09.11.2020 | Presseinfo Nr. 64

„Es war ein Jahr mit besonderen Herausforderungen“

Am Ausbildungsjahr war in diesem Jahr vieles anders. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie ließen die typischen Berufswahlmessen ausfallen, erschwerten die Durchführung von betrieblichen Praktika und Vorstellungsgesprächen. Insgesamt bestanden viele Unsicherheiten für die angehenden Nachwuchskräfte und die Ausbildungsbetriebe, die zu einem in Teilen verzögerten Abschluss von Ausbildungsverträgen geführt haben. Nun zieht die Agentur für Arbeit Coesfeld zum Abschluss des statistischen Berichtsjahres eine Bilanz.

„Es war ein Jahr mit besonderen Herausforderungen für alle Beteiligten“, berichtet Johann Meiners, Leiter der Agentur für Arbeit Coesfeld. „Durch den Corona-Lock-Down konnten wir im Frühjahr, einer entscheidenden Phase im Bewerbungsprozess, zum Beispiel nicht mehr in den Schulen beraten, weil diese geschlossen wurden“, erklärt Meiners. „Schnell haben wir die Informations- und Beratungsangebote auf E-Mail und das persönliche Gespräch am Telefon und weitere Online-Kanäle umgestellt. Damit konnten wir gute Erfahrungen machen und vielen Jugendlichen gute Unterstützung geben.“

Insgesamt nahmen im vergangenen Ausbildungsjahr, von Oktober bis Ende September, 3.692 Jugendliche die Beratungs- und Unterstützungsangebote der Agentur für Arbeit in Anspruch. Damit waren es 546 weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. „Diesen Rückgang führen wir aber nur zum Teil auf die Corona-Pandemie zurück. Bereits seit mehreren Jahren lässt sich diese Tendenz beobachten und ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass aufgrund der demografischen Entwicklung weniger Jugendliche die Schule verlassen und andere Möglichkeiten der weiteren schulischen und beruflichen Bildung wahrnehmen,“ so Meiners.

Besonders erfreut zeigt sich der Ausbildungsmarktexperte über die weiterhin hohe Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen. Zwar haben die Unternehmen im Bezirk der Agentur für Arbeit Coesfeld mit 4.890 Ausbildungsplätzen 283 weniger gemeldet als im Vorjahreszeitraum, es sind aber dennoch 199 mehr als vor zwei Jahren. „Sicherlich gab es Unternehmen, die in der aktuellen Situation, darüber nachgedacht haben, ob sie ausbilden können. Viele haben aber erkannt, dass auch jetzt die Ausbildung junger Menschen sehr wichtig und eine notwendige Investition in die Zukunft ist,“ lobt Meiners.

Besonders groß war das Angebot an Ausbildungsmöglichkeiten im Einzelhandel, in kaufmännischen Berufen, dem Lager- und Logistikbereich, in der Sanitär- und Klimatechnik und im Bereich der Reparatur und Instandhaltung von PKW. „In vielen Fällen passte das gut zu der Nachfrage der Jugendlichen“, berichtet Meiners. So standen bei männlichen Bewerbern Ausbildungen zum KFZ-Mechatroniker, Tischler oder Industriekaufmann ganz hoch im Kurs, während die Mädchen am häufigsten eine Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten, Kauffrau für Bürokommunikation oder Industriekauffrau suchten.

„Zumindest rechnerisch stand in diesem Jahr für jeden Jugendlichen mehr als eine Ausbildungsstelle zur Verfügung“, so Meiners, denn mit 1,32 Ausbildungsplätzen für jeden gemeldeten Bewerber war die Situation für die Jugendlichen grundsätzlich gut. Noch vor fünf Jahren waren es für jeden Bewerber nur 0,79 Ausbildungsmöglichkeiten. „Natürlich passen Angebot und Nachfrage nicht immer genau aufeinander. Unterschiedliche Wünsche, Vorstellungen oder auch räumliche Distanzen spielen da eine Rolle. Es zeigt aber, dass für die jungen Erwachsenen mit etwas Flexibilität und Offenheit Vieles in unserer Region möglich ist.“

Wie in jedem Jahr haben auch zum Abschluss dieses Ausbildungsberichtsjahres nicht alle Jugendlichen eine Ausbildung oder andere Alternative gefunden. So sind am Ende noch 117 Jugendliche unversorgt geblieben, 22 mehr als im Vorjahr, aber 20 weniger als noch vor zwei Jahren. Demgegenüber waren zuletzt 418 Ausbildungsstellen unbesetzt. Rechnerisch bedeutet das, dass für jeden unversorgten Bewerber noch 3,57 Ausbildungsstellen zur Verfügung stehen. „Auch jetzt gibt es viele Perspektiven für alle Jugendlichen, die noch eine Ausbildungsstelle suchen. Ein Ausbildungsbeginn ist auch noch in diesem Jahr möglich“, so Meiners. „Unsere Berufsberaterinnen und –berater betreuen jeden eng und individuell. Dabei werden auch Alternativen thematisiert. Ich bin zuversichtlich, dass viele von ihnen bald eine gute Option haben werden“, betont er.

Trotz erkennbarer Auswirkungen Corona-Pandemie sieht der Leiter der Agentur für Arbeit Coesfeld damit keinen Einbruch am Ausbildungsmarkt: „Die Entwicklungen, die wir beobachten, sind Trends, die wir schon in den letzten Jahren beobachten konnten. Sie sind nicht durch Corona ausgelöst worden. Allerdings hat der Lock-Down im Frühjahr dafür gesorgt, dass Bewerber und Ausbildungsstellen in einigen Fällen etwas später im Jahr zueinander gefunden haben, als es üblich ist.“ So ist auch der Blick auf das kommende Jahr für Meiners durchaus zuversichtlich: „Natürlich weiß derzeit keiner, wie die Auswirkungen der Pandemie in den kommenden Monaten sind. Ich bin aber optimistisch, dass die Unternehmen in vielen Fällen weiter auf die Nachwuchsförderung setzten. Gleichzeitig sollten sich junge Menschen, die aktuell oder im nächsten Jahr mit einer Ausbildung beginnen möchten, Unterstützung bei den Experten unserer Berufsberatung holen. Denn wer sich früh auf den Weg macht, hat beste Chancen mit einer guten Ausbildung zu starten.“

Direkte Kontaktaufnahmen sind Online über www.arbeitsagentur.de oder auf telefonischem Wege über die Hotline 02541 919 888 möglich.