09.07.2020 | Presseinfo Nr. 44

Lichtblick in Coronazeiten - erfolgreiche Qualifizierung und Arbeitsaufnahme

Der 33-jährige Dortmunder Marcel Kunze ist seit seiner Geburt an Taubheit grenzendend schwerhörig. Nur mit einer Hörprothese ist das Agieren in der Arbeitswelt für ihn ohne Hindernisse möglich. Eigentlich wollte sich der Dortmunder zum Lokführer umschulen, doch dann kam alles anders als erwartet.

Triebfahrzeugführer – so lautete der Berufswunsch des 33-jährigen Marcel Kunze. Nach ausführlichen Beratungsgesprächen vermittelte die Agentur für Arbeit Dortmund dem 33-Jährigen kurzerhand die elf monatige Qualifizierung bei der dispo-Tf Education GmbH. Doch was viele nicht wissen: Für das Führen von Fahrzeugen auf der Schiene müssen Bewerberinnen und Bewerber zunächst einen sensorischen Eignungstest durchlaufen. In einer allgemeinen körperlichen Untersuchung werden hier unter anderem das Sehvermögen, die Farbentüchtigkeit oder auch das Hörvermögen getestet. Für das Erfassen von Signal sind diese Tests besonders wichtig, ähnlich wie bei einem Piloten. Genau hier kam alles anders als erwartet: „Nicht meine Gehörlosigkeit hinderte mich am Beruf des Schienenfahrzeugführers, sondern meine Augen“, erklärt er. „Das hat mich natürlich überrascht. Im Alltag habe ich überhaupt keine Beeinträchtigungen. Klar war ich enttäuscht, aber ich kann es schon verstehen - für das Erkennen aller Signale auf der Schiene muss die Sehkraft natürlich 100 Prozent stimmen, das war bei mir nicht so“, erzählt Marcel Kunze.

Schnell war für ihn klar: Eine Alternative musste her. Nach Beratungsgesprächen mit der Agentur für Arbeit entschied er sich für eine Umschulung zum Wagenmeister. Der Wagenmeister im Güterverkehr führt technische Untersuchungen und Bremsproben an Güterwagen durch. Er überprüft Wagen auf Schäden und Mängel und entscheidet selbstständig, ob der jeweilige Wagen für die Reparatur aus dem Zug ausgesetzt werden muss. Für Marcel Kunze war das die ideale Alternative.

„Die Umschulung zum Wagenmeister hat Marcel Kunze mit Bravour gemeistert und sogar mit Bestnote abgeschlossen“, erklärt der Bildungsträger. Schnell stand für das Eisenbahnverkehrsunternehmen fest, Marcel Kunze nach der Ausbildung als festangestellten Wagenmeister zu übernehmen. Doch nun gab es ein weiteres Problem: Der 33-Jährige hatte keinen Führerschein, dieser ist für diese Tätigkeit allerdings Pflicht. Doch da der Arbeitsvertrag bereits vorlag, konnte der Führerschein ebenfalls über die Agentur für Arbeit finanziert werden. „Den Arbeitseintritt wollten wir gerade in Zeiten von Corona unbedingt möglich machen. Insofern haben wir uns kurzfristig entschieden, per Bildungsgutschein einen Crashkurs für Herrn Kunze zu finanzieren“, berichtet Stephan Gante, Arbeitsvermittler der Agentur für Arbeit Dortmund im Bereich Reha.

Seit Mitte April ist Kunze nun festangestellt und bereut seine Entscheidung nicht. „Man ist viel draußen“, erzählt er. „Ich sehe die Welt jetzt aus ganz anderen Augen. Hier draußen bekommt man ganz andere Seiten zu sehen, als im Büro oder in einer Werkstatt, das ist wirklich aufregend.“ Und da das Bahnwesen von Corona weniger betroffen sei, habe er im Moment überaus zu tun. Das sei gut so. Gestern war er in Moers, „heute wieder in Bochum“, so Kunze. „Wir sind eine Art TÜV für Waggon. Ich kontrolliere die betriebliche und verkehrstechnische Funktionsfähigkeit – ohne uns lief gar nichts auf den Schienen.“ Auch die dispo-Tf zeigt sich von Herrn Kunze überzeugt: „Was wir von seinen Kollegen hören, ist durchweg positiv. Er ist wissbegierig und ehrgeizig. Man spürt seine Begeisterung für den neuen Job.“

Menschen mit Behinderungen beschäftigen

Menschen mit Behinderungen haben es oftmals schwer, auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Dabei sind sie nicht weniger leistungsfähig. Richtig eingesetzt können sie dazu beitragen, Ihr Unternehmen voranzubringen. Die Bundesagentur für Arbeit unterstützt Sie dabei. Weitere Informationen gibt es unter:

https://www.arbeitsagentur.de/menschen-mit-behinderungen