30.04.2020 | Presseinfo Nr. 35

Arbeitsmarktbericht April 2020

Arbeitslosenquote bei 11,2 Prozent

35.450 Arbeitslose in Dortmund

Verlängerung der Bezugsdauer für das Arbeitslosengeld I

Bezugsdauer von Arbeitslosengeld I wird verlängert

Nachfrage von Arbeitskräften stark gesunken

Angezeigte Kurzarbeit auf sehr hohem Niveau

Die Corona Pandemie und der damit einhergehende Shutdown mit seinen umfangreichen Eindämmungsmaßnahmen hat im April auch den Dortmunder Arbeitsmarkt erreicht und die Arbeitslosmeldungen stark ansteigen lassen.

So belief sich im April 2020 die Zahl der arbeitslos gemeldeten Personen auf 35.450. Das sind 2.746 Menschen oder 8,4 Prozent mehr als vor einem Monat und 14,2 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote ist im Vergleich zum Vormonat um 0,9 Prozentpunkte auf 11,2 Prozent gestiegen. Sie lag damit 1,3 Prozentpunkte über dem April des Vorjahres. Eine vergleichbare Quote verzeichnete Dortmund zuletzt im April 2017.

„Die Corona Krise hat von einem Monat auf den anderen die Arbeitslosigkeit flächendeckend in ganz Deutschland steigen lassen – ein Anstieg wie es ihn so in dem Ausmaß zwischen zwei Monaten in Dortmund bisher noch nicht gegeben hat.

Die Kurzarbeit federt dabei viel ab, allerdings nicht alles. Die Zahl der Menschen, die sich erstmals arbeitslos melden mussten ist im April deutlich gestiegen, insbesondere in den Bereichen Gastronomie und wirtschaftliche Dienstleistungen; dazu zählen unter anderem auch die Reisebüros. Viele Arbeitgeber greifen aber auf Kurzarbeit zurück und setzen alles daran ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu halten. Sorgen bereiten uns die stark sinkenden Abgänge in Erwerbstätigkeit und Selbstständigkeit. Nur wenige Branchen wie zum Beispiel der Lebensmitteleinzelhandel und die Logistik melden und besetzen derzeit Arbeitsstellen. Bei Arbeitgebern, die Kurzarbeit eingeführt haben, liegen Personalneueinstellungen nahezu vollständig auf Eis. Auch haben sich viele Menschen, die zuletzt eine Weiterbildung, eine Qualifizierung, eine Sprachförderung oder ein Coaching abgeschlossen haben, zunächst arbeitslos gemeldet. Der Arbeitsmarkt ist krisenbedingt aktuell wenig aufnahmefähig. Um daraus resultierende Existenzängste zu nehmen, wurde unter anderem die Bezugsdauer von Arbeitslosengeld I um drei Monate verlängert“, erklärt die Arbeitsagenturchefin Heike Bettermann.

„Wir dürfen jetzt nicht hadern mit der Situation. Wir werden in den nächsten Tagen und Wochen mit Hochdruck daran arbeiten, den arbeitslosen Menschen wieder eine berufliche Perspektive zu geben. Dazu werden wir das Vermittlungsgeschäft Schritt für Schritt wiederaufnehmen, zunächst weiterhin ausschließlich durch persönliche telefonische Beratung. Auch unser Arbeitgeber-Service wird Kontakt zu den Unternehmen aufnehmen und offene Stellenmeldungen überprüfen und neue generieren. Erfolge werden sicherlich nicht schon morgen sichtbar sein, wir werden aber alles daransetzen, dass sie es so schnell und nachhaltig wie möglich sind. Unsere wichtigste Aufgabe bleibt die zuverlässige Zahlung von Geldleistungen, um Existenzen zu sichern. Dazu gehören neben dem Kurzarbeitergeld und dem Arbeitslosengeld auch alle Leistungen der Familienkasse“, so Bettermann.

Dr. Regine Schmalhorst, Geschäftsführerin des Jobcenters Dortmund, kommentiert: „Auch in der Zuständigkeit des Jobcenters sind die Folgen des Corona-Virus bereits spürbar, wenngleich sich wirtschaftliche Krisen in der Regel erst mit einem gewissen zeitlichen Versatz bei uns bemerkbar machen, weil die Menschen zunächst Arbeitslosengeld I beziehen. Gegenwärtig ist es jedoch etwas anders. Wir verzeichnen im April 1.768 arbeitslose Menschen mehr als im Vormonat. Dies hat mehrere Gründe. Zum einen liegt es an weniger Abgängen, also weniger Menschen, die in berufliche Qualifizierungen, Aktivierungsmaßnahmen oder neue Arbeitsverhältnisse einmünden. Zum anderen registrieren wir mehr Zugänge, vor allem durch Selbstständige mit geringem und ganz ohne Einkommen. Langfristige Effekte sind noch nicht abschätzbar, jedoch rechnen wir mit zunächst weiterhin steigenden Zahlen in den kommenden Monaten. Und dennoch gibt es auch positive Nachrichten: Im Lager- und Logistikbereich, im Handel und im Gesundheitswesen wird viel Personal benötigt. Hier arbeiten wir intensiv an schnellen Vermittlungen.“

Die Rufnummern der Arbeitsagentur lauten (Mo - Fr: 8.00 bis 18.00 Uhr):
Die Rufnummern des Jobcenters (Mo – Do. 8 bis 15 Uhr / Fr 8 bis 13 Uhr):
Arbeitslosigkeit steigt deutlich an

Im April wurden 35.450 Menschen in Dortmund arbeitslos gezählt. Davon waren 8.852 Personen bei der Arbeitsagentur und 26.598 Menschen beim Jobcenter Dortmund gemeldet. Damit ist die Gesamtzahl der Arbeitslosen in der Stadt im Vergleich zum Vormonat um 2.746 Personen oder 8,4 Prozent gestiegen. Im Vorjahresvergleich liegt die Arbeitslosigkeit um 4.415 Personen oder 14,2 Prozent höher. Die Arbeitslosenquote für alle bei Agentur und Jobcenter gemeldeten Arbeitslosen steigt um 0,9 Prozentpunkte auf 11,2 Prozent. Im Vorjahr betrug die Quote 9,9 Prozent. Die spezifische Arbeitslosenquote für die Agentur liegt bei 2,8 Prozent und für das Jobcenter bei 8,4 Prozent.

Arbeitslosigkeit ist kein fester Block, vielmehr gibt es auf dem Arbeitsmarkt durch die Zu- und Abgänge in bzw. aus Arbeitslosigkeit viel Bewegung. In der Stadt Dortmund wurden im April 6.091 Männer und Frauen erstmals oder erneut arbeitslos registriert. 2.259 Personen kamen davon aus einer Beschäftigung am 1. Arbeitsmarkt. Das sind 407 Personen mehr als im Vormonat. 3.361 meldeten sich im April bei der Arbeitsagentur und dem Jobcenter aus der Arbeitslosigkeit ab. 1.018 Menschen beendeten wegen der Aufnahme einer Beschäftigung am 1. Arbeitsmarkt ihre Arbeitslosigkeit. Das sind knapp 600 weniger als im Vormonat.

Bezugsdauer von Arbeitslosengeld I auf 15 Monate verlängert

Aufgrund der außergewöhnlichen Situation auf dem Arbeitsmarkt haben diejenigen, die bereits vor der Krise arbeitssuchend waren und Arbeitslosengeld I bezogen, derzeit geringere Aussichten auf eine neue Beschäftigung. Hinzu kommt, dass die Vermittlungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten der Agentur für Arbeit aufgrund des Gesundheitsschutzes aktuell eingeschränkt sind. Daher wird das Arbeitslosengeld I für diejenigen um drei Monate verlängert, deren Anspruch zwischen dem 01. Mai und 31. Dezember 2020 enden würde.

Jugendarbeitslosigkeit

Rechtskreisübergreifend ist die Jugendarbeitslosenquote im Vergleich zum März um 1,1 Prozentpunkte auf 10,0 Prozent gestiegen. Im April waren damit 3.250 junge Menschen unter 25 Jahren arbeitslos gemeldet. Das ist ein Anstieg um 341 Personen gegenüber dem Vormonat.

Arbeitskräftenachfrage stark zurückgegangen

Im April ist die Nachfrage der Unternehmen nach Arbeitskräften deutlich gesunken. Die Dortmunder Unternehmen und Verwaltungen befinden sich aktuell im Krisenmodus, viele haben Kurzarbeit angezeigt, Personalneueinstellungen rücken demzufolge in den Hintergrund. Der Agentur für Arbeit wurden im aktuellen Berichtsmonat 642 neue Stellen gemeldet. Das sind 519 Stellen weniger als im März. Der aktuelle Stellenbestand ist mit 5.106 offenen Stellen um 12,1 Prozent niedriger als im Vormonat. Arbeitskräfte werden aktuell im Lebensmittel-Einzelhandel, in der Logistik, in der Verwaltung und im Gesundheits- und Sozialwesen gesucht.

Unterbeschäftigung leicht gesunken

In der Unterbeschäftigung werden zusätzlich zu den registrierten Arbeitslosen auch die Personen erfasst, die nicht als arbeitslos im Sinne der Sozialgesetzbücher (SGBIII und SGBII) gelten, weil sie zum Beispiel wegen der Teilnahme an Qualifizierungs-, Trainings- oder Beschäftigungsmaßnahmen, wegen Krankheit oder vorruhestandsähnlicher Regelungen nicht als arbeitslos gezählt werden.

Die Unterbeschäftigung ist in diesem Monat gestiegen. Insgesamt sind im April 47.256 Personen in der Unterbeschäftigung registriert. Das sind im Vergleich zum Vormonat 1.464 Personen oder 3,2 Prozent mehr. Der Anteil der Arbeitslosigkeit an der Unterbeschäftigung ist im April um 3,6 Prozentpunkte auf 75,0 Prozent gestiegen. Die Unterbeschäftigungsquote liegt im Berichtsmonat April bei 14,5 Prozent (Vorjahr: 13,5 Prozent).

Angezeigte Kurzarbeit auf sehr hohem Niveau

Die Zahl der Anzeigen von Kurzarbeit, die im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie bei der Agentur für Arbeit eingehen, ist rasant angestiegen.

Einem aktuellen Monitoring zufolge, bei dem alle Arbeitsagenturen befragt wurden, sind im März und April 2020 (Zeitraum 01.03 bis 26.04.2020) in Dortmund 4.557 Anzeigen von konjunktureller Kurzarbeit für insgesamt 61.013 Personen bei der Arbeitsagentur eingegangen. Es ist allerdings nicht sichergestellt, dass jede in den Anzeigen betroffene Person tatsächlich kurzarbeiten wird. Die Anzeige ist eine Vorhersage des Arbeitgebers. Die realisierten Zahlen werden erst durch die Anträge ermittelt. Valide Zahlen dazu liegen im Frühsommer vor.

Nahezu alle Branchen sind gleichzeitig von Kurzarbeit betroffen. Während früheren Wirtschaftskrisen häufig Industriebetriebe und deren nahestehenden Branchen wie die Logistik betroffen waren, sind durch die Corona Pandemie auch Branchen betroffen, die früher selten mit Kurzarbeit in Berührung gekommen sind – zum Beispiel die Reisebranche, die Gastronomie und Hotellerie, Friseure etc.

Ausbildungsmarkt gerät ins Stocken

Der Ausbildungsmarkt 2019/2020 ist in die zweite Halbzeit gestartet. Bis zum ersten großen Starttermin im August sind es noch rund drei Monate. Die Coronakrise trifft auch den Ausbildungsmarkt. Auswahlprozesse ruhen bei vielen Unternehmen. Insbesondere kleine Unternehmen tun sich schwer, digitale Auswahlverfahren aufgrund der Kontaktbeschränkungen, umzusetzen. 

Im April wurden dem Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Dortmund noch einmal 38 neue Ausbildungsstellen gemeldet. Die Zahl der gemeldeten betrieblichen Ausbildungsstellen liegt damit aktuell bei 3.219. Dies sind im Vorjahresvergleich 128 Stellen weniger. Seit Oktober 2019 meldeten sich 3.112 Jugendliche bei der Berufsberatung als Bewerber. Das sind 387 Jugendliche oder 11,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Zum jetzigen Zeitpunkt sind davon noch 1.546 ohne Zusage. Weitere 499 haben sich schon eine Alternative gesucht, sind aber nach wie vor an Ausbildung interessiert.

„In diesen außergewöhnlichen Zeiten raten wir dennoch allen Jugendlichen, die in diesem Jahr ihren Schulabschluss machen, trotz Corona-Krisenmodus ihre beruflichen Perspektive nicht aus den Augen zu verlieren und sich mit der Ausbildungsplatzsuche oder Studienwahl weiter zu beschäftigen. Abwarten und den Kopf in den Sand stecken, ist die falsche Reaktion. Unternehmen haben ihre Nachwuchsgewinnung jetzt nicht eingestellt. Unsere Berufsberaterrinnen und Berater stehen zwar nicht für ein persönliches Gespräch zur Verfügung, sie beantworten aber Fragen und geben Hilfestellung gerne per Telefon oder via Email“, kommentiert Arbeitsagenturchefin Heike Bettermann die Situation auf dem Dortmunder Ausbildungsmarkt.

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