31.10.2022 | Presseinfo Nr. 61

Dortmunder Arbeitsmarktbericht Oktober 2022

Rund 90 Arbeitslose weniger als im September
Arbeitslosenquote unverändert bei 11,1 Prozent
Unterbeschäftigung steigt:
Viele Ukrainer:innen starten mit dem Spracherwerb
Arbeitskräftenachfrage auf niedrigem Niveau

 
 

Der Arbeitsmarkt zeigte sich im Oktober trotz rückläufiger Erwartungen der Wirtschaft weiterhin sehr robust. Die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen sank im Vergleich zum Vormonat erneut, wenn auch in deutlich abgeschwächter Form um 0,3 Prozent. Im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre sank die Arbeitslosigkeit saisontypisch im Oktober um 2,1 Prozent. So sind aktuell bei der Agentur für Arbeit Dortmund 35.510 Arbeitslose gemeldet. Die dämpfenden Faktoren liegen auf der Hand: Der Ukrainekrieg, die trüben Konjunkturaussichten und die drohende Energiekrise, sowie die hohe Inflation, die zum Beispiel die Erwartungen im Handel zurückgehen lässt.

„Die Eintrübung auf dem Arbeitsmarkt wird nun an vielen Stellen sichtbar. So haben sich im Oktober weniger Menschen aus der Arbeitslosigkeit in eine Erwerbstätigkeit abgemeldet und mehr Menschen Unterstützung bei der Arbeitsagentur gesucht und sich arbeitslos gemeldet. Unternehmen melden weniger neue Arbeitsstellen als in den vergangenen Jahren im Herbst üblich. Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen warten die weitere Entwicklung zum Beispiel der Folgen steigender Energiepreise ab, bevor sie am Arbeitsmarkt aktiv werden. Auf der anderen Seite sind die Auftragsbücher voll, wofür sie wiederum Personal benötigen. Doch qualifizierte Arbeitskräfte fehlen. Unsere Aufgabe ist es daher, Möglichkeiten zu Beratungen und Qualifizierungen weiter zu verbessern und auszubauen. Wer gut qualifiziert ist, hat auch in diesen Zeiten gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt“, kommentiert die Arbeitsagenturchefin Heike Bettermann die aktuelle Lage auf dem Dortmunder Arbeitsmarkt.

Dr. Regine Schmalhorst, Geschäftsführerin des Jobcenters Dortmund, kommentiert: „Im Oktober zeigt sich der Dortmunder Arbeitsmarkt auch im Bereich der Grundsicherung stabil. Im Vergleich zum Vormonat verzeichnet das Jobcenter Dortmund 120 Arbeitslose weniger, darunter sind auch 40 Menschen, die zuvor langzeitarbeitslos waren. Auch die Zahl der Bedarfsgemeinschaft ist um 238 gesunken. Was uns ebenfalls freut und die positive Gesamtentwicklung in diesem Jahr zeigt: Verglichen mit Oktober 2021 sind insgesamt 1.363 weniger Personen von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen. Dass sich die Zahlen in der Grundsicherung trotz der aktuellen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen rückläufig entwickeln, spricht für die Robustheit des Dortmunder Arbeitsmarktes.“

Im Oktober wurden 35.510 Menschen in Dortmund arbeitslos gezählt. Davon waren 7.152 Personen bei der Arbeitsagentur und 28.358 Menschen beim Jobcenter Dortmund gemeldet. Damit ist die Gesamtzahl der Arbeitslosen in der Stadt im Vergleich zum Vormonat um 90 Personen oder 0,3 Prozent gesunken, sie liegt gegenüber dem Vorjahr jedoch um 2,8% (+964 Personen) höher. Die Arbeitslosenquote für alle bei Agentur und Jobcenter gemeldeten Arbeitslosen bleibt unverändert bei 11,1 Prozent (Oktober 2021: 10,8 Prozent).

Arbeitslosigkeit ist kein starrer Block. Vielmehr herrscht durch die Zu- und Abgänge in bzw. aus Arbeitslosigkeit viel Bewegung. In der Stadt Dortmund wurden im Oktober 5.922 Männer und Frauen erstmals oder erneut arbeitslos registriert. 1.599 Personen davon kamen aus einer Beschäftigung am 1. Arbeitsmarkt. Das sind 119 Personen mehr als im Vormonat. 6.050 meldeten sich im Oktober bei der Arbeitsagentur und dem Jobcenter aus der Arbeitslosigkeit ab. Von ihnen beendeten 1.348 Menschen ihre Arbeitslosigkeit wegen der Aufnahme einer Beschäftigung am 1. Arbeitsmarkt. Das sind 123 Personen weniger als im Vormonat.

Kein weiterer Zuwachs bei ukrainischen Geflüchteten

Seit dem 1. Juni haben alle geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainer die Möglichkeit, in den Jobcentern einen Antrag auf Grundsicherung für Arbeitssuchende zu stellen. Im Berichtsmonat Oktober waren im Jobcenter Dortmund 2.020 Ukrainerinnen und Ukrainer arbeitslos gemeldet. Im September waren es 2.092 Personen. Ursächlich für den leichten Rückgang sind die beginnenden Sprachkurse.

Jugendarbeitslosigkeit entwickelt sich weiter positiv

Rechtskreisübergreifend ist die Jugendarbeitslosenquote im Vergleich zum Vormonat auf 9,2 Prozent gesunken. Im Oktober waren damit 3.086 junge Menschen unter 25 Jahren arbeitslos gemeldet. Das sind 25 Personen weniger als im Vormonat. Damit liegt die Jugendarbeitslosigkeit aber noch deutlich über Vorkrisenniveau. Im Oktober 2019 waren 2.708 Jugendliche unter 25 Jahren in Dortmund arbeitslos gemeldet.

Viele Jugendliche, die nach Beendigung ihrer Ausbildung in eine kurze Phase der Arbeitslosigkeit geraten sind, konnten nun als begehrte Fachkraft den Weg zurück in Arbeit finden. Auch der Schul- und Ausbildungsstart im September haben sich positiv auf die Entwicklung der Jugendarbeitslosigkeit in den vergangenen Monaten ausgewirkt.

Arbeitskräftenachfrage leicht rückläufig

Im Oktober ist die Nachfrage der Unternehmen nach Arbeitskräften im Vergleich zum Vormonat leicht gesunken. Der Agentur für Arbeit wurden im aktuellen Berichtsmonat 642 neue Stellen gemeldet. Das sind 84 Stellen weniger als im September und 172 weniger Stellenmeldungen als im Vorjahresmonat. Der aktuelle Stellenbestand hat sich mit 5.393 offenen Stellen im Vergleich zum Vormonat nur marginal (-5) verändert. Im Jahresvergleich liegt er mit einem Plus von rund 724 Stellen deutlich höher als im Krisenjahr 2021. Die meisten der Agentur für Arbeit gemeldeten offenen Stellen sind in den Berufsgruppen Lagerwirtschaft, Verkauf, Gesundheits- und Krankenpflege sowie Altenpflege.

Unterbeschäftigung steigt an

In der Unterbeschäftigung werden zusätzlich zu den registrierten Arbeitslosen auch die Personen erfasst, die nicht als arbeitslos im Sinne der Sozialgesetzbücher (SGB III und SGB II) gelten, weil sie beispielsweise wegen der Teilnahme an Qualifizierungs-, Trainings- oder Beschäftigungsmaßnahmen, wegen Krankheit oder vorruhestandsähnlicher Regelungen nicht als arbeitslos gezählt werden.

Die Unterbeschäftigung ist in diesem Monat weiter gestiegen. Insgesamt sind im Oktober 47.290 Personen in der Unterbeschäftigung registriert. Das sind im Vergleich zum Vormonat 397 Personen mehr. Wichtig für die Arbeitsmarktintegration ist vor allem das Erlernen der deutschen Sprache, viele Ukrainer:innen haben in den vergangenen Wochen mit dem Spracherwerb begonnen. Der Anteil der Arbeitslosigkeit an der Unterbeschäftigung sinkt im Oktober auf 75,1 Prozent. Die Unterbeschäftigungsquote steigt im Vergleich zum Vormonat leicht auf 14,3 Prozent.

(Hinweis: Die Unterbeschäftigung ist ein sehr komplexes Thema und beinhaltet nicht Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, die während ihrer Beschäftigung Arbeitslosengeldleistungen erhalten. Um Missverständnissen vorzubeugen, erklären wir Ihnen gerne die Zusammenhänge und Hintergründe. Nehmen Sie bei Bedarf mit uns Kontakt auf.)

SAVE THE DATE
Terminhinweis Bilanz Ausbildungsmarkt Dortmund

Zwei Jahre Pandemie, der Angriffskrieg in der Ukraine verbunden mit Energiekrise, steigenden Preisen und Lieferengpässen, haben Spuren hinterlassen, die sich auch bei jungen Menschen am Übergang Schule Beruf zeigen. Verunsicherung, Unentschlossenheit und Entscheidungsmüdigkeit sind deutlich spürbar. Der Ausbildungsmarkt hat sich stark gewandelt.

Im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz der Agentur für Arbeit Dortmund, der Industrie- und Handelskammer Dortmund, der Handwerkskammer Dortmund, sowie des Deutschen Gewerkschaftsbundes Dortmund, möchten wir Ihnen am

die wichtigsten Eckdaten zum Ausbildungsjahr 2021/2022 vorstellen und über aktuelle Entwicklungen am Ausbildungsmarkt sprechen.

Unter dem Motto „Die Welt ist krisengeschüttelt – Was brauchst du jetzt, was brauchen wir jetzt?“ findet an diesem Tag auch die diesjährige Dortmunder Jugendkonferenz 2022 in der DASA statt - organisiert von der Arbeitsgemeinschaft Jugendberufshilfe (dem Jugendberufshaus Dortmund, dem Fachbereich Schule und den freien Jugendhilfeträgern). Aus verschieden Perspektiven werden die Auswirkungen der Krise auf die jungen Menschen beleuchtet und gemeinsam Handlungsansätze entwickelt.

Sie haben im Rahmen des Pressegespräches auch die Gelegenheit, mit betroffenen Jugendlichen und auch Unternehmen dazu ins Gespräch zu kommen.

Hierzu geht Ihnen zeitgerecht eine gesonderte Einladung zu