15.01.2019 | Presseinfo Nr. 3

Jahresbilanz 2018 zum Arbeitsmarkt in der Stadt Dortmund

In aller Kürze
• Arbeitslosigkeit geht 2018 weiter zurück
• 32.033 Arbeitslose im Jahresdurchschnitt
• Durchschnittliche Arbeitslosenquote 10,3 Prozent (2017: 11,1 Prozent)
• Beschäftigung in Dortmund erreicht neues Rekordniveau
• Jugendarbeitslosigkeit entwickelt sich positiv
• Langzeitarbeitslosigkeit sinkt

„Der Arbeitsmarkt in Dortmund hat sich 2018 beachtlich entwickelt“, sagt die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit in Dortmund. Im fünften Jahr in Folge fielen die Arbeitslosenzahlen in Dortmund. Im Jahresdurchschnitt waren 32.033 Personen arbeitslos gemeldet. „Man muss bis 1992 zurückgehen, um eine geringere Zahl arbeitslos gemeldeter Menschen zu finden. Das sind starke Zahlen für Dortmund, die zum einen auf die bundesweit positive Entwicklung der Wirtschaft, zum anderen aber auch auf die voranschreitende Profilierung Dortmunds als Logistikstandort zurückzuführen ist“, so die Chefin der Arbeitsagentur. Entsprechend stark entwickelte sich die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Sie stieg weiter kontinuierlich und erreichte 2018 mit einer Zahl von 238.700 eine Rekordmarke. „Wir freuen uns über diese positive Entwicklung am Arbeitsmarkt. Das sind gute Vorrausetzungen für 2019“, kommentiert Martina Würker Chefin der Arbeitsagentur. 

2018 ist aber auch ein Jahr, in dem arbeitsmarktpolitisch neue Ansätze gefunden wurden, die drängenden Herausforderungen am Arbeits- und Ausbildungsmarkt anzupacken. Unternehmen haben zunehmend Schwierigkeiten, gut qualifizierte Fachkräfte zu finden. „Wer in Dortmund Fachverkäufer im Einzelhandel oder etwa Fachkräfte aus dem Gesundheits- und Pflegebereich sucht, der muss mittlerweile einen langen Atem haben“, so Würker. Wenn aber qualifizierte Arbeitskräfte nicht mehr zu finden sind, birgt das Risiken für die kommunale, wirtschaftliche Entwicklung.

Sorgen bereitet der Wandel am Arbeitsmarkt auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Wer nicht ausreichend qualifiziert ist oder fürchtet, von der technologischen Entwicklung überholt zu werden. Die Agentur für Arbeit Dortmund hat deshalb in den vergangenen Jahren einen Schwerpunkt auf die Förderung von Qualifizierung gelegt. Das Ziel ist es, Menschen den Einstieg in die Weiterbildung möglichst einfach zu machen und ihnen unabhängig davon, ob sie beschäftigt oder arbeitslos sind, die Möglichkeit zu geben, ihren Berufsabschluss nachzuholen oder zu aktualisieren. Immer mehr Menschen und Unternehmen nehmen diese Angebote wahr. „2019 bauen die Agentur für Arbeit Dortmund und das Jobcenter ihre Beratungs- und Qualifizierungsangebote weiter aus“, erklärt Würker.

Ein wichtiger Ansatzpunkt ist hierbei die kontinuierliche Weiterbildung. Lebenslanges Lernen wird zum Normalfall. Das Qualifizierungschancengesetz der Bundesregierung gibt einen wichtigen arbeitsmarktpolitischen Impuls. Das neue Gesetz setzt vor allem bei Branchen an, deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Digitalisierung und Strukturwandel potenziell beeinflusst werden. Dabei geht es um Fachkräfte, die sich weiterentwickeln wollen oder müssen und um Menschen im Job, die keinen Berufsabschluss haben, diesen sogenannten Geringqualifizierten, bietet sich die Chance, sich entscheidend weiterzuentwickeln. 

Arbeitsmarktpolitisch bedeutsam ist ab 2019 das neue Gesetz zur Verbesserung der Teilhabechancen. Die Langzeitarbeitslosigkeit ist in Dortmund im vergangenen Jahr zwar deutlich zurückgegangen. Sie bleibt mit durchschnittlich 12.906 Personen aber auf sehr hohem Niveau. Nun sollen für Menschen, die über viele Jahre von Arbeitslosigkeit betroffen und im Jobcenter im Leistungsbezug sind, ab 2019 individuell Arbeitsplätze gefördert, Arbeit statt Arbeitslosigkeit finanziert werden.

„Doch letztendlich werden auch die besten Ansätze nur durch Zusammenarbeit aller Akteurinnen und Akteure am Arbeitsmarkt etwas bewirken. Gemeinsam mit Politik, Arbeitgebern, Kammern und Initiativen wollen wir, die Agentur für Arbeit und das Jobcenter Dortmund, schrittweise effektive Lösungen für den lokalen Arbeitsmarkt finden. Gehen wir es an,“ sagt die Chefin der Arbeitsagentur. 

Jobcenter Dortmund zieht Bilanz

„Das Jahr 2018 hat unseren Kundinnen und Kunden viele berufliche Chancen ermöglicht, die sie auch erfolgreich für sich nutzen konnten. Die Prosperität der gesamtwirtschaftlichen Lage brachte eine stabile Arbeitskraftnachfrage mit sich. Über umfangreiche Fördermöglichkeiten, eine intensive Arbeitgeberakquise und zahlreiche Aktivitäten des Bündnisses ‚Arbeit in Dortmund - Gemeinsam gegen Langzeitarbeitslosigkeit' gelang es, die Zahl der Arbeitslosen in der Zuständigkeit des Jobcenters um 1.644 auf 24.951 Menschen im Vergleich zum Vorjahr zu reduzieren“, kommentiert der Geschäftsführer des Jobcenters Dortmund, Frank Neukirchen-Füsers, die Jahresbilanz.

Insbesondere hat die Gruppe der Langzeitarbeitslosen von der positiven Entwicklung profitieren können. Mit 11.821 Personen ist der niedrigste Jahresdurchschnittswert seit Bestehen des Jobcenters erreicht. Das entspricht 1.267 Menschen oder 9,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Nicht zuletzt ist diese Entwicklung auch auf die Ansiedlung neuer Logistikunternehmen zurückzuführen, wodurch viele neue Arbeitsplätze für an- oder ungelernte Kräfte entstanden sind. Im vergangenen Jahr haben allein auf dem Gelände der ehemaligen Westfalenhütte 443 Kundinnen und Kunden des Jobcenters eine neue Arbeit finden können.

Insgesamt konnten gut 14.000 Menschen in der Betreuung des Jobcenters einen neuen Arbeitsvertrag unterschreiben. Daher ist auch die Zahl der Bedarfsgemeinschaften und mithin die reale Hilfebedürftigkeit in dieser Stadt weiterhin rückläufig.

„Erkennbar ist aber auch, dass der Arbeitsmarkt, auch wenn ein Anstieg im Bestand der gemeldeten Helferstellen zu verzeichnen ist, zunehmend qualifiziertes Personal sucht. Im vergangenen Jahr haben wir 1.677 Eintritte in berufliche Qualifizierungen erreichen können. In diesem Jahr ist etwa die gleiche Größenordnung anvisiert“, führt Neukirchen-Füsers weiter aus.

Für das Jahr 2019 beabsichtigt das Jobcenter Dortmund etwa 650 Menschen über zum 01.01.2019 neu eingeführte Förderinstrumente nachhaltig in Arbeit zu bringen. Stellt ein Arbeitgeber einen Langzeitarbeitslosen ein, der seit mindestens sieben Jahren ohne Beschäftigung ist, so kann dieser eine Lohnförderung über fünf Jahre beginnend mit 100 Prozent erhalten. „Die lange Förderdauer und der hohe Bedarf an Arbeitskräften gibt langzeitarbeitslosen Menschen eine reelle Chance, langsam wieder in die Arbeitswelt hineinzuwachsen. Mit bereits 335 akquirierten Arbeitsstellen haben wir eine positive Resonanz auf die neuen arbeitsmarktlichen Instrumente erfahren und können feststellen, dass Arbeitgeber das Potential dieser Menschen ebenfalls erkannt haben“, äußert sich der Jobcenter-Geschäftsführer zuversichtlich.

Arbeitsmarkt 2018 in Zahlen

Durchschnittlich 32.033 Menschen waren 2018 in der Stadt Dortmund arbeitslos – dies sind 2.067 Personen oder 6 Prozent weniger als im Vorjahr. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote lag bei 10,3 Prozent und damit 0,8 Prozentpunkte niedriger als im Durchschnitt des Vorjahres mit 11,1 Prozent.

Positiv hat sich die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung am Arbeitsort Dortmund entwickelt. Zum Stichtag 31. März 2018 verzeichnet Dortmund 238.700 sozialversicherungspflichtige beschäftigte Personen und lag damit 7.943 Personen oder 3,5 Prozent höher als im Vorjahr. Vollzeit arbeiten in Dortmund rund 72 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten. Der Zuwachs fällt mit 3,2 Prozent auf 170.950 etwas geringer aus als bei der Teilzeitbeschäftigung mit einem Plus von 4,0 Prozent auf 67.750 Personen. Geringfügig beschäftigt waren in Dortmund zum Stichtag 54.530 Personen – ein leichter Anstieg um 0,9 Prozent zum Vorjahr.

Arbeitslosigkeit nach Rechtskreisen

Im Jahresdurchschnitt 2018 waren in der Arbeitslosenversicherung (SGB III) 7.082 Arbeitslose gemeldet. Dies sind 423 Personen oder 5,6 weniger als im Vorjahr. In der Grundsicherung (SGB II) waren im Jahresdurchschnitt 24.951 Personen arbeitslos gemeldet. Im Vorjahr lag die Arbeitslosigkeit der Menschen in der Grundsicherung im Jahresdurchschnitt bei 26.595 Personen.

Bewegung auf dem Arbeitsmarkt

Arbeitslosigkeit ist kein fester Block. Vielmehr wird erst aus den Zugängen und Abgängen die Bewegung hinter dem jahresdurchschnittlichen Bestand von 32.033 Arbeitslosen ersichtlich. So wurden insgesamt 80.735 Zugänge in Arbeitslosigkeit bei der Arbeitsagentur und dem Jobcenter registriert. Das sind 5.216 Personen oder 6,1 Prozent weniger als 2017. Davon kamen 23.070 Personen aus einer Beschäftigung am 1. Arbeitsmarkt, 182 Personen oder 0,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Insgesamt 81.707 Personen meldeten sich bei der Arbeitsagentur und dem Jobcenter aus der Arbeitslosigkeit ab (Vorjahr: 88.274). 17.657 Menschen beendeten wegen der Aufnahme einer Beschäftigung am 1. Arbeitsmarkt ihre Arbeitslosigkeit. Das sind 1.334 Personen oder 7,0 Prozent weniger als im Vormonat.

Gemeldete Stellen

Knapp 20.000 Stellen meldeten Dortmunder Unternehmen und Behörden dem Arbeitgeber-Service von Januar bis Dezember 2018 (davon 19.131 sozialversicherungspflichtig). Das sind 3.342 Stellen oder 14,3 Prozent weniger als im Vorjahr.

Personal wurde 2018 insbesondere im Bereich Arbeitnehmerüberlassung (9.634, -14,5 Prozent), im Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen (2.139, -33,5 Prozent), in den wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (1.429, -24,4 Prozent) sowie im Bereich Gesundheits- und Sozialwesen (1.390, -9,8 Prozent) gesucht.

Langzeitarbeitslosigkeit 

Der Anteil langzeitarbeitsloser Menschen, also solcher Menschen, die ein Jahr oder länger arbeitslos sind, ist gegenüber dem Vorjahr um 9,3 Prozent oder 1.321 Personen gesunken. Im Jahr 2018 waren dies durchschnittlich 12.906 Personen, Im Versicherungsbereich (SGB III) waren 1.045 (-4,9 Prozent) Langzeitarbeitslose gemeldet und in der Grundsicherung (SGB II) 11.861 (-9,6 Prozent).  

Jugendarbeitslosigkeit

Die durchschnittliche Arbeitslosigkeit der unter 25-Jährigen lag 2018 bei 2.727 Personen und damit auf einem historischen Tiefstand. Gegenüber dem Vorjahr hat sich die Jugendarbeitslosigkeit um 323 Personen oder 10,6 Prozent verringert. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote der unter 25-Jährigen lag bei 8,5 Prozent (Vorjahr: 9,7 Prozent).

Arbeitslosigkeit bei Menschen mit ausländischem Pass

Im Jahr 2018 waren durchschnittlich 11.517 Ausländer arbeitslos. Das sind 375 Personen oder 3,1 Prozent weniger als im Jahr 2017. Während in den Jahren 2011 bis 2014 der Fokus auf die Zuwanderung osteuropäischer EU-Angehöriger aus Polen, Rumänien und Bulgarien lag, wuchs von 2015 bis 2017 die Arbeitslosigkeit der Ausländerinnen und Ausländer hauptsächlich aufgrund der Zuwanderung geflüchteter Menschen. 2018 ging die Arbeitslosigkeit erstmals wieder zurück. Nationenbezogen waren im Dezember 2018 1.620 Syrerinnen und Syrer arbeitslos gemeldet. Es folgen 297 Personen aus dem Irak, 110 Personen aus Afghanistan und 86 Personen aus der Islamischen Republik Iran.

Unterbeschäftigung

In der Unterbeschäftigung werden zusätzlich zu den registrierten Arbeitslosen auch die Personen erfasst, die nicht als arbeitslos im Sinne des Sozialgesetzbuches Drittes Buch (SGB III) registriert sind. Bei diesen Personen handelt es sich um Teilnehmer von Maßnahmen der Arbeitsmarktpolitik oder um Personen mit arbeitsmarktbedingtem Sonderstatus, zum Beispiel vorruhestandsähnliche Regelungen oder geförderte Selbstständigkeit. Im Jahresdurchschnitt 2018 betrug sie 44.667, die Quote ging um 1,2 Prozentpunkte auf 13,8 Prozent zurück.

Qualifikation und Weiterbildung 

Im vergangenen Jahr haben insgesamt 3.044 Kunden der Arbeitsagentur und des Jobcenters Dortmund eine Fortbildung mit dem Ziel eines Berufsabschlusses oder einer Teilqualifikation begonnen oder absolviert. Insgesamt wurden in der Agentur für Arbeit für die Förderung beruflicher Weiterbildung (FbW) und die Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in Unternehmen (WeGebAU) 2018 rund 27 Mio. Euro eingesetzt. Die größten Anteile der abschlussorientierten Qualifizierungen werden 2019 folgende Bildungssegmente haben:

  • Verkehr, Logistik Schutz und Sicherheit (Fachkraft für Lagerwirtschaft, Berufskraftfahrer/in)
  • Gesundheit, Soziales, Lehre und Erziehung (Altenpfleger/in, medizinische Fachangestellte/r)
  • Unternehmensorganisation, Buchhaltung, Recht und Verwaltung (Steuerfachangestellte/r)
  • Produktion und Fertigung (Zerspanungsmechaniker/in, Kraftfahrzeugmechatroniker/in)
  • Kaufmännische Dienstleistungen (Kaufmann/-frau in E-Commerce, Verkäufer/in im Einzelhandel)

Grundsätzlich werden Qualifizierungen auch in Teilzeit angeboten. Besonderes Augenmerk liegt zudem auf Personengruppen mit erschwertem Arbeitsmarktzugang, wie zum Beispiel Alleinerziehende und Schwerbehinderte.