29.10.2020 | Presseinfo Nr. 63

Jahresbilanz am Ausbildungsmarkt der Agentur für Arbeit Detmold in Lippe 2019/ 2020: Corona-Pandemie prägt die Bilanz

Im Bezirk Detmold der Agentur für Arbeit Detmold, der deckungsgleich ist mit dem Kreis Lippe, meldeten sich seit Oktober 2019 bis zum Abschluss des Ausbildungsjahres Ende September 2020 3.116 Bewerber. Gleichzeitig wurden dem Arbeitgeberservice im Berichtsjahr 2019/ 2020 für Lippe 2.131 Ausbildungsstellen gemeldet. Im Bestand sind aktuell 101 zu besetzende Ausbildungsstellen. 2.945 Bewerber wurden versorgt, 171 Bewerber sind weiterhin unversorgt.

Barbara Schäfer, Leiterin der Agentur für Arbeit Detmold, bilanziert den lippischen Ausbildungsmarkt folgendermaßen: „Während die Entwicklung des Ausbildungsmarktes im ersten Halbjahr ähnlich wie in den Vorjahren verlief, setzte Mitte März mit dem Lockdown im Zuge der Pandemie ein überaus untypischer und nicht vorhersehbarer Verlauf ein. Die Schulen schlossen, Berufsberatung war plötzlich nur noch virtuell möglich. Die Sorgen und auch Ängste angesichts von Corona, das neue Homeschooling und dergleichen mehr brachten sowohl Eltern, Schüler als auch Berufsberater vor neue Herausforderungen. Schnell war die Rede davon, dass sich eine Generation Corona auf dem Ausbildungsmarkt wiederfinden würde. Die Arbeitsagentur und ihre Netzwerkpartner in Lippe signalisierten jedoch unverzüglich, dass alle Anstrengungen unternommen werden würden, um die konjunkturelle Eintrübung abzufedern.“

Wie in den Vorjahren, so gibt es auch diesmal bei uns in Lippe eine Schere zwischen Bewerbern und Ausbildungsstellenangeboten. Es gibt folglich mehr junge Frauen und Männer, die den Übergang von der Schule in Ausbildung anstreben, als es entsprechende Jobangebote in der Region gibt. Schäfer: „Durch Corona wurde dieser Effekt zweifelsohne verstärkt. Doch wir senden auch ein positives Signal: Der Einstieg in Ausbildung wurde in 2020 verlängert, so dass weiterhin Einstiegsperspektiven bestehen. Zudem bietet die Arbeitsagentur Fördermöglichkeiten an, sei es eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme oder eine Einstiegsqualifizierung. Jugendliche haben darüber die Möglichkeit, sich für Ausbildung in 2021 zu qualifizieren.“

Schäfer hebt die Bedeutung der Berufsberatung für junge Menschen gerade in unsicheren Zeiten hervor: „Wir bieten jungen Leuten Beratung und Vermittlung, und ein umfassendes Online-Angebot zur beruflichen Orientierung. Gerade diese Generation möchte viel über Smartphone und Computer erledigen.“

Insgesamt sind in 2020 rund 2,5 Millionen Euro für die berufliche Eingliederung und Qualifizierung Jugendlicher seitens der Detmolder Arbeitsagentur vorgehalten, um Ausbildung zu sichern.

Michael Wennemann, Geschäftsführer Aus- und Weiterbildung der Industrie- und Handelskammer Lippe zu Detmold, richtet sich an alle jungen Menschen auf Ausbildungsplatzsuche: „Wir appellieren dringend an alle Ausbildungsplatzbewerber, das Ausbildungsjahr noch nicht abzuhaken. Allein unserer IHK liegen knapp 50 sofort noch zu besetzende Ausbildungsstellen in vielen verschiedenen Berufen vor. Das zeigt, dass der Ausbildungsmarkt 2020 noch in vollem Gang ist und motivierten Bewerbern hervorragende Zukunftschancen bietet!“

Andrea Hegerbekermeier von der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe erläutert die Entwicklung der Ausbildungszahlen im Handwerk: „Das vergleichsweise hohe Niveau der Vorjahre konnte erwartungsgemäß vor dem Hintergrund der Coronaproblematik nicht erneut erfüllt werden. Mit 323 neuen Auszubildenden sinken die Ausbildungszahlen um 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Und das obwohl diese im letzten Jahr auf einem Höchstwert lagen. Grund dafür ist die Coronakrise. Die Nachfrage auf Seiten der Bewerber aber auch der Unternehmen ist in 2020 sehr zurückgegangen. In vielen Betrieben herrschte bzw. herrscht eine große Unsicherheit. Es wird daher einfach weniger ausgebildet. Die Unternehmen sind sich schließlich ihrer Verantwortung für einen Azubi bewusst und möchten diesem auch über die Ausbildung hinweg eine Perspektive bieten können.“

Einige sonst sehr starke Handwerksbereiche sind besonders von der diesjährigen Entwicklung betroffen, berichtet Hegerbekermeier: Bei den Anlagenmechanikern finden sich statt den 56 Lehrverhältnissen im Vorjahr diesjährig nur 42. Bei den Elektronikern waren es in 2019 noch 61 Azubis. In 2021 sind es nur noch 36. Bei den Friseuren gibt es in diesem Jahr nur 17 Auszubildende. Im letzten Jahr waren es noch 31. Und auch bei den Kfz-Mechatronikern waren es in 2019 noch 75 Azubis. Jetzt sind es nur 42. Auch die Tischler haben diesjährig nur 16 Azubis im Vergleich zu den 30 im Vorjahr.

Besonders Ausbildungsberufe, bei denen enger Kundenkontakt erforderlich ist, erleben in diesem Jahr einen Einbruch der Ausbildungszahlen. Das zeigt die Statistik ganz deutlich.

Bei den Malern befindet sich die Ausbildungszahl von 18 fast auf Vorjahresniveau. Das gilt auch für den Metallbereich. Die Ausbildungszahlen im Zimmerer- und Dachdeckerhandwerk sind jeweils etwas in die Höhe gegangen.

Da Handwerksbetriebe hauptsächlich für den eigenen Nachwuchs ausbilden, droht, sollte dieser Trend so weitergehen, eine Zuspitzung des Fachkräftemangels.

Schon seit Jahren engagiert sich die Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe auf dem Gebiet der Nachwuchswerbung. Hegerbekermeier: „Auch während der Coronakrise und des Lockdowns haben wir in engem Kontakt mit Unternehmen und Bewerbern gestanden – häufig über Handy und Whatsapp. Auch neue Formate wie ein digitales Speeddating haben geholfen, Bewerber und Unternehmen in dieser Zeit zusammenzubringen. Nichts desto trotz, hat die Pandemie diese Bemühungen in diesem Jahr untergraben. Die Kraftanstrengungen werden aufgrund der diesjährigen Ausbildungszahlen in 2021 noch weiter zunehmen müssen.“

Für den Ausbildungsbeginn 2021 unterstützt der Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur Unternehmen bei der Besetzung freier Ausbildungsplätze kostenfrei unter 0800 4555520. Junge Leute, die Hilfe bei der Ausbildungssuche anstreben, melden sich jederzeit unter 0800 4555500 bei der Berufsberatung an.