31.07.2020 | Presseinfo Nr. 48

Endspurt auf dem Ausbildungsmarkt beginnt später – viele Ausbildungsplätze frei

Die Corona-Pandemie hatte den Ausbildungsmarkt im Frühjahr zwischenzeitlich ziemlich ausgebremst.
Inzwischen wurden viele Beschränkungen aufgehoben, die Betriebe haben sich größtenteils auf die neue Situation eingestellt und teilweise etwas mehr Klarheit über die Zukunft. Deshalb können sie sich jetzt, später als sonst üblich, wieder um die Suche nach passenden Auszubildenden kümmern.

Für viele Jugendliche und Unternehmen beginnt in diesem Jahr der Endspurt am Ausbildungsmarkt später als gewohnt. Grund ist die Corona-Virus-Pandemie. Durch den Lockdown wurden die Auswahlverfahren um Ausbildungsplätze erschwert, neue Wege und Formate mussten erst entwickelt werden. „Allerdings ist es ein Mythos, dass es keine Ausbildungsplätze in diesem Jahr gibt, Der Ausbildungsmarkt hängt stattdessen rund sechs bis acht Wochen in der Besetzung freier Stellen zurück. Der finale Endspurt am Ausbildungsmarkt wird sich daher in diesem Jahr nicht wie üblich im August abspielen, sondern auch in die Zeit der Nach-vermittlung ziehen“, kommentiert Heike Bettermann die Situation auf dem Ausbildungsmarkt.

Ende Juli waren in Dortmund noch 1.314 Ausbildungsstellen gemeldet. Und es ist noch viel Bewegung am Ausbildungsmarkt. Arbeitgeber melden uns täglich weitere neue freie Ausbildungsstellen und suchen auch für diesen Sommer noch Nachwuchskräfte. Statistisch kamen im Juli in Dortmund auf jede unversorgte Bewerberin oder jeden unversorgten Bewerber 1,2 unbesetzte Ausbildungsstellen. 2.434 Bewerberinnen und Bewerber haben seit Beginn des Ausbildungsjahres bereits einen Ausbildungsvertrag sicher, oder sie haben eine Alternative (Vorjahr: 2.862). Aktuell sind noch 1.338 Jugendliche im Agenturbezirk auf Ausbildungssuche.

Die Corona-Pandemie hatte keine Auswirkungen auf den Ausbildungsmarkt?

Doch. Der Ausbildungsmarkt bzw. der Bewerbungs- und Auswahlprozess hat sich um circa zwei Monate nach hinten verschoben. Das hat zum Beispiel auch damit zu tun, dass in vielen Berufen Probetage durchgeführt werden. Das war erst einmal nicht möglich und musst verschoben werden. Zudem waren Unternehmen, aber auch die Jugendlichen häufig erst einmal überfordert mit der Situation. Neue Wege mussten in den Unternehmen gefunden werden, viele Jugendliche mussten erst einmal damit klarkommen, dass die Schule ausfiel. Doch seit Juni haben sich Unternehmen und Jugendliche wieder intensiv dem Thema Ausbildung zugewandt. So haben wir jetzt ungefähr sechs bis acht Wochen Verzögerung aufgrund der Pandemie.

Gibt es noch Ausbildungsplätze?

Ja. Es gibt noch viele offene Ausbildungsangebote. Der Ausbildungsmarkt liegt sechs bis acht Wochen zurück, hat sich aber nach den zwei Monaten April und Mai – in denen kaum etwas aufgrund des Lockdowns ging – deutlich erholt. Denn die Unternehmen haben nicht vergessen, dass ihnen vor der Corona-Krise die Fachkräfte fehlten und wissen um die demografische Herausforderung der kommenden Jahre. Sie wollen daher konsequent auf den Nachwuchs setzen – auch jetzt, in diesem Jahr, wenn es vielen vielleicht aufgrund der wirtschaftlichen Situation etwas schwerer fällt. Dass es keine Ausbildungsplätze aufgrund der Corona-Pandemie gibt, ist ein Mythos und falsch.

Wie sieht es in den besonders von den Corona-Beschränkungen betroffenen Branchen wie Gastronomie und Einzelhandel aus?

Ende Juli waren zum Beispiel noch 91 offene Ausbildungsplätze im Einzelhandel gemeldet. Das Angebot ist also da. Jetzt müssen die Bewerber aktiv werden. Natürlich kann es hier passieren, dass das ein oder andere Unternehmen noch abwartet, wie sich die Corona-Pandemie weiter auswirkt, und den Auswahlprozess für Auszubildende zunächst noch aufschiebt. Dann hilft nur Geduld. Wer in der Gastronomie oder im Hotel seinen Traumjob sieht, sollte in Erwägung ziehen, sich auch überregional zu bewerben.

In welchen Branchen und Berufen gibt es noch offene Ausbildungsstellen für dieses Jahr?

Hier gibt es gute Nachrichten für Bewerber: Das Angebot ist noch sehr groß und bunt. Ausbildungsstellen in kaufmännischen Berufen (Kaufmann/ -frau Einzelhandel 91; Verkäufer/in 82) führen die Liste der offenen Plätze an. Aber auch in der Lagerlogistik (34), in Arztpraxen (Zahnmedizinische/r Fachangestellte/r 44), und in handwerklichen Berufen werden noch Auszubildende gesucht. Wer ein wenig flexibel ist und auch innerhalb einer Berufsfamilie sucht, kann noch im Sommer mit einer Ausbildung beginnen.

Ist es denn ohne weiteres möglich, mit sechs bis acht Wochen Verzögerung in die Ausbildung einzusteigen?

Ja, das war ohnehin immer schon möglich, in diesem Jahr gibt es aber auch vielfältige Initiativen, die junge Menschen und Unternehmen unterstützen. Die grundlegende Frage ist, ob die junge Menschen den Rückstand aufholen können, den sie gegenüber ihren Mitazubis im Betrieb oder an der Berufsschule haben, wenn sie erst im Herbst in Ausbildung gehen. Die Sorge ist, dass die Versäumnisse im Lehr- und Ausbildungsplan sich irgendwann nicht mehr erfolgreich ausgleichen lassen. Damit das nicht geschieht, sagen Agenturen und Kammern in diesem Jahr eine besonders intensive Unterstützung zu. Dazu gehören viele unterstützende und fördernde Angebote der Agenturen, von ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH) bis hin zur Förderung und Begleitung junger Menschen und ihrer Betriebe über den gesamten Zeitraum der Ausbildung hinweg, zu begleiten.

Kann ein Unternehmen, das in Kurzarbeit ist, Azubis einstellen?

Ja, das geht. Es ist rechtlich möglich, Kurzarbeit im Betrieb zu fahren, aber gleichzeitig die Ausbildung weiterlaufen zu lassen bzw. weitere Azubis anzustellen. Unternehmen tun dies, da sie darum wissen, dass die Azubis ihre Fachkräfte von morgen sind.