29.01.2021 | Presseinfo Nr. 8

Arbeitsmarkt in Dortmund Januar 2021

- Saisonbedingter Anstieg der Arbeitslosigkeit
- Kaum Auswirkungen des zweiten Lockdowns
- Kurzarbeit sichert Beschäftigung
- Arbeitslosenquote klettert auf 12,0 Prozent
- Arbeitskräftenachfrage auf sehr niedrigem Niveau

Der zweite Lockdown hat auch im Januar nur geringe Spuren auf dem Dortmunder Arbeitsmarkt hinterlassen. Die Kurzarbeit sichert auch zum Jahresbeginn die Beschäftigung. Die Arbeitslosigkeit ist saisonalbedingt dennoch gestiegen. Das Auslaufen von Verträgen, das Quartalsende und das Ende von durch die Agentur für Arbeit geförderten Maßnahmen machen sich auch in diesem Jahr gleich im Januar deutlich bemerkbar. Insgesamt zählt die Agentur für Arbeit Dortmund 38.273 arbeitslose Personen, ein Plus von 4,7 Prozent (plus 1.730 Personen) gegenüber dem Vormonat. Der Anstieg liegt damit im Rahmen der Vorjahre. Der Anstieg von Dezember auf Januar im letzten Jahr lag mit plus 1.839 arbeitslosen Personen sogar noch über dem heutigen Anstieg.

„Trotz des Anstiegs zeigt sich der Dortmunder Arbeitsmarkt weiterhin sehr robust. Wir verzeichnen in diesem Monat deutlich mehr Zugänge aus Erwerbstätigkeit als Abgänge. Das ist saisontypisch, und nicht ungewöhnlich für die Wintermonate. Diese Entwicklung zeichnet sich jedes Jahr aufs Neue zum Jahresbeginn ab“, kommentiert Heike Bettermann, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Dortmund, die aktuelle Lage auf dem Dortmunder Arbeitsmarkt.

„Die Auswirkungen der Pandemie bleiben aber auch im Januar deutlich sichtbar. Der Corona Effekt ist nicht zu übersehen, der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr um knapp 5.000 arbeitslos gemeldete Menschen spricht eine deutliche Sprache. Die Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarktes ist durch die aktuell geltenden Eindämmungsmaßnahmen auch weiterhin stark eingeschränkt. Es wäre wichtig, das die Frühjahrsbelebung 2021 ohne starke Beeinträchtigung durch die Pandemie stattfinden kann“, so Bettermann.

Dr. Regine Schmalhorst, Geschäftsführerin im Jobcenter Dortmund, kommentiert: „Im Rechtskreis SGB II kann die Entwicklung der Arbeitslosigkeit als durchaus saisontypisch bezeichnet werden. Insgesamt liegt sie zwar mit 987 arbeitslosen Menschen höher als im Dezember, jedoch haben sich 1.025 Menschen weniger arbeitslos gemeldet, als im gleichen Zeitraum vor einem Jahr. Insofern zeigt sich der Arbeitsmarkt hier stabil. Aufgrund der geringen Arbeitskraftnachfrage sind die Abgänge arbeitsloser Menschen in eine Erwerbstätigkeit um 941 im Vergleich zum Vorjahresmonat niedriger ausgefallen. Dennoch konnten 2.413 Menschen in der Zuständigkeit des Jobcenters im Januar ihre Arbeitslosigkeit beenden. In den Bereichen Lager, Logistik und Kurierdienste bestehen derzeit weiterhin gute Anstellungsperspektiven für unsere Kundinnen und Kunden.“

Saisonbedingter Anstieg der Arbeitslosigkeit

Im Januar wurden 38.273 Menschen in Dortmund arbeitslos gezählt. Davon waren 10.278 Personen bei der Arbeitsagentur und 27.995 Menschen beim Jobcenter Dortmund gemeldet. Damit ist die Gesamtzahl der Arbeitslosen in der Stadt im Vergleich zum Vormonat um 1.730 Personen oder 4,7 Prozent gestiegen. Die Arbeitslosenquote für alle bei Agentur und Jobcenter gemeldeten Arbeitslosen steigt um 0,5 Prozentpunkte auf 12,0 Prozent. Im Vorjahr betrug die Quote 10,6 Prozent. Die spezifische Arbeitslosenquote für die Agentur liegt bei 3,2 Prozent und für das Jobcenter bei 8,8 Prozent.

Arbeitslosigkeit ist kein fester Block, vielmehr gibt es auf dem Arbeitsmarkt durch die Zu- und Abgänge in bzw. aus Arbeitslosigkeit viel Bewegung. In der Stadt Dortmund wurden im Januar 5.505 Männer und Frauen erstmals oder erneut arbeitslos registriert. 2.207 Personen kamen davon aus einer Beschäftigung am 1. Arbeitsmarkt. Das sind 693 Personen mehr als im Vormonat. 3.820 meldeten sich im Januar bei der Arbeitsagentur und dem Jobcenter aus der Arbeitslosigkeit ab. 980 Menschen beendeten wegen der Aufnahme einer Beschäftigung am 1. Arbeitsmarkt ihre Arbeitslosigkeit. Das sind 434 Menschen weniger als im Vormonat.

Arbeitslosigkeit im Jahresvergleich (jeweils Januar)

Jugendarbeitslosigkeit zum Jahresstart leicht gestiegen

Rechtskreisübergreifend ist die Jugendarbeitslosenquote im Vergleich zum Dezember um 0,3 Prozentpunkte auf 9,5 Prozent gestiegen. Im Januar waren damit 3.153 junge Menschen unter 25 Jahren arbeitslos gemeldet. Das ist ein Anstieg um 106 Personen oder 3,5 Prozent gegenüber dem Vormonat. Zurückzuführen ist der Anstieg unter anderem auf eine Vielzahl junger Fachkräfte, die sich aufgrund dem Ende der zweieinhalb- und dreieinhalbjährigen Berufsausbildungen zunächst arbeitslos melden mussten, weil sie in ihrem Ausbildungsbetrieb nicht übernommen wurden.

Stellenzugang und –bestand weiter auf sehr niedrigem Niveau

Die Nachfrage nach neuen Arbeitskräften ist im Januar weiterhin auf sehr niedrigem Niveau. So wurden der Agentur für Arbeit im aktuellen Berichtsmonat 649 neue Stellen gemeldet. Das sind 133 weniger als im Dezember, im Vergleich mit dem Vorjahr rund die Hälfte weniger. Der aktuelle Stellenbestand erreicht mit 2.795 offenen Stellen einen weiteren Tiefstwert. Er liegt um 2,5 Prozent niedriger als im Vormonat, im Vergleich zum Vorjahr um gut 50,0 Prozent niedriger.

Die Stellenmeldungen in der Arbeitnehmerüberlassung gelten als ein Frühindikator für die konjunkturelle Stimmung auf dem Arbeitsmarkt. In der Frühphase eines Aufschwungs steigt in der Regel die Nachfrage nach Zeitarbeitnehmern an - in Abschwungphasen nimmt sie ab, die gesamtwirtschaftliche Entwicklung folgt in der Regel diesem Trend. Aktuell liegt der Bestand offener Stellen in der Zeitarbeit auf sehr niedrigem Niveau.

Zugang und Bestand an gemeldeten Arbeitsstellen (Statistik der Bundesagentur für Arbeit)

Der Rückgang bei den Stellenangeboten trifft aber nahezu alle Branchen, besonders stark aber den Handel sowie das Gastgewerbe. Im Handel wurden vor 12 Monaten 634 offene Stellen angeboten, in diesem Jahr waren es im Januar nur 396 – ein Minus von knapp 40 Prozent. Im Gastgewerbe ging die Zahl der gemeldeten Stellen um rund zwei Drittel zurück. Auch im verarbeitenden Gewerbe hinterlässt die Pandemie ihre Spuren. Vor einem Jahr waren hier 220 Stellen angeboten, aktuell hat sich diese Zahl fast halbiert.

Unterbeschäftigung leicht gestiegen

In der Unterbeschäftigung werden zusätzlich zu den registrierten Arbeitslosen auch die Personen erfasst, die nicht als arbeitslos im Sinne der Sozialgesetzbücher (SGBIII und SGBII) gelten, weil sie zum Beispiel wegen der Teilnahme an Qualifizierungs-, Trainings- oder Beschäftigungsmaßnahmen, wegen Krankheit oder vorruhestandsähnlicher Regelungen nicht als arbeitslos gezählt werden.

Wie die Arbeitslosigkeit, so ist auch die Unterbeschäftigung in diesem Monat leicht gestiegen. Insgesamt sind im Januar 48.858 Personen in der Unterbeschäftigung registriert. Das sind im Vergleich zum Vormonat 1.040 Personen mehr. Der Anteil der Arbeitslosigkeit an der Unterbeschäftigung ist im Januar auf 78,3 Prozent gestiegen. Ähnlich verhält es sich mit der Unterbeschäftigungsquote, sie stieg im Berichtsmonat Januar auf 14,9 Prozent (Vorjahr: 14,0 Prozent)

Angezeigte Kurzarbeit zum Jahresanfang rückläufig

Vor Beginn der Kurzarbeit müssen Betriebe Anzeige über den voraussichtlichen Arbeitsausfall erstatten. Nach aktuellen Daten zu geprüften Anzeigen wurde im Januar in 355 Betrieben konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt. Damit singt die Zahl der Personen, für die Kurzarbeit angezeigt wird, im Vergleich zum Vormonat. Für 2.874 Personen wurde im Januar Kurzarbeit angezeigt. Im Dezember 2020 waren es gut 14.000 Männer und Frauen. Nahezu alle Branchen sind gleichzeitig von Kurzarbeit betroffen. Umfänglich sind allerdings das Gastgewerbe sowie der Handel von Kurzarbeit am stärksten betroffen.

Aktuelle Daten zur tatsächlichen Inanspruchnahme stehen bis September zur Verfügung. So wurde nach vorläufigen hochgerechneten Daten der Bundesagentur für Arbeit im September für 11.839 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in 1.607 Dortmunder Betrieben konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt. Damit sind die Zahlen weiter rückläufig. Im August nahmen 13.288 Personen in 1.798 Betrieben Kurzarbeit in Anspruch. Der vorläufige Höchststand wurde bisher im April 2020 mit knapp 38.000 Kurzarbeitenden verzeichnet.