30.09.2022 | Presseinfo Nr. 58

Dortmunder Arbeitsmarkt im September 2022

Herbstbelebung fällt in diesem Jahr verhalten aus
- Rund 380 Arbeitslose weniger als im August
- Arbeitslosenquote sinkt auf 11,1 Prozent
- Deutlich weniger Jugendliche arbeitslos gemeldet
- Arbeitskräftenachfrage zieht leicht an

Die Arbeitslosigkeit hat sich im September saisontypisch entwickelt. Sie sank um 1,1 Prozent und liegt aktuell bei 35.600 Personen, doch liegt der Rückgang deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Anzeichen einer Eintrübung sind deutlich spürbar. Zum ersten Mal in 2022 liegt die Arbeitslosigkeit in Dortmund über dem Vorjahresniveau.

„In der Regel sinkt die Zahl der Arbeitslosen zum Herbstanfang kräftig. Insbesondere junge Menschen, die wenige Monate zuvor ihre Ausbildung abgeschlossen haben, finden in dieser Jahreszeit gute Perspektiven bei Unternehmen, die nach qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern suchen. Das war in diesem Jahr nicht anders. Die Jugendarbeitslosigkeit ist im September deutlich um 5,0 Prozent gesunken. Dass die Herbstbelebung in diesem Jahr dennoch sehr verhalten ausfällt, liegt vorrangig an der Erfassung der vor dem russischen Angriffskrieg aus der Ukraine geflüchteten Menschen durch die Jobcenter, die jetzt in der aktuellen Arbeitsmarktstatistik sichtbar werden. Rund 2.000 Ukrainerinnen und Ukrainer sind in Dortmund arbeitslos gemeldet“, kommentiert Melanie Flusche, Geschäftsführerin Operativ der Arbeitsagentur Dortmund.

„Der Arbeitsmarkt ist aktuell großem Druck ausgesetzt. Der Ukrainekonflikt, damit verbunden Materialengpässe und Energiekrise zeigen Wirkung und verbreiten deutlich spürbare Unsicherheit. Eine Vorhersage der Entwicklung in den kommenden Monaten ist nahezu unmöglich. Der Arbeitsmarkt bleibt aber aufnahmefähig, gesucht werden vor allem Fachkräfte. Knapp 75% der Stellenausschreibungen richten sich an qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mindestens eine duale Berufsausbildung absolviert haben.  Doch rund 60 Prozent der arbeitslos gemeldeten Menschen verfügen aktuell nicht über eine geeignete, ausreichende Qualifikation. Ein wichtiger Schlüssel zum beruflichen Erfolg ist und bleibt daher die Qualifizierung und Weiterbildung sowohl von Arbeitslosen als auch von Beschäftigten“, so Flusche.

Dr. Regine Schmalhorst, Geschäftsführerin des Jobcenters Dortmund, kommentiert: „Aus Sicht des Jobcenters bleibt der Arbeitsmarkt im September stabil, auch wenn die saisonale Herbstbelebung dieses Jahr nicht so deutlich ausfällt, wie im Vorjahr. Dies ist der angespannten wirtschaftlichen Situation unter anderem infolge der weiterhin bestehenden Lieferengpässe sowie der Energiekrise und den damit einhergehenden Unsicherheiten geschuldet. Obwohl die ukrainischen Geflüchteten in den letzten Monaten in den Rechtskreis SGB II gewechselt sind, ist die Zahl der Arbeitslosen in diesem Monat leicht gesunken. Insbesondere bei den Langzeitarbeitslosen gibt es im September mit 122 Abgängen eine positive Entwicklung. Auch erfreulich: im Vergleich zum Vorjahresmonat sind 1.491 Menschen weniger von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen.“

Leichter saisonalbedingter Rückgang der Arbeitslosigkeit

Im September wurden 35.600 Menschen in Dortmund arbeitslos gezählt. Davon waren 7.122 Personen bei der Arbeitsagentur und 28.478 Menschen beim Jobcenter Dortmund gemeldet. Damit ist die Gesamtzahl der Arbeitslosen in der Stadt im Vergleich zum Vormonat um 378 Personen oder 1,1 Prozent gesunken. Die Arbeitslosenquote für alle bei Agentur und Jobcenter gemeldeten Arbeitslosen sinkt auf 11,1 Prozent (September 2021: 11,0 Prozent). Die spezifische Arbeitslosenquote für die Agentur sinkt leicht auf 2,2 Prozent und für das Jobcenter liegt sie unverändert bei 8,9 Prozent.

Arbeitslosigkeit ist kein starrer Block. Vielmehr herrscht durch die Zu- und Abgänge in bzw. aus Arbeitslosigkeit viel Bewegung. In der Stadt Dortmund wurden im September 6.159 Männer und Frauen erstmals oder erneut arbeitslos registriert. 1.480 Personen davon kamen aus einer Beschäftigung am 1. Arbeitsmarkt. Das sind 126 Personen weniger als im Vormonat. 6.556 meldeten sich im September bei der Arbeitsagentur und dem Jobcenter aus der Arbeitslosigkeit ab. Von ihnen beendeten 1.461 Menschen ihre Arbeitslosigkeit wegen der Aufnahme einer Beschäftigung am 1. Arbeitsmarkt. Das sind 115 Personen mehr als im Vormonat.

Nur geringer weiterer Zuwachs bei ukrainischen Geflüchteten

Seit dem 1. Juni haben alle geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainer die Möglichkeit, in den Jobcentern einen Antrag auf Grundsicherung für Arbeitssuchende zu stellen. Im Berichtsmonat September waren im Jobcenter Dortmund 2.092 Ukrainerinnen und Ukrainer arbeitslos gemeldet. Im August waren es 1.845 Personen.

Jugendarbeitslosigkeit geht deutlich zurück

Rechtskreisübergreifend ist die Jugendarbeitslosenquote im Vergleich zum Vormonat auf 9,3 Prozent gesunken. Im September waren damit 3.111 junge Menschen unter 25 Jahren arbeitslos gemeldet. Das sind 164 Personen weniger als im Vormonat. Damit liegt die Jugendarbeitslosigkeit aber noch deutlich über Vorkrisenniveau. Im September 2019 waren 2.904 Jugendliche unter 25 Jahren in Dortmund arbeitslos gemeldet.

Viele Jugendliche, die nach Beendigung ihrer Ausbildung in eine kurze Phase der Arbeitslosigkeit geraten sind, konnten nun als begehrte Fachkraft den Weg zurück in Arbeit finden. Auch der Schul- und Ausbildungsstart im September haben sich positiv auf die Entwicklung der Jugendarbeitslosigkeit ausgewirkt.

Arbeitskräftenachfrage erneut leicht gestiegen

Im September ist die Nachfrage der Unternehmen nach Arbeitskräften im Vergleich zum Vormonat erneut leicht angestiegen. Der Agentur für Arbeit wurden im aktuellen Berichtsmonat 726 neue Stellen gemeldet. Das sind 41 Stellen mehr als im August, aber 281 weniger Stellenmeldungen als im Vorjahresmonat. Der aktuelle Stellenbestand hat sich mit 5.398 offenen Stellen im Vergleich zum Vormonat nur wenig verändert. Er ist um 96 Stellen vermindert. Im Jahresvergleich liegt er mit einem Plus von rund 897 Stellen deutlich höher als im Krisenjahr 2021. Die meisten der Agentur für Arbeit gemeldeten offenen Stellen sind in den Berufsgruppen Lagerwirtschaft, Verkauf und Gesundheits- und Krankenpflege sowie Altenpflege.

Unterbeschäftigung steigt an

In der Unterbeschäftigung werden zusätzlich zu den registrierten Arbeitslosen auch die Personen erfasst, die nicht als arbeitslos im Sinne der Sozialgesetzbücher (SGB III und SGB II) gelten, weil sie beispielsweise wegen der Teilnahme an Qualifizierungs-, Trainings- oder Beschäftigungsmaßnahmen, wegen Krankheit oder vorruhestandsähnlicher Regelungen nicht als arbeitslos gezählt werden.

Die Unterbeschäftigung ist in diesem Monat weiter gestiegen. Insgesamt sind im September 46.872 Personen in der Unterbeschäftigung registriert. Das sind im Vergleich zum Vormonat 154 Personen mehr. Der Anteil der Arbeitslosigkeit an der Unterbeschäftigung sinkt im September auf 76,0 Prozent. Die Unterbeschäftigungsquote liegt unverändert im Vergleich zum Vormonat bei 14,2 Prozent.

(Hinweis: Die Unterbeschäftigung ist ein sehr komplexes Thema und beinhaltet nicht Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, die während ihrer Beschäftigung Arbeitslosengeldleistungen erhalten. Um Missverständnissen vorzubeugen, erklären wir Ihnen gerne die Zusammenhänge und Hintergründe. Nehmen Sie bei Bedarf mit uns Kontakt auf.)


SAVE THE DATE

Terminhinweis Bilanz Ausbildungsmarkt Dortmund

Zwei Jahre Pandemie, der Angriffskrieg in der Ukraine verbunden mit Energiekrise, steigenden Preisen und Lieferengpässen, haben Spuren hinterlassen, die sich auch bei jungen Menschen am Übergang Schule Beruf zeigen. Verunsicherung, Unentschlossenheit und Entscheidungsmüdigkeit sind deutlich spürbar. Der Ausbildungsmarkt hat sich stark gewandelt.

Im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz der Agentur für Arbeit Dortmund, der Industrie- und Handelskammer Dortmund, der Handwerkskammer Dortmund, sowie des Deutschen Gewerkschaftsbundes Dortmund, möchten wir Ihnen am

23. November um 11.00 Uhr in der DASA

die wichtigsten Eckdaten zum Ausbildungsjahr 2021/2022 vorstellen und über aktuelle Entwicklungen am Ausbildungsmarkt sprechen.

Unter dem Motto „Die Welt ist krisengeschüttelt – Was brauchst du jetzt, was brauchen wir jetzt?“ findet an diesem Tag auch die diesjährige Dortmunder Jugendkonferenz 2022 in der DASA statt - organisiert von der Arbeitsgemeinschaft Jugendberufshilfe (dem Jugendberufshaus Dortmund, dem Fachbereich Schule und den freien Trägern). Aus verschieden Perspektiven werden die Auswirkungen der Krise auf die jungen Menschen beleuchtet und gemeinsam Handlungsansätze entwickelt.

Sie haben im Rahmen des Pressegespräches auch die Gelegenheit mit betroffenen Jugendlichen und auch Arbeitgebern dazu ins Gespräch zu kommen.