen die digitalen Methoden der Nachwuchsgewinnung wie zum Beispiel Online-Speeddatings. Die Zahlen zeigen außerdem, dass der Ausbildungsmarkt unverändert in Bewegung ist. Das Ergebnis ist aber unter den extremen Umständen bereits jetzt bemerkenswert. Wichtig ist uns der Hinweis, dass bis Ende des Jahres ein Einstieg in die Ausbildung möglich ist, da alle Partner in der dualen Ausbildung darauf vorbereitet sind, auch Späteinsteiger gut zu integrieren. Wir ermuntern daher die Betriebe, weiterhin Jugendliche für das aktuelle Ausbildungsjahr zu gewinnen, um den Bedarf an handwerklichen Fachkräften zu decken.“

Denjenigen, die noch nicht in der Berufsberatung waren, legen alle Akteure nahe: „Besorgen Sie sich kurzfristig einen Beratungstermin. Das geht am schnellsten mit einem kostenfreien Anruf im Service Center der Arbeitsagentur unter 0800 4 5555 00 oder 05141 961 750 oder im Internet: www.berufsberatung.de/kontakt .“ Das Service Center der Arbeitsagentur ist montags bis freitags von 8.00 Uhr bis 18.00 zu erreichen.

Hintergrund Berufsberatung

…unterstützt und begleitet junge Menschen unter 25 Jahren bei

• der Berufswahl und -vorbereitung

• der Suche nach einem geeigneten Ausbildungsplatz

• der Wahl geeigneter Bildungswege im berufsbildenden System

• der Wahl des passenden Studiums

• der Bewältigung von Problemen in der Schule oder während der Ausbildung