03.06.2020 | Presseinfo Nr. 37

Arbeitsmarktbericht Mai 2020

- Arbeitslosenquote bei 11,7 Prozent
- 37.182 Arbeitslose in Dortmund 
- Nachfrage von Arbeitskräften zu Mai 2019 stark gesunken
- Jugendarbeitslosigkeit steigt weiter an

Die Corona Pandemie hat den Dortmunder Arbeitsmarkt im Mai fest im Griff. So belief sich im Mai 2020 die Zahl der arbeitslos gemeldeten Personen auf 37.182. Das sind 1.732 Menschen oder 4,9 Prozent mehr als vor einem Monat und 16,7 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote ist im Vergleich zum Vormonat um 0,5 Prozentpunkte auf 11,7 Prozent gestiegen. Sie lag damit 1,6 Prozentpunkte über dem Mai des Vorjahres. „Der Dortmunder Arbeitsmarkt bekommt die Auswirkungen der Corona-Krise im Mai deutlich zu spüren. Die Arbeitslosigkeit ist im zweiten Monat in Folge massiv gestiegen. Beunruhigend sind dabei die anhaltend stark zurückgehenden Abgänge in die Erwerbstätigkeit und Selbstständigkeit“, erklärt Sebastian Unkhoff, Geschäftsführer Operativ der Agentur für Arbeit Dortmund.

Wie auch schon im April meldeten nur vereinzelte Branchen derzeit Arbeitsstellen. „Bei vielen Arbeitgebern stehen Personalneueinstellungen weiterhin hinten an. Unternehmen und Betriebe sind trotz teilweise massiver Umsatzrückgänge derzeit intensiv damit beschäftigt, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu halten, beziehungsweise sie Schritt für Schritt aus der Kurzarbeit zurückzuholen. Wann die Lockerungen der Eindämmungsmaßnahmen auch auf dem Arbeitsmarkt Wirkung zeigen und Auftrieb bringen, ist heute noch nicht absehbar. Erfolge werden sicherlich nicht schon morgen sichtbar sein. Hier braucht es bei allen Beteiligten einen längeren Atem. Wir werden alles dafür tun, dass die arbeitslos gewordenen Menschen in Dortmund so schnell wie möglich wieder eine berufliche Perspektive erhalten“, erklärt Unkhoff weiter.

Dr. Regine Schmalhorst, Geschäftsführerin des Jobcenters Dortmund, kommentiert:
„Auch in der Grundsicherung sind die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie unverkennbar. Im Mai waren 1.050 mehr Dortmunderinnen und Dortmunder auf die Unterstützung durch das Jobcenter angewiesen als noch im April. Besonders deutlich wird das Ausmaß der Krise im Vergleich zum Vorjahresmonat: 2.901 mehr Arbeitslose fallen in die Zuständigkeit des Jobcenters als noch vor einem Jahr - das kommt einem Anstieg von 11,7 Prozent gleich. Erfreulicherweise fällt der Anstieg im Mai mit 3,9 Prozent jedoch nicht mehr so stark aus wie im Vormonat, in dem das Jobcenter eine Steigerung von über 7 Prozent verzeichnete. Auch die Gesamtentwicklung im Zusammenhang mit der Corona-Krise ist im Jobcenter Dortmund glücklicherweise – bislang zumindest – unter dem befürchteten Ausmaß geblieben. Dass die Hilfebedürftigkeit auch in diesem Monat steigt, liegt daran, dass sich zunehmend Menschen bei uns melden, deren Anspruch auf Kurzarbeit nicht ausreicht, um ihren Lebensunterhalt zu decken und auch Selbstständige, deren Einnahmen noch nicht so gesichert waren, dass Krisenzeiten über einen längeren Zeitraum überbrückt werden können.“

Trotz schwieriger Rahmenbedingungen bemüht sich das Jobcenter und die Agentur für Arbeit, Menschen wieder in Arbeit zu bringen – das gelingt vorwiegend in systemrelevanten Bereichen wie Lager, Verkauf oder in Pflegeberufen. Durch die bis Anfang Mai bestehenden Kontaktbeschränkungen war eine persönliche Betreuung von Arbeitgebern und arbeitsuchenden Leistungsberechtigten nicht möglich. Daher haben wir uns in den vergangenen Monaten darauf konzertiert, die notwenigen Geldleistungen so schnell und unbürokratisch wie möglich auszuzahlen. Ab Juni planen wir stufenweise auch wieder erste Beratungsgespräche - unter Wahrung der Hygiene- und Schutzmaßnahmen - möglich zu machen. Dies ist für viele unserer Kundinnen und Kunden wichtig, die nicht über die digitalen oder persönlichen Ressourcen verfügen, all ihre Anliegen online oder telefonisch zu klären.

Die Rufnummern der Arbeitsagentur lauten (Mo - Fr: 8.00 bis 18.00 Uhr):
0800 / 4 5555 00 (für Arbeitnehmer und Arbeitslose, auch für Arbeitslosmeldungen)
0800 / 4 5555 20 (für Arbeitgeber, auch in Anfragen zum Kurzarbeitergeld)
0800 / 4 5555 30 (bei Fragen zu Leistungen der Familienkasse)

Die Rufnummern des Jobcenters (Mo – Do. 8 bis 15 Uhr / Fr 8 bis 13 Uhr):
0231 842-1177 (Leistung/Geld)
0231 842-1488 (Arbeitsvermittlung/Maßnahmen)
0231 842 1110 (Service-Cent

Arbeitslosigkeit steigt deutlich an

Im Mai wurden 37.182 Menschen in Dortmund arbeitslos gezählt. Davon waren 9.534 Personen bei der Arbeitsagentur und 27.648 Menschen beim Jobcenter Dortmund gemeldet. Damit ist die Gesamtzahl der Arbeitslosen in der Stadt im Vergleich zum Vormonat um 1.732 Personen oder 4,9 Prozent gestiegen. Im Vorjahresvergleich liegt die Arbeitslosigkeit um 5.318 Personen oder 16,7 Prozent höher. Die Arbeitslosenquote für alle bei Agentur und Jobcenter gemeldeten Arbeitslosen steigt um 0,5 Prozentpunkte auf 11,7 Prozent. Im Vorjahr betrug die Quote 10,1 Prozent. Die spezifische Arbeitslosenquote für die Agentur liegt bei 3,0 Prozent und für das Jobcenter bei 8,7 Prozent.

Arbeitslosigkeit ist kein fester Block, vielmehr gibt es auf dem Arbeitsmarkt durch die Zu- und Abgänge in bzw. aus Arbeitslosigkeit viel Bewegung. In der Stadt Dortmund wurden im Mai 4.509 Männer und Frauen erstmals oder erneut arbeitslos registriert. 1.909 Personen kamen davon aus einer Beschäftigung am 1. Arbeitsmarkt. Das sind 350 Personen oder 15,5 Prozent weniger als im Vormonat. 2.805 meldeten sich im Mai bei der Arbeitsagentur und dem Job-center aus der Arbeitslosigkeit ab. 913 Menschen beendeten wegen der Aufnahme einer Beschäftigung am 1. Arbeitsmarkt ihre Arbeitslosigkeit. Das sind 10,3 Prozent weniger als im Vormonat.

Jugendarbeitslosigkeit steigt weiter an

Rechtskreisübergreifend ist die Jugendarbeitslosenquote im Vergleich zum April um 0,6 Prozentpunkte auf 10,6 Prozent gestiegen. Im Mai waren damit 3.524 junge Menschen unter 25 Jahren arbeitslos gemeldet. Das ist ein Anstieg um 274 Personen gegenüber dem Vormonat.

Arbeitskräftenachfrage im Jahresvergleich stark zurückgegangen

Im Mai ist die Nachfrage der Unternehmen nach Arbeitskräften im Vergleich zu 2019 deutlich gesunken. Die Dortmunder Unternehmen und Verwaltungen befinden sich aktuell im Krisen-modus, viele haben Kurzarbeit angezeigt, Personalneueinstellungen rücken demzufolge in den Hintergrund. Der Agentur für Arbeit wurden im aktuellen Berichtsmonat 764 neue Stellen gemeldet. Das sind zwar 122 Stellen mehr als im April allerdings 34 Prozent weniger Stellenmeldungen (-394) als im Mai 2019.

Der aktuelle Stellenbestand ist mit 4.366 offenen Stellen um 14,5 Prozent niedriger als im Vormonat. Arbeitskräfte werden aktuell vor allem im Lebensmittel-Einzelhandel, in der Logistik, in der Verwaltung und im Gesundheits- und Sozialwesen gesucht.

Unterbeschäftigung steigt ebenfalls an

In der Unterbeschäftigung werden zusätzlich zu den registrierten Arbeitslosen auch die Personen erfasst, die nicht als arbeitslos im Sinne der Sozialgesetzbücher (SGBIII und SGBII) gelten, weil sie zum Beispiel wegen der Teilnahme an Qualifizierungs-, Trainings- oder Beschäftigungsmaßnahmen, wegen Krankheit oder vorruhestandsähnlicher Regelungen nicht als arbeitslos gezählt werden.

Die Unterbeschäftigung ist in diesem Monat gestiegen. Insgesamt sind im Mai 48.307 Personen in der Unterbeschäftigung registriert. Das sind im Vergleich zum Vormonat 1.168 Personen oder 2,5 Prozent mehr. Der Anteil der Arbeitslosigkeit an der Unterbeschäftigung ist im Mai um 1,9 Prozentpunkte auf 77,0 Prozent gestiegen. Die Unterbeschäftigungsquote liegt im Berichtsmonat Mai bei 14,7 Prozent (Vorjahr: 13,7 Prozent).

Angezeigte Kurzarbeit auf sehr hohem Niveau

Die Zahl der Anzeigen von Kurzarbeit, die im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie bei der Agentur für Arbeit eingehen, ist im Vergleich zum April zwar zurückgegangen, liegt aber auf sehr hohem Niveau. Im Mai 2020 sind in Dortmund 415 Anzeigen von konjunktureller Kurzarbeit für insgesamt 3.790 Personen bei der Arbeitsagentur eingegangen (April: 3.907 Anzeigen / 47.448 Personen). Insgesamt sind in den Krisenmonaten März, April und Mai 2020 (Zeitraum 01.03 bis 26.05.2020) in Dortmund 5.216 Anzeigen von konjunktureller Kurzarbeit für insgesamt 67.283 Personen bei der Arbeitsagentur eingegangen. Nahezu alle Branchen sind gleichzeitig von Kurzarbeit betroffen. Umfänglich sind allerdings das Gastgewerbe sowie der Handel von Kurzarbeit am stärksten betroffen. Es ist allerdings nicht zwingend, dass jede in den Anzeigen betroffene Person auch tatsächlich kurzarbeiten wird. Die Anzeige ist zunächst nur eine Absichtserklärung des Arbeitgebers. Die realisierten Zahlen werden erst durch die tatsächlich nachträglich gestellten Anträge ermittelt.

Ausbildungsmarkt gerät ins Stocken

Auf dem Dortmunder Ausbildungsmarkt hinterlassen die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Virus-Pandemie ebenfalls starke Spuren. Bis zum ersten großen Ausbildungs-Starttermin im August sind es noch rund zwei Monate. Doch Auswahlprozesse ruhen bei vielen Unternehmen. Ausbildungsbetriebe, Auszubildende und vor junge Menschen auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind von den Auswirkungen betroffen.

In Dortmund wurden bis Ende Mai 3.363 Ausbildungsstellen gemeldet. Das waren 197 Lehrstellen weniger als vor einem Jahr. Im gleichen Zeitraum meldeten sich bei der Agentur für Arbeit 3.256 Jugendliche mit Interesse an einem Ausbildungsplatz – 387 junge Menschen weniger als vor einem Jahr. Aktuell werden viele Entscheidungen zur Besetzung freier Ausbildungsstellen mit Beginn Herbst 2020 verschoben.

„Die Auswirkungen der Corona-Virus-Pandemie stellen derzeit Dortmunder Unternehmen und Betriebe auch im Bereich der Ausbildung vor große Herausforderungen. Aufgrund der Unsicherheit werden aktuell viele Personalentscheidungen weiter verschoben. Das gilt auch für eventuell ab dem Sommer geplante Ausbildungsaktivitäten der Betriebe. Dennoch möchten wir die ausbildungsplatzsuchenden jungen Menschen ermuntern, dringend am Ball zu bleiben und sich mit der Ausbildungsplatzsuche oder Studienwahl weiter intensiv zu beschäftigen. Hierzu stehen unsere Berufsberaterinnen und Berater im Jugendberufshaus Dortmund jederzeit für alle Fragen der Berufswahl digital per Telefon oder per Email zur Verfügung. An die Unternehmen appellieren wir, trotz der aktuellen Unsicherheiten weiter in die Zukunft und damit in die Ausbildung des eigenen Fachkräftenachwuchses zu investieren und den jungen ausbildungsplatzsuchenden Menschen eine Perspektive zu geben. Unsere Gespräche mit den heimischen Unternehmen ergeben hier das erfreuliche Bild, dass viele Betriebe planen, den Termin des Ausbildungsbeginns zwar zu verschieben, insgesamt aber an der Ausbildung festzuhalten versuchen“, kommentiert Sebastian Unkhoff, Geschäftsführer Operativ die Situation auf dem Dortmunder Ausbildungsmarkt.

 

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