06.03.2020 | Presseinfo Nr. 19

10 Fakten – Frauen am Dortmunder Arbeitsmarkt

Der Arbeitsmarkt für Frauen hat sich in den letzten Jahren positiv entwickelt. Die Beschäftigung steigt und die Arbeitslosigkeit sinkt. Doch bleiben weiterhin Baustellen. So haben es Alleinerziehende auch heute noch schwerer auf dem Arbeitsmarkt. Die Entgeltunterschiede zwischen den Geschlechtern werden nur langsam kleiner. Frauen entscheiden sich noch immer für kaufmännische, soziale oder pflegerische Tätigkeiten. Die MINT-Berufe meiden sie eher und überlassen sie zu häufig männlichen Bewerbern.

Heike Bettermann, Chefin der Agentur für Arbeit Dortmund:
„In vielen Berufen, in denen wir in Dortmund Engpässe bei der Personalrekrutierung sehen, sind deutlich weniger Frauen als Männer beschäftigt. Dabei könnte vor allem in gewerblichen und technischen Berufen eine stärkere Beschäftigung von Frauen diesen Engpässen entgegenwirken. Doch dazu ist die Bereitschaft auf beiden Seiten wesentlich, neue Wege zu gehen. Auf der einen Seite müssen Rahmenbedingen für Frauen attraktiver werden, anderseits müssen sich Bewerberinnen auch Berufen jenseits des traditionellen Rollenbildes öffnen. Klar ist: Für den zukünftigen Arbeitsmarkt ist eine Beschäftigung von Frauen in allen Branchen unverzichtbar.“

Die Berufsberatung der Agentur für Arbeit legt deshalb einen besonderen Schwerpunkt darauf, jungen Frauen attraktive Wege in diesen Berufsfeldern aufzuzeigen, die sie vielleicht erst einmal nicht in Betracht ziehen. Auch Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber können etwas dafür tun, traditionelle Rollenbilder zu überwinden. Zum Beispiel können sie interessierten Mädchen und Frauen einen Einblick in vermeintliche Männerberufe ermöglichen und so auch Fachkräfte für ihr Unternehmen gewinnen. Ein weiterer Schritt ist die Verankerung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf in die Unternehmenskultur. So steigern sie ihre Attraktivität und die ihrer Branchen für Frauen und für Männer.

01           Beschäftigung von Frauen steigt langfristig

Im Juni 2019 waren im Agenturbezirk Dortmund 113.614 Frauen sozialversicherungs-pflichtig beschäftigt. Das sind zwar 2.145 mehr Beschäftige als 2018. Allerdings hat sich der Anteil aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten aufgrund des stärkeren Wachstums bei den Männern um 0,4 Prozentpunkte verringert. Der langfristige Trend zeigt aber nach oben. Im Jahr 2007 lag der Anteil noch bei 45,1 Prozent.

02           Frauen wählen eher keine gewerblich-technischen Berufe

Die meisten Frauen, 13,9 Prozent, sind in der Gesundheitsbranche tätig. Auch im Einzel- und Großhandel sowie der öffentlichen Verwaltung sowie dem Sozialwesen sind viele Frauen beschäftigt. Der Schwerpunkt der Männer liegt dagegen eher im verarbeitenden Gewerbe. In vielen Berufen, die einen Fachkräftemangel oder zumindest spürbare Engpässe aufweisen, wo jede gut qualifizierte Arbeitskraft gebraucht werden kann, arbeiten besonders häufig eher Männer als Frauen.

03           Beschäftigungsquote der Männer deutlich höher als die der Frauen

Im Jahr 2019 waren in Dortmund durchschnittlich 50,2 Prozent der Frauen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Dies ist gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung um 0,9 Prozent, doch fällt der Anstieg schwächer aus als bei den Männern. Aufgrund der noch immer klassischen Rollenverteilung liegt die Beschäftigungsquote der Männer (59,9 Prozent) deutlich höher als die der Frauen.

04           Entgeltunterschiede zwischen den Geschlechtern

Frauen erzielen am Arbeitsmarkt ein niedrigeres Entgelt als Männer. Im Vergleich zu den Männern in Dortmund verdienen Frauen im Durchschnitt rund 380€ weniger.

05           Die Arbeitslosigkeit der Frauen ging 2019 weiter zurück

Im Jahr 2019 waren in Dortmund nur noch 13.909 Frauen arbeitslos gemeldet. Gegenüber 2018 hat sich ihre Zahl um 156 Personen oder 1,1 Prozent verringert. Insgesamt waren im vergangenen Jahr 43,6 Prozent aller Arbeitslosen weiblich.

06           Frauen überwiegend für die Erziehung der eigenen Kinder verantwortlich.

Von allen alleinerziehenden Arbeitslosen sind 9 von 10 Frauen. Unter den arbeitslosen Frauen in Dortmund ist rund jede Fünfte alleinerziehend, von ihnen sind zudem viele langzeitarbeits-los. Die Arbeitsmarktchancen für die Alleinerziehenden werden dadurch stark beeinträchtigt.

07           Eine große Anzahl der arbeitslosen Frauen hat keine Ausbildung

Nahezu zwei Drittel der arbeitslosen Frauen verfügt über keine Berufsausbildung. Bildung und Qualifizierung sollten hier im Vordergrund stehen, da auf dem Arbeitsmarkt eine hohe Nachfrage nach ausgebildeten Fachkräften besteht. Auch eine Berufsausbildung in Teilzeit zu absolvieren, neben eventueller Betreuungspflichten, ist in den meisten Berufen möglich.

08           Der Wunsch nach Teilzeit ist ausgeprägt

Deutlich weniger der arbeitslosen Frauen möchten oder können in Vollzeit arbeiten. Durch familiäre Verpflichtungen und klassische Rollenverteilung besteht bei mehr Frauen der Wunsch nach Teilzeit. 30 Prozent suchen eher nach einer Teilzeitstelle, bei den Männern sind es 4,8 Prozent.

09           Frauen sind in MINT-Berufen unterrepräsentiert

Während rund ein Drittel der Beschäftigten Männer in MINT-Berufen tätig sind, sind es bei den Frauen weniger als jede zehnte. 7,1 Prozent aller sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen arbeitet in MINT-berufen, bei den Männern sind es 32,7 Prozent.

10           MINT-Ausbildungen weiterhin Männerdomäne

Der Schwerpunkt der weiblichen Auszubildenden und Studierenden liegt auf wirtschaftlichen, gesundheitlichen und sozialen Ausbildungsgängen bzw. Studienfächern. Die MINT-Berufe, also Berufe der Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft oder Technik, meiden sie eher und überlassen sie männlichen. Diese technischen Fächer sind männlich dominiert. Unter den Top 10 Studienfächern befinden sich bei den Frauen nur zwei aus dem MINT Bereich, Informatik und Biologie, während bei den Männern acht der Top 10 Studienbereiche zu MINT gezählt werden.