30.07.2020 | Presseinfo Nr. 46

Keine Entspannung auf dem Arbeitsmarkt

- Arbeitslosenquote steigt weiter auf 3,0 Prozent
- Anzahl der neuen Anzeigen auf Kurzarbeit geht deutlich zurück
- Nachfrage nach Arbeitskräften zieht leicht an

Arbeitslosigkeit
„Die Arbeitslosigkeit im Bezirk der Arbeitsagentur Donauwörth mit den Landkreisen Dillingen, Donau-Ries, Günzburg und Neu-Ulm stieg erneut leicht an. So waren im Juli 9.308 Menschen arbeitslos gemeldet. Das sind 219 Personen bzw. 2,4 Prozent mehr als im Juni. Die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 3,0 Prozent und damit um 0,1 Prozentpunkte höher als im Vormonat. Saisonüblich verzeichnen wir einen Anstieg der Arbeitslosigkeit besonders bei den jungen Menschen zwischen 15 und 25 Jahren. Wie in jedem Jahr beenden viele junge Menschen in den Sommermonaten ihre schulische oder berufliche Ausbildung. Nicht immer haben sie einen nahtlosen Anschluss in ein Beschäftigungsverhältnis und müssen sich vorübergehend arbeitslos melden. Aktuell sind 1.168 Jugendliche arbeitslos gemeldet, 74 mehr als im vergangenen Monat und 533 mehr als vor einem Jahr“ erläutert Richard Paul, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Donauwörth die aktuelle Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt.

Positiv ist, dass wieder mehr Menschen eine Beschäftigung gefunden haben. So konnten im Juli gut 770 Menschen ihre Arbeitslosigkeit durch die Aufnahme einer Beschäftigung beenden. Dennoch haben die Auswirkungen der Corona-Pandemie verbunden mit den konjunkturellen und strukturellen Entwicklungen, die schon vor der Krise eingesetzt haben, den Arbeitsmarkt weiter im Griff. So ist die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr deutlich um 3.717 Personen gestiegen" so der Agenturleiter weiter.

Von den 9.308 arbeitslos gemeldeten Menschen waren 6.570 (plus 301 im Vergleich zum Vormonat) bei der Arbeitsagentur und 2.738 (minus 82 im Vergleich zum Vormonat) in den vier Jobcentern Donau-Ries, Dillingen, Günzburg und Neu-Ulm gemeldet.

Identifizierung ohne Behördengang – neues Selfie-Ident-Verfahren per Handy
„Eine gesetzliche Vorgabe bei der Beantragung von Arbeitslosengeld ist die persönliche Arbeitslosmeldung. Aufgrund der Einschränkungen in der Corona-Zeit hat die Bundesagentur für Arbeit ihre digitalen Angebote für Kundinnen und Kunden stark ausgebaut, damit sie ihre Anliegen unabhängig von Ort und Zeit erledigen können. Das neue Selfie-Ident-Verfahren ermöglicht es, sich von zu Hause aus arbeitslos zu melden, da man sich per Handy oder Tablet identifizieren kann. Das Verfahren ist ein echter Fortschritt“ erklärt Richard Paul zum neuen Online-Angebot.
 

Kurzarbeit
Die Zahl der neu eingegangenen Anzeigen auf Kurzarbeitergeld geht deutlich zurück. Bis Ende letzter Woche wurden im Juli im Agenturbezirk Donauwörth insgesamt 84 Anzeigen für 1.856 Personen eingereicht. Im Juni waren es noch 127 Anzeigen für 3.680 Personen. Da eine Anzeige oft vorsorglich und für mehr Mitarbeitende gestellt wird, lässt sich noch keine Aussage zur tatsächlich realisierten Kurzarbeit treffen. Diese Angaben liegen erst mit einer zeitlichen Verzögerung vor.

Paul appelliert an die Arbeitgeber: „Wichtig ist, dass Unternehmen nach Ende der Krise schnellstmöglich durchstarten können. Dazu gehört auch eine zukunftsorientierte Ausrichtung der Betriebe. Um Unternehmen dabei zu unterstützen, setzen wir stark auf die Qualifizierung von Beschäftig-ten. Die Weiterbildung der Belegschaft ist auch in Zeiten der Kurzarbeit möglich und wird von uns gefördert. Ich empfehle Arbeitgebern, die Fördermöglichkeiten intensiv zu nutzen.“

Gemeldete Arbeitsstellen
Erfreulich ist die Entwicklung bei der Nachfrage nach Arbeitskräften. So wurden im Juli 733 neue Arbeitsstellen gemeldet, das sind 205 oder 38,8 Prozent mehr als vor einem Monat. Mit einem Minus von 622 oder 45,9 Prozent unterschreitet das Angebot neu gemeldeter Stellen jedoch weiterhin deutlich das Vorjahresniveau.

Auch der Stellenbestand ist im Vergleich zum letzten Jahr deutlich rückläufig (minus 43,1 Prozent zum Vorjahr). Aktuell sind 3.646 offene Arbeitsstellen gemeldet. Gesucht werden Arbeitskräfte in den Bereichen Lager, Verkauf, Maschinenbau, Metallbau und –bearbeitung, Maschinen-, Anlagen- und Kranführer, aber auch Büro- und Sekretariatskräfte. Das Anforderungsniveau liegt bei fast 84 Prozent der gemeldeten Stellen auf Fachkraftniveau oder höher.

„Das Thema Fachkräftemangel ist auch in Corona-Zeiten präsent und wird uns in den kommenden Jahren ebenso begleiten. Die Fördermöglichkeiten des „Qualifizierungschancengesetzes“ wurden durch das „Arbeit-von-Morgen-Gesetz“ nochmals erweitert und bieten Arbeitgebern mit attraktiven Zuschüssen die Chance, die eigenen Beschäftigten weiterzubilden und für betriebliche Anforderungen - insbesondere im Hinblick auf den Strukturwandel - fit zu machen“ wirbt Richard Paul.

Ausbildungsmarkt
Im Bezirk der Agentur für Arbeit Donauwörth meldeten sich seit Beginn des Berufsberatungsjahres im Oktober letzten Jahres 3.224 Bewerber um Berufsausbildungsstellen; 10,9 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig wurden von den Arbeitgebern 4.435 Berufsausbildungsstellen gemeldet; das entspricht einem Minus von 4,3 Prozent.

Zum Statistikstichtag im Juli waren noch 846 Bewerber ohne Ausbildungsstelle oder eine andere Alternative. Demgegenüber stehen 1.758 unbesetzte Ausbildungsstellen. Rein rechnerisch ergibt das 2,08 unbesetzte Ausbildungsstellen pro unversorgtem Bewerber.

„Für Schulabgänger, die noch keine Ausbildungsstelle gefunden haben, bestehen noch eine Menge attraktiver Angebote und es lohnt sich auch jetzt noch, sich um einen Ausbildungsplatz für den Herbst 2020 zu bewerben. Unsere Berufsberater stehen jedem, der Unterstützung braucht, gerne zur Verfügung.

Außerdem ist für Schüler, die das letzte Schuljahr vor sich haben, jetzt der richtige Zeitpunkt, um sich für Ausbildungsplätze mit Start im Jahr 2021 zu bewerben. Denn nur Unterlagen, die rechtzeitig in den Betrieben vorliegen, haben auch die Chance, in den Auswahlprozessen einbezogen zu werden“ betont der Chef der Arbeitsagentur.

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