30.11.2018 | Presseinfo Nr. 84

3. Dezember Internationaler Tag der Menschen mit Behinderung

Für Menschen mit Behinderung bleibt die Tür in den Arbeitsmarkt noch allzu oft verschlossen. Obwohl die Zahl der arbeitslosen Schwerbehinderten in Dortmund in den letzten fünf Jahren leicht gesunken ist, partizipieren sie nicht in gleichem Maße an der guten Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt wie andere Personengruppen. Arbeitsagentur sensibilisiert für gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung an der Gesellschaft und der Arbeitswelt.

Am 3. Dezember ist der Internationale Tag der Menschen mit Behinderung. Dieser von den Vereinten Nationen ausgerufene Aktionstag soll sichtbare Zeichen für mehr Teilhabe von Menschen mit Behinderung setzen und ihre Situation ins Blickfeld der Öffentlichkeit rücken. Auch die Agentur für Arbeit engagiert sich in einer bundesweit ausgerufenen Aktionswoche für Menschen mit Behinderung. Ziel ist, bei Arbeitgebern für mehr Inklusion im Arbeitsleben zu werben und auf die vorhandenen Beschäftigungspotenziale dieses Personenkreises aufmerksam zu machen.

„Menschen mit Behinderung profitieren im Jahr 2018 noch nicht gleichermaßen von den positiven Entwicklungen am Arbeitsmarkt wie Menschen ohne Behinderung. Wir dürfen nicht nachlassen in unseren Bemühungen und mit unserem Einsatz gegen Vorurteile, Ängste und Bedenken in Zusammenhang mit der Beschäftigung von Menschen mit Behinderung. Mit unseren Aktionen möchten wir für die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung an der Gesellschaft und der Arbeitswelt sensibilisieren“, sagt Martina Würker, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Dortmund.

„Es gibt einige gute Beispiele für gelungene Integrationen von Menschen mit Behinderung in den ersten Arbeitsmarkt. Sie zeigen, dass Arbeitnehmer mit Behinderung und Arbeitgeber gleichermaßen von einer Beschäftigung profitieren. Inklusion wird hier als Chance begriffen", erklärt Würker.

So wie zum Beispiel im Fall von Marius Leupold. Der 20-Jährige ist kleinwüchsig. Zudem ist er auf einem Auge blind. Sein beruflicher Ehrgeiz ist groß. Mit Erfolg hat er seine integrative Ausbildung als Kaufmann für Büromanagement im Berufsbildungswerk Volmarstein abgeschlossen. Seine anschließenden Bewerbungsversuche blieben zunächst alle erfolglos. Beim Dortmunder Onlinehändler für Pool und Saunabedarf BRÄUNIG erhielt er dann eine Chance. Der 76-jährige Seniorchef Reinhard Bräunig bot ihm eine dreimonatige Probebeschäftigung an.

„Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren nicht begeistert von meiner Entscheidung, ich spürte große Widerstände und musste Überzeugungsarbeit leisten. Heute sieht das ganz anders aus, Herr Leupold ist angekommen und angenommen im Team. Wir schauen wo seine Fähigkeiten liegen, was er gut kann und was vielleicht auch aufgrund seines körperlichen Handicaps nicht geht. Er hat einen Kopf und zwei gesunde Hände -seine Körpergröße spielt für seine Tätigkeit keine Rolle – und sie ist mir auch egal“, kommentiert Bräunig die Situation.

Marius Leupold hat nun einen befristeten Arbeitsvertrag. Seine Chancen für eine langfristige Beschäftigung bei der Fa. BRÄUNIG stehen gut.

„Ich fühle mich gut aufgehoben, die Arbeit macht mir Spaß. Es kratzt aber immer noch an meinem Ego, wenn ich etwas nicht schaffe, nur weil ich etwas kleiner bin als andere“, sagt Marius Leupold und lacht.

Die Agentur für Arbeit unterstützt Arbeitgeber, die Menschen mit Behinderung eine Chance geben wollen. Für Arbeitgeber, die inklusive Arbeitsplätze einrichten wollen, gibt es ein umfassendes Programm- und Beratungsangebot. Unternehmen erhalten weitere Informationen bei ihrem persönlichen Ansprechpartner im Arbeitgeber-Service oder unter der gebührenfreien Service-Rufnummer des Arbeitgeber-Service 0800 4 5555 20.

Zahlen, Daten, Hintergründe

Für Menschen mit Behinderung bleibt die Tür in den Arbeitsmarkt oft verschlossen. Zwar hat Dortmund im Landesvergleich mit 5,3 Prozent eine relativ hohe Beschäftigungsquote schwerbehinderter Menschen, doch geht seit einigen Jahren die Zahl der Menschen mit Behinderung, die einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehen, leicht zurück. In Dortmund nahm die Zahl der Beschäftigten mit Behinderung von 2012 bis 2016 um rund drei Prozent oder 290 Menschen ab - auf 10.087 schwerbehinderte Menschen in Arbeit.

Die absolute Arbeitslosigkeit von schwerbehinderten Menschen ist in den letzten fünf Jahren in Dortmund um rund 13 Prozent auf aktuell (Stand 2017) 2.691 Menschen gesunken, doch ist der prozentuale Anteil der schwerbehinderten Arbeitslosen an den Gesamtarbeitslosen gestiegen. Dies zeigt, dass Schwerbehinderte weniger an der guten Entwicklung am Arbeitsmarkt partizipieren konnten als andere Personengruppen.

Und dass, obwohl arbeitslose Menschen mit Behinderung meist gut qualifiziert sind. In Dortmund verfügen 54,5 Prozent der arbeitslos gemeldeten schwerbehinderten Menschen mindestens über einen Fachkraftabschluss in einer dualen Berufsausbildung. Zudem weisen viele der arbeitslos gemeldeten Menschen mit Behinderung längere Berufserfahrung auf. 

Weitere Angebote der Agentur für Arbeit Dortmund und des Jobcenters Dortmund in der Aktionswoche der Menschen mit Behinderung vom 3. bis 7. Dezember 2018:

TAG DER HOSPITATION

für schwerbehinderte und gleichgestellte Menschen

„Funktioniert das wirklich?“, „Kann ich mir das nicht einmal irgendwo anschauen?“, „Wie geht das denn konkret?“, „Wie können wir diese Herausforderung meistern?“ – solche oder ähnliche Fragen stellen sich viele schwerbehinderte und gleichgestellte Menschen, wenn sie überlegen, sich auf eine Stelle im öffentlichen Dienst zu bewerben. Mit dem Tag der Hospitation möchte das Jobcenter Dortmund Perspektiven für schwerbehinderte und gleichgestellte Menschen eröffnen und sie ermutigen, diesen Schritt zu gehen. Einen Tag lang erhalten die Hospitierenden die Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen eines der größten Jobcenter Deutschlands zu werfen:

Das Jobcenter Dortmund spricht sich für Vielfalt im Arbeitsalltag aus und hat in diesem Jahr eine Vereinbarung zur Inklusion unterzeichnet. Obwohl das Jobcenter nicht zur Einhaltung der sogenannten Schwerbehindertenquote verpflichtet ist, erfüllt es diese und möchte durch weitere Maßnahmen dazu beitragen, dass Menschen mit Handicaps eine Beschäftigung finden.

Bei Interesse melden Sie sich bitte bis zum 19.11.2018 bei den Inklusionsbeauftragten Dirk Henke unter 0231-8421453 und Frau Katharina Schultejans unter 0231-8429355, oder per E-Mail unter Jobcenter-Dortmund.Inklusionsbeauftragte@jobcenter-ge.de.

Telefonaktion

In der Woche der Menschen mit Behinderung kontaktieren die Reha-Vermittler und Vermittlerinnen des Arbeitgeber-Services der Agentur für Arbeit und des Jobcenters Dortmund aktiv Arbeitgeber und sensibilisieren für die Einstellung von Menschen mit Behinderungen. Ziel ist es zudem, zusätzliche Arbeitsstellen für arbeitslose schwerbehinderte Kunden zu akquirieren

Bewerbungsvideo erstellen

Alle in der Woche vom 3. bis 7.12. in der Agentur für Arbeit vorsprechenden schwerbehinderten oder gleichgestellten Kunden haben die Möglichkeit, an einem Online-Recruiting teilzunehmen. Wer sich mit Unterstützung eines individuellen Online Bewerbungsvideos zeitgemäß bewerben möchte, hat in dieser Woche die Chance dazu.

Videos verschaffen einen ersten, authentischen Eindruck eines Bewerbers und bieten somit eine persönlichkeitsorientierte Bewerbungsmöglichkeit – vor allem für Kunden mit Handicap sind die Chancen bei rein schriftlicher Bewerbung häufig niedriger, als bei vergleichbaren nicht-schwerbehinderten Bewerbern. Die Kosten werden von der Agentur für Arbeit übernommen. Die Videobewerbungen werden an zentraler Stelle im Internet (Tanedo.de) für drei Wochen veröffentlicht.