30.11.2021 | Presseinfo Nr. 77

Dortmunder Arbeitsmarkt im November 2021

Ruhiger Herbst trotz Coronakrise
- Saisonüblicher Rückgang der Arbeitslosigkeit im November
- Arbeitslosenquote sinkt auf 10,7 Prozent
- Wachsender Stellenbestand weist auf Fachkräftebedarf hin –
aber Dynamik bleibt verhalten

Der Arbeitsmarkt in Dortmund steht trotz erster winterlicher Tendenzen beim Wetter nach wie vor im Zeichen der anhaltenden Herbstbelebung. Leichten Rückenwind können Arbeitsuchende durch den weiterhin stetig wachsenden Bestand an offen gemeldeten Arbeitsstellen verspüren – eine Entwicklung, die auf Unternehmensseite jedoch für entsprechende Stimmungstiefs sorgt, denn diese können ihren Arbeitskräftebedarf auf dem Arbeitsmarkt immer weniger leicht decken. Als nachhaltiger Windbrecher empfehlen sich Qualifizierung und berufliche Weiterbildung.

„Auch wenn die Aufholprozesse am Arbeitsmarkt erfolgreich weitergehen: Wir sind noch lange nicht am Ziel, sondern müssen weiterhin mit Gegenwind rechnen. Zwar zeigt sich der Arbeitsmarkt in Dortmund gut und robust, aber noch nicht so gut wie vor der Krise. Vor genau zwei Jahren hat die Quote mit 9,9 Prozent die 10-Prozent-Marke unterschritten, die auch heute deutlich näher rückt, aber noch nicht wieder erreicht ist. Erfreulich ist, dass sich dieser Rückgang kontinuierlich sowohl im Vergleich zum Vormonat und zum Vorquartal als auch zum Vorjahr bemerkbar macht. Dennoch bergen Faktoren wie die weltweit bestehenden Lieferengpässe die Gefahr, zusätzlich zum Fachkräftemangel für unerfreuliche Böen zu sorgen.

Mit Blick auf den anstehenden Winter und den Unwägbarkeiten der Corona-Krise begrüßen wir ausdrücklich die Verlängerung der Sonderregelungen für das Kurzarbeitergeld und die Grundsicherung für Selbständige. Es ist nach wie vor unerlässlich, Unternehmen und Selbständige nicht im Regen stehen zu lassen, und so die schrittweise erfolgende Erholung am Arbeitsmarkt zu stabilisieren“, kommentiert Arbeitsagenturchefin Heike Bettermann die Situation auf dem Dortmunder Arbeitsmarkt.

Dr. Regine Schmalhorst, Geschäftsführerin des Jobcenters Dortmund, kommentiert: „Erleichtert stellen wir fest, dass die vierte Welle auf dem Arbeitsmarkt - bisher zumindest - nicht spürbar ist. Im Gegenteil setzt sich der bisherige Herbst-/Winteraufschwung im Jobcenter Dortmund fort. Wir verzeichnen 339 Menschen und 59 Bedarfsgemeinschaften weniger in unserer Betreuung als noch im Oktober. Besonders erfreulich: unter ihnen sind 234 Langzeitarbeitslose. Die Gesamtzahl der Arbeitslosen im Jobcenter ist auf gleichem Niveau wie letztes Jahr und damit trotz bestehender Pandemie weitestgehend stabil geblieben. Bei den Bedarfsgemeinschaften sehen wir sogar einen Rückgang: im Vergleich zum Vorjahr betreut das Jobcenter Dortmund 165 weniger. Wir können nur hoffen, dass die Wirtschaft und damit auch der Arbeitsmarkt weiterhin gut durch die von der Pandemie geprägten Winterzeit kommen.“

Saisonüblicher Rückgang der Arbeitslosigkeit

Im November wurden 34.147 Menschen in Dortmund arbeitslos gezählt. Davon waren 7.365 Personen bei der Arbeitsagentur und 26.782 Menschen beim Jobcenter Dortmund gemeldet. Damit ist die Gesamtzahl der Arbeitslosen in der Stadt im Vergleich zum Vormonat um 399 Personen oder 1,2 Prozent gesunken. Die Arbeitslosenquote für alle bei Agentur und Jobcenter gemeldeten Arbeitslosen sinkt auf 10,7 Prozent (November 2020: 11,5 Prozent). Die spezifische Arbeitslosenquote für die Agentur verbleibt unverändert zum Vormonat bei 2,3 Prozent und sinkt für das Jobcenter leicht auf 8,4 Prozent.

Arbeitslosigkeit ist kein starrer Block. Vielmehr ist durch die Zu- und Abgänge in bzw. aus Arbeitslosigkeit viel Bewegung. In der Stadt Dortmund wurden im November 5.353 Männer und Frauen erstmals oder erneut arbeitslos registriert. 1.767 Personen davon kamen aus einer Beschäftigung am 1. Arbeitsmarkt. Das sind 90 Personen mehr als im Vormonat. 5.801 meldeten sich im November bei der Arbeitsagentur und dem Jobcenter aus der Arbeitslosigkeit ab. Von ihnen beendeten 1.676 Menschen ihre Arbeitslosigkeit wegen der Aufnahme einer Beschäftigung am 1. Arbeitsmarkt. Das sind 133 weniger als im Vormonat.

Jugendarbeitslosigkeit weiter leicht rückläufig

Rechtskreisübergreifend ist die Jugendarbeitslosenquote im Vergleich zum Oktober um 0,1 Prozentpunkte auf 8,5 Prozent gesunken. Im November waren damit 2.848 junge Menschen unter 25 Jahren arbeitslos gemeldet. Das sind18 Personen oder 0,6 Prozent weniger als im Vormonat und 8,7 Prozent oder 271 Personen weniger als im Vorjahr. Damit liegt die Jugendarbeitslosigkeit aber noch immer über dem Vorkrisenniveau. Im November 2019 waren 2.632 Jugendlich unter 25 Jahren in Dortmund arbeitslos gemeldet., dies entspricht einer Quote von 8,1 Prozent.

Leicht wachsender Stellenbestand

Die Nachfrage nach neuen Arbeitskräften bei der Agentur für Arbeit verharrt auch im November auf niedrigem Niveau. Die Dortmunder Unternehmen und Verwaltungen meldeten im aktuellen Berichtsmonat 827 neue Stellen. Das sind 13 Stellen mehr als im Oktober. Der aktuelle Stellenbestand ist mit 4.773 offenen Stellen um 2,2 Prozent höher als im Vormonat. Im Jahresvergleich liegt er mit einem Plus von 529 Stellen deutlich höher als im Krisenjahr 2020.

Spitzenreiter beim Stellenbestand sind neben dem Dienstleistungssektor Kfz-Händler und –Reparaturbetriebe mit 638 gemeldeten offenen Stellen gefolgt von Unternehmen aus dem Gesundheits- und Sozialwesen mit 625 offenen Stellen und das Baugewerbe mit 401 offenen Stellen. Das von den Corona-Beschränkungen stark betroffene Gastgewerbe versucht zwar ganz offensichtlich, durch Personalaufbau wieder an Vorkrisenzeiten anzuknüpfen, hat dabei mit 313 gemeldeten offenen Stellen aber zunehmend Probleme.

Die Stellenmeldungen in der Arbeitnehmerüberlassung gelten als ein Frühindikator für die konjunkturelle Stimmung auf dem Arbeitsmarkt. In der Frühphase eines Aufschwungs steigt in der Regel die Nachfrage nach Zeitarbeitnehmern und -arbeitnehmerinnen an, in Abschwungphasen nimmt sie ab. Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung folgt in der Regel diesem Trend. Aktuell liegt der Bestand offener Stellen in der Zeitarbeit weiterhin auf niedrigem Niveau, ist aber, wie auch in den vergangenen Monaten, im November weiter gestiegen

Unterbeschäftigung ist gesunken

In der Unterbeschäftigung werden zusätzlich zu den registrierten Arbeitslosen auch die Personen erfasst, die nicht als arbeitslos im Sinne der Sozialgesetzbücher (SGB III und SGB II) gelten, weil sie beispielsweise wegen der Teilnahme an Qualifizierungs-, Trainings- oder Beschäftigungsmaßnahmen, wegen Krankheit oder vorruhestandsähnlicher Regelungen nicht als arbeitslos gezählt werden.

Wie die Arbeitslosigkeit ist auch die Unterbeschäftigung in diesem Monat gesunken. Insgesamt sind im November 45.705 Personen in der Unterbeschäftigung registriert. Das sind im Vergleich zum Vormonat 82 Personen weniger. Der Anteil der Arbeitslosigkeit an der Unterbeschäftigung ist im November weiter leicht auf 74,7 Prozent gesunken. Die Unterbeschäftigungsquote betrug im Berichtsmonat unverändert 13,9 Prozent.

(Hinweis: Die Unterbeschäftigung ist ein sehr komplexes Thema und beinhaltet nicht Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, die während ihrer Beschäftigung Arbeitslosengeldleistungen erhalten. Um Missverständnissen vorzubeugen, erklären wir Ihnen gerne die Zusammenhänge und Hintergründe. Nehmen Sie bei Bedarf mit uns Kontakt auf.)

Anzeigen von Kurzarbeitergeld sinken weiter

Vor Beginn der Kurzarbeit müssen Betriebe Anzeige über den voraussichtlichen Arbeitsausfall erstatten. Nach aktuellen Hochrechnungen zu geprüften Anzeigen im November haben 4 Betriebe konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt. Im Oktober lag die Zahl noch bei 6 Anzeigen. Die Anzahl der Beschäftigten, für die Kurzarbeit angezeigt wurde, stieg im Vergleich zum Vormonat von 30 auf 46 leicht an.

Das Kurzarbeitergeld hat vielen Dortmunder Unternehmen erfolgreich durch die Pandemie geholfen und hilft auch weiterhin. Ohne das Werkzeug Kurzarbeit läge die Arbeitslosigkeit deutlich höher, auch würde die Beschäftigung deutlich geringer liegen. Damit fehlte der Wirtschaft auch die Grundlage, auf der sie sich derzeit gut erholt. In diesem Kontext steht auch die von der Bundesregierung beschlossene Verlängerung des erleichterten Zugangs zum Kurzarbeitergeld um weitere drei Monate bis Ende März 2022.

Die Daten über die tatsächlich realisierte, d. h. in Anspruch genommene Kurzarbeit, werden mit einer Wartezeit von fünf Monaten veröffentlicht, da hiermit eine sichere Statistik auf vollzähliger Basis mit hoher Datenqualität gewährleistet ist. Aktuelle Daten zur tatsächlichen Inanspruchnahme stehen bis Mai 2021 zur Verfügung. So nahmen im Mai 2.008 Betriebe für 14.184 Dortmunderinnen und Dortmunder konjunkturelles Kurzarbeitergeld in Anspruch. Damit sind die Zahlen im Vergleich zum Vormonat weiter rückläufig. Im April 2021 wurde an 15.351 Personen in 2.101 Betrieben Kurzarbeit ausgezahlt. Den vorläufigen Höchststand erreichte die Kurzarbeit in Dortmund bisher im April 2020, als in 3.763 Betrieben 37.816 Menschen in Kurzarbeit beschäftigt waren.