08.07.2021 | Presseinfo Nr. 72

Anders als andere, anders besonders

Evelyn Wemme ist in der Agentur für Arbeit Dessau-Roßlau-Wittenberg Beraterin für Teilhabe am Arbeitsleben (berufliche Rehabilitation) und begleitet u.a. Schüler an Förderschulen beim Übergang von der Schule in das Berufsleben. Dazu berichtet Evelyn Wemme aus ihrem Berufsalltag.

Was bedeutet Förderschule?

Hier werden Schüler unterstützt, die wegen unterschiedlichen Förderbedarfe nicht am Unterricht einer allgemeinbildenden Schule teilnehmen können und eine individuelle sonderpädagogische Förderung benötigen.

Was macht die Arbeit mit beeinträchtigten Schülern so besonders?

In der Berufsberatung wollen wir die Jugendlichen bei der Berufswahlentscheidung und beim Einstieg in die Arbeitswelt begleiten. Das Besondere in der Arbeit mit beeinträchtigten Schülern ist, dass ich als Beraterin auf die individuellen Förderbedarfe, die Schüler an Förderschulen mitbringen, intensiver eingehe. D. h., für diese Mädchen und Jungen gibt es keinen Standardplan, den ich abrufe, um sie und auch ihre Eltern bei der Frage, wie es nach der Schule weitergeht, zu beraten. Beispielsweise kann ich gemeinsam mit den Jugendliche sogenannte Arbeitserprobungen und Berufsfindungen in speziellen Einrichtungen vereinbaren, damit die Schüler über einen längeren Zeitraum die Chance haben sich in verschiedenen Berufen auszuprobieren. Dabei steht für meine tägliche Arbeit neben der Zusammenarbeit mit Förderschulen auch die Netzwerkarbeit im Vordergrund, wie u. a. mit Ärzten, Psychologen und besonderen Bildungseinrichtungen.

Wie sieht die Zusammenarbeit mit den Förderschulen aus?

In unserem Agenturbezirk haben wir 16 Förderschulen für diverse Förderschwerpunkte. Hier arbeiten meine Kollegen und ich sehr intensiv mit den Klassenlehrern und punktuell auch mit den Berufseinstiegsbegleitern in den Schulen zusammen. Angepasst an den individuellen Förderbedarfen der Schüler stellen wir den Jugendlichen und auch deren Eltern die Berufswelt vor. Wir wollen den Mädchen und Jungen da begegnen, wo sie sind. Deswegen werden unsere Beratungen auch intensiv in Anspruch genommen. Hier nehmen wir uns die Zeit, um ganz persönliche Gespräche mit den Schülern und deren Eltern zu führen. Besonders hervorzuheben ist, dass sie Stärken in den Bereichen der Sozialkompetenz und in der Motivation haben. Durchaus können unsere Jugendlichen den klassischen Weg einer dualen Ausbildung gehen.

Welche Empfehlung haben Sie für Eltern?

Ich würde Eltern raten, egal ob ihre Kinder beeinträchtigt sind oder nicht, dass sie den Kontakt mit der Agentur für Arbeit suchen. In den Beratungsgesprächen kristallisiert sich dann heraus, ob die Kollegen aus der allgemeinen Berufsberatung die richtigen Ansprechpartner sind oder wir aus dem Reha-Bereich. Es ist empfehlenswert, dass spätestens anderthalb Jahre vor dem Schulende die Beratungsgespräche beginnen sollten. Termine für das Beratungsgespräch gibt es unter der kostenfreien Servicenummer 0800 4 5555 00. Wir unterstützen sie da, wo es nötig ist.

Wie erleben Sie Ihre Arbeit?

Ich nehme die Jugendlichen so wie sie sind, mit all ihren Stärken und Schwächen. Gemeinsam mit den Schülern, Eltern und Lehrern möchte ich Ideen entwickeln, wie der richtige Übergang von der Schule in das Berufsleben gelingen kann. Dabei orientiert sich mein Handeln an dem Motto: „So normal wie möglich und so speziell wie nötig.“

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