13.11.2019 | Presseinfo Nr. 74

Ausbildungsmarkt im Wandel – Dortmund braucht jeden jungen Menschen

Gemeinsame Presseinformation zum Dortmunder Ausbildungsmarkt 2018/2019

Dortmund, 11.11.2019 – Der Ausbildungsmarkt in Dortmund verändert sich. Noch hat Dortmund einen Bewerberüberhang, es gibt also mehr Bewerber/innen als angebotene Lehrstellen. Das war in den vergangenen Jahrzehnten so, das ist auch 2019 noch der Fall. Doch zeichnet sich ein Wandel ab, die Schere zwischen Angebot und Nachfrage ist erneut kleiner geworden, die Herausforderung, Betriebe und Ausbildungssuchende zusammenzubringen ist aber dennoch sehr groß.  Berufswünsche und Qualifikation der Jugendlichen auf der einen Seite und Ausbildungsangebote und Anforderungen der Unternehmen passen allzu häufig nicht zueinander. Die Bilanz des Ausbildungsjahres 2018/2019 stellten Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer, DGB und Agentur für Arbeit heute gemeinsam vor.

Zum Ende des Ausbildungsjahres 2018/2019 verbucht die Agentur für Arbeit einen Anstieg der gemeldeten betrieblichen Ausbildungsstellen und einen leichten Rückgang der gemeldeten Bewerber im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge ist leicht angestiegen, da auch die allgemeine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in Dortmund wächst, verbleibt die Ausbildungsquote* auf Vorjahresniveau bei 5,1 Prozent.

Unternehmen fällt es oft schwer, ihren Bedarf an Arbeitskräften zu decken. Demografie und steigende Studierneigung treffen auf eine Dortmunder Wirtschaft, die aber jetzt in Nachwuchs investieren muss. Immer mehr ältere Menschen verabschieden sich schon bald in die Rente. Intensive Anstrengungen um den Fachkräftenachwuchs sind erforderlich. Der Ausbildungsmarkt verlangt immer mehr Engagement von Ausbildern. Die Attraktivität der dualen Berufsausbildung muss weiter gestärkt werden. Sie ermöglicht viele Karrierewege, als Erstausbildung eröffnet sie Menschen Entwicklungsperspektiven. Besonders wichtig wird sein: Potentiale müssen genutzt, individuelle Qualitäten der Jugendlichen formaler Passgenauigkeit vorgezogen werden. Flexibilität ist dabei auf beiden Seiten gefragt, um die Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage weiter zu verbessern.

Diese Bilanz zogen Michael Ifland, Geschäftsführer Berufliche Bildung der Industrie- und Handelskammer zu Dortmund, Olesja Mouelhi-Ort, Geschäftsführerin der Handwerkskammer (HWK) Dortmund, Jutta Reiter, Geschäftsführerin der DGB-Region Dortmund-Hellweg sowie Heike Bettermann, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Dortmund.

* Die Ausbildungsquote bezeichnet den Anteil der zu ihrer Aus- und Weiterbildung Beschäftigten an allen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten.

Industrie- und Handelskammer 

Trotz der demografischen Entwicklung und der Studienneigung vieler junger Menschen zeigt sich der Ausbildungsmarkt in der IHK-Region auf sehr stabilem Niveau. Aktuell verzeichnet die IHK zu Dortmund wieder über 5.000 neue Ausbildungsverhältnisse. „Das entspricht in etwa dem Vorjahreswert und ist angesichts rückläufiger Schulabgängerzahlen ein positives Signal. Junge Menschen sehen in der beruflichen Ausbildung wieder öfter einen attraktiven Einstieg ins Berufsleben“, sagt Michael Ifland, IHK-Geschäftsführer für Berufliche Bildung, der auch das große Engagement der Ausbildungsbetriebe betont. „Unsere Unternehmen wissen, dass Ausbildung ein sehr wichtiger Faktor bei der Fachkräftesicherung ist. Dennoch ist diese Entwicklung kein Selbstläufer, der Wirtschaft fällt es nach wie vor schwer, alle offenen Ausbildungsplätze zu besetzen“, so Ifland.

Handwerkskammer

„Eine Ausbildung im Handwerk liegt wieder stärker im Trend: 4.086 junge Frauen und Männer haben in diesem Sommer kammerbezirksweit mit einer Ausbildung begonnen (am 31. Oktober 2018 waren es 3.922) – davon allein in der Stadt Dortmund 844, was im Vergleich zum Vorjahr einem beachtlichen Plus von 14,8 Prozent entspricht. Das ist neuer Rekord! Und doch könnten es noch mehr sein, weil das Ausbildungspotenzial in unseren Handwerksbetrieben bei weitem nicht ausgeschöpft ist. Hier in Dortmund sind laut unserer Lehrstellenbörse derzeit 111 Ausbildungsplätze (am 31. Oktober 2018 waren es 38) unbesetzt, im Kammerbezirk insgesamt 403, also 193 mehr als Ende Oktober 2018. Das sind erschreckend hohe Zahlen – ein klares Indiz für den zunehmenden Fachkräftemangel. Für uns bedeutet das, dass wir weiter intensiv gegensteuern und den Nachwuchs für die praktische Berufsausbildung im Handwerk begeistern müssen“, betont Olesja Mouelhi-Ort, Geschäftsführerin der HWK Dortmund.

DGB Dortmund

„Die Zahl der Bewerber*innen für Ausbildungsplätze geht seit Jahren stetig zurück und das obwohl die betrieblichen Ausbildungsstellen erfreulicher Weise weiter ansteigen. Trotzdem sinkt weiterhin die Zahl der Jugendlichen, die tatsächlich in eine Ausbildung einmünden, und es gelingt auch nicht Altbewerber*innen, die seit einem Jahr und mehr an einem Ausbildungsplatz interessiert sind, in Ausbildung zu bringen. Das ist skandalös!“, sagt Jutta Reiter, Geschäftsführerin der DGB-Region Dortmund-Hellweg.

Agentur für Arbeit

Der Ausbildungsmarkt in Dortmund ist weiter im Wandel. Noch haben wir in Dortmund mehr Bewerber als angebotene Lehrstellen, die Schere hat sich aber weiter geschlossen. Quantitativ haben wir eine nahezu ausgeglichene Situation bei unversorgten Bewerber/-innen und unbesetzten Ausbildungsstellen. Erfreulich ist auch, dass die Zahl der unversorgten Bewerber auch 2019 im zweistelligen Bereich liegt. 98 Bewerber sind noch an Ausbildung interessiert und haben auch noch keine Alternative gefunden.

„Doch bleiben auch 2019 Ausbildungsstellen unbesetzt oder sind von Unternehmen storniert worden und das, obwohl die Nachfrage nach Fachkräften in den kommenden Jahren weiter zunehmen wird“, sagt Heike Bettermann, Chefin der Arbeitsagentur Dortmund.

Bei Ihren Bemühungen um die Fachkräftegewinnung werden Betriebe nicht allein gelassen. Die Agentur für Arbeit unterstützt jeden Betrieb, der jungen Menschen eine Chance auf Ausbildung geben will. „In vielen stecken ungeahnte Talente, die beim Blick in die Bewerbung oder auf das Schulzeugnis nicht sofort sichtbar sind, und diese müssen gefördert werden. Das Angebot an Fördermöglichkeiten für Azubis und Betriebe ist groß, zum Beispiel die Assistierte Ausbildung oder die ausbildungsbegleitenden Hilfen, auch eine Einstiegsqualifizierung bietet große Chancen. Es gibt genügend Instrumente, die helfen, das Passungsproblem zu lösen. Leider ist die Bereitschaft in den Unternehmen oft noch zu gering, alternative Wege der Nachwuchsgewinnung in Betracht zu ziehen. Hier müssen wir gemeinsam mit allen Akteure an einem Strang ziehen und weiter intensiv aufklären und informieren“, so Bettermann.


Zahlen, Daten, Hintergründe

Bewerberinnen und Bewerber

Konkurrenz aus dem Umland ist groß

Vom 1. Oktober 2018 bis 30. September 2019 meldeten sich bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit Dortmund insgesamt 4.366 junge Frauen und junge Männer für einen Ausbildungsplatz, 149 oder 3,3 Prozent weniger als im Vorjahr.

666 Jugendliche hatten bis zum Ende des Berichtsjahres eine Alternative wie zum Beispiel einen weiteren Schulbesuch, einen Freiwilligendienst oder sich für eine Erwerbstätigkeit entschieden, das waren 48 Personen bzw. 7,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Ungeachtet der Möglichkeiten, die sie haben, suchen diese Bewerberinnen und Bewerber grundsätzlich weiter nach einer Ausbildungsstelle, der sie den Vorzug geben würden.

Statistisch gelten damit 4.268 oder 98 Prozent der Bewerber insgesamt als versorgt, weil sie einen Ausbildungsplatz gefunden, sich für eine Alternative wie weiteren Schulbesuch oder eine Erwerbstätigkeit entschieden oder sich als Bewerber ohne nähere Begründung abgemeldet haben. 98 Bewerberinnen und Bewerber hatten zum Ende des Berichtsjahres weder eine Ausbildungsstelle noch eine Alternative. Auch nach dem offiziellen Ende des Ausbildungsjahres ist es möglich in Ausbildung einzusteigen. Die Berufsberater und Beraterinnen arbeiten mit großem Engagement daran auch diesen Jugendlichen noch eine berufliche Perspektive zu bieten.

Obwohl die Schulentlasszahlen in den kommenden Jahren weiter leicht rückläufig sind, haben Dortmunder Unternehmen weiter Zugriff auf einen gut gefüllten Pool an Bewerbern. Dortmund ist ein Einpendler Magnet auch für junge Auszubildende. Dortmunder Jugendliche haben starke Konkurrenz im Wettbewerb um Ausbildungsplätze aus dem Umland. Mehr als jeder dritte Auszubildende wohnt jenseits der Dortmunder Stadtgrenze, in Zahlen 38,4 Prozent.

Die Qualifikation, Alter und Herkunft der Ausbildungssuchenden

Viele Abiturienten gehen in Ausbildung

Von den insgesamt 4.366 gemeldeten Jugendlichen, die sich für eine duale Ausbildung interessierten, verfügten 1.653 über die Fachhochschul- oder Hochschulreife. Das ist ein Anteil an allen Bewerberinnen und Bewerbern von 38 Prozent. 2.391 Schülerinnen und Schüler mit Hauptschul- oder Realschulabschluss haben sich im vergangenen Jahr bei der Berufsberatung angemeldet, dies entspricht einem Anteil von rund 55 Prozent - ein Anstieg im Vergleich zum Vorjahr um knapp 3 Prozent. Gestiegen ist zudem die Bewerberzahl der jungen Menschen ohne Schulabschluss, es sind insgesamt 184 Mädchen und Jungen, 57 mehr als vor einem Jahr. Auch wächst der Anteil der Bewerberinnen und Bewerber aus berufsbildenden Schulen. Fast jeder zweite bei der Berufsberatung gemeldeten Bewerber entstammt nicht mehr den allgemeinbildenden Schulen.

Das Eintrittsalter der Jugendlichen steigt weiter leicht an. Nur 50 Prozent der jungen Menschen sind bei Ausbildungsbeginn unter 20 Jahre alt, 8,3 Prozent sind dagegen älter als 25 Jahre.

Ausbildungsplatzangebote

Dortmund bildet mehr aus

Unternehmen, Betriebe, Verwaltungen und Träger meldeten mit 4.116 Ausbildungsplatzangeboten im abgelaufenen Berichtsjahr 103 oder 2,6 Prozent mehr Stellen als vor einem Jahr.

58 Lehrstellen waren zum Stichtag noch unbesetzt, 21 mehr als im Vorjahr. Die rechnerische Bewerber/innen-Stellenrelation verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahr: Auf eine/n Bewerber/in kamen 0,9 Ausbildungsplatzangebote (Vorjahr: 0,8). Pro unversorgtem Bewerber gab es zu Berichtsjahresende 0,6 unbesetzte Ausbildungsstellen, gegenüber 0,4 im Vorjahr.

Gründe für die Passungsprobleme sind vielfältig

Für knapp die Hälfte (44 Prozent) der unbesetzten Stellen gibt es zwar interessierte Jugendliche, es kommt aber trotzdem nicht zum Abschluss von Ausbildungsverträgen, weil der Betrieb die Bewerber nicht für geeignet hält oder die Jugendlichen den Betrieb nicht für attraktiv genug halten. Bei einem Drittel der unbesetzten Stellen liegt das Problem darin, dass es zu wenige interessierte Bewerber für den angebotenen Ausbildungsberuf gibt. Dies betrifft besonders Branchen wie das Lebensmittelhandwerk oder das Hotel- und Gastronomiegewerbe. Bei knapp einem Viertel der unbesetzten Stellen liegt das Problem in fehlender Mobilität, weil sich Ausbildungsbetriebe und Bewerber in unterschiedlichen Regionen befinden.

Früher. Intensiver. Vor Ort.

Verbesserung der beruflichen Orientierung und Beratung

Mit Einführung der Lebensbegleitenden Berufsberatung, kurz LBB genannt, vor dem Erwerbsleben baut die Agentur für Arbeit die wesentlichen Aufgaben in den Handlungsfeldern der Berufsorientierung und Berufsberatung qualitativ und quantitativ aus. Die Präsenz an den Schulen und die Vor-Ort-Angebote in den Schulen erhalten deutlich mehr Gewicht. Berufliche Beratung und Orientierung findet künftig noch stärker an Schule statt und wird durch den Einsatz moderner Medien und digitaler Angebote, unterstützt. An beruflichen Schulen und Hochschulen sollen Ausbildungs- bzw. Studienabbrüche reduziert bzw. ein erleichterter Anschluss alternativer Ausbildungen oder Studiengänge ermöglicht werden.

Dazu werden berufsorientierende Veranstaltungen, Sprechzeiten, Erst- und Folgeberatungen an allen Schulformen sowie den Berufsschulen und Hochschulen sowie die Eltern- und Netzwerkarbeit verstärkt. Gerade Eltern und Lehrer/innen als „erste Berater“ der jungen Menschen benötigen umfassende Informationen, damit sie die Entscheidungen der Jugendlichen gut unterstützen können.

Unterstützungsangebote der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter im Jugendberufshaus

Viele Instrumente, um dem Passungsproblem entgegenzutreten

Die Angebote, um Jugendliche bei dem Weg in die Ausbildung oder während der Ausbildung zu unterstützen, sind vielfältig. Über eine Unterstützung noch während der Schulzeit, der Berufseinstiegsbegleitung, über finanzielle Zuschüsse an Unternehmen, die jungen behinderten Menschen einen Ausbildungsplatz anbieten, bis zu Angeboten, die im Schwerpunkt die deutsche Sprache in Beruf/Ausbildung vermitteln, kann jeder Förderbedarf unterstützt werden. So standen 2019 beispielsweise insgesamt 105 Plätze für außerbetriebliche Ausbildungen (BaE), 304 Plätze für berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen (BvB), 62 Plätze für eine Assistierte Ausbildung (AsA) und 158 Plätze für eine Einstiegsqualifizierung (EQ) zur Verfügung. Für die berufliche Förderung junger Menschen setzten die Agentur für Arbeit Dortmund und das Jobcenter Dortmund im Jahr 2019 Mittel in Höhe von rund 28 Millionen Euro ein. 

Alle ziehen an einem Strang

Die Allianz für Aus- und Weiterbildung wird bis 2021 fortgeführt

Zusammen mit den regionalen Partnern im Ausbildungskonsens NRW wollen wir die Zukunftsfähigkeit der dualen Ausbildung weiter auf breite Füße stellen. Ein Fokus gilt den Unternehmen. Eine verstärkte Ausbildungsstellenakquise auch für junge Menschen mit schlechten Startchancen soll den Fachkräftenachwuchs sichern und allen ausbildungswilligen Jugendlichen gute Perspektiven schaffen. Beratungsangebote für Studienzweifler und -aussteiger/innen werden ausgebaut. Jeder Jugendliche, der Unterstützung benötigt, erhält diese schnell und unkompliziert. Gemeinsam beraten alle Partnerinnen und Partner Jugendliche und Unternehmen in allen Phasen des Ausbildungsjahres.

TOP 10 Ausbildungsplatzwünsche der Bewerber

Die meisten Bewerber und Bewerberinnen, die zum Berichtsjahresende noch einen Ausbildungsplatz suchten, gaben folgende Wunschberufe an:

  1. Medizinische/r Fachangestellte/r
  2. Kaufmann/-frau Büromanagement
  3. Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel
  4. Automobilkaufmann/-frau
  5. Kfz. Mechatroniker/in – PKW Technik
  6. Fachkraft Schutz und Sicherheit
  7. Verkäufer/in
  8. Friseur/in
  9. Elektroniker/in - Energie-/Gebäudetechnik
  10. Chemielaborant/in

TOP 10 der unbesetzten Berufsausbildungsstellen

  1. Zahnmedizinische/r Fachangestellte/r
  2. Kaufmann/frau im Einzelhandel
  3. Medizinische/r Fachangestellte/r
  4. Metallbauer/in Konstruktionstechnik
  5. Fleischer/in
  6. Fachinformatiker/in Anwendungsentwicklung
  7. Kaufmann/-frau Büromanagement
  8. Fachwirt/in Vertrieb Einzelhandel
  9. Industrie-Isolierer/in
  10. Verkäufer/in