30.11.2022 | Presseinfo Nr. 70

Der Herbstbelebung geht die Puste aus

Arbeitsmarktlage im Kreis Pinneberg - November 2022:

November 2022

Oktober 2022

November 2021

Arbeitslosenzahl

8.839

8.726

8.184

Arbeitslosenquote

5,0

4,9

4,6

Die Arbeitslosenzahl steigt im November, aber viele Arbeitsplätze sind noch zu besetzen

„Vor einem Jahr gab es im November einen deutlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit. Der Arbeitsmarkt hatte in der auslaufenden Corona-Pandemie einen großen Nachholbedarf. In diesem Jahr gilt es andere, neue Krisen zu bewältigen. Die Herbstbelebung kam früher zum Stillstand. Die Arbeitslosenzahl ist leicht angestiegen“, erläutert Thomas Kenntemich, Leiter der Agentur für Arbeit Elmshorn, die aktuelle Entwicklung.

Die unterschiedliche Entwicklung wirkt sich im Vorjahresvergleich deutlich aus. Zum November 2021 liegt die Arbeitslosenzahl um 655 Personen oder 8,0 Prozent höher. Hier machen sich besonders die Auswirkungen des Russland-Ukraine-Krieges und der dadurch ausgelösten Fluchtwelle bemerkbar. Die Zahl der arbeitslos registrierten Ukrainer/innen ist binnen Jahresfrist um 674 Personen gestiegen.

Weiterhin gibt es aber auch viele offene Arbeitsstellen – trotz vielfältiger Krisenthemen und anstehender Wintersaison. „Bei der Personalsuche sind viele Unternehmen aufgrund der ungewissen wirtschaftlichen Entwicklung etwas vorsichtiger geworden. Die Nachfrage nach Arbeitskräften bleibt dennoch bislang auf einem stabilen und hohen Niveau“, bestätigt Thomas Kenntemich und ergänzt: „Wenn es die Chance gibt, sich eine gesuchte Fachkraft zu sichern, dann greifen die meisten Betriebe zu!“

Fachkräfte sind weiterhin besonders gefragt und bleiben in vielen Branchen rar. Dazu gehören schon seit längerer Zeit die Pflegekräfte und Erzieher/innen. Aktuell waren besonders auch Fachkräfte in der Logistik, der Metallbearbeitung sowie der Elektro und Maschinentechnik und in der Sicherheitsbranche gesucht.

Menschen mit Behinderungen: Unsicherheiten abbauen, gute Fachkräfte gewinnen!

Arbeitsagentur und Jobcenter werben bei den Unternehmen für die Einstellung und Beschäftigung von Menschen mit Behinderung – nicht nur wegen des Internationalen Tages der Menschen mit Behinderung am kommenden Samstag (03.12.2022). Menschen mit Behinderung bringen häufig dringend gesuchte Qualifikationen und Fähigkeiten mit. Jeder Zweite besitzt eine Berufsausbildung. Damit könnte auch unter ihnen die gesuchte Fachkraft sein.

Zurzeit sind 392 schwerbehinderte Menschen aus verschiedensten Berufen im Kreis Pinneberg arbeitslos gemeldet, das sind erfreulicherweise 41 weniger als vor einem Jahr.

„Im Freundes- und Bekanntenkreis spielen Behinderungen für uns keine Rolle, meistens nehmen wir sie nicht einmal wahr. Auch unsere behinderte Kollegin oder der Kollege bringt im Job ohne Aufhebens tolle Leistungen. Betriebe, die Menschen mit Behinderung beschäftigen, berichten von guten Erfahrungen. Bei der Arbeitssuche wird es plötzlich zum Handicap. Praktika und Probebeschäftigung eignen sich gut zum gegenseitigen Kennenlernen. Und bei Bedarf gibt es auch technische oder finanzielle Unterstützung", erklärt Thomas Kenntemich.

Häufig ist eine Behinderung gar nicht äußerlich erkennbar, beispielsweise bei Menschen mit Herzerkrankungen, mit Stoffwechselstörungen oder Legasthenie. Oft bedeutet ein Behinderungsgrad keine Einschränkungen in einer Berufstätigkeit. Dennoch herrschen bei Bewerbungen von Menschen mit Behinderungen Unsicherheiten auf Seiten der Betriebe. Unternehmen, die sich über die Praktikums- oder Beschäftigungsmöglichkeiten informieren möchten, wenden sich an den Arbeitgeber-Service unter Tel. 0800 – 4 5555 20 (kostenfrei). 

Zahlen, Daten, Fakten

Arbeitsmarkt im Kreis Pinneberg

Beschäftigte

Mit Datenstand 31.03.2022 waren 96.174 Personen im Kreis Pinneberg sozialversicherungspflichtig beschäftigt, ein Plus von 1,4 Prozent oder 1.328 Personen im Vergleich zum März 2021.

Stellen

Die Unternehmen gaben 470 sozialversicherungspflichtige Arbeitsstellen neu zur Besetzung auf. Das sind 80 Stellen mehr als im Vormonat und vier weniger als im November 2021. Seit Jahresbeginn wurden insgesamt 5.524 Arbeitsangebote gemeldet – nur fünf weniger als in den ersten elf Monaten des letzten Jahres.

Arbeitslose

Die Arbeitslosenzahl ist zum Vormonat um 113 Personen oder 1,3 Prozent gestiegen. Damit waren im November 8.839 Menschen arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahresmonat liegt die Zahl um 655 Personen oder 8,0 Prozent höher.

Arbeitslosenquote

Die Arbeitslosenquote ist von 4,9 im Vormonat auf 5,0 Prozent gestiegen. Vor einem Jahr hatte sie 4,6 Prozent betragen.

Langzeitarbeitslose

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen liegt mit 2.486 Personen um 388 niedriger als vor einem Jahr. Im November ist ihre Zahl leicht um fünf Personen gestiegen.

Arbeitslose nach Rechtskreisen

(Agentur für Arbeit / Jobcenter)

Von allen Arbeitslosen betreute die Agentur für Arbeit (Arbeitslosenversicherung) 3.176 Personen, das sind 57 mehr als im Vormonat. Es waren 23 Personen (+0,7 Prozent) mehr als vor einem Jahr bei der Arbeitsagentur gemeldet.
Beim Jobcenter (Grundsicherung) waren 5.663 Arbeitslose registriert. Dies sind 56 Personen mehr als im Oktober. Gegenüber dem Vorjahresmonat ist die Zahl um 632 Personen (+12,6 Prozent) gestiegen.

Ukrainische Staatsangehörige

Beim Jobcenter und bei der Arbeitsagentur sind 1.648 erwerbsfähige, ukrainische Staatsangehörige gemeldet. Dreiviertel von ihnen sind Frauen. Viele stehen dem Arbeitsmarkt nicht unmittelbar zur Verfügung, z.B. weil Sprachkurse oder Qualifizierungen besucht werden oder die Kinderbetreuung nicht sichergestellt ist. 699 sind als Arbeitslose registriert, neun weniger als im Vormonat und 674 mehr als vor einem Jahr.

Unterbeschäftigung

Zu den Arbeitslosen kamen im November 2.908 weitere Menschen, die ohne Arbeit waren. 11.747 Personen befanden sich damit in Unterbeschäftigung. Die Unterbeschäftigung ist innerhalb eines Jahres um 996 Personen oder 9,3 Prozent gestiegen.

Info Unterbeschäftigung: Die Zahl der Unterbeschäftigten erfasst neben den Arbeitslosen beispielsweise auch Personen in Qualifizierungsmaßnahmen und Arbeitsgelegenheiten (1-Euro-Jobs), Krankgeschriebene, geförderte Existenzgründer und Arbeitsuchende mit Vorruhestandsregelungen. Die aktuellen Werte sind vorläufig und hochgerechnet. Endgültige Werte zur Unterbeschäftigung stehen erst nach einer Wartezeit von drei Monaten fest.

Arbeitsmarktpolitische Maßnahmen

Aktuell besuchen 566 Menschen eine berufliche Weiterbildung, die durch die Arbeitsagentur oder das Jobcenter gefördert wird. Dies sind 72 weniger als vor einem Jahr. Weitere 450 Personen nehmen an Kurzqualifizierungen oder betrieblichen Praktika teil – drei weniger als im November 2021.

Ausbildungsmarkt

Daten zum Ausbildungsmarkt werden erst wieder ab dem Berichtsmonat Januar 2023 veröffentlicht.