29.11.2019 | Presseinfo Nr. 81

Internationaler Tag der Menschen mit Behinderung

Der 36-jährige Masseur Jeronimo Schöber ist seit seiner Geburt an blind. Er lernte stets, nur aufgrund seiner Behinderung nicht kleinbeizugeben. Sein Appell an Menschen mit Handicap: „Wir dürfen uns nicht immer in die Hilfehaltung drängen lassen.“

Menschen mit Behinderung profitieren im Jahr 2019 noch nicht gleichermaßen von den positiven Entwicklungen am Arbeitsmarkt wie Menschen ohne Behinderung. Vorbehalte von Unternehmen sind spürbar. „Es besteht noch zu oft Skepsis vieler Arbeitgeber bei der Anstellung von Menschen mit einem Handicap. Doch wenn wir als verantwortungsbewusste Gesellschaft agieren wollen, müssen wir viel mehr aus dem Potenzial der Menschen mit Behinderung schöpfen" sagt Heike Bettermann, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit in Dortmund. So ist die Beschäftigung Schwerbehinderter zwischen 2013 und 2017 zwar um 216 Personen auf 10.612 Beschäftigte gestiegen, konnte allerdings nicht der wesentlich stärkeren Zunahme der Gesamtbeschäftigung folgen. Dennoch gibt es in Dortmund viele Beispiele, die Mut machen. So etwa auch der Werdegang von Jeronimo Schöber. Der 36-Jährige ist von Geburt an blind, lernte aber schnell, nur aufgrund seiner Behinderung nicht kleinbeizugeben – sondern stets zu zeigen, was mit einem Handycap möglich ist.

„Als Mensch mit einer Behinderung wirst du schnell in eine Ecke gedrängt. Viele machen das nicht extra, doch aus Unwissenheit gehen viele Menschen davon aus, man könne Dinge schlechter, beziehungsweise gar nicht, nur weil man nicht sehen kann. Hiergegen müssen wir uns wären – indem wir selbstbewusst auftreten und uns nicht stets in diese Rolle drängen lassen“, sagt der 36-Jährige. So hat sich Jeronimo Schöber auch bewusst für einen Schulabschluss an einer herkömmlichen Schule entschieden, machte daraufhin seine Ausbildung zum Masseur und medizinischem Bademeister und ist nun seit Januar 2019 – nachdem er sich zunächst um die Erziehung seiner Kinder kümmerte – als Masseur in der Physiopraxis Wiese tätig. Für seinen neuen Chef war schnell klar, dass der dreifache Familienvater hervorragend ins Team passt. „Jeronimo hat sich hier super eingelebt und wurde vom Team aktiv aufgenommen“, berichtet der Physiotherapeut. Die zur Ausübung der Beschäftigung nötigen technischen Arbeitshilfen beantragte Schöbers neuer Chef bei der Agentur für Arbeit Dortmund und wurden ihm bewilligt. Die Blindheit seines Angestellten bewertet der Therapeut eher als Vorteil als ein Handicap. „Wenn man täglich mit und am Menschen arbeitet, dann wirst du schnell feststellen, dass Behinderungen und Beeinträchtigungen von Menschen zum Leben einfach mit dazugehören“, sagt der Therapeut. Über Scheuklappen, die in unserer Gesellschaft leider immer noch zu oft vorherrschen, könne er nur lächeln. „Ich würde sogar noch einen Schritt weitergehen und sagen, dass sich Jeronimo Schöber aufgrund seiner Behinderung in unserer Branche gewissermaßen in der Pole-Position befindet. Denn er hat früh lernen müssen, sich auf seinen Tastsinn zu verlassen. Andere angehende Masseure müssen dies erst einmal erlernen“, so Wiese. Das kann Schöber bestätigen: „Ich denke, ich kann sagen, dass ich meine Arbeit gut mache. Viele Kunden haben ein besonderes Vertrauen zu mir, kommen auf mich zu und geben mir positives Feedback.“

Seine nächste Herausforderung hat der Dortmunder Masseur bereits in Angriff genommen – seit Herbst 2019 büffelt er nun für die Ausbildung zum Physiotherapeuten. Auch hier konnten es einige Personen kaum fassen, dass er diese Ausbildung nicht an einer speziellen Schule für Blinde absolviere, erzählt Schöber. „Aber wie gesagt, wir dürfen uns nicht in die Hilfehaltung drängen lassen. Vieles können wir, das müssen wir nur deutlich machen“, appelliert Schöber auch an weitere Betroffene.

Die Agentur für Arbeit bietet Arbeitgebern Unterstützung durch

  • Umfassende Information und Beratung
  • Unterstützung bei der Rekrutierung
  • Behinderungsgerechte Einrichtung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen
  • Finanzielle Förderung zur Schaffung neuer Arbeits- und Ausbildungsplätze für schwerbehinderte Menschen
  • Finanzielle Förderung bei der Beschäftigung schwerbehinderter Menschen.