17.12.2019 | Presseinfo Nr. 85

Jahresbilanz 2019 zum Arbeitsmarkt in der Stadt Dortmund – Ausschau 2020

In aller Kürze
- Arbeitslosigkeit geht 2019 weiter zurück
- 31.803 Arbeitslose im Jahresdurchschnitt
- Durchschnittliche Arbeitslosenquote 10,1 Prozent (2018: 10,3 Prozent)
- Beschäftigung in Dortmund erreicht neues Rekordniveau
- Jugendarbeitslosigkeit bleibt auf Vorjahresniveau
- Langzeitarbeitslosigkeit sinkt 

„Der Arbeitsmarkt in Dortmund hat sich 2019 beständig gegenüber der konjunkturellen, Abkühlung gezeigt und sich robust entwickelt“, sagt die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit in Dortmund, Heike Bettermann. Im Jahresdurchschnitt waren in Dortmund 31.800 Menschen arbeitslos gemeldet. Damit lag die Arbeitslosigkeit im Jahresverlauf um 231 Personen oder 0,7 Prozent unter der des vorhergehendes Jahres.

So habe sich der Arbeitsmarkt teilweise von der Konjunktur abgekoppelt. „2019 hat Dortmund mit rund 246.000 Personen eine neue Rekordmarke in der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung erreicht.“ Hierfür ausschlaggebend sieht Bettermann in Dortmund zwei Faktoren: Zum einen entstehen immer mehr Arbeitsplätze in Branchen, die wenig von der Konjunktur beeinflusst werden. Dazu gehören beispielsweise die Pflege und andere Berufe der Gesundheitsbranchen, aber auch die Logistik- und Dienstleistungsunternehmen bauen weiter Beschäftigung auf. Hinzu komme, „dass der demografische wie der technologische Wandel am steigenden Bedarf von Fachkräften beiträgt.“ Die Agentur für Arbeit in Dortmund meldet trotz der konjunkturellen Abkühlung weiter steigende Engpässe in vielen Berufsbildern. „Das ist ein Indiz dafür, dass viele Unternehmen nach Möglichkeiten suchen, ihr Personal trotz nachlassender Aufträge zu halten“, so Bettermann.

„Ein Blick auf die Arbeitslosigkeit in Dortmund zeigt allerdings auch, dass der Arbeitsmarkt in Bewegung ist“ führt Bettermann weiter aus. In Dortmund liegt die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen im Jahresdurchschnitt bei rund 31.800 Personen. Über das ganze Jahr gesehen liegt die Arbeitslosigkeit damit weiter um 0,7 Prozent unter der des vorhergehenden Jahres. Allerdings ist die Arbeitslosigkeit in der Arbeitslosenversicherung im Vorjahresvergleich gestiegen. So bezogen im November 7.058 Menschen Arbeitslosengeld – 494 Personen oder 7,5 Prozent mehr als vor einem Jahr. Im Jahresdurchschnitt steigt die Arbeitslosigkeit in der Arbeitslosenversicherung dadurch um 2,1 Prozent oder rund 147 Personen. „Im Anstieg der Arbeitslosigkeit der Arbeitslosenversicherung wird die Auswirkung der konjunkturellen Abkühlung sichtbar“, sagt die Agenturchefin, bereits seit Mai liege die Arbeitslosigkeit in der Arbeitslosenversicherung in Dortmund Monat um Monat über der des Vorjahres.

Haben wir nun Krise, oder nicht?

„Zusammengefasst geht der Arbeitsmarkt in Dortmund trotz leicht konjunkturell bedingtem Abschwung stabil voran. Von einer Krise am Arbeitsmarkt können wir 2019 nicht sprechen – vor allem dann nicht, wenn in Dortmund die Beschäftigung weiterhin steigt“, bilanziert Heike Bettermann. Ungewöhnlich sei allerdings, dass sich der Aufschwung über so einen langen Zeitraum entwickele. „Seit 2008 befindet sich der Arbeitsmarkt in Dortmund im Aufwind und schon jetzt kann ich sagen, dass die Arbeitsmarktprognosen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung dahin tendieren, dass die Entwicklung auch im Jahr 2020 anhalten wird“, so Bettermann.

Von der positiven Beschäftigungsentwicklung in 2019 profitierten auch die Menschen in der Betreuung des Jobcenters

„Besonders erfreulich ist aus Sicht des Jobcenters Dortmund die weiterhin rückläufige Entwicklung der Kundinnen und Kunden, die viele Jahre ohne eine Beschäftigung waren. Mit knapp 11.200 haben wir im Juli dieses Jahres ein erneutes historisches Tief bei der Zahl der Langzeitarbeitslosen erreicht“, berichtet Dr. Regine Schmalhorst, Geschäftsführerin des Jobcenters. Seit Juli ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen zwar um etwa 200 auf 11.400 gestiegen, liegt im Jahresdurchschnitt jedoch um 425 unter dem Wert des Vorjahres.

Die Geschäftsführerin begrüßt auch die sehr guten Integrationsergebnisse bei den Geflüchteten: 20 Prozent der im Jobcenter geführten Personen mit Fluchtgeschichte gehen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. „In diesem eindrucksvollen Ergebnis zeigen sich das gemeinsame Engagement aller Beteiligten in dieser Stadt sowie die gute Zusammenarbeit bei der Förderung der Sprachkenntnisse und der beruflichen Qualifizierung“, so Dr. Regine Schmalhorst.

Im Fokus der Arbeit des Jobcenters stand dieses Jahr das im Januar gestartete Teilhabechan-cengesetz, mit dem Lohnzuschüsse von bis zu 100 Prozent über mehrere Jahre möglich sind. „Über das neue Förderinstrument ist es uns in Dortmund gelungen, für über 700 Menschen eine neue Beschäftigungsmöglichkeit am ersten Arbeitsmarkt zu schaffen. Damit haben wir unsere Erwartungen sogar übertroffen. Verschiedene Faktoren haben zu diesem Erfolg beigetragen. So haben wir Anfang des Jahres das Team Wendepunkt personell aufgestockt und sind sehr schnell in die operative Umsetzung gestartet. Die engagierten Kolleginnen und Kollegen konnten zahlreiche Arbeitgeber für das neue Förderinstrument gewinnen, flankiert haben wir die Akquisition durch unsere Mediakampagne Zukunft Macher und das Coaching für Arbeitgeber und Arbeitnehmer. So ist es gelungen, im Vergleich zu vergangenen Förderprogrammen einen sehr hohen Anteil an Beschäftigungsverhältnissen in der Privatwirtschaft zu realisieren“, erklärt Dr. Regine Schmalhorst.

Insgesamt waren im Jahresdurchschnitt 2019 weniger Menschen auf das Jobcenter angewiesen als noch im Vorjahr. Das zeigt sich daran, dass im Vergleich zum Vorjahr sowohl die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsbezieher als auch die Bedarfsgemeinschaften um etwa zwei Prozent zurückgegangen ist. Trotz der positiven Gesamtentwicklung bleibt Langzeitarbeitslosigkeit nach wie vor eine Herausforderung für das Jobcenter, das knapp 80 Prozent der Arbeitslosen in Dortmund betreut. „Wir werden unsere Arbeit daher in 2020 besonders auf die Langzeitleistungsbezieher fokussieren – das sind Menschen, die seit vielen Jahren Geld vom Jobcenter beziehen“, erklärt Dr. Regine Schmalhorst. Zu dieser Gruppe gehören neben Langzeitarbeitsarbeitslosen auch sogenannte Ergänzer - Menschen, die einer Beschäftigung nachgehen, jedoch durch den erzielten Lohn alleine ihren Lebensunterhalt nicht sichern können und auf ergänzende Leistungen des Jobcenters angewiesen sind. Im Jobcenter sind das aktuell circa 14.000 Menschen. „Arbeit muss sich lohnen - nur so kann die Motivation aufgebaut werden, einer Beschäftigung nachzugehen. Wir haben verschiedene Ansätze, wie wir das Thema angehen möchten. Zum einen werden wir 2020 vorrangig Arbeitsverhältnisse fördern, bei denen unsere Kundinnen und Kunden durch den Lohn ihren Bedarf an Leistungen decken können. Darüber hinaus werden wir die Menschen zusätzlich zur Arbeitsvermittlung auch stärker zu Geldleistungen beraten und wie sie ihre Hilfebedürftigkeit beispielsweise durch das Beantragen von Wohngeld beenden können. In der Arbeitsvermittlung nehmen wir in der Beratung stärker die Familien in den Blick, um mit allen Beteiligten gemeinsam Lösungen zu arbeiten“, erläutert Dr. Regine Schmalhorst.

Der Arbeitsmarkt 2019 in Zahlen

Steigende Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in Dortmund

Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung erreichte im März 2019 einen historischen Höchststand. Zum Stichtag 31. März 2019 verzeichnete Dortmund 245.678 sozialversicherungspflichtige beschäftigte Personen. Der Vorjahresvergleich ergibt ein Plus von 2,9 Prozent oder 6.978 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen.

Damit liegt Dortmund über dem Landesschnitt von 2,0 Prozent. Auch fiel der Zuwachs im Vergleich zu weiteren Städten des Ruhrgebiets wie etwa Duisburg mit einem Zuwachs von 0,9 Prozent oder Essen mit einem Zuwachs von 1,9 Prozent höher aus. Die Logistikbranche sowie der Dienstleistungssektor verzeichnen in Dortmund im Jahresvergleich die größten Zugewinne.

Hintergrund

Zu den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zählen unter anderem Auszubildende, Praktikanten, Werkstudenten, behinderte Menschen in anerkannten Werkstätten oder gleichartigen Einrichtungen sowie Personen, die ein freiwilliges soziales, ein freiwilliges ökologisches Jahr oder einen Bundesfreiwilligendienst ableisten. Nicht zu den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten gezählt werden die geringfügig Beschäftigten, für die nur pauschale Sozialversicherungsabgaben zu leisten sind. Auch Beamte, Selbständige und mithelfende Familienangehörige, Berufs- und Zeitsoldaten, sowie Wehr- und Zivildienstleistende zählen nicht zu den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Die endgültigen Daten zur sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung werden mit einer sechsmonatigen Verzögerung veröffentlicht, sodass die aktuellsten Daten vom März 2019 stammen.

Arbeitslosigkeit entwickelt sich 2019 im ruhigen Fahrwasser

Durchschnittlich waren in der Stadt Dortmund 31.803 Menschen von Dezember 2018 bis November 2019 arbeitslos gemeldet – dies sind 231 Personen oder 0,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote lag bei 10,1 Prozent und damit 0,2 Prozentpunkte niedriger als im Durchschnitt des Vorjahres mit 10,3 Prozent.

Allerdings ist der Arbeitsmarkt in Bewegung. Die Arbeitslosigkeit der Arbeitslosenversicherung überschreitet seit Mai 2019 den isolierten Monatswert des Vorjahres, seitdem mit steigendem Abstand. Im November 2019 lag die Arbeitslosigkeit im Rechtskreis SGB III um 7,5 Prozent über der des Vorjahres. Wenn Beschäftigte ihre Arbeitsplätze verlieren, besteht im Regelfall ein Anspruch auf Arbeitslosengeld, die Arbeitslosigkeit wird dann in der Arbeitslosenversicherung registriert. Die Arbeitslosigkeit der Grundsicherung hingegen sank weiterhin und lag im November 2019 um 0,2 Prozent unter dem Vorjahreswert. Allerdings wird die Steigerung in der Arbeitslosenversicherung nicht zur Gänze kompensiert, so dass die Gesamt-Arbeitslosigkeit im isolierten Monat November 2019 um 451 oder 1,5 Prozent höher lag als im November 2018.

Jugendarbeitslosigkeit: Der gleitende Jahresdurchschnitt der Arbeitslosigkeit der unter 25-Jährigen lag 2019 bei 2.723 Personen. Gegenüber dem Vorjahr bleibt die Jugendarbeitslosigkeit mit einem Rückgang von 0,1 Prozent nahezu auf Vorjahresniveau. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote der unter 25-Jährigen lag bei 8,4 Prozent (Vorjahr: 8,5 Prozent). Im Rechtskreis SGB III waren 754 Menschen U25 arbeitslos gemeldet, das sind 13 weniger als im Vorjahr. Im SGB II waren im Jahresdurchschnitt 1.969 Menschen U25 arbeitslos gemeldet, ein Anstieg von 9 Personen im Vorjahresvergleich.

Langzeitarbeitslosigkeit: Der Anteil langzeitarbeitsloser Menschen, also solcher Menschen, die ein Jahr oder länger arbeitslos sind, ist gegenüber dem Vorjahr um 3,7 Prozent oder 479 Personen gesunken. Im Jahr 2019 waren im gleitenden Jahresdurchschnitt 12.427 Personen langzeitarbeitslos, Im Versicherungsbereich (SGB III) waren 1.045 (-4,9 Prozent) Personen langzeitarbeitslos gemeldet und in der Grundsicherung (SGB II) 11.861 (-9,6 Prozent). 

Hintergrund

Der gleitende Jahresdurchschnitt weist jeweils einen Zeitraum von 12 Monaten aus. Der gleitende Jahreswert November 2019 bezieht somit die Monate Dezember 2018 bis November 2019 ein. Saisonale Schwankungen werden dadurch größtenteils aus der Betrachtung ausgeschlossen.

Im Zeitraum von Dezember 2018 bis November 2019 wurden insgesamt 17.288 freie Arbeitsstellen gemeldet. Dies ist ein Rückgang gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund 2.678 Personen oder 13,4 Prozent. Stark betroffen von den Stellenrückgängen sind die Arbeitsstellen auf dem Niveau der Fachkräfte. Die Zahl verringerte sich um 15,2 Prozent oder rund 1.900 Stellen. Meldungen der Helferstellen gingen um 2,3 Prozent auf 4.270 zurück. Der Abgang gemeldeter Arbeitsstellen belief sich auf im Jahr 2019 auf 17.309 Stellen (2018: 19.639).

Dennoch vermeldet die Agentur einen hohen Stellenbestand. So liegt dieser aktuell bei 6.714 Stellen (2018: 7.020). 4.221 der gemeldeten Stellen richten sich an Fachkräfte, 1.576 an Helferinnen und Helfer und rund 900 an Spezialistinnen und Spezialisten sowie Expertinnen und Experten.

Einen hohen Bestand gemeldeter Arbeitsstellen gibt es besonders in den Bereichen Verkehr, Logistik, Schutz und Sicherheit (1.784 Stellen). Hierunter fallen etwa Berufe rund um den Transport von Gütern. Schutz- und Sicherheitskräfte werden unter anderem in Wach- und Sicherheitsabteilungen von Industrieunternehmen gesucht, aber auch beim Zoll zur Kontrolle von Waren und Gütern. Viele Stellen gibt es zudem im Bereich der Gesundheits- und Pflegeberufe (968) sowie in der Produktion und Fertigung, wie etwa im Lebensmittelhandwerk (1.491).

Die wirtschaftliche Eintrübung wird auch an der Zahl der Anzeigen für konjunkturelle Kurzarbeit sichtbar. In der gleitenden Jahressumme November 2019 stieg die Zahl der von diesen Anzeigen betroffenen Personen von 182 auf 447.

Zum Vergleich: Im Krisenjahr 2009 waren in der gleitenden Jahressumme November rund 14.000 Personen von Anzeigen für Kurzarbeit in Dortmund betroffen.

Hintergrund

Konjunkturelle Kurzarbeit soll die aus wirtschaftlichen oder konjunkturellen Gründen entstehenden vorübergehenden Arbeitsausfälle auffangen. Ziel ist, dass Arbeitgebern ihre eingearbeiteten Arbeitskräfte und Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ihre Arbeitsplätze erhalten bleiben. Für die Zeit des Arbeitsausfalls wird ein Kurzarbeitergeld gewährt. Damit die Zahlung erfolgen kann, ist im Vorfeld eine Anzeige des Arbeitgebers für Kurzarbeit mit der voraussichtlichen Personenzahl und des voraussichtlichen Arbeitsausfalls erforderlich. Damit sind aber noch keine Aussagen möglich, ob die Kurzarbeit tatsächlich realisiert wird. Statistische Zahlen zur realisierten Kurzarbeit werden nach einer Wartezeit von sechs Monaten, die Zahlen zu Anzeigen und den betroffenen Personen nach einer Wartezeit von einem Monat veröffentlicht.

Das Teilhabechancengesetz bietet Langzeitarbeitslosen eine Chance

Im November 2019 befanden sich nach vorläufigen Berechnungen in Dortmund 706 Personen in einem geförderten Arbeitsverhältnis zur Teilhabe am Arbeitsmarkt, davon 624 gemäß § 16i SGB II und 82 über § 16e SBG II. Etwa die Hälfte der Personen konnte über die Beschäftigungsaufnahme ihren Leistungsbezug beenden. Diesen Anteil möchte das Jobcenter 2020 noch steigern. Daher werden die 550 geplanten Neuförderungen in 2020 insbesondere gewährt, wenn die geförderte Person durch die Beschäftigung einen Lohn erzielt, durch den sie ihren Lebensunterhalt ohne Zuschüsse des Jobcenters sichern kann.

Hintergrund

Das Teilhabechancengesetz trat am 01.01.2019 in Kraft. Es fügte dem Sozialgesetzbuch II das neue Instrument „Teilhabe am Arbeitsmarkt“ hinzu. Ziel ist, neue Teilhabechancen für Langzeitarbeitslose auf dem allgemeinen und sozialen Arbeitsmarkt zu schaffen. Arbeitsverhältnisse von erwerbsfähigen Leistungsberechtigten können gemäß § 16i SGB II gefördert werden, wenn diese unter anderem seit mindestens sieben Jahren Leistungen nach dem SGB II beziehen und in dieser Zeit nicht oder nur kurz erwerbstätig waren. Der Lohnkostenzuschuss beträgt in den ersten beiden Jahren 100 Prozent und sinkt danach um 10 Prozentpunkte jährlich. Die Förderdauer beträgt fünf Jahre. Gleichzeitig wurde der § 16e SGB II neu gefasst und ein neuer Lohnkostenzuschuss geschaffen. Gefördert werden Arbeitsverhältnisse von Personen, die trotz vermittlerischer Unterstützung unter Einbeziehung der übrigen Eingliederungsleistungen seit mindestens zwei Jahren arbeitslos sind.

Förderung beruflicher Weiterbildung

Die Bedeutung der beruflichen Weiterbildung nimmt im Rahmen der Fachkräftesicherung immer mehr zu. Dabei sind vor allem Qualifizierungen wichtig, die auf einen beruflichen Abschluss gerichtet sind oder zumindest Teilqualifizierungen ermöglichen. Im Zeitraum von Januar bis November 2019 wurden in Dortmund 2.169 Eintritte in berufliche Weiterbildungsmaßnahmen gefördert. Dies waren 275 oder 14,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Auch die Zahl der abschlussorientierten Maßnahmen stieg an, und zwar um 65 oder 8,6 Prozent auf 815 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Die Zahl der Eintritte in Weiterbildungsmaßnahmen im Rahmen der Beschäftigtenförderung auf Grundlage des Qualifizierungschancengesetzes wuchs gegenüber dem Vorjahreszeitraum kräftig. Rund 156 Weiterbildungsmaßnahmen wurden im Zeitraum von Januar bis November 2019 begonnen, 20 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. 122 Förderungen waren hiervon abschlussorientiert. Im Vorjahresvergleich ist dies ein Anstieg von rund 82 Prozent. Im vergangenen Jahr erfolgte die Förderung noch über das Programm „WeGebAU – Weiterbildung von Geringqualifizierten und beschäftigten älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Unternehmen“.

Hintergrund

Das Qualifizierungschancengesetz trat am 1. Januar 2019 in Kraft. Die Regelungen des SGB III wurden um die Weiterbildungsförderung für beschäftigte Arbeitskräfte erweitert und dadurch die berufliche Weiterbildung unabhängig von Ausbildung, Lebensalter und Betriebsgröße ermöglicht.

Ausblick 2020

Laut der regionalen Arbeitsmarktprognose des Institutes für Arbeitsmarkt und Berufsforschung, kurz IAB, von September 2019 wird sich im ersten Halbjahr 2020 die Arbeitslosigkeit leicht erhöhen und auch die Anfragen nach Kurzarbeit weiter leicht ansteigen. Das zweite Halbjahr verspricht dann aufgrund der eintretenden wirtschaftlichen Belebung eine positive Entwicklung der Arbeitslosenzahlen. Auch setzt sich der Beschäftigungsaufbau in Dortmund weiter fort. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wird den Prognosen zufolge 2020 weiterwachsen, da sich die Unternehmen die zunehmend knappen Arbeitskräfte sichern. Allerdings wird das Tempo des Beschäftigungsaufbaus gemindert.

Der Arbeitsmarkt ist im Wandel, wird sich aber auch 2020 weitestgehend robust gegen konjunkturelle Einflüsse zeigen. Dennoch ist Arbeitslosigkeit für jeden einzelnen Betroffenen ein existentiell bedeutsamer Einschnitt. „Diese Menschen wollen wir fest in den Blick nehmen, sie ermutigen, ihre Fähigkeiten und Kompetenzen weiter zu entwickeln, damit sie die Chance auf eine neue berufliche Perspektive bekommen. Dazu gehört auch ein gutes Angebot an Weiterbildungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten. Es sind nicht nur arbeitslose Menschen mit geringer Qualifikation, die Antworten auf den technologischen Wandel finden müssen und Perspektiven brauchen. Wir benötigen auch gute Angebote für alle Beschäftigten, die sich Sorgen um ihre berufliche Zukunft machen oder sich weiterentwickeln wollen“, so Heike Bettermann.

Die Unternehmen stehen vor vergleichbaren Herausforderungen. Im Zuge der Digitalisierung erlebt jede Branche ihre Veränderung. Der Bedarf an Fachkräften wird auch im kommenden Jahr weiter steigen. Für Unternehmen wird es immer wichtiger, auf ungenutzte Potenziale bei den eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zurückzugreifen. Weiterbildung ist auch hier der Schlüsselfaktor „Wir möchten gerne eine Kultur der Qualifizierung fördern. „Wir wollen die Menschen und ihre Betriebe für Weiterbildung gewinnen. Eine der größten arbeitsmarktpolitischen Herausforderungen der kommenden Jahre wird es sein, dass uns die qualifizierten Arbeitskräfte nicht ausgehen.

„Das schaffen wir aber nicht als Einzelkämpfer. Um die Herausforderungen zu meistern ist es wichtig, den kontinuierlichen Auf- und Ausbau leistungsfähiger Netzwerke mit allen Partnern am Arbeitsmarkt voranzutreiben. Nur wenn sich alle Akteure am Arbeitsmarkt eng zusammenschließen, kooperieren und miteinander gut abgestimmte Angebote unterbreiten, werden wir den Bedürfnissen der Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen auf der einen Seite und den Beschäftigten auf der anderen Seite gerecht“, so Bettermann.

Einen gemeinsamen Beitrag zur Fachkräftesicherung in unserer Region mit den Städten Dortmund, Hamm und dem Kreis Unna möchten die Agenturen für Arbeit Dortmund und Hamm, die DGB Region Dortmund-Hellweg, der Handelsverband NRW Westfalen-Münsterland, die Handwerkskammer Dortmund und die Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Dortmund leisten. Sie haben daher gemeinsam das „Bündnis für Fachkräfte Westfälisches Ruhrgebiet“ gegründet.