29.07.2022 | Presseinfo Nr. 47

Kreis Lippe - Der Arbeitsmarkt im Juli 2022

„Dennoch erweist sich der Arbeitsmarkt als stabil und aufnahmefähig wie die hohe Zahl der Stellenagebote mit 3.430 belegt. Auch liegt die Arbeitslosigkeit mit minus 4,4 Prozent noch deutlich unter dem Wert des Vorjahresmonats. Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch der Hinweis darauf, dass der Arbeitsmarkt ständig in Bewegung ist. So haben sich im Juli 2.288 Personen arbeitslos gemeldet und 1.648 Personen sind aus der Arbeitslosigkeit ausgeschieden“, so die Bilanz von Heinz Thiele, Leiter der Agentur für Arbeit Detmold.

 

In den vergangenen Wochen erhielten zahlreiche junge Menschen ihre Ausbildungszertifikate und Schüler an Berufsfachschulen ihre Abschlusszeugnisse. Thiele: „Für diese Personengruppe endet damit die Ausbildung, und leider hat nicht Jeder im direkten Anschluss daran eine Arbeitsstelle. Für die Übergangszeit melden sich die Berufseinsteiger arbeitslos, sie werden jedoch nicht lange arbeitslos sein. Nach dem Ende der Sommerferien wird erfahrungsgemäß in den Betrieben wieder verstärkt eingestellt.“

„Der Ausbildungsmarkt läuft aktuell auf Hochtouren angesichts der Ausbildungsstarts im August beziehungsweise im September. Wer noch auf der Suche nach einer Ausbildung ist, aber noch keinen Lehrvertrag in der Tasche habe, sollte jetzt noch zügig Kontakt mit der Berufsberatung aufnehmen. Es werden noch freie Ausbildungsstellen vermittelt, und es lassen sich sinnvolle Alternativen beim Übergang von Schule in den Beruf erarbeiten,“ so der Agenturchef.

Arbeitslosigkeit

Die Zahl der Arbeitslosen ist im Kreis Lippe im Juli 2022 gestiegen. Insgesamt waren 10.218 Personen arbeitslos gemeldet. Verglichen mit den Zahlen des Vormonates sind dies 644 Personen oder 6,7 Prozent mehr. Im Vergleich zum Juli des Vorjahres sinkt die Zahl der Arbeitslosen um 470 Personen bzw. 4,4 Prozent. Die Arbeitslosenquote beträgt im Juli 2022 5,5 Prozent. Vor einem Jahr belief sie sich auf 5,7 Prozent (minus 0,2 Prozentpunkte). Die niedrigste Arbeitslosenquote in Lippe nach Geschäftsstellen hat Lemgo (3,9 Prozent), gefolgt von Blomberg (4,8 Prozent), Bad Salzuflen (5,9 Prozent) und Detmold (6,2 Prozent).                                                                                           

Entwicklung in der Arbeitslosenversicherung - SGB III

Im Bereich der Arbeitslosenversicherung wurden in diesem Monat 3.105 Personen gemeldet. Die Zahl hat sich im Vergleich zum Vormonat erhöht um 352 Personen bzw. 12,8 Prozent. Im Vorjahresvergleich bedeutet dies eine Verringerung um 351 Personen oder 10,2 Prozent.                                           

Entwicklung in der Grundsicherung - SGB II

In der Grundsicherung sind 292 Arbeitslose mehr als im Vormonat und 119 weniger als im Vorjahr zu verzeichnen. Im Verhältnis entspricht dies plus 4,3 Prozent zum Vormonat bzw. minus 1,6 Prozent zum Vorjahr. Insgesamt sind es 7.113 Personen und damit 69,6 Prozent aller Arbeitslosen, die zur Grundsicherung gemäß SGB II zählen. Seit Juni sind Geflüchtete aus der Ukraine in der Betreuung und Vermittlung des Jobcenters, soweit die Voraussetzungen hierfür vorliegen.                                                        

Jugendarbeitslosigkeit

1.322 Arbeitslose sind im Berichtsmonat im Kreis Lippe unter 25 Jahre alt. Im Vormonat waren dies noch 290 weniger und im gleichen Monat des Vorjahres 151 weniger arbeitslose junge Menschen. Die prozentuale Veränderung beläuft sich somit auf plus 28,1 Prozent zum vorherigen Monat bzw. plus 12,9 Prozent im Vorjahresvergleich.                                                                          

Arbeitslose ab 50 Jahre

Die Anzahl arbeitsloser Personen ab 50 Jahre ist im Vergleich zum Vormonat gestiegen (plus 50 Personen oder plus 1,6 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahr sind es 249 Arbeitslose weniger (minus 7,2 Prozent). Insgesamt sind 3.222 Menschen ab 50 Jahre im Kreis Lippe betroffen.                                                              

Langzeitarbeitslose

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist im Kreis Lippe im Berichtsmonat gesunken. 4.286 Personen waren länger als ein Jahr nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt, darunter zählen 90,5 Prozent (3.880 Personen) zur Grundsicherung. Verglichen mit den Gesamtzahlen des Vormonates sind dies neun Langzeitarbeitslose weniger. Im Vergleich zum Vorjahr sinkt die Zahl dieser Arbeitslosen damit um 784 Personen.                                                                             

Stellenangebot

Unternehmen aus dem Kreis haben in diesem Monat 523 Stellen gemeldet (plus 40 zum Vormonat). Im Bestand befanden sich insgesamt 3.430 offene Stellen, 42 weniger als im Vormonat und 436 mehr als im Vorjahresmonat.        

DER ARBEITSMARKT IN OSTWESTFALEN-LIPPE

Die Arbeitslosigkeit in Ostwestfalen-Lippe ist im Juli 2022 gestiegen. Aktuell sind 61.841 Personen arbeitslos gemeldet. Das sind 4.113 oder 7,1 Prozent Arbeitslose mehr als zum Vormonat aber immer noch 4,3 Prozent weniger als zum Juli 2021.

Ein Anstieg der Arbeitslosigkeit von Juni auf Juli eines Jahres ist saisonüblich und betrug in den letzten sieben Jahren durchschnittlich plus 2,4 Prozent. Üblicherweise hängt dies unter anderem mit der Beendigung von Berufsausbildungsverhältnissen ohne Anschlussbeschäftigung und der Sommerflaute bei den Einstellungen zusammen. Im Juli 2022 stieg die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vormonat allerdings um 7,1 Prozent an.

Auch in diesem Jahr ist dies zum Teil auf die Arbeitslosmeldung junger Menschen zurückzuführen, welche nach Beendigung ihres Berufsausbildungsverhältnisses auf der Suche nach einem neuen Job sind. So stieg die Arbeitslosigkeit in der Personengruppe unter 20-Jähriger um 333 Personen (plus 37,0 Prozent) im Vergleich zum Vormonat an.

Besonders auffällig ist jedoch der erneute Anstieg von arbeitslosen Ausländern. Die Zunahme im Vergleich zum Vormonat betrug in dieser Personengruppe plus 2.666 Personen (plus 14,1 Prozent). Darunter sind 2.223 Personen mit ukrainischer Staatsangehörigkeit. Aufgrund der gesetzlichen Änderung zum 01. Juni 2022 können Menschen, welche aus der Ukraine geflohen sind, bei den Jobcentern Leistungen zur Grundsicherung erhalten, was zu einem Anstieg arbeitslos gemeldeter ukrainischer Staatsangehöriger geführt hat. Aufgrund unterschiedlicher interner Prozesse der Jobcenter konnten diese Personen im Umstellungsprozess nicht vollständig im Berichtsmonat Juni erfasst werden, weshalb auch in diesem Berichtsmonat ein starker Anstieg stattgefunden hat.

In Ostwestfalen-Lippe sind aktuell 4.320 ukrainische Staatbürger arbeitslos gemeldet, davon 98,4 Prozent im Rechtskreis SGB II. Das sind ca. 4.000 Personen mehr als im Februar 2022, dem Berichtsmonat vor Ausbruch des Krieges in der Ukraine.

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist erfreulicher Weise weiter gesunken. Im aktuellen Berichtsmonat sind 24.795 Personen länger als ein Jahr auf Arbeitssuche. Das sind 17,6 Prozent mehr als im Juli 2019. Jedoch beschleunigt sich die rückläufige Entwicklung. In den Julimonaten der Jahre 2016 bis 2019 nahm die Langzeitarbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahresmonat durchschnittlich um 7,3 Prozent ab. Im Juli 2022 beträgt dieser Rückgang im Vergleich zum Vorjahresmonat 11,6 Prozent. Der Anteil Langzeitarbeitsloser an allen Arbeitslosen ist mit 40,1 Prozent weiterhin hoch (2021: 43,4 Prozent, 2020: 32,6 Prozent, 2019: 35,6 Prozent).

Der Bestand an gemeldeten Arbeitsstellen, welche durch Jobcenter und Arbeitsagenturen in OWL angeboten werden können, steigt weiter an und beträgt im aktuellen Berichtsmonat 28.375 Stellen. Das ist eine Zunahme zum Vorjahresmonat um 5.596 Stellen bzw. 24,6 Prozent. Im Juli 2022 wurden 3.954 freie Arbeitsstellen neu gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahresmonat wurden 1.692 Stellen weniger gemeldet. Damit zeigen sich erste Auswirkungen aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheiten bezogen auf die Preissteigerungen und Energiekosten sowie Lieferengpässe. Arbeitgeber zeigen sich vorsichtig mit der Meldung neuer Arbeitsstellen und scheinen weniger Arbeitskräfte neu einzustellen, worauf der Zuwachs des Bestandes an gemeldeten Arbeitsstellen hindeutet. Dass gemeldete Arbeitsstellen jedoch nicht zurückgezogen werden lässt eine Hoffnung der Arbeitgeber auf baldige Verbesserung der Lage erkennen. Insgesamt ist der Arbeitsmarkt weiterhin aufnahmefähig und stabil.

Die niedrigste Arbeitslosenquote in unserer Region findet sich im Kreis Höxter (3,8 Prozent), gefolgt von den Kreisen Gütersloh (4,1 Prozent), Paderborn (5,2 Prozent), Minden-Lübbecke (5,2 Prozent), Herford (5,4 Prozent), Lippe (5,5 Prozent) und der Stadt Bielefeld (8,0 Prozent). Insgesamt hat Ostwestfalen-Lippe eine Arbeitslosenquote von 5,4 Prozent (Vormonat 5,1 Prozent, Vorjahr 5,7 Prozent).