04.01.2018 | Presseinfo Nr. 2

Jahresbilanz 2017

Arbeitsmarkt entwickelt sich positiv
· Durchschnittliche Arbeitslosenquote 12,5 % (2016: 13 %)
· Beschäftigung wächst weiter (171.054 Beschäftige in Duisburg mit Stand 30.06.2017)
· Langzeitarbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt gesunken (-8,5%)
· Jugendarbeitslosigkeit um 6,5% reduziert
· Investitionen in Qualifizierung auf hohem Niveau bleiben notwendig

Arbeitsmarkt zeigt sich weiterhin robust

Der Duisburger Arbeitsmarkt zeigte im Jahr 2017 eine positive Entwicklung. Im zweiten Jahr in Folge sinkt die Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt. Die sinkende Tendenz hat sich damit in Duisburg stabilisiert.

Zum Jahresende 2017 konnte Duisburg mit 11,7 % die niedrigste Arbeitslosenquote seit 20 Jahren verzeichnen.

Die Beschäftigung steigt kontinuierlich. Mit 171.054 Beschäftigen zum 30.06.2017 sind am Arbeitsort Duisburg 4.804 oder 2,9 Prozent mehr Menschen als ein Jahr zuvor beschäftigt.

Der Agentur für Arbeit wurden in der Jahressumme mehr Stellen gemeldet (insgesamt 12.742); mit fast 4.200 Stellen rd. 30 Prozent mehr Stellen im Bestand als im Vorjahr.

Von der guten Entwicklung konnten Frauen und Männer, alle Altersgruppen, die Langzeitarbeitslosen und Menschen mit Schwerbehinderung profitieren.

558 geflüchtete Menschen haben im letzten Jahr ihre Arbeitslosigkeit durch Aufnahme einer Erwerbstätigkeit beendet.

Der Ausbildungsmarkt zeigt immer noch eine starke Differenz zwischen dem Ausbildungsangebot (2.684 betriebliche Ausbildungsstellen) und den Bewerbern (3.698) Die Ausbildungsneigung der Betriebe geht weiterhin zurück und liegt unter NRW-Niveau. Die Ausbildungsquote, also der Anteil der Auszubilden an allen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten, geht ebenso zurück.

Die Vorsitzende der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Duisburg, Astrid Neese, freut sich über die Arbeitsmarktentwicklung und sieht insbesondere noch Entwicklungspotenzial beim Ausbildungsmarkt: „Bei einer insgesamt noch zu hohen Zahl an arbeitslosen Menschen zeigt sich seit zwei Jahren eine gute Tendenz. Steigende Beschäftigung, eine hohe Nachfrage der Unternehmen insbesondere nach Fachkräften bieten Chancen – auch für diejenigen, die längere Zeit erwerbslos waren. Der Fachkräftemangel ist in Duisburg angekommen. Vor diesem Hintergrund müssen alle Akteure ihren Blick für die Potentiale der Arbeitsuchenden weiten. Die Betriebe werden es sich zukünftig noch weniger erlauben können, eine Bewerbung vorschnell auszusortieren. Die Unterstützungsangebote von Agentur für Arbeit und jobcenter Duisburg können noch offensiver genutzt werden, das gilt auch für die finanziellen Förderangebote. 2017 hat für mich gezeigt: Die Chancen für Duisburg steigen, am Arbeitsmarkt einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung zu tun. Wir müssen gemeinsam auf den Zug der guten konjunkturellen Entwicklung aufspringen und aktiv dem Fachkräftemangel entgegensteuern!“

Arbeitsmarkt 2017 in Zahlen

Durchschnittlich 31.309 Menschen waren 2017 in Duisburg arbeitslos – dies sind 1.020 Personen oder 3,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote lag bei 12,5 Prozent und damit 0,5 Prozentpunkte niedriger als im Durchschnitt des Vorjahres mit 13Prozent.

Positiv hat sich die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung am Arbeitsort Duisburg entwickelt. Im Juni 2017 lag diese bei 171.054 Personen und damit 4.804 Personen höher als im Juni 2016 (+2,9 Prozent). Die Vollzeitbeschäftigung stieg um 1,9 Prozent, die Teilzeitbeschäftigung um 5,9 Prozent.

Arbeitslosigkeit nach Rechtskreisen

Im Jahresdurchschnitt 2017 waren in der Arbeitslosenversicherung (SGB III) 5.693 Arbeitslose gemeldet, 778 Personen oder 15,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. In der Grundsicherung (SGB II) waren im Jahresdurchschnitt 25.617 Personen arbeitslos gemeldet, das sind 1.799 Personen oder 6,6 Prozent weniger als 2016.

Erläuterung zur Entwicklung in den beiden Rechtskreisen im Vergleich zum Vorjahr:

Durch den gesetzlich geregelten Übergang der Betreuung der so genannten Aufstocker/innen (Arbeitslosengeld I-Bezieher mit aufstockendem Arbeitslosengeld II-Bezug) vom jobcenter Duisburg zur Agentur für Arbeit Duisburg im Januar 2017 ist der Bestand der Arbeitslosen im Vorjahresvergleich in diesem Jahr bei der Agentur für Arbeit in dem entsprechenden Umfang höher und beim jobcenter niedriger.

Bewegung auf dem Arbeitsmarkt

Arbeitslosigkeit ist kein fester Block. Vielmehr wird erst aus den Zugängen und Abgängen die Bewegung hinter dem jahresdurchschnittlichen Bestand von 31.309 Arbeitslosen ersichtlich. So wurden insgesamt 70.604 Zugänge in Arbeitslosigkeit bei der Arbeitsagentur und dem Jobcenter registriert. Das sind in etwa so viele Zugänge wie im Vorjahr (70.575). Davon kamen 16.640 Personen aus einer Beschäftigung am 1. Arbeitsmarkt, immerhin 328 Personen oder 1,9 Prozent weniger als im Vorjahr.

Gleichzeitig konnten sich 13.711 Menschen wegen der Aufnahme einer Beschäftigung am 1. Arbeitsmarkt aus der Arbeitslosigkeit abmelden, 23 mehr als 2016.

3.961 wurden durch Aufnahme einer Beschäftigung am 2. Arbeitsmarkt abgemeldet (Vorjahr 3.809).

Insgesamt waren 73.109 Abgänge aus der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen, dies entspricht fast exakt der Vorjahresgröße (73.108).

Nachfrage nach Arbeitskräften 

12.742 Stellen meldeten Duisburger Unternehmen und Behörden dem gemeinsamen Arbeitgeber-Service von Agentur für Arbeit und jobcenter Duisburg von Januar bis Dezember 2017. Das sind 1.008 Stellen oder 8,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Der durchschnittlich gemeldete Stellenbestand lag bei 4.191 Stellen; im Vorjahr waren es 3.236.

Die meisten Stellen wurden 2017 für folgende Berufsbereiche gemeldet: Verkehr und Logistik (1.148 Stellen, +117 gegenüber 2016), Führen von Fahrzeug- und Transportgeräten (938, +125)), Unternehmensführung/-organisation (930, +75)), Medizinische Gesundheitsberufe (794, -37).

Der Anteil von gemeldeten Stellen aus dem Bereich Arbeitnehmerüberlassung beträgt rd. 32 % Prozent (2016: rd. 35 Prozent; 2015 rd. 41 Prozent).

Der Fachkräftemangel zeigt sich in vielen Berufsbereichen in Duisburg, die Engpässe bei der Personalrekrutierung werden größer. Besetzungsschwierigkeiten sind in folgenden Berufsgruppen besonders spürbar: Alten- und Krankenpflege, Erzieher, Ärzte, Ingenieure, Metall-und Elektroberufe, Produktion und Verkauf von Lebensmitteln, Hotel- und Gaststättenbereich, sowie im Bereich der IT und Telekommunikationsberufe. Im Handwerk sind insbesondere Anlagenmechaniker Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik gefragt. 

Langzeitarbeitslosigkeit

Im Jahr 2017 waren durchschnittlich 13.813 Personen länger als ein Jahr arbeitslos und damit langzeitarbeitslos, 1.277 Personen oder 8,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Im Durchschnitt waren 44,1 Prozent aller Arbeitslosen in Duisburg langzeitarbeitslos (Vorjahr: 46,7 Prozent). Im Versicherungsbereich (SGB III) waren im Durchschnitt 666 Langzeitarbeitslose gemeldet +1 gegenüber 2016) und in der Grundsicherung (SGB II) 13.147 (-8,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr).

Entwicklung der Arbeitslosigkeit bei Menschen mit ausländischem Pass

Im Jahr 2017 waren durchschnittlich 12.389 Ausländer arbeitslos. Das sind 655 oder 5,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Anstieg von 2015 auf 2016 betrug noch 1.462 Personen oder 14,2 Prozent.

Die Arbeitslosigkeit bei geflüchteten Menschen sinkt derzeit. Im Dezember sind 1.798 Menschen mit Aufenthaltsgestattung, Aufenthaltserlaubnis Flucht oder einer Duldung arbeitslos, im Dezember 2016 waren es noch 2.035. Erfreulich ist, dass 558 Geflüchtete in 2017 ihre Arbeitslosigkeit in Duisburg durch Aufnahme einer Erwerbstätigkeit beenden konnten.

Bei der Integration von geflüchteten Menschen hat sich die Einrichtung des Integration Points der Agentur für Arbeit und des jobcenter Duisburg in Zusammenarbeit mit der Stadt Duisburg bewährt. Nach wie vor ist die Integration von geflüchteten Menschen eine Aufgabe, die mit Spezialistenwissen besser gelingt. Kontinuierliche Arbeit mit den geflüchteten Menschen mit einer klaren Ausrichtung auf die Integration in Ausbildung und Arbeit zahlt sich aus. Die Betreuung Jugendlicher wird in 2018 in der Berufsberatung der Agentur für Arbeit mit zusätzlichen Beratungsfachkräften mit besonderen Knowhow in der Integration geflüchteter Menschen intensiviert.

Jugendarbeitslosigkeit

Die Arbeitslosigkeit der unter 25-Jährigen lag im Jahresdurchschnitt bei 2.776 Personen. Gegenüber dem Vorjahr ist die durchschnittliche Jugendarbeitslosigkeit deutlich um 192 Personen oder 6,5 Prozent gesunken. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote der unter 25-Jährigen lag bei 10,7 Prozent (Vorjahr: 11,5 Prozent). Diese Entwicklung ist in diesem Altersbereich besonders erfreulich, da im Vorjahr noch ein Anstieg zu verzeichnen war.

Ausbildungsmarkt

Zum Ende des Ausbildungsjahres 2016/2017 verzeichnete der Agenturbezirk Duisburg einen leichten Anstieg der gemeldeten betrieblichen Ausbildungsstellen von 2.637 im letzten Berichtsjahr auf 2.684 (+1,8 Prozent).

Die Zahl der Bewerber/innen erhöhte sich um 25 (+0,7 Prozent) von 3.673 auf 3.698. Zum Ende des Berufsberatungsjahres standen noch 140 unbesetzte Ausbildungsstellen zur Verfügung, 2,2 Prozent weniger als vor einem Jahr. Gleichzeitig waren 65 Bewerber/innen noch ohne Ausbildungsstelle, dies ist ein Anstieg um 14 bzw. 27,5 Prozent. Darüber hinaus gab es in Duisburg weitere 580 Bewerber/innen, die sich mangels Ausbildungsmöglichkeit für eine Alternative, wie zum Beispiel weiteren Schulbesuch oder eine berufsvorbereitende Maßnahme entschieden haben.

Erst zum Ende des Ausbildungsjahrs konnte ein leichter Anstieg der gemeldeten Ausbildungsstellen erreicht werden. Der Anteil der ausbildenden Betriebe ist von 2013 mit 23,1 Prozent auf 20,7 Prozent in 2016 gesunken.

Vor dem Hintergrund des beklagten Fachkräftemangels kann es dabei nicht der richtige Weg sein, ausbildungswillige Jugendliche außen vor zu lassen.“ So der Appell von Astrid Neese. „Häufig geht es um formale Voraussetzungen wie zum Beispiel einzelne Schulnoten oder die Form der Bewerbungsunterlagen. Im persönlichen Gespräch kann aber ein vorbereiteter Bewerber oftmals doch mit seiner Motivation überzeugen. Wir setzen auf die direkte Kommunikation, bei den sich Ausbilder und Jugendliche treffen und sich kennen lernen. Kommt dann eine gehörige Portion Motivation bei den jungen Menschen zum Vorschein, treten formale Bedingungen in den Hintergrund. Zumal wir gerade da gut helfen können, wo eine Unterstützung in Fächern der Berufsschule nötig ist. Mit unserer Ausbildungsbörse „Alles unter einem Dach“ und der ersten Blind-Date-Veranstaltung zusammen mit der Niederrheinischen IHK Duisburg-Wesel-Kleve haben wir 2017 wichtige Akzente in Sachen Ausbildungsvermittlung gesetzt. So kann es uns auch gemeinsam gelingen, die nach wie vor hohe Zahl an Altbewerbern zu reduzieren.“


In 2017 konnten Agentur für Arbeit und jobcenter Jugendlichen dort – wo nötig – eine Vielzahl von Förderangeboten machen:

Berufseinstiegsbegleitung: 150 Plätze für aktuelles 9. Schuljahr (alle Jahrgänge: 600 Plätze)

Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen: 295 Plätze

Assistierte Ausbildung: 38 Plätze

Ausbildungsbegleitende Hilfen: 215 Plätze

Einstiegsqualifizierung: 77 Förderungen

Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen: 140 Plätze

Berufsausbildungsbeihilfe

Für die Förderung standen rd. 11,2 Mio. Euro zur Verfügung.

Qualifizierungen mit Abschluss im Fokus

In Duisburg verfügen  60 Prozent der Arbeitslosen über keine abgeschlossene Berufsausbildung.

Lediglich rund 17 Prozent der in Duisburg gemeldeten Arbeitsstellen richten sich an Helfer. Dagegen richten sich zwei Drittel aller Stellen an Fachkräfte sowie jeweils rund 8 Prozent an Experten und 9 Prozent an Spezialisten Der Anteil der Fachkräfte unter den Arbeitslosen liegt jedoch nur bei 32 Prozent und 61 Prozent sind Helfer.

Im vergangenen Jahr haben insgesamt 376 Kunden der Arbeitsagentur eine abschlussorientierte Fortbildung begonnen. Dies erfolgte mit den Förderinstrumenten berufliche Weiterbildung (FbW), Initiative zur Flankierung des Strukturwandels (IFlaS) und Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in Unternehmen (WeGebAU). 458 Eintritte in abschlussorientierte Weiterbildungen erfolgten bei den vom jobcenter betreuten Menschen.

Die Planungen der Arbeitsagentur und des jobcenter Duisburg für abschlussorientierte Qualifizierungen haben folgende Schwerpunkte:

· Lagerwirtschaft

· Fahrzeugführer im Straßenverkehr

· Verwaltung

· Altenpflege

· Kaufmännische Ausbildungen

Ein wichtiger Bereich sind dabei auch die Teilqualifizierungen, die einzelne Module aus Berufsausbildungen beinhalten und bis zum Abschluss der Qualifizierung finanziert werden könnten.

Unterbeschäftigung

In die Größe der Unterbeschäftigung fallen neben den Arbeitslosen auch Personen in entlastenden arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen, in kurzfristiger Arbeitsunfähigkeit sowie Personen für die bestimmte gesetzliche Sondertatbestände gelten. Bei der Betrachtung der Arbeitslosigkeit spielt die Unterbeschäftigung eine wichtige Rolle. 

Die Zahl der Menschen in Unterbeschäftigung ist leicht gegenüber dem Vorjahr angestiegen (2017: 40.568 / 2016: 40.476), die Quote ist dagegen leicht zurückgegangen (15,9 auf 15,8 Prozent).  Der Anteil der Arbeitslosigkeit an der Unterbeschäftigung betrug 79,9 Prozent bei den Jahresdurchschnittswerten 2016. 77,2 Prozent waren es 2017.

Die deutlichste Steigerung ist im Bereich der Fremdförderung erkennbar (+ 76,1 Prozent). 672 Menschen mehr als im letzten Jahr befinden sich im Jahresdurchschnitt in einer sogenannten Fremdförderung (aktuell 1.555). Das sind Förderungen, die nicht von der Agentur für Arbeit oder dem jobcenter Duisburg finanziert werden – insbesondere notwendige Sprach- und Integrationskurse für geflüchtete Menschen. Zur Unterbeschäftigung zählen außerdem die Arbeitsgelegenheiten, an denen durchschnittlich 1.807 Personen teilnahmen (2016: 1.573). In beruflicher Weiterbildung befanden sich im Jahresdurchschnitt 7,4 Prozent mehr Menschen (1.564 im Jahr 2017).