21.01.2021 | Presseinfo Nr. 10

Jahresrückblick 2020 - Arbeitsmarkt wegen Corona-Krise unter Druck

Bis zur ersten Märzhälfte nahm die Entwicklung am Arbeitsmarkt ihren aus den letzten Jahren gewohnten saisontypischen Verlauf. Der Personalbedarf in den Unternehmen und die ohnehin gute wirtschaftliche Entwicklung sorgten im Frühjahr für einen deutlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit.

Durch die Corona-Krise hat sich Lage deutlich verändert. Mit dem ersten Lockdown Ende des ersten Quartals traten die Themen, wie die Suche nach Auszubildenden und Besetzung offener Stellen für die Arbeitgeber schlagartig in den Hintergrund. Im Vordergrund stand der Gedanke, wie die wirtschaftlichen Folgen des Lockdowns für die Unternehmen abgefedert werden können. In dieser Situation war das schon in der Finanzkrise des Jahres 2008 bewährte Instrument der Kurzarbeit ein stabilisierender Faktor für viele Unternehmen, Beschäftigte und damit auch für den Arbeitsmarkt. Die Zunahme der Arbeitslosigkeit im Jahresvergleich zeigt jedoch auch, dass nicht überall gelingen konnte die Auswirkungen der Pandemie zu kompensieren. Hinzu kamen auch Soloselbständige, die ihr Unternehmen vorrübergehend nicht mehr weiterführen konnten. Mit der Lockerung der Einschränkungen über die Jahresmitte verbesserte sich auch die Lage auf Arbeitsmarkt. Die Unternehmen meldeten wieder mehr offene Stellen und die Arbeitslosenzahlen gingen wieder zurück, auch wenn sie nicht das Vorkrisenniveau erreicht haben. Der erneute Lockdown im November hinterlässt wieder Spuren auf dem Arbeitsmarkt, die sich in den steigenden Arbeitslosenzahlen und der wieder verstärkten Inanspruchnahme von Kurzarbeit abzeichnen", beschreibt Torsten Narr, Chef der Arbeitsagentur Dessau-Roßlau-Wittenberg die Lage auf dem Arbeitsmarkt im Jahr 2020.

Fast 1.000 Personen mehr wegen der Pandemie arbeitslos

Ab März 2020 haben als Folge der Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung zugenommen. Nach den Lockerungen der Maßnahmen erholte sich der Arbeitsmarkt im weiteren Jahresverlauf zwar, dennoch erhöhte sich die Arbeitslosenzahl im Jahresdurchschnitt 2020 in Agenturbezirk im Vergleich zum Vorjahr um 876 auf 13.754. Die Arbeitslosenquote lag im Jahr 2020 bei 7,5 Prozent und damit 0,6 Prozentpunkte über dem Wert aus 2019.

Historisches Hoch in der Kurzarbeit

Mit dem Beginn des Lockdowns im März stieg die Kurzarbeit binnen kürzester Zeit auf ein historisches Niveau. Der bisherige Höchststand wurde im April mit 17.653 Personen in Kurzarbeit erreicht, das entspricht 13,3 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Über 2.700 Betriebe haben Kurzarbeitergeld für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhalten.

Auch Arbeitskräftenachfrage hat unter Lockdown gelitten

Auf die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wirkten sich die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie in einem Minus aus. Im Agenturbezirk Dessau-Roßlau-Wittenberg waren im Jahr* 132.92 Frauen und Männer sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Vor einem Jahr waren es noch 1.420 Beschäftigte mehr (minus von 1,1 Prozent).

Auch die Zahl der gemeldeten Stellen und damit die Nachfrage an Arbeitskräfte nahm in der ersten Phase des ersten Lockdowns stark ab. Im Laufe des Sommers setzte eine leichte Erholung ein, die zum Jahresende hin abflachte. Insgesamt wurden dem Arbeitgeber-Service im Jahresverlauf 7.591 Stellen gemeldet. Das waren 591 Stellenangebote weniger als im Jahr 2019.

*Stichtag 30.06.2020

Agentur für Arbeit reagiert flexibel auf die Herausforderungen

„Die Pandemie wirkte sich auch auf unsere Arbeit aus. Mit dem Lockdown im März erreichten die Anträge auf Kurzarbeit binnen weniger Wochen historisches Ausmaß. Unsere ganze Anstrengung galt der Gewährung von existenzsichernden Leistungen für Unternehmen und Arbeitnehmern und der Erreichbarkeit für unsere Kunden. Da auch persönliche Gespräche nicht möglich waren, verlagerte wir unsere Beratungsgespräche weitestgehend auf das Telefon und seit weniger Wochen auch auf die Videoberatung. Zudem konnten wir unseren Kunden stetig neue online Angebote unterbreiten, so dass viele Anliegen heute von zu Hause aus erledigt werden können. Ein besonderes Engagement galt den Schülerinnen und Schülern der Abgangsklassen, um mit ihnen den Übergang von Schule in Ausbildung oder Studium zu gestalten. Oberste Prämisse war es einen Corona-Jahrgang zu vermeiden", so Narr.