13.01.2021 | Presseinfo Nr. 3

Jahresbilanz 2020 zum Arbeitsmarkt in der Stadt Dortmund – Ausschau 2021

In aller Kürze
- Arbeitslosigkeit steigt 2020 coronabedingt an
- 36.213 Arbeitslose im Jahresdurchschnitt        
- Durchschnittliche Arbeitslosenquote 11,4 Prozent (2019: 10,1 Prozent)
- Beschäftigung stabil, Frühjahrsbelebung blieb aus
- Kurzarbeit sichert viele Arbeitsplätze

Gemeinsame Pressemitteilung

Der Arbeitsmarkt 2020 -  Alles andere als normal

„Vor genau einem Jahr ahnte noch niemand, was auf uns im März hereinbrechen würde. Im ersten Quartal konnten wir noch an die positive Entwicklung der letzten Jahre anknüpfen. Machten sich auch schon erste Anzeichen einer Eintrübung breit, so wuchs die Beschäftigung noch weiter und eine positive Arbeitsmarktdynamik zeichnete sich ab, die Arbeitslosigkeit entwickelte sich saisontypisch“, blickt Heike Bettermann, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Dortmund, zurück auf die ersten Wochen des vergangenen Jahres.

Mit Ausbruch von Corona wurde dieser Trend auf einen Schlag gestoppt. Alles hat sich zu Beginn des zweiten Quartals verändert. Die Arbeitslosigkeit stieg im April sprunghaft an, ein Anstieg wie es ihn so in dem Ausmaß zwischen zwei Monaten in Dortmund bisher noch nicht gegeben hatte. Auch die Anzeigen von Kurzarbeit schnellten rasant in die Höhe.

Durch den Einsatz vieler arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen, allen voran das Kurzarbeitergeld, und eingebettet in eine robuste Wirtschaftsstruktur, ist es gemeinsam mit allen anderen Arbeitsmarktpartnern dennoch gelungen, 2020 gut durch die Krise zu kommen. Viele Arbeitsplätze konnten so gerettet werden, aber nicht alle. Allein in den zwei Monaten des ersten Lockdowns haben sich rund 4.500 Menschen mehr als im Vergleichszeitraum der Vorjahre arbeitslos gemeldet. In den Folgemonaten zeigte sich der Arbeitsmarkt dann nicht aufnahmefähig. Die Unternehmen hatten mit den Folgen der Pandemie – mit Auftragsrückgängen und teilweise massiven Umsatzeinbußen zu kämpfen. An Personalneueinstellungen war nicht zu denken.

„Erfreulich dann zu sehen, wie die Dortmunder Wirtschaft im Herbst dann Schritt für Schritt wieder angesprungen ist - mehr Menschen Arbeit finden konnten, Einstellungsverfahren verstärkt aufgenommen wurden und auch die berufliche Förderung und Qualifizierung wieder verstärkt in Angriff genommen wurde. Im September konnten mehr Menschen ihre Arbeitslosigkeit zugunsten einer Beschäftigung beenden, und auch weniger Menschen meldeten sich aus einer Beschäftigung arbeitslos. Die Arbeitslosigkeit stieg coronabedingt nicht weiter an, sondern passte sich dem saisonalen Jahresverlauf auf höherem Niveau an. In drei aufeinander folgenden Monaten September, Oktober und November ging sie deutlich zurück.

Wir hatten die Hoffnung, das Schlimmste überstanden zu haben. Doch im Spätherbst kam es mit der zweiten Welle zur erneuten Bewährungsprobe für die heimische Wirtschaft und damit auch für den lokalen Arbeitsmarkt. Die Lage hatte sich wieder deutlich im Vergleich zum Sommer verschlechtert. Der zweite Lockdown wurde vor wenigen Tagen noch einmal bis Ende Januar verlängert, seine Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt werden erst in den kommenden Wochen sichtbar“, so Bettermann.

Die Menschen in der Betreuung des Jobcenters sind deutlich weniger von der Pandemie betroffen

„Im Jobcenter Dortmund sind die Arbeitslosenzahlen im Verlauf des Pandemiejahres 2020 um ca. 11 Prozent gestiegen, dies ist jedoch bei weitem moderater als der Anstieg im Bereich der Arbeitslosenversicherung, welcher bei etwa 30 Prozent liegt. Durch die hohe Inanspruchnahme von Kurzarbeitergeld und die Verlängerung der Arbeitslosengeld-Bezugsdauer sind viele Beschäftige bisher nicht auf das Jobcenter angewiesen. Wir hoffen, dass das auch weiter so bleibt. Die Menschen, die im vergangenen Jahr zu uns kommen mussten, waren größtenteils die Solo-Selbständigen ohne freiwillige Arbeitslosenversicherung und die Menschen in der Zuständigkeit der Arbeitsagentur, deren Anspruch zur Sicherung ihres Lebensunterhaltes nicht auskömmlich ist. Zum Jahresende 2020 wechselten zunehmend auch Arbeitslose aus der Arbeitsagentur in das Jobcenter, deren verlängerter Anspruch von 15 Monaten aufgebraucht war.“, berichtet Dr. Regine Schmalhorst, Geschäftsführerin des Jobcenters.

„Deutlich wird der Effekt der Coronakrise besonders bei der Langzeitarbeitslosigkeit. Immer mehr Menschen rutschen in die Langzeitarbeitslosigkeit, u. a. weil sie während des Bezugs von Arbeitslosengeld keine neue Beschäftigung aufnehmen konnten und auch weil saisonale Beschäftigungsmöglichkeiten auf Helferniveau, beispielsweise im Weihnachtsgeschäft im Einzelhandel oder der Gastronomie, weggefallen sind. So lag der Zuwachs an Langzeitarbeitslosen im Jobcenter im Dezember 2020 bei etwa 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat“, so die Jobcenter-Leiterin.

„Im Jahresverlauf beschäftigt hat uns außerdem der Anstieg der jungen Arbeitslosen unter 25 Jahren, welcher zwar auch nach wie vor über dem Vorjahr liegt, in den letzten Monaten des Jahres jedoch erfreulicherweise wieder rückläufig war“, führt sie weiter aus. „Mein Fazit: Die Pandemie hätte uns im Jobcenter viel schlimmer treffen können. Die Entwicklung ist weniger dramatisch als erwartet. Deutlich wird das auch an der geringen Steigerung der Bedarfsgemeinschaften und der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten, die im Vergleich zu 2019 bei lediglich einem Prozent liegt. Es bleibt nur zu hoffen, dass sich die Wirtschaft im kommenden Jahr rasch erholt und den Menschen der Gang zum Jobcenter erspart bleibt.“

Der Arbeitsmarkt 2020 in Zahlen

Stabile Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in Dortmund

Seit dem Ende der Finanzkrise im Jahr 2010 war die Zahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigter kontinuierlich angewachsen. Die Beschäftigung entwickelte sich bis zum Ausbruch der Pandemie sehr positiv. Zum Stichtag 31. März 2020 verzeichnete Dortmund 251.979 sozialversicherungspflichtige beschäftigte Personen. Der Vorjahresvergleich ergibt ein Plus von 2,6 Prozent oder 6.301 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen.

Die Zahl sozialversicherungspflichtig beschäftigter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer blieb auch zu Beginn der zweiten Jahreshälfte relativ stabil. Durch die Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus ab März 2020 wurde der Beschäftigungsaufbau zwar zunächst gestoppt, doch Entlassungen im großen Stil blieben bisher aus.  Im Vorquartalsvergleich sank die Beschäftigung aufgrund der Pandemie im Juni um 2 Prozent auf 246.840 Beschäftigte. Im Vorjahresvergleich bleibt die Beschäftigung aber auch im Juni stabil und steigt leicht um 0,1 Prozent an.

Dass die Beschäftigung sich trotz aller widrigen Umstände verhältnismäßig stabil entwickelte hängt mit der starken Nutzung der Kurzarbeit durch die Unternehmen zusammen. Dadurch konnten ungeachtet der großen wirtschaftlichen Unsicherheiten viele Arbeitsplätze gesichert werden.

Arbeitslosigkeit ist 2020 gestiegen

Durchschnittlich waren in der Stadt Dortmund 36.213 Menschen von Januar bis Dezember 2020 arbeitslos gemeldet – dies sind 4.343 Personen oder 13,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote lag bei 11,4 Prozent und damit 1,3 Prozentpunkte höher als im Durchschnitt des Vorjahres mit 10,1 Prozent. Nach sechs Jahren rückläufiger Arbeitslosigkeit in Dortmund verzeichnet Dortmund damit erstmalig wieder einen Anstieg und liegt aktuell etwas über dem Niveau von 2016.

Durch die Corona-Pandemie stieg die Arbeitslosigkeit in Dortmund in den Frühjahrs- und Sommermonaten besonders deutlich an. Allein im April und Mai, also in der Zeit nach dem ersten Lockdown, haben sich rund 4.500 Menschen mehr bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet. Dies ging einher mit einem deutlichen Rückgang der Abgänge in Erwerbstätigkeit. Das heißt der Arbeitsmarkt war zu diesem Zeitpunkt nicht aufnahmefähig. Unternehmen und Betriebe verzeichneten teilweise massive Umsatzrückgänge und waren intensiv damit beschäftigt, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu halten, beziehungsweise sie Schritt für Schritt aus der Kurzarbeit zurückzuholen. Personalneueinstellungen standen hinten an. Der coronabedingte Höchststand der Arbeitslosigkeit bisher wurde im August 2020 mit 38.828 arbeitslosen Menschen erreicht.

Wenn die Arbeitslosigkeit steigt, kann dies zwei Ursachen haben. Entweder wächst der Zugang zur Arbeitslosigkeit an oder der Abgang aus der Arbeitslosigkeit sinkt ab. Vor allem im zweiten Quartal 2020 kamen in Dortmund beide Effekte zusammen. Insbesondere die fehlenden Abgänge haben zur steigenden Arbeitslosigkeit beigetragen. Der Arbeitsmarkt war über mehrere Monate kaum oder gar nicht aufnahmefähig.

Weiter gesunken sind vor allem die Arbeitsmarktchancen für Menschen ohne ausreichende Qualifikation. Während der Arbeitsmarkt für Fachkräfte auch in der Krise relativ stabil geblieben ist, stieg die Zahl der arbeitslosen Menschen ohne berufliche Ausbildung. Gut 60 Prozent der Arbeitslosen sind in Dortmund auf der Suche nach einer Helferstelle. Im Falle wirtschaftlicher Schwierigkeiten eines Unternehmens werden Menschen ohne Berufsabschluss häufiger entlassen, während die Betriebe versuchen, ihre Fachkräfte zu halten.

Jugendarbeitslosigkeit:

Der gleitende Jahresdurchschnitt der Arbeitslosigkeit der unter 25-Jährigen lag 2020 bei 3.309 Personen. Gegenüber dem Vorjahr steigt die Jugendarbeitslosigkeit damit deutlich an. 568 mehr junge Menschen meldeten sich bei der Arbeitsagentur arbeitslos. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote der unter 25-Jährigen lag im vergangenen Jahr bei 10,0 Prozent (Vorjahr 2019: 8,5 Prozent). Im Rechtskreis SGB III waren 971 Menschen U25 arbeitslos gemeldet, das sind 216 mehr als im Vorjahr. Im SGB II waren im Jahresdurchschnitt 2.338 Menschen U25 arbeitslos gemeldet, ein Anstieg von 352 Personen im Vorjahresvergleich.

Bei den Jugendlichen stieg die Arbeitslosigkeit 2020 überproportional zur gesamten Arbeitslosigkeit (+20,7%) Auch für junge Erwachsene war der Ausbildungsmarkt coronabedingt nicht so aufnahmefähig. Es wurden 2020 auch weniger neue Ausbildungsverträge abgeschlossen als im Jahr zuvor.

Hintergrund
Der gleitende Jahresdurchschnitt weist jeweils einen Zeitraum von 12 Monaten aus. Der gleitende Jahreswert Dezember 2020 bezieht somit die Monate Januar bis Dezember 2020. Saisonale Schwankungen werden dadurch größtenteils aus der Betrachtung ausgeschlossen.

Langzeitarbeitslosigkeit:

Der Anteil langzeitarbeitsloser Menschen, also solcher Menschen, die ein Jahr oder länger arbeitslos sind, ist gegenüber dem Vorjahr um 16,2 Prozent oder 2.015 Personen gestiegen. Im Jahr 2020 waren im gleitenden Jahresdurchschnitt 14.434 Personen langzeitarbeitslos. Im Versicherungsbereich (SGB III) waren 1.237 (+25,6 Prozent) Personen langzeitarbeitslos gemeldet und in der Grundsicherung (SGB II) 13.197 (+15,4 Prozent). 

Corona lässt Arbeitskräftenachfrage und Stellenbestand sinken

Mit Beginn der Eindämmungsmaßnahmen gegen die Corona-Pandemie brach die Arbeitskräftenachfrage deutlich ein. Im April 2020 wurde in Dortmund lediglich 642 Arbeitsstellen als frei gemeldet – der historisch geringste Wert innerhalb eines Monats. In den folgenden Monaten stabilisierte sich die Nachfrage in kleinen Schritten und auf niedrigem Niveau. Zum Ende des Jahres sank die Arbeitskräftenachfrage jedoch wieder leicht ab, auch aufgrund des zweiten Lockdowns.

Insgesamt wurden im Zeitraum von Januar bis Dezember 2020 11.973 freie Arbeitsstellen gemeldet. Dies ist ein Rückgang gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 5.145 Stellen oder 30,1 Prozent. Stark betroffen von den Stellenrückgängen sind die Arbeitsstellen auf dem Niveau der Fachkräfte. Die Zahl verringerte sich um 30,8 Prozent oder 2.903 Stellen. Meldungen der Helferstellen gingen um 24,5 Prozent auf insgesamt 1.189 zurück. Der Abgang gemeldeter Arbeitsstellen belief sich im Jahr 2020 auf 14.722 Stellen (2019: 16.842).

Auch der Stellenbestand liegt deutlich unter den Vorjahreswerten. So liegt dieser aktuell bei 4.789 Stellen (2019: 6.665) Gut 60 Prozent und damit 3.097 der gemeldeten Stellen richten sich an Fachkräfte, knapp ein Viertel, 1.189 Stellen, an Helferinnen und Helfer und rund 700 an Spezialistinnen und Spezialisten sowie Expertinnen und Experten.

Hohe Stellenrückgänge (im Vergleich zu 2019) gab es neben der Arbeitnehmerüberlassung vor allem in den Branchen, die von der Schließung der Geschäftsräume im März und im November und Dezember 2020 betroffen waren. Dazu zählen in Teilen der Einzelhandel (-742 Arbeitsstellen, -40,0 Prozent), der Bereich Verkehr und Lagerei (-276 Arbeitsstellen, -51,2 Prozent) sowie die Gastronomie, (-204 Arbeitsstellen, -37,9 Prozent).

Konjunkturelle Kurzarbeit 2020 auf historischem Höchststand

Die konjunkturelle Kurzarbeit ist das wichtigste Instrument zur Sicherung einer hohen Beschäftigung während der Pandemie. Mit Beginn der Eindämmungsmaßnahmen stieg die Zahl der Anzeigen für Kurzarbeit im März und April explosionsartig an. Alleine innerhalb dieser zwei Monate wurden rund 4.820 Anzeigen mit rund 63.761 betroffenen Personen gestellt.

Insgesamt gingen in Dortmund in der Zeit von Januar bis Dezember 2020 etwa 6.603 Anzeigen von Unternehmen ein. Von der angezeigten Kurzarbeit waren rund 90.567 Personen potenziell betroffen. Zum Vergleich: Im Krisenjahr 2009 wurden in der Jahressumme 671 Anzeigen für Kurzarbeit mit etwa 12.670 potenziell betroffenen Personen gestellt.

Nicht nur die Anzeigen für Kurzarbeit kletterten auf Rekordniveau, auch die tatsächlich realisierte Kurzarbeit erreichte Höchstwerte. Die ersten Auswertungen dazu (bis Juli) zeigen, dass in Dortmund aber nur knapp jeder zweite Antrag (42 Prozent) realisiert wurde. Im April 2020 waren in Dortmund insgesamt 37.816 Menschen in Kurzarbeit. Dies entspricht einer Kurzarbeiterquote von 15,0 Prozent. Somit arbeitete beinahe jede oder jeder sechste sozialversicherungspflichtig Beschäftigte nicht die volle vereinbarte Arbeitszeit.

Im aktuellsten hochgerechneten Monat August 2020 bezogen noch rund 13.362 Personen in insgesamt 1.795 Betrieben Kurzarbeitergeld. Die Kurzarbeiterquote betrug 5,4 Prozent.

Nahezu alle Branchen waren gleichzeitig jedoch in unterschiedlichem Ausmaß von Kurzarbeit betroffen. Während in früheren Wirtschaftskrisen häufig ausschließlich Industriebetriebe und deren nahestehenden Branchen wie die Logistik betroffen waren, sind durch die Corona Pandemie auch Branchen betroffen, die früher selten mit Kurzarbeit in Berührung gekommen sind – zum Beispiel die Reisebranche, die Hotellerie, Bäder und Frisöre. Die am stärksten von Kurzarbeit betroffenen Branchen 2020 sind der Handel, das Gastgewerbe und das verarbeitende Gewerbe.

Berufliche Förderung und Qualifizierung 2020

Berufliche Weiterbildung nimmt im Rahmen der Fachkräftesicherung auch in Krisenzeiten eine zentrale Rolle ein. Dabei sind vor allem Qualifizierungen wichtig, die auf einen beruflichen Abschluss gerichtet sind oder zumindest Teilqualifizierungen ermöglichen. Im Zeitraum von Januar bis Dezember 2020 wurden 2.539 Eintritte in berufliche Weiterbildungsmaßnahmen gefördert. Dies waren 496 oder 16,3 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Dabei ging die Zahl der abschlussorientierten Maßnahmen nur leicht zurück, und zwar um 74 oder 7,2 Prozent auf 950 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Während in der Hochphase des ersten Lockdowns im April und Mai Maßnahmen größtenteils ausgesetzt wurden, gelang es im Spätsommer diese nachzuholen bzw. wiederaufzunehmen. So konnte vielen Menschen eine neue Chance auf dem ersten Arbeitsmarkt eröffnet werden. Das Thema Qualifizierung und Weiterbildung wird auch in 2021 ein sehr Zentrales bleiben. Auch die Zeiten von Kurzarbeit sind in diesem Zusammenhang sinnvoll zu nutzen.

Ausblick 2021

Der erneute Lockdown im Dezember, der erst vor wenigen Tagen noch einmal bis Ende Januar verlängert wurde, dämpft erneut die Konjunkturdynamik. Der vorsichtige aufkommende Optimismus für 2021 wurde zunächst einmal im Keim erstickt. Das IAB ging im Herbst in seiner Prognose noch davon aus, dass die Wirtschaftsleistung 2021 um 3,2 Prozent zulegen könnte. Im Zuge der einsetzenden wirtschaftlichen Erholung verbessere sich auch die Arbeitsmarktentwicklung wieder. Für das Jahr 2021 geht das IAB von einem Anstieg der Erwerbstätigkeit um 130.000 und einem Rückgang der Arbeitslosigkeit um 100.000 Personen aus.

Die zweite Welle verbunden mit den massiven Einschränkungen im zweiten Lockdown belasten nun erneut die wirtschaftliche Erholung. Zugleich stellen die Transformationsprozesse in der Wirtschaft große Herausforderungen dar. Beschäftigung und Arbeitslosigkeit sind nach wie vor weit entfernt vom Vorkrisenniveau. Die Zahl der Kurzarbeiterinnen und Kurzarbeiter dürfte in den vom Lockdown betroffenen Bereichen im Januar weiter deutlich ansteigen.

„Doch Kurzarbeit ist auch ein Garant für viele Arbeitsplätze. Durch die Inanspruchnahme von Kurzarbeit haben viele Unternehmen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Betrieb halten können. Vor dem Hintergrund des steigenden Fachkräftemangels ist dies ein wichtiger Beitrag zur Sicherung des eigenen Fachkräftebedarfs. Wir sind aber vorsichtig optimistisch, dass trotz aller aktuellen Herausforderungen, die Dortmunder Wirtschaft sich weiter robust zeigt und stabil entwickeln wird. Dies wird sich auch auf den Arbeitsmarkt positiv auswirken, nicht morgen, aber im Laufes des nächsten Jahres werden die Arbeitsloszahlen auch wieder sinken und sich dem Vorkrisenniveau annähern. Wir müssen realistisch bleiben. In vielen Branchen wird es lange brauchen, um die Auswirkungen der Pandemie zu bewältigen“, so Heike Bettermann.

Das Thema Qualifizierung und Weiterbildung wird 2021 einen besonderen Stellenwert haben. Die Krise hat gezeigt, wie wichtig Fachkräfte sind. Fast zwei Drittel der Arbeitslosen sind Helfer. „Insbesondere Menschen ohne ausreichende Qualifikation werden es schwer haben eine neue Beschäftigung zu finden. Diese Menschen wollen wir fest in den Blick nehmen, sie ermutigen, ihre Fähigkeiten und Kompetenzen weiter zu entwickeln, damit sie die Chance auf eine neue berufliche Perspektive bekommen. Dazu gehört auch ein gutes Angebot an Weiterbildungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten. Es sind nicht nur arbeitslose Menschen mit geringer Qualifikation, die unsere Unterstützung brauchen. Auch beschäftigte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können durch Weiterbildung zur Fachkraft aus eigener Kraft ihr Arbeitsverhältnis sicherer gestalten. In Unternehmen schlummert viel ungenutztes Potenzial. Wenn Fachkräfte nur noch schwierig am Arbeitsmarkt zu finden sind, können bewährte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die neuen Aufgabenfelder und Tätigkeiten der Zukunft fit gemacht und qualifiziert werden, um so mit dem technologischen Wandel Schritt halten zu können.

Die Bundesagentur für Arbeit ist gut gerüstet für das Jahr 2021. Wir werden alles dafür tun, um die Unternehmen auf der einen und unsere Kundinnen und Kunden auf der anderen Seite bestmöglich auf ihrem Weg durch und aus der Krise zu unterstützen“, so Bettermann.

Auch für das Jobcenter Dortmund bleibt Qualifizierung ein Fokusthema in 2021. „Qualifizierung ist die Grundlage für eine nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt“, sagt Dr. Regine Schmalhorst. 1.635 Bildungsgutscheine will das Jobcenter in 2021 an seine Kundschaft ausgeben. 632 davon sollen zu einem Berufsabschluss führen. Auch gibt es einen klaren Fokus auf das Lager-/Logistiksegment, den Gesundheitsbereich und das Handwerk. „Hier liegen die größten Chancen für unsere Kundinnen und Kunden, eine Vollzeitstelle zu finden und einen Lohn zu erzielen, bei dem man nicht zusätzlich auf das Jobcenter angewiesen ist“, erklärt die Geschäftsführerin des Jobcenters.

Um Menschen für eine Qualifizierung zu begeistern, haben Jobcenter und Arbeitsagentur im vergangenen Jahr ein gemeinsames Beratungsbüro in der Dortmunder Innenstadt eingerichtet. Bedingt durch die Pandemie konnte das „planQ“ bisher nicht wie geplant eröffnen. Sobald die Lage es erlaubt, soll hier allen Weiterbildungsinteressierten der Zugang offenstehen.

Eine weitere Personengruppe nimmt das Jobcenter im kommenden Jahr stärker in den Fokus: Geflüchtete und Bürger aus EU-Mitgliedstaaten, die noch nicht ausreichend über einen nachhaltigen Zugang zum regionalen Arbeitsmarkt verfügen. „Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass Menschen mit Zuwanderungsgeschichte häufig eine hohe Motivation mitbringen und auf Helferniveau in den Arbeitsmarkt einmünden. Jedoch gelingt die Integration in den Arbeitsmarkt durch diese Arbeitsaufnahmen selten nachhaltig“, so Dr. Regine Schmalhorst. Daher hat das Jobcenter Dortmund einen neuen Bereich („Mitte-Nord“) eingerichtet, der sich speziell um die Belange neu Zugewanderter kümmert. „Die Beratungsfach-kräfte kennen die Bedürfnisse der Zielgruppe, beraten diese individuell und begleiten sie intensiv auf dem Weg des Spracherwerbs und der Qualifizierung“. Ein weiterer wichtiger Tätigkeitsschwerpunkt ist auch die Zusammenarbeit mit den lokalen Arbeitsmarktakteuren (Arbeitgeber*innen, Trägerlandschaft, Stadt Dortmund, Ausländerbehörde etc.) vor Ort, um diese Personengruppen der Zugewanderten und Geflüchteten nachhaltig in den regionalen Arbeitsmarkt zu integrieren. In 2021 liegt der Fokus des Jobcenters daher auf der guten Vernetzung/Zusammenarbeit mit den Arbeitsmarktakteuren sowie dem Auf- und Ausbau der Netzwerke und den diversen Anlaufstellen für diese Zielgruppe.

Stärken möchte das Jobcenter Dortmund auch seine Aktionsbüros: die ausgelagerten Job-center-Standorte bieten nun auch Beratungen in der Arbeitsvermittlung und im Fallmanagement an. Pandemiebedingt hat derzeit das Aktionsbüro am Borsigplatz für terminierte Beratungen geöffnet, Notfalltermine finden außerdem in Scharnhorst und ab Frühjahr in Nette statt. Außerdem soll in Kürze ein weiteres Büro in Hörde eröffnen (derzeit in Umbauarbeiten), voraussichtlich ab Februar. Besonders soll in 2021 in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt die Beratung mit Familien ausgebaut werden.