09.11.2021 | Presseinfo Nr. 70

WANTED Auszubildende dringend gesucht – Praktikum erwünscht

    

Dortmund, 09.11.2021 –  Auch im zweiten Jahr der Corona-Pandemie bleibt die Situation auf dem Ausbildungsmarkt in Dortmund herausfordernd und bietet gleichzeitig viele Chancen. Im Frühjahr und Frühsommer war die Lage noch stark von allgemeinen Einschränkungen und wirtschaftlichen Unwägbarkeiten aufgrund des Lockdowns geprägt. Messen und Veranstaltungen haben nur vereinzelt virtuell stattgefunden, Schülerpraktika waren nur eingeschränkt möglich. So ließ Corona im zweiten Jahr in Folge die Zahlen der gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber wie auch der angebotenen Ausbildungsstellen in Dortmund leicht sinken. Es laufen die Nachvermittlungen, bis Ende des Jahres können Ausbildungen begonnen werden. Eine Bilanz des Ausbildungsjahres 2020/2021 stellten Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer, DGB, die Stadt Dortmund und Agentur für Arbeit heute gemeinsam vor.

Die Folgen der Corona Pandemie auf dem Ausbildungsmarkt sind auch in diesem Jahr deutlich spürbar, doch hat sich die Lage auf dem Ausbildungsmarkt im Laufe der letzten Monate zunehmend aufgehellt. Die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen ist trotz wirtschaftlich unsicherer Zeiten ungebrochen. Die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber haben nicht vergessen, dass ihnen vor der Corona-Krise die Fachkräfte fehlten und wissen um die demografische Herausforderung der kommenden Jahre. Ein Einbruch auf dem Ausbildungsmarkt ist ausgeblieben, doch ist man vom Vorkrisenniveau noch ein ganzes Stück weit entfernt. Coronabedingt fehlte den Jugendlichen das persönliche Erleben der Arbeitswelt, Praktika haben im letzten Schuljahr nur sehr eingeschränkt stattgefunden und digitale Alternativen dazu gibt es nicht wirklich. Dabei sind es genau diese Praxiserfahrungen, die Jugendlichen oft den entscheidenden Impuls für ihre berufliche Entscheidung für eine Ausbildung geben. 

Bewerberinnen und Bewerber sollten aber jetzt nicht aufgeben. Ein Start in die Ausbildung ist bis in den Winter möglich. Viele Betriebe suchen auch jetzt noch Azubis. Die Beratungsmöglichkeiten im Jugendberufshaus Dortmund sind weiter ausgebaut worden – digital, aber auch wieder persönlich vor Ort und in den Schulen.

Diese Bilanz zogen Michael Ifland, Geschäftsführer Berufliche Bildung und Fachkräftesicherung der Industrie- und Handelskammer zu Dortmund, Olesja Mouelhi-Ort, Geschäftsführerin der Handwerkskammer (HWK) Dortmund, Jutta Reiter, Geschäftsführerin der DGB-Region Dortmund-Hellweg, Holger Nolte, Schulrat bei der Stadt Dortmund sowie Heike Bettermann, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Dortmund.

Agentur für Arbeit Dortmund

„Das Berufsberatungsjahr 20/21 war auch in diesem Jahr stark von den Auswirkungen der Pandemie geprägt. Zu Beginn konnten wir aufgrund des Lockdowns Berufsorientierungs- und Beratungsgespräche nicht in der gewohnten Form anbieten. Unsere digitalen Wege der Berufsberatung wurden stark ausgebaut. Das hat geholfen, in Kontakt mit den Jugendlichen zu bleiben. Mit den Lockerungen hat sich die Lage auf dem Ausbildungsmarkt inzwischen wieder etwas aufgehellt. Wir konnten persönliche Gespräche im Jugendberufshaus und auch in den Schulen wieder anbieten. Dennoch beobachten wir eine anhaltende Verunsicherung bei den Jugendlichen. Entscheidungen werden hinausgezögert. Aufgrund fehlender Praxiserfahrungen - Schulpraktika haben meist coronabedingt nicht und Messen fast ausschließlich digital stattgefunden – fehlte oftmals der ausschlaggebende Impuls, sich für eine Ausbildung zu entscheiden. Daher appelliere ich mit Blick auf das neue Jahr an jeden Jugendlichen, sich über Praktika die so wichtigen Einblicke in die Arbeitswelt zu holen und sich ein Bild von verschiedenen Ausbildungsberufen zu machen. Auf der anderen Seite bedarf es dazu auch einer größeren Bereitschaft seitens der Unternehmen, Praktikumsplätze anzubieten“, kommentiert Arbeitsagenturchefin Heike Bettermann die Situation auf dem Ausbildungsmarkt.

„Dortmund braucht mehr Ausbildung. Die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge liegt noch immer deutlich unter dem Vorkrisenniveau, der Fachkräftemangel darf Dortmund nicht in die nächste Krise führen. In der öffentlichen Wahrnehmung sind berufliche und akademische Bildung leider immer noch nicht gleichgestellt. Viele Vorurteile halten sich hartnäckig. Dabei zeigen aktuelle Studien zum Beispiel, dass Handwerksmeister nicht nur sehr gefragt sind, auch verdienen sie oftmals mehr Geld als Akademiker. Auch bricht fast jeder vierte Bachelor-Student sein Studium vorzeitig ab. Die Gründe dafür sind vielfältig. Gemeinsam mit unseren Bündnispartnern möchten wir mehr junge Menschen begeistern und davon überzeugen, dass eine Ausbildung ein gute, in vielen Fällen sogar eine bessere aber vor allem eine perspektivenreiche Alternative nach dem Schulabschluss ist und ein wichtiger Baustein für einen erfolgreichen beruflichen Werdegang. So muss der Weg gar nicht immer über die weiterführende Schule gehen. Eine zukunftsorientierte berufliche Karriere kann erfolgreich direkt mit einem mittleren Abschluss gestartet werden. Wer keine Zeit verlieren möchte und sich während einer dualen Ausbildung die Möglichkeit einer späteren akademischen Bildung offenhalten will, kann an unseren Dortmunder Berufskollegs parallel zum Berufsabschluss die Fachhochschulreife erwerben“, so Bettermann weiter.

Industrie- und Handelskammer Dortmund

„Die Corona-Pandemie hat leider deutliche Spuren bei unseren neueingetragenen Ausbildungsverhältnissen hinterlassen. Der enorme Rückgang von 16,6 % (848 Verträge) in der IHK-Region von 2019 auf 2020 konnte in diesem Jahr noch nicht wieder aufgefangen werden. Allerdings ist die Trendwende unverkennbar und wir gehen von einem leichten Plus von ca. zwei Prozent bis zum Jahresende aus. In Dortmund ist die Entwicklung leider nicht so gut wie im Kreis Unna und der Stadt Hamm: Das Minus von fast 20 % (477 Verträge) im Jahr 2020 ist zwar auch hier annähernd gestoppt, aber von den Wachstumswerten, wie wir sie im Bezirk der Agentur Hamm mit 5,9 Prozent verzeichnen, sind wir mit minus 0,3 Prozent weit entfernt. Dabei können auch wir bestätigen, dass die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen in diesem Jahr unverändert hoch ist und dass es Engpässe eher auf der Bewerberseite gibt.

Unsere Unternehmen finden nicht genug passende Bewerber, mit denen ein Ausbildungsvertrag geschlossen werden kann. Auf der anderen Seite hat sich auch das Ausbildungsplatzangebot noch nicht ganz erholt. Gerade die Branchen Gastgewerbe, Veranstaltungen, Einzelhandel und Tourismus, in denen durch die Lockdowns der Geschäftsbetrieb weitgehend oder komplett zum Erliegen kam, befinden sich mit ihrem Ausbildungsengagement noch nicht wieder auf Vor-Corona-Niveau. Jetzt geht es darum, mit vereinten Anstrengungen noch möglichst viel Ausbildungsplätze zu besetzen und potenzielle Bewerber zu motivieren, sich noch in diesem Jahr zu bewerben“, sagt Michael Ifland, IHK-Geschäftsführer für Berufliche Bildung und Fachkräftesicherung.

Handwerkskammer Dortmund

Olesja Mouelhi-Ort, Geschäftsführerin der HWK Dortmund, kommentiert: „Die Bilanz fürs Handwerk im Großraum Dortmund fällt positiv aus: 753 junge Menschen haben eine Ausbildung begonnen, 21 mehr als im Jahr davor. Aktuell sind noch 91 Lehrstellen in Dortmund unbesetzt. Für Bewerber und Betriebe bieten sich daher auch jetzt noch zahlreiche Möglichkeiten, sich kennenzulernen und zueinander zu finden, am besten über Praktika. Gesucht werden vor allem Auszubildende für die Gewerke Gerüstbauer/in, Dachdecker/in, Gebäudereiniger/in, Anlagenmechaniker/in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sowie Bäcker/in. Wir von der HWK Dortmund nutzen alle Möglichkeiten, jungen Menschen – und natürlich auch ihren Eltern – die vielfältigen Aufstiegschancen zu zeigen, die eine duale Ausbildung im Handwerk bietet. Doch wir brauchen Unterstützung von den Schulen, vor allem von den Gymnasien. Berufsorientierung sollte auch dort in alle Richtungen stattfinden. Die Chancen, die junge Menschen gerade jetzt in unserem Wirtschaftsbereich haben, sollten klar aufgezeigt werden. Im Handwerk gibt es zukunftssichere, moderne Berufe, Führungspositionen bis hin zum eigenen Unternehmen, das man gründen oder übernehmen kann, und auch hervorragende Verdienstmöglichkeiten. Zudem ist das Handwerk sicherlich der nachhaltigste Wirtschaftsbereich von allen, denn die Betriebe arbeiten besonders ressourcenschonend, produzieren umweltschonende Produkte und tragen als Umsetzer der Energiewende zur nachhaltigen Klimaschutzpolitik bei. Junge Menschen, die sich für Klimaschutz und Nachhaltigkeit stark machen und dies auch beruflich anstreben, wären im Handwerk goldrichtig! Das muss ihnen gerade auch in den Schulen vermittelt werden, möglichst frühzeitig und nicht nur punktuell.“

DGB Dortmund

„Von einem generellen Mangel an Bewerber*innen kann in Dortmund keine Rede sein. Wenn hier 3784 Jugendliche einen Ausbildungsplatz suchten, aber nur 1466 tatsächlich in die Duale Ausbildung einmündeten, scheint die Handlungsnotwendigkeit woanders zu liegen: Die Betriebe müssen den Blick weiten und sich von der Bestenauslese verabschieden. Vor dem Hintergrund, dass in NRW jeder 5. junge Mensch keinen Berufsabschluss hat, brauchen wir dringend eine Ausbildungsgarantie, finanziert durch einen Zukunftsfonds in die die Unternehmen einzahlen, um die Fachkräfte für Unternehmen zu sichern und allen jungen Menschen eine Perspektive zu geben“, sagt Jutta Reiter, Vorsitzende DGB Dortmund

Schulamt für die Stadt Dortmund

„Ein erfolgreiches Praktikum ist oft der Schlüssel für den Start einer dualen Ausbildung, daher müssen wir interessierte Schülerinnen und Schüler frühzeitig mit Betrieben, in denen Praktika möglich sind, zusammenbringen“, so Holger Nolte, Schulrat im Schulamt für die Stadt Dortmund.

Zahlen, Daten, Hintergründe der Agentur für Arbeit Dortmund

Mehr Bewerberinnen und Bewerber sind 2021 in eine Ausbildung gestartet

Vom 1. Oktober 2020 bis 30. September 2021 meldeten sich bei der Berufsberatung im Jugendberufshaus Dortmund insgesamt 3.784 junge Frauen und junge Männer, die eine duale Ausbildung suchten und dabei Unterstützung nachfragten, 74 oder 1,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Das leichte Minus auf der Bewerberseite ist vor allem durch die eingeschränkten Zugangswege zur Berufsberatung zu erklären, die durch digitale Angebote nicht vollständig ersetzt werden konnten.

Bis Ende September haben in Dortmund davon 2.069 junge Menschen eine Ausbildung oder Erwerbstätigkeit begonnen, 3,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Das entspricht einem Anteil von knapp 55 Prozent. Andere Jugendliche entschieden sich dagegen für einen weiteren Schulbesuch, einen gemeinnützigen sozialen Freiwilligendienst oder nehmen an einer berufsvorbereitenden Fördermaßnahme der Agentur für Arbeit teil.

79 Bewerberinnen und Bewerber hatten Ende September weder eine Ausbildungsstelle noch eine Alternative gefunden. Doch auch nach dem offiziellen Ende des Ausbildungsjahres ist es noch möglich, in Ausbildung einzusteigen. Die Berufsberater und Beraterinnen arbeiten mit großem Engagement zusammen mit den Partnern und Partnerinnen im Ausbildungskonsens daran, auch diesen Jugendlichen noch eine berufliche Perspektive zu bieten. Es gibt für alle Ausbildungsinteressierten auch jetzt noch betriebsnahe Angebote.

Jeder fünfte Jugendliche startet direkt nach seinem mittleren Schulabschluss in eine Ausbildung

Ausweislich des seit zehn Jahren bestehenden Übergangsmonitorings des Fachbereichs Schule wird deutlich, dass der Anteil an Jugendlichen, die eine Haupt-, Real- oder Gesamtschule nach Jahrgangsstufe 10 verlassen und in eine Ausbildung einmünden, im Schnitt bei ca. 20 % liegt. Knapp zwei Drittel setzen ihre Schullaufbahn in einer Gesamtschule, einem Gymnasium oder einem Berufskolleg fort.

Ausbildungsbereitschaft ist spürbar

Unternehmen, Betriebe, Verwaltungen und Träger meldeten im abgelaufenen Berichtsjahr 3.858 Ausbildungsplatzangebote. Obwohl viele Betriebe trotz der Krise an ihrem Ausbildungsengagement festhalten, entspricht dies einem Minus im Vergleich zum Vorjahr von 37 oder 0,9 Prozent.

145 Lehrstellen waren zum Stichtag noch unbesetzt. Im vergangenen Jahr waren es 491. Durch intensive Vermittlungsaktionen konnten noch zahlreiche Jugendliche etwas später als gewöhnlich ihre Ausbildung beginnen. Besetzungsschwierigkeiten traten insbesondere in folgenden Berufen auf: Verkäufer/in im Lebensmitteleinzelhandel, Gebäudereiniger/in, Friseur/in, Fachinformatiker/in und Elektroniker/in.

Die Qualifikation, Alter und Herkunft der Ausbildungssuchenden

Von den insgesamt 3.784 gemeldeten Jugendlichen, die sich für eine duale Ausbildung interessierten, verfügten 1.335 über die Fachhochschul- oder Hochschulreife. Damit sank der Anteil an allen Bewerberinnen und Bewerbern um rund 3 Prozent auf insgesamt 35 Prozent.

2.181 Schülerinnen und Schüler mit Hauptschul- oder Realschulabschluss haben sich im vergangenen Jahr bei der Berufsberatung angemeldet, dies entspricht einem Anteil von rund

58 Prozent - ein Anstieg im Vergleich zum Vorjahr um 1 Prozent. Leicht gesunken ist dagegen die Bewerberzahl der jungen Menschen ohne Schulabschluss, es sind insgesamt 148, 15 weniger als vor einem Jahr. Die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber aus berufsbildenden Schulen ist im Vergleich zum Vorjahr leicht angestiegen, wohingegen die Zahl aus den allgemeinbildenden Schulen leicht zurückgegangen ist. Auch haben sich weniger Studierende, die mit dem Gedanken spielen, ihr Studium abzubrechen, um alternativ in eine Ausbildung zu starten, im Jugendberufshaus Dortmund gemeldet.

Vielfältige Passungsprobleme trotz rechnerisch ausgeglichenem Markt

Die rechnerische Bewerber/innen-Stellenrelation bewegt sich auf Vorjahresniveau: Auf eine/n Bewerber/in kamen 1,0 Ausbildungsplatzangebote. Pro unversorgtem Bewerber gab es zum Berichtsjahresende 1,8 unbesetzte Ausbildungsstellen, gegenüber 3,5 im Vorjahr.

Bewerber nicht für geeignet hält oder die Jugendlichen den Betrieb nicht für attraktiv genug halten. Bei einem Drittel der unbesetzten Stellen liegt das Problem darin, dass es zu wenige interessierte Bewerber für den angebotenen Ausbildungsberuf gibt. Dies betrifft besonders Branchen wie das Lebensmittelhandwerk oder das Hotel- und Gastronomiegewerbe.

TOP 10   Ausbildungsplatzwünsche der unversorgten Bewerber (Stand: 30. 09. 2021)

Die meisten Bewerber und Bewerberinnen, die zum Berichtsjahresende noch einen Ausbildungsplatz suchten, gaben folgende Wunschberufe an:

  • Kaufmann/frau im Einzelhandel
  • Kfz-Mechatroniker/in – PKW Technik
  • Kaufmann/-frau Büromanagement
  • Mechatroniker/in
  • Anlagemechaniker/in Sanitär-/ Heizung-Klimatechnik
  • Fachinformatiker/in Systemintegration
  • Immobilienkaufmann/frau
  • Industriekaufmann/-frau
  • Medizinische/r Fachangestellte/r
  • Zahnmedizinische/r Fachangestellte/r
TOP 10 der unbesetzten Berufsausbildungsstellen
  • Verkäufer/in
  • Kaufmann/frau im Einzelhandel
  • Fleischer/in
  • Fachinformatiker/in
  • Gebäudereiniger/in
  • Handelsfachwirt/in
  • Dachdecker/in
  • Fachinformatiker/in Anwendungsentwicklung
  • Fachkraft Schutz und Sicherheit
  • Fachverkäufer/in Lebensmittelhandwerk - Fleischerei