30.06.2022 | Presseinfo Nr. 39

Arbeitsmarktlage im Kreis Segeberg - Juni 2022

Sondereffekt lässt Arbeitslosenzahl steigen

Juni 2022

Mai 2022

Juni 2021

Arbeitslosenzahl

6.586

6.398

7.719

Arbeitslosenquote

4,2

4,1

5,0

Im Monat vor den Sommerferien läuft die Frühjahrsbelebung allmählich aus, die Arbeitslosenzahl sinkt meist noch einmal. Ähnlich wäre es wohl auch in diesem Jahr verlaufen, wenn nicht ein Sondereffekt zum Tragen käme. Die Beratung, Betreuung und finanzielle Sicherung der ukrainischen Kriegsgeflüchteten hat der Gesetzgeber seit Anfang Juni ganzheitlich in die Hände der Jobcenter gegeben. Dies hat auch Auswirkungen auf die Arbeitslosenstatistik.

„Mit der Übertragung auf die Jobcenter wird mit jedem erwerbsfähigen Kriegsgeflüchteten auch über das Thema Arbeit oder Ausbildung gesprochen. Die individuellen Erstgespräche in den Jobcentern werden mit Hochdruck durchgeführt, aber benötigen wegen der hohen Fallzahl, der meist notwendigen Sprachmittlung und fehlender oder zu übersetzender beruflicher Dokumente ihre Zeit. Kinderbetreuung und Spracherwerb sind ebenfalls häufig Themen in den Beratungen“, erklärt Thomas Kenntemich.

Im Kreis Segeberg waren im Juni 799 erwerbsfähige ukrainische Personen bei Jobcenter und Arbeitsagentur gemeldet. 188 Personen davon wurden als Arbeitslose registriert. Weitere 430 Ukrainer/innen stehen dem Arbeitsmarkt nicht sofort zur Verfügung (nicht arbeitslos), sind aber arbeitssuchend. 80 Prozent der gemeldeten Ukrainer sind Frauen.

Der problemlose finanzielle Übergang wird zwischen Kreis und Jobcenter sichergestellt. Für das Jobcenter hat zunächst die nahtlose Zahlung des Arbeitslosengeldes 2 die allerhöchste Priorität. In der persönlichen Beratung werden dann die beruflichen Absichten geklärt und über Sprachkurse, Anerkennung von Zeugnissen und Nachweisen sowie Qualifizierung informiert.

„Die Umstellung macht Sinn, denn finanzielle Unterstützung, berufliche Beratung und Qualifizierung kommen dann aus einer Hand. Für die Jobcenter ist dies nach der Flüchtlingswelle 2015/16 und der Corona-Pandemie die nächste große Herausforderung in Folge. Ich weiß, dass sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Menschen engagiert annehmen“, sagt Thomas Kenntemich und bittet in der aktuellen Übergangsphase um Verständnis. Das Ziel sei: „Wer in Deutschland bleiben will, wird individuell auf seinem Weg in den Arbeitsmarkt unterstützt!“

Telefonische Beratung für ukrainische Kriegsgeflüchtete gibt es unter der zentralen Rufnummer 0911-178 7915 auch auf ukrainischer und russischer Sprache. Weitere Informationen bietet das Jobcenter Kreis Segeberg auf seiner Internetseite www.jobcenter-kreis-segeberg.de.

Sommerferien nutzen und den Ausbildungsplatz „klarmachen“!

Auf dem Ausbildungsmarkt gab es im Juni noch viele Möglichkeiten für Ausbildungsinteressierte – fast 700 Ausbildungsplätze waren offen. Damit war jede zweite gemeldete Ausbildungsstelle noch zu vergeben! Für einen Ausbildungsplatz interessierten sich noch gut 300 junge Menschen. Das sind 24 Prozent weniger Ausbildungssuchende als im Juni letzten Jahres.

„Betriebliche Ausbildung bietet gute Einstiegs- und Übernahmemöglichkeiten, viel berufliche Praxis und finanzielle Eigenständigkeit. Dabei legt man sich nicht für sein Leben auf einen Beruf fest. Der Ausbildungsberuf bietet eine hervorragende Grundlage für den weiteren Berufsweg. Ob Meister, Techniker, Studium oder eine Selbständigkeit – es gibt etliche Karrieren, die mit einer betrieblichen Ausbildung gestartet haben“, wirbt Thomas Kenntemich, sich die betrieblichen Ausbildungsmöglichkeiten genauer anzusehen.

Wer sich für eine Ausbildung interessiert, kann sich jetzt auch kurzentschlossen bei der Berufsberatung melden. Termine werden telefonisch unter 0800 – 4 5555 00 (gebührenfrei) vereinbart. Die Arbeitsagentur berät zu Ausbildung, Studium, Alternativen und Überbrückungsmöglichkeiten – ganz nach Bedarf.

„Die Palette der aktuellen Ausbildungsangebote ist breit. Einzelhandel und Handwerk bieten viele Möglichkeiten, aber auch im kaufmännischen und technischen Bereich vermitteln wir Ausbildungsplätze. Kurzfristig einen passenden und interessanten Ausbildungsplatz zu finden - das ist auch in den Sommerferien möglich“, sagt Thomas Kenntemich.

In den Ferien während einer Woche bis zu fünf Ausbildungsbetriebe kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen, das bietet die neue „Praktikumswoche Schleswig-Holstein“. Jugendliche ab 15 Jahren und Unternehmen aus dem Kreis Segeberg können mitmachen und sich unter www.praktikumswoche.sh anmelden. Die Schülerinnen und Schüler schnuppern bis zu eine Woche lang in ein anderes Unternehmen hinein. Die Jugendlichen können dabei aussuchen, in welcher Zeit sie mitmachen.

„In der Praktikumswoche bekommen Schülerinnen und Schülern ganz kompakt praktische Einblicke in Unternehmen und Berufsfelder. Diese individuelle Begegnungsmöglichkeit zwischen Unternehmen und Jugendlichen halte ich für ganz wichtig", erklärt Thomas Kenntemich. Die Praktikumswoche ist ein Kooperationsprojekt von Bundesagentur für Arbeit, Land, Kreisen und Kammern und findet erstmals in Schleswig-Holstein statt.

Die Top-Ten der Ausbildungsstellen auf Seite 3 zeigt, in welchen Berufen besonders viele freie Ausbildungsplätze gemeldet sind. Es gibt etliche weitere Ausbildungsberufe mit guten Chancen. Wer noch auf der Suche ist, sollte daher die Jobbörse unter www.arbeitsagentur.de nach den aktuellen Angeboten sichten.

Top-10-Berufe der Berufsausbildungsstellen

Kreis Segeberg, Juni 2022

unbesetzte

Berufsausbildungsstellen

Insgesamt

691

Kaufmann/-frau im Einzelhandel

85

Verkäufer/in

58

Fachkraft - Lagerlogistik

35

Kaufmann/-frau - Büromanagement

33

Handelsfachwirt/in (Ausbildung)

27

Elektroniker/in- Energie-/Gebäudetechnik

22

Kaufmann/-frau - Groß/Außenhandelsmanagement - Großhandel

17

Zahnmedizinische/r Fachangestellte/r

16

Fachlagerist/in

14

Kaufmann/-frau – Spedition und Logistikdienstleistung

14

© Statistik der Bundesagentur für Arbeit

 

Zahlen, Daten, Fakten

Arbeitsmarkt im Kreis Segeberg

Beschäftigte

Mit Datenstand 31.12.2021 waren 95.784 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, ein Plus von 1,5 Prozent oder 1.441 Personen im Vergleich zum Dezember 2020.

Stellen

Die Unternehmen gaben 551 sozialversicherungspflichtige Arbeitsstellen neu zur Besetzung auf. Das sind 62 mehr als im Vormonat und eine Stelle mehr als im Juni 2021. Seit Jahresbeginn wurden insgesamt 3.860 Arbeitsangebote gemeldet – 833 mehr als in den ersten sechs Monaten des letzten Jahres.

Arbeitslose

Die Arbeitslosenzahl ist zum Vormonat um 188 Personen oder 2,9 Prozent gestiegen. Damit waren im Juni 6.586 Menschen arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahresmonat liegt die Zahl um 1.133 Personen oder 14,7 Prozent niedriger.

Arbeitslosenquote

Die Arbeitslosenquote ist von 4,1 im Vormonat auf 4,2 Prozent gestiegen. Vor einem Jahr hatte sie 5,0 Prozent betragen.

Langzeitarbeitslose

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen liegt mit 2.488 Personen um 349 niedriger als vor einem Jahr. Im Juni hat ihre Zahl um vier Personen abgenommen.

Arbeitslose nach Rechtskreisen

(Agentur für Arbeit / Jobcenter)

Von allen Arbeitslosen betreute die Agentur für Arbeit (Arbeitslosenversicherung) 2.396 Personen, das sind 16 mehr als im Vormonat. Es waren 812 Personen (-25,3 Prozent) weniger als vor einem Jahr bei der Arbeitsagentur gemeldet.
Beim Jobcenter (Grundsicherung) waren 4.190 Arbeitslose registriert. Dies sind 172 Personen mehr als im Mai. Gegenüber dem Vorjahresmonat ging die Zahl um 247 Personen zurück (-10,2 Prozent).

Unterbeschäftigung1)

Zu den Arbeitslosen kamen im Juni 1.570 weitere Menschen, die ohne Arbeit waren. 8.156 Personen befanden sich damit in Unterbeschäftigung. Die Unterbeschäftigung ist innerhalb eines Jahres um 1.177 Personen oder 12,6 Prozent gesunken.

Arbeitsmarktpolitische Maßnahmen

Aktuell besuchen 454 Menschen eine berufliche Weiterbildung, die durch die Arbeitsagentur oder das Jobcenter gefördert wird. Dies sind sechs mehr als vor einem Jahr. Weitere 277 Personen nehmen an Kurzqualifizierungen oder betrieblichen Praktika teil – 155 weniger als im Juni 2021.

Ausbildungsmarkt

Für den Ausbildungsstart in 2022 meldeten sich im Kreis Segeberg bislang 839 Ausbildungsinteressierte bei der Berufsberatung, dies sind 75 weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Von den gemeldeten Bewerbern/innen waren Mitte Juni noch 308 auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz.

Die Unternehmen haben 1.370 Berufsausbildungsstellen zur Besetzung aufgegeben, 268 mehr als im Vorjahreszeitraum. Von den gemeldeten Ausbildungsstellen sind noch 691 unbesetzt, beziehungsweise die Bewerbungsverfahren noch nicht abgeschlossen.

Davon wurden im Raum Norderstedt bislang 488 Ausbildungsplätze gemeldet, 130 mehr als im Vorjahreszeitraum. Aktuell sind hier noch 243 unbesetzt. Mit 227 Bewerbern/innen meldeten sich 32 weniger als im Vorjahr. Von ihnen sind 93 bislang noch unversorgt.

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  1. Die Zahl der Unterbeschäftigten erfasst neben den Arbeitslosen beispielsweise auch Personen in Qualifizierungsmaßnahmen und Arbeitsgelegenheiten (1-Euro-Jobs), Krankgeschriebene, geförderte Existenzgründer und Arbeitsuchende mit Vorruhestandsregelungen. Die aktuellen Werte sind vorläufig und hochgerechnet. Endgültige Werte zur Unterbeschäftigung stehen erst nach einer Wartezeit von drei Monaten fest.  
  2. Aktuellster ausgewerteter Monat zu realisierter Kurzarbeit auf Kreisebene. Unternehmen haben drei Monaten Zeit ihre Abrechnungen einzureichen.