30.10.2018 | Presseinfo Nr. 76

Bilanz des Ausbildungsjahres 2017/2018

Die Agentur für Arbeit Dortmund verzeichnet in diesem Jahr deutlich mehr gemeldete Ausbildungsstellen als im vergangenen Jahr. Die Zahl der gemeldeten Bewerber ging hingegen zurück.

Gemeinsame Presseinformation zum Dortmunder Ausbildungsmarkt 2017/2018

Dortmund braucht Fachkräftenachwuchs 

Dortmund, 30.10.2018 – Die Agentur für Arbeit Dortmund verzeichnet in diesem Jahr deutlich mehr gemeldete Ausbildungsstellen als im vergangenen Jahr. Die Zahl der gemeldeten Bewerber ging hingegen zurück. Dabei wird in Dortmund in den kommenden Jahren die Nachfrage nach gut ausgebildetem Nachwuchs weiter steigen. Die Situation am Ausbildungsmarkt in Dortmund bleibt eine Herausforderung. Die Bilanz des Ausbildungsjahres 2017/2018 stellten Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer, DGB und Agentur für Arbeit heute gemeinsam vor.

Zum Ende des Ausbildungsjahres 2017/2018 verbucht die Agentur für Arbeit einen Anstieg der gemeldeten betrieblichen Ausbildungsstellen und einen Rückgang der gemeldeten Bewerber im Vergleich zum Vorjahr. Erfreulich ist, dass die Zahl der unversorgten Bewerber im Vergleich zum vergangenen Jahr um 19,5 Prozent reduziert werden konnte.

Obwohl die demografische Entwicklung bei den Beschäftigten seit längerem absehbar ist, ist die Ausbildungsquote im Vergleich zum Vorjahr um 0,2 Prozentpunkte auf 5,1 Prozent zurückgegangen, die Ausbildungsbetriebsquote sank um 0,1 Prozentpunkte auf 21,5 Prozent. Die Gründe der Rückgänge sind vielschichtig und fordern Flexibilität auf allen Seiten. Nach wie vor zählt das Missmatch zwischen Angebot und Nachfrage zu den größeren Herausforderungen am Ausbildungsmarkt.

Unternehmen fällt es schwerer, ihren Bedarf an Arbeitskräften zu decken. In den kommenden Jahren wird sich die Situation verschärfen; allein 8.480 Beschäftigte mit dualer Berufsausbildung erreichen bis 2022 das Renteneintrittsalter. Der Blick in die Zukunft macht es deutlich; trotz Digitalisierung und Veränderung in der Arbeitswelt muss Dortmund noch mehr in die Ausbildung von Fachkräften investieren. Diese Bilanz zogen Michael Ifland, Geschäftsführer Berufliche Bildung der Industrie- und Handelskammer zu Dortmund, Olesja Mouelhi-Ort, Geschäftsführerin der Handwerkskammer (HWK) Dortmund, Jutta Reiter, Geschäftsführerin der DGB-Region Dortmund-Hellweg sowie Martina Würker, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Dortmund.

Industrie- und Handelskammer

Bis Mitte Oktober verzeichnete die Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Dortmund insgesamt 4.979 neu eingetragene Ausbildungsverhältnisse – ein deutliches Plus von 206 Verträgen beziehungsweise 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei den gewerblichen Berufen stieg die Zahl der Verträge um elf Prozent (von 1.219 auf 1.353), bei den kaufmännischen Berufen immerhin um zwei Prozent (von 3.554 auf 3.626). „Trotz rückläufiger Schulabgängerzahlen gewinnt die duale Berufsausbildung wieder an Popularität“, sagt IHK-Geschäftsführer Michael Ifland, der für 2018 erneut mit mehr als 5.000 neuen Verträgen rechnet. Die Nachfrage bei der Erstausbildungsberatung hat spürbar zugenommen. „Ein klares Zeichen, dass die Unternehmen die duale Ausbildung als wichtiges Instrument zur Fachkräftesicherung erkannt haben“, so Ifland. Allerdings wird es für viele Betriebe immer schwieriger, Ausbildungsplätze auch zu besetzen. Erstmals ausgebildet werden in diesem Jahr Kaufleute im E-Commerce. 26 Azubis haben sich bisher in der IHK-Region für den neuen Beruf entschieden.

Handwerkskammer

Im Handwerk hat sich der positive Trend aus 2017 weiter fortgesetzt. Im September 2018 stieg die Zahl im Vergleich zum Vorjahr sogar um 7,29 Prozent. In Betrachtung aller Monate des Jahres 2018, verzeichnet die HWK Dortmund durchweg positive Zuwächse. Somit sind zum 30. September 2018 genau 3.781 Ausbildungsverhältnisse im gesamten Kammerbezirk eingetragen worden – 727 davon fallen alleine auf die Stadt Dortmund (+10,99 Prozent). Mit Bezug auf die letzten fünf Jahre ergibt sich dadurch ein neuer Höchststand.

Deutlich wird dieser Anstieg auch in Betrachtung der kammereigenen Lehrstellenbörse. Hier sind zum 30. September 2018 im gesamten Kammerbezirk noch 287 Lehrstellen unbesetzt gemeldet – davon 49 in Dortmund. Diese dürften jedoch keinesfalls unbesetzt bleiben, betont Olesja Mouelhi-Ort, Geschäftsführerin der HWK Dortmund. „Gerade das Handwerk befindet sich aktuell in einem Konjunkturhoch und ist auch in Zukunft auf gut qualifizierten Nachwuchs angewiesen – die Chancen auf eine sichere Beschäftigung sind neben den Entwicklungschancen dementsprechend gegeben.“

Auch die Bemühungen um weitere Zielgruppen wie Geflüchtete oder Studienabbrecher hätten sich gelohnt, da in den letzten Jahren zunehmend Zuwächse zu verzeichnen seien, so die HWK-Geschäftsführerin. Die Handwerkskammer lobe zudem die gemeinsamen Aktivitäten und die Zusammenarbeit im Ausbildungskonsens, welcher die duale Berufsausbildung und die damit verbundenen Chancen vorantreibe. Mouelhi-Ort: „Trotz der positiven Zuwächse in diesem und im letzten Jahr müssen wir unsere Zielgruppe stärker informieren und für die duale Berufsausbildung begeistern. Langfristig betrachtet kommt es sonst bei den Unternehmen zu Abwicklungsproblemen von Aufträgen. Auch die Selbstständigkeit kann aufgrund fehlender Fachkräfte als unattraktiv wahrgenommen werden.“ Die Aktivitäten der HWK Dortmund würden dementsprechend zunehmend ausgeweitet, um potenzielle Auszubildende für das Handwerk zu gewinnen.

DGB Dortmund

„Der Fachkräftemangel von morgen ist schon heute absehbar. Das Rezept dagegen heißt Ausbilden! Wenn das Missmatch aufgrund einzelner betrieblicher Erwartungen nicht zu lösen ist, brauchen wir Systeme, die Jugendliche da abholen, wo sie stehen – denn andere Jugendliche werden wir nicht bekommen. Die DGB-Forderung nach einer betrieblichen Ausbildungsumlage würde nicht nur alle Betriebe finanziell an der dualen Ausbildung beteiligen, sondern würde auch finanzielle Ressourcen für gute Ausbildung schaffen, auch für jene Jugendliche, die auf den ersten Blick nicht den Erwartungen der Unternehmen erfüllen“, sagt Jutta Reiter, Geschäftsführerin der DGB-Region Dortmund-Hellweg.

Agentur für Arbeit

„Der Ausbildungsmarkt in Dortmund bleibt eine herausfordernde Aufgabe aller Dortmunder Akteure. Erfreulich ist, dass wir in diesem Berichtsjahr einen deutlichen Stellenzuwachs verzeichnen und zudem die Zahl der unversorgten Bewerber im Vorjahresvergleich stark reduziert werden konnte. Allerdings bleibt der Ausbildungsmarkt weiter hinter der wirtschaftlichen Entwicklung zurück. Dabei wird in Dortmund in den kommenden Jahren die Nachfrage nach Fachkräften weiter steigen. Wichtig ist es, heute auszubilden, bevor es morgen zu spät ist“, sagt Martina Würker, Chefin der Arbeitsagentur Dortmund. Unterstützung können ausbildungsbereite Unternehmen von den Agenturen für Arbeit erhalten: „Wir unterstützen mit Ausbildungsbegleitenden Hilfen und Assistierter Ausbildung jeden Betrieb, der jungen Menschen eine Chance auf Ausbildung geben will, auch wenn auf den ersten Blick Einstellungskriterien nicht gleich hundert prozentig passen. Schuldbildung ist wichtig, keine Frage, aber in vielen jungen Nachwuchskräften stecken ungeahnte Talente, die formal nicht auf dem Papier zu finden sind. Und diese müssen gefördert werden. In Zeiten des demografischen Wandels müssen wir neue Wege bei der Auswahl der Azubis von morgen gehen,“ so Arbeitsagentur-Chefin Würker. 

Bewerberinnen und Bewerber

Vom 1. Oktober 2017 bis 30. September 2018 meldeten sich bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit Dortmund insgesamt 4.515 junge Frauen und junge Männer für einen Ausbildungsplatz, 356 oder 7,3 Prozent weniger als im Vorjahr (Vorjahr: 4.871 Bewerber).

618 Jugendliche hatten bis zum Ende des Berichtsjahres eine Alternative wie zum Beispiel einen weiteren Schulbesuch, einen Freiwilligendienst oder sich für eine Erwerbstätigkeit entschieden, das waren 45 Personen bzw. 7,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Ungeachtet der Möglichkeiten, die sie haben, suchen diese Bewerberinnen und Bewerber grundsätzlich weiter nach einer Ausbildungsstelle, der sie den Vorzug geben würden.

Statistisch gelten damit 4.420 oder 97,9 Prozent der Bewerber insgesamt als versorgt, weil sie einen Ausbildungsplatz gefunden, sich für eine Alternative wie weiteren Schulbesuch oder eine Erwerbstätigkeit entschieden oder sich als Bewerber ohne nähere Begründung abgemeldet haben. 95 Bewerberinnen und Bewerber hatten zum Ende des Berichtsjahres weder eine Ausbildungsstelle noch eine Alternative, das sind 23 oder 19,5 Prozent weniger als im Jahr zuvor.

Die Qualifikation der Ausbildungssuchenden

Bewerberinnen und Bewerber verfügen zunehmend über höherwertige Schulabschlüsse. Von den insgesamt 4.515 gemeldeten Jugendlichen, die sich für eine duale Ausbildung interessierten, verfügten 1.804 über die Fachhochschul- oder Hochschulreife. Das ist ein Anteil an allen Bewerberinnen und Bewerbern von 39,9. Dagegen sinkt die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber mit mittleren Bildungsabschlüssen. Hatten sich im vergangenen Jahr noch 2.568 Jugendliche mit Hauptschul- oder Realschulabschluss bei der Berufsberatung angemeldet, bewarben sich in diesem Jahr nur noch 2.357 Schülerinnen und Schüler mit mittleren Abschlüssen - ein Rückgang um 211 Schülerinnen und Schüler von Haupt- oder Realschulen oder 14,2 Prozent. Ihr Anteil an allen Bewerbern liegt in diesem Jahr bei 52,2 Prozent.

Ausbildungsplatzangebote

Unternehmen, Betriebe, Verwaltungen und Träger meldeten mit 4.013 Ausbildungsplatzangeboten im abgelaufenen Berichtsjahr 625 oder 18,4 Prozent mehr Stellen als vor einem Jahr.

37 Lehrstellen waren zum Stichtag noch unbesetzt, 48 oder 56,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Die rechnerische Bewerber/innen-Stellenrelation verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahr: Auf eine/n Bewerber/in kamen 0,89 Ausbildungsplatzangebote (Vorjahr: 0,7). Pro unversorgtem Bewerber gab es zu Berichtsjahresende 0,39 unbesetzte Ausbildungsstellen, gegenüber 0,72 im Vorjahr.

Angebote der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter

Die Angebote, um Jugendliche bei dem Weg in die Ausbildung oder während der Ausbildung zu unterstützen, sind vielfältig. So standen 2018 beispielsweise insgesamt 144 Plätze für außerbetriebliche Ausbildungen (BaE), 390 Plätze für berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen (BvB), 50 Plätze für eine Assistierte Ausbildung (AsA) und 160 Plätze für eine Einstiegsqualifizierung (EQ) zur Verfügung. Für die berufliche Förderung junger Menschen setzten die Agentur für Arbeit Dortmund und das Jobcenter Dortmund im Jahr 2018 Mittel in Höhe von 29 Millionen Euro ein. 

TOP 10 Ausbildungsplatzwünsche der Bewerber

Die meisten Bewerber und Bewerberinnen, die zum Berichtsjahresende noch einen Ausbildungsplatz suchten, gaben folgende Wunschberufe an:

  1. Kaufmann/-frau Büromanagement
  2. Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel
  3. Medizinische/r Fachangestellte/r
  4. Kraftfahrzeugmechatroniker/in PKW-Technik
  5. Fachinformatiker/in Anwendungsentwicklung
  6. Fachlagerist/in
  7. Steuerfachangestellte/r
  8. Friseur/in
  9. Tischler/in
  10. Zerspannungsmechaniker/in

TOP 10 der unbesetzten Berufsausbildungsstellen

  1. Zahnmedizinische/r Fachangestellte/r
  2. Kfm.- Versich./Finanzen – Versicherung
  3. Rechtsanwaltsfachangestellte/r
  4. Steuerfachangestellte/r
  5. Medizinische/r Fachangestellte/r
  6. Elektroniker/in- Energie-/Gebäudetechnik
  7. Kaufmann/-frau Büromanagement
  8. Mediengestaltung
  9. Fliesen-, Platten- und Mosaikleger/in
  10. Maler/ Lackierer