29.07.2022 | Presseinfo Nr. 48

Dortmunder Arbeitsmarkt im Juli 2022

Ukrainische Geflüchtete kommen auf dem Dortmunder Arbeitsmarkt an
- Zuwachs bei ukrainischen Arbeitslosen prägt das Bild
- Arbeitslosenquote steigt auf 11,2 Prozent
- Arbeitgeber verhalten bei der Stellenbesetzung
- Noch viele Chancen auf dem Ausbildungsmarkt

Die Zahl der arbeitslosen Menschen in Dortmund stieg im Juli spürbar an. Mit 35.849 gemeldeten Arbeitslosen waren 2.006 Personen mehr arbeitslos als im Vormonat. Der weitaus größte Anteil entfällt auf den Rechtskreis SGB II.

„Ein Anstieg der Arbeitslosigkeit in den Sommerferien ist durchaus saisontypisch: Auch und gerade junge Menschen, die ihre Ausbildung abgeschlossen haben und im Ausbildungsbetrieb nicht übernommen werden, sind hier zu erwähnen. Aber auch Arbeitsmarktmaßnahmen zur Beschäftigung und Qualifizierung laufen oft im Sommer aus und deren Teilnehmende werden wieder als arbeitsuchend gemeldet. Sorge bereitet uns allerdings die verlangsamte Dynamik am Arbeitsmarkt; die Arbeitgeber sind sehr verhalten mit der Stellenbesetzung und der Bestand an Arbeitslosen steigt“, kommentiert Heike Bettermann, Chefin der Arbeitsagentur Dortmund.

„Gleichzeitig ist mit leichter Verzögerung die Ankunft der ukrainischen Geflüchteten auf dem Arbeitsmarkt auch in Zahlen sichtbar. Der signifikante Zuwachs der Gesamtarbeitslosigkeit resultiert zu über 90 Prozent aus Zugängen im SGB II, also im Jobcenter. Hier werden seit Anfang Juni die aus der Ukraine geflüchteten Frauen und Männer betreut und sukzessive erfasst. Wir gehen davon aus, dass sich der Zuwachs an Arbeitslosmeldungen in den kommenden Wochen weiter fortsetzen wird“, so Bettermann weiter.

Dr. Regine Schmalhorst, Geschäftsführerin des Jobcenters Dortmund, erläutert: „Im Juli ist die Zahl der Menschen, die Leistungen vom Jobcenter beziehen, erneut gestiegen. Im Vergleich zum Vormonat betreuen wir 1.844 Menschen in 459 Bedarfsgemeinschaften mehr. Der Anstieg war erwartbar und ist in erheblichem Umfang durch die Arbeitslosen mit ukrainischer Staatsangehörigkeit, die seit Juni in den Rechtskreis SGB II überführt werden, bedingt. Die Zahl der Arbeitslosen im Jobcenter bewegt sich damit auf Vorjahresniveau.

Die Gesamtsituation am Arbeitsmarkt schätzen wir aus Jobcenter-Sicht jedoch als weiterhin stabil ein. Ein Anhaltspunkt dafür ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen, die auf gleichen Niveau verblieben ist. Bei einer Krise sind langzeitarbeitslose Menschen als Erste betroffen. Der Bestand der Langzeitarbeitslosen im Jobcenter fällt aber weiterhin über zehn Prozent geringer aus als im Vorjahr. Zum Vergleich: Im Juli letzten Jahres waren noch 1.682 mehr Menschen in Dortmund von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen.“

Anstieg der Arbeitslosigkeit setzt sich fort

Im Juli wurden 35.849 Menschen in Dortmund arbeitslos gezählt. Davon waren 7.609 Personen bei der Arbeitsagentur und 28.240 Menschen beim Jobcenter Dortmund gemeldet. Damit ist die Gesamtzahl der Arbeitslosen in der Stadt im Vergleich zum Vormonat um 2006 Personen oder 5,9 Prozent gestiegen. Die Arbeitslosenquote für alle bei Agentur und Jobcenter gemeldeten Arbeitslosen steigt auf 11,2 Prozent (Juli 2021: 11,6 Prozent). Die spezifische Arbeitslosenquote für die Agentur steigt leicht auf 2,4 Prozent und für das Jobcenter auf 8,8 Prozent.

Arbeitslosigkeit ist kein starrer Block. Vielmehr herrscht durch die Zu- und Abgänge in bzw. aus Arbeitslosigkeit viel Bewegung. In der Stadt Dortmund wurden im Juli 7.043 Männer und Frauen erstmals oder erneut arbeitslos registriert. 1.620 Personen davon kamen aus einer Beschäftigung am 1. Arbeitsmarkt. Das sind 252 Personen mehr als im Vormonat. 5.063 meldeten sich im Juli bei der Arbeitsagentur und dem Jobcenter aus der Arbeitslosigkeit ab. Von ihnen beendeten 1.232 Menschen ihre Arbeitslosigkeit wegen der Aufnahme einer Beschäftigung am 1. Arbeitsmarkt. Das sind 73 Personen weniger als im Vormonat.

Detailliertere Datenlage über ukrainische Geflüchtete

Zum Qualifizierungsstand der Geflüchteten aus der Ukraine können wir zum jetzigen Zeitpunkt erst wenig Angaben machen. Für die Menschen und uns ist wichtig, dass der Übergang vom Asylbewerberleistungsgesetz in das SGB II reibungslos verläuft und es gerade bei den finanziellen Fragen keine Lücke gibt. Dies ist bisher gut gelungen. Im ersten Schritt steht für alle Jobcenter zunächst die Leistungsgewährung im Vordergrund. Erst im zweiten Schritt kommen die Menschen in die Arbeitsvermittlung der Jobcenter. Die Arbeitsvermittlung unterstützt sie bei der Suche nach Sprachkursen, Kinderbetreuung, Beschäftigung und ggf. Qualifizierungsmöglichkeiten. In diese Phase kommen wir jetzt. Die Datenlage zu vorhandenen Kenntnissen und Fähigkeiten (Qualifizierungsstand) wird deshalb von Monat zu Monat besser.

Im Berichtsmonat Juli waren im Jobcenter Dortmund 1.383 Ukrainerinnen und Ukrainer arbeitslos gemeldet. Im Juni waren es 287 Personen.

Jugendarbeitslosigkeit steigt an

Rechtskreisübergreifend ist die Jugendarbeitslosenquote im Vergleich zum Vormonat auf 8,8 Prozent gestiegen. Im Juli waren damit 3.158 junge Menschen unter 25 Jahren arbeitslos gemeldet. Das sind 358 Personen mehr als im Vormonat. Der Zuwachs fällt etwas höher aus als in den Jahren vor Corona. Auch hier zeigt sich die Zurückhaltung der Unternehmen, die junge Beschäftigte im Anschluss an ihre Ausbildung nicht übernehmen.

Weiter rückläufige Arbeitskräftenachfrage

Im Juli ist die Nachfrage der Unternehmen nach Arbeitskräften im Vergleich zum Vormonat deutlich gesunken. Insbesondere die Energiekostenproblematik und Lieferengpässe belasten die Dortmunder Unternehmen, die von Personalneueinstellungen derzeit eher Abstand nehmen. Der Agentur für Arbeit wurden im aktuellen Berichtsmonat 609 neue Stellen gemeldet. Das sind 81 Stellen weniger als im Juni und 566 weniger Stellenmeldungen als im Vorjahresmonat. Der aktuelle Stellenbestand hat sich mit 5.635 offenen Stellen im Vergleich zum Vormonat nur wenig verändert. Im Jahresvergleich liegt er mit einem Plus von rund 1.585 Stellen deutlich höher als im Krisenjahr 2021. Den höchsten Stellenbestand verzeichnen Unternehmen aus den Bereichen der freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen, gefolgt vom Handel und dem Gesundheits- und Sozialwesen.

Unterbeschäftigung steigt an

In der Unterbeschäftigung werden zusätzlich zu den registrierten Arbeitslosen auch die Personen erfasst, die nicht als arbeitslos im Sinne der Sozialgesetzbücher (SGB III und SGB II) gelten, weil sie beispielsweise wegen der Teilnahme an Qualifizierungs-, Trainings- oder Beschäftigungsmaßnahmen, wegen Krankheit oder vorruhestandsähnlicher Regelungen nicht als arbeitslos gezählt werden.

Die Unterbeschäftigung ist in diesem Monat weiter gestiegen. Insgesamt sind im Juli 46.357 Personen in der Unterbeschäftigung registriert. Das sind im Vergleich zum Vormonat 1.159 Personen mehr. Der Anteil der Arbeitslosigkeit an der Unterbeschäftigung steigt im Juli auf 77,3 Prozent. Die Unterbeschäftigungsquote steigt im Vergleich zum Vormonat leicht auf 14,0 Prozent.

(Hinweis: Die Unterbeschäftigung ist ein sehr komplexes Thema und beinhaltet nicht Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, die während ihrer Beschäftigung Arbeitslosengeldleistungen erhalten. Um Missverständnissen vorzubeugen, erklären wir Ihnen gerne die Zusammenhänge und Hintergründe. Nehmen Sie bei Bedarf mit uns Kontakt auf.)

Ausbildungsmarkt auf der Zielgeraden

Der erste große Starttermin ins neue Ausbildungsjahr steht unmittelbar bevor, aber noch ist viel Bewegung im Ausbildungsmarkt. Eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung bestätigt, dass viele junge Menschen noch unentschlossen sind. Auch in Dortmund sind zahlreiche Jugendliche noch auf der Suche, und die Unternehmen melden 1.628 noch unbesetzte Ausbildungsplätze. Die Zahl der insgesamt gemeldeten betrieblichen Ausbildungsstellen seit Beginn des Berichtsjahres liegt Ende Juli bei 3.416. Dies sind im Vorjahresvergleich 9,6 Prozent weniger. Seit Oktober 2021 meldeten sich 3.298 Jugendliche bei der Berufsberatung als Bewerber oder Bewerberin. Das sind 223 Jugendliche oder 6,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Besetzung offener Ausbildungsstellen wird daher für die Unternehmen schwieriger.

„Der Ausbildungsmarkt geht derzeit in den Endspurt, und noch ist für viele junge Menschen, aber auch für viele Unternehmen auf der Suche nach Auszubildenden alles offen. Betrachtet man die Gesamtzahl der Bewerberinnen und Bewerber und die Zahl der insgesamt ausgeschriebenen Ausbildungsplätze, ergibt sich vermeintlich ein ausgewogenes Bild: Auf 100 betriebliche Berufsausbildungsstellen kommen 99 Bewerberinnen und Bewerber. Doch wenige Tage, bevor am 1. August viele Jugendliche in die Ausbildung starten, stehen jedem noch unversorgten Bewerber und jeder Bewerberin rein rechnerisch zwei bislang unbesetzte Ausbildungsstellen gegenüber. Das bedeutet: Für alle Suchenden stehen die Chancen, kurzfristig noch einen Ausbildungsplatz zu finden, so gut wie nie. Ihnen rufe ich zu: Jetzt gilt es, die eigene Zukunft auf eine solide Basis zu stellen. Unsere Berufsberaterinnen und Berufsberater helfen allen, die noch unschlüssig sind.“, so Heike Bettermann.

Kontaktdaten Berufsberatung
Telefon: 0231 842 9860
E-Mail: berufsberatung@jbh-do.de