20.01.2021 | Presseinfo Nr. 5

Befürchtete Rekord-Arbeitslosigkeit nicht eingetreten

Das zurückliegende Jahr stand auch am Arbeitsmarkt unter dem Einfluss der Corona-Pandemie. Kontaktbeschränkungen und weitere Lock-Down-Regeln hatten starken Einfluss auf viele Unternehmen. Zeitweise mussten Restaurants und der Einzelhandel schließen. Wie sich das auf den Arbeitsmarkt auswirkte, erklärte die Agentur für Arbeit Coesfeld jetzt in Ihrer Jahresbilanz.

„Das war in vielerlei Hinsicht ein herausforderndes Jahr“, erklärt Johann Meiners, Leiter der Agentur für Arbeit Coesfeld im Rahmen der Pressekonferenz zur Jahresbilanz. „Besonders im Frühjahr, dem ersten Lock-Down, kamen Anträge auf Kurzarbeit und Anfragen in einem nie dagewesenen Ausmaß auf uns zu. In der Spitze, im April 2020, waren 3.698 Betriebe und 39.966 Beschäftigte im Agenturbezirk in Kurzarbeit. „Darunter waren sehr viele Branchen, die bislang noch nie mit Kurzarbeit zu tun hatten, zum Beispiel Betriebe im Einzelhandel, der Gastronomie oder sogar Arztpraxen“, wie der Arbeitsmarktexperte erklärt.

„Mit den ersten Lockerungen konnten Monat für Monat mehr Unternehmen wieder in einen annähernd normalen Betrieb übergehen und so die Kurzarbeit beenden“, berichtet Meiners. Für ihn steht fest, dass dank des sehr flexiblen Instrumentes der Kurzarbeit und der Anpassungen der gesetzlichen Grundlagen durch die Bundesregierung, in sehr vielen Fällen eine Arbeitslosigkeit verhindert werden konnte. Dementsprechend fällt seine Bilanz auch sehr deutlich aus: „Es hätte schlimmer kommen können. Die Kurzarbeit hat sehr viele Arbeitsplätze gesichert.“

Dennoch ist die Zahl arbeitsloser Menschen gestiegen. Mit 12.591 Arbeitslosen zählte die Agentur im Jahresdurchschnitt 1.808 Menschen mehr in Arbeitslosigkeit als noch im Vorjahr. Das ist die höchste Zahl seit dem Jahr 2014. „Trotzdem zeigte sich der Arbeitsmarkt in Anbetracht der wirtschaftlichen Verwerfungen sehr robust.“, erklärt Rolf Heiber, Geschäftsführer operativ der Agentur für Arbeit Coesfeld. Denn, so Heiber, vor allem im ersten Lock-Down im Frühjahr kam es zu einem Anstieg der Arbeitslosenzahlen. Die weiteren Monate folgten in der Regel einem typischen saisonalen Verlauf und die Arbeitslosigkeit ging insgesamt wieder zurück.

Das wird beim Blick auf die Zugänge sichtbar. Im Jahr 2020 meldeten sich 31.588 Personen bei der Agentur für Arbeit Coesfeld arbeitslos, das sind 2.469 weniger als noch im Vorjahr. „Die gestiegene Arbeitslosigkeit kam also weniger daher, dass sich mehr Menschen arbeitslos melden mussten“, erklärt Heiber und ergänzt: „Besonders im Frühjahr stellten zeitweise kaum Unternehmen neue Mitarbeiter ein.“ Daher sank auch die Zahl der Menschen, die die Arbeitslosigkeit verlassen konnten, im vergangenen Jahr deutlich. 29.932 Personen wurden aus der Arbeitslosigkeit abgemeldet, weil sie zum Beispiel eine neue Beschäftigung gefunden haben. Das sind 3.734 weniger als im Vorjahr. „In der zweiten Jahreshälfte besserte sich die Situation wieder und die Betriebe stellten wieder vermehrt ein“, so Heiber.

10.221 freie Stellen wurden der Agentur für Arbeit Coesfeld im vergangenen Jahr gemeldet, 2.640 weniger als im Vorjahr. „Auch hier ist vor allem der Lock-Down im Frühjahr als Grund zu nennen, denn viele Unternehmen wussten nicht, wie es in den kommenden Monaten weitergeht“, verdeutlicht Heiber und ergänzt: „Die Zurückhaltung zu diesem Zeitpunkt ist, denke ich, gut nachzuvollziehen.“ Bereits kurz vor den Sommerferien zeichnete sich aber ab, dass sich die Zahl der gemeldeten Stellen normalisierte. „In einzelnen Monaten lag sie sogar über dem Vorjahreswert“, erklärt Heiber.

Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Agentur für Arbeit gab es einige Herausforderungen im zurückliegenden Jahr. „Der großen Anzahl an Anfragen zur Kurzarbeit im März konnten wir nur gerecht werden, weil wir uns innerhalb kürzester Zeit entsprechend umorganisiert haben“, erklärt Meiners. So wurden Mitarbeiter aus anderen Teams kurzfristig in der Thematik Kurzarbeit geschult, um in der Bearbeitung von Anzeigen und Anträgen zu helfen. „Teilweise mit Schicht- und Wochenendarbeit konnten wir so sicherstellen, dass Leistungen wie Arbeitslosengeld und Kurzarbeitergeld innerhalb weniger Tage nach Vorliegen aller Antragsunterlagen bewilligt werden konnten“, sagt Meiners. Auch in der Beratung musste man neue Wege gehen: „Um persönliche Kontakte zum Gesundheitsschutz von Kunden und unserer Mitarbeiter zu reduzieren, haben wir verstärkt auf Telefonberatung oder E-Mail-Kontakte gesetzt. Das funktionierte sehr gut“, berichtet Heiber.

Mit Blick auf das aktuelle Jahr hängt für Meiners und Heiber vieles von den Corona-Beschränkungen ab: „Ein langer und intensiver Lock-Down ist für die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt natürlich eine enorme Belastung“, so Meiners. „Wir sind aber optimistisch, dass wir mit dem Kurzarbeitergeld und der verlängerten Anspruchsdauer auch in diesem Jahr vielen Betrieben und Beschäftigten helfen können“, ergänzt Heiber. Für die Zeit nach der Pandemie setzen sie schon jetzt auf die Qualifizierung von Beschäftigten, denn der Fachkräftemangel ist durch die Pandemie nicht vorüber: „In den kommenden Jahren werden viele Fachkräfte fehlen, das werden wir mit Abklingen der Pandemie wieder deutlicher zu spüren bekommen. Daher setzen wir mit unseren Partnern am Arbeitsmarkt weiterhin darauf, ungelernten Menschen anzubieten, sich beruflich weiter zu qualifizieren“, so Meiners und Heiber zum Abschluss einstimmig.