05.01.2021 | Presseinfo Nr. 1

Jahresrückblick 2020 und Arbeitsmarkt im Dezember

Berichtsmonat: Dezember

  • Deutlicher Anstieg der Arbeitslosigkeit im Jahresverlauf
  • Kurzarbeit sichert die Beschäftigung
  • Ausgaben in Rekordhöhe

Richard Paul, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Donauwörth blickt auf die Entwicklung des Arbeitsmarktes im Jahr 2020 zurück: „Wir haben ein recht turbulentes Jahr 2020 hinter uns. Nachdem einzelne Wirtschaftsbereiche bereits von konjunkturellen Problemen und strukturellen Veränderungen betroffen waren, hatte uns zusätzlich die Corona-Pandemie ab März fest im Griff.“

Im Jahresdurchschnitt liegt die Arbeitslosenquote bei 2,7 Prozent und damit um 0,8 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert. Durchschnittlich waren im Bezirk der Agentur für Arbeit Donauwörth mit den Landkreisen Dillingen, Donau-Ries, Günzburg und Neu-Ulm 8.450 Personen arbeitslos gemeldet. Das sind 2.543 mehr als im Jahr 2019 (plus 43 Prozent).

„Thema Nummer 1 war vergangenes Jahr die Kurzarbeit. Sie trägt in einem nie dagewesenen Maße zur Sicherung der Beschäftigung bei. Die Unternehmen halten nach wie vor an ihren Mitarbeitern fest. Die Krise hat aber auch ihren Preis. Im Jahr 2020 zahlte die Agentur Donauwörth beachtliche 73 Millionen Euro für Kurzarbeitergeld aus und es wurden über 54 Millionen Euro Sozialversicherungsbeiträge erstattet. Ein Jahr zuvor waren es insgesamt lediglich 3,6 Millionen Euro. Diese Entwicklung zeigt, dass Instrumente wie das Kurzarbeitergeld greifen und einen wesentlichen Beitrag zur sozialen Absicherung der Menschen beitragen“ so der Agenturchef weiter.

Auch die Ausgaben für das Arbeitslosengeld I sind um 46,5 Prozent gestiegen. In gesamten Jahr 2020 wurden fast 67 Millionen Euro Arbeitslosengeld I ausbezahlt.

„Der Bedarf an Arbeitskräften war stark rückläufig. Insbesondere Branchen, die unmittelbar von den Beschlüssen zum Lockdown betroffen waren und sind, haben deutlich weniger Stellen gemeldet. Neben den Auswirkungen der Krise gilt es den Transformationsprozess zu meistern. So ging die Nachfrage nach Arbeitskräften um rund ein Drittel zurück. Auch die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten ist im Jahresvergleich erstmals leicht rückläufig. Dass die Beschäftigung nicht einbrach und die Arbeitslosigkeit nicht noch stärker stieg verdanken wir der Kurzarbeit, die wie als Stabilisationsfaktor wirkt“, sagte Paul.

Arbeitslosigkeit nach Personengruppen

Männer waren im vergangenen Jahr mehr von Arbeitslosigkeit betroffen als Frauen. Im Jahresdurchschnitt stieg die Arbeitslosigkeit von Männern um 1.515 oder 45,8 Prozent; bei Frauen um 1.027 oder 39,5 Prozent. Bei den jüngeren Arbeitslosen unter 25 Jahren stieg die Arbeitslosigkeit um 383 (oder 62,4 Prozent) auf 996 Personen. Im Jahr 2020 waren durchschnittlich 3.132 Menschen im Alter ab 50 Jahren gemeldet, 776 (oder 32,9 Prozent) mehr als vor einem Jahr. Die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen mit Behinderung stieg um 170 (oder 25,4 Prozent) auf 841. Einen Anstieg der Arbeitslosigkeit um 856 oder 55,4 Prozent verzeichnen wir außerdem bei den ausländischen Personen auf 2.399 und den Langzeitarbeitslosen um 249 oder 28,1 Prozent auf 1.136.

Viel Bewegung auf dem Arbeitsmarkt

Der Arbeitsmarkt ist ständig in Bewegung. Im Verlauf des Jahres meldeten sich 30.590 Menschen arbeitslos, davon kamen 15.132 aus einer Beschäftigung. Im Gegenzug konnten sich 28.106 Personen aus der Arbeitslosigkeit abmelden, davon nahmen 10.734 eine Erwerbstätigkeit auf.

Arbeitslosigkeit in Versicherung stieg stärker als in der Grundsicherung

Bei den Jobcentern waren 2.506 Menschen arbeitslos gemeldet, das entspricht etwa knapp 30 Prozent aller Arbeitslosen. Hier ist ein Anstieg um 456 Personen (plus 22,3 Prozent) zu verzeichnen. Deutlich stärker war der Anstieg im Bereich der beitragsfinanzierten Arbeitslosenversicherung. Bei der Agentur für Arbeit stieg die Zahl der Arbeitslosen um 54,1% (plus 2.086) auf 5.945 Personen.

Arbeitskräftenachfrage stark rückläufig

Der Personalbedarf der Betriebe war wesentlich niedriger als in den Vorjahren. Wir hatten im Jahr 2020 durchschnittlich 4.098 offene Stellen gemeldet. Das sind 2.086 oder 33,7 Prozent weniger als im Jahr 2019.
Auch der Neuzugang von Stellen ist im Vergleich zum Vorjahr rückläufig. Im gesamten Jahresverlauf wurden 10.256 Arbeitsstellen zur Besetzung gemeldet, 7.333 oder 41,7 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Branchenabhängige Beschäftigungsentwicklung

Nach den aktuellsten Daten vom Juni 2020 standen zu diesem Zeitpunkt 217.030 Menschen im Agenturbezirk Donauwörth in einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis. Die Beschäftigung sank im Vergleich zum Vorjahr um 972 bzw. 0,4 Prozent. Dabei ist der Beschäftigungsrückgang vor allem auf die Metall-, Elektro- und Stahlindustrie sowie der Arbeitnehmerüberlassung zurückzuführen.

„Dass die Beschäftigung nicht noch stärker gesunken ist, ist vor allem auf Branchen zurückzuführen, die weniger vom strukturellen Wandeln betroffen sind.  Vor allem im Bereich Verkehr und Lagerei, dem Gesundheitswesen, Handel / Instandhaltung / Reparatur von Kraftfahrzeugen, Information und Kommunikation, Öffentliche Verwaltungen, Heime und Sozialwesen und im Baugewerbe stieg die Beschäftigung im Vergleich zum Vorjahr.  Auch im Zeitalter der Digitalisierung und der Transformation werden wir nicht weniger Arbeit haben, die Arbeit verändert sich jedoch. Langfristig kämpfen wir gegen den Fachkräftemangel. Um Unternehmen dabei zu unterstützen, setzten wir stark auf die Qualifizierung von Beschäftigten. Wir unterstützen Arbeitgeber und Beschäftigte und helfen Unternehmen mit der Weiterbildungsförderung, sich zukunftsorientiert aufzustellen. Wer gut qualifiziert ist, hat weiterhin beste Chancen auf dem Arbeitsmarkt“, sagte Paul abschließend.

Der Arbeitsmarkt im Dezember 2020

„Im Bezirk der Agentur für Arbeit Donauwörth sind aktuell 8.749 Menschen arbeitslos gemeldet. 163 mehr als vor einem Monat. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich gegenüber November um 0,1 Prozentpunkte auf 2,8 Prozent. Die Dezemberdaten zeigen damit ein stabiles Bild. Zu beachten ist, dass der Datenabgriff zur Monatsmitte und damit vor dem Beginn des erneuten Lockdowns erfolgte“, so der Chef der Arbeitsagentur.

Ca. drei Viertel aller Arbeitslosen sind bei der Arbeitsagentur gemeldet, ein knappes Viertel bei den vier Jobcentern im Bezirk der Arbeitsagentur.

Der Bestand an offenen Arbeitsstellen liegt derzeit bei 3.832. Im Dezember wurden dem Arbeitgeber-Service 929 neue Stellen gemeldet.
 

Landkreis Arbeitslose Arbeitslosenquote Dez. 2020 Arbeitslosenquote Nov. 2020 Arbeitslosenquote Dez. 2019
Dillingen 1.417 2,5 2,5 1,9
Donau-Ries 1.722 2,2 2,2 1,6
Günzburg 2.223 3,0 2,8 2,3
Neu-Ulm 3.387 3,3 3,3 2,3
Kurzarbeit

„Die Entwicklung der Anzeigen für konjunkturelle Kurzarbeit lässt weiterhin die Auswirkungen der Corona Krise auf den Arbeitsmarkt erkennen. Einhergehend mit den aktuellen Lockdown-Beschränkungen ist wieder ein deutlicher Anstieg der Anzeigen im Vergleich zu den Vormonaten erkennbar. Im Dezember gingen 492 Anzeigen für 4.228 Beschäftigte ein; im November waren es 259 Anzeigen für 2.436 Personen“ berichtet der Donauwörther Agenturleiter.

Da Betriebe drei Kalendermonate Zeit haben, um ihre Abrechnungen einzureichen, liegen statistische Ergebnisse über die tatsächlich realisierte Kurzarbeit als Hochrechnung bis August dieses Jahres vor. Für August 2020 ergeben sich insgesamt 1.552 Betriebe und 17.894 Personen in Kurzarbeit. Die Kurzarbeiterquote beträgt 8,2 Prozent. Aufgrund der Gültigkeitsdauer der Anzeigen von 12 Monaten kann die realisierte Kurzarbeit die angezeigte Kurzarbeit übersteigen.