29.07.2022 | Presseinfo Nr. 42

Doppeleffekt“ lässt Arbeitslosigkeit steigen

Arbeitsmarktlage im Kreis Pinneberg - Juli 2022:

Juli 2022

Juni 2022

Juli 2021

Arbeitslosenzahl

9.058

8.429

9.542

Arbeitslosenquote

5,1

4,8

5,4

Arbeitslosenzahl steigt in den Sommerferien – viel Arbeit für Arbeitsagentur und Jobcenter

Ferienzeit bedeutet Ruhe und Entspannung? Nicht für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Arbeitsagentur und im Jobcenter! Zu den Sommerferien werden saisonal mehr Menschen arbeitslos – viele nur vorübergehend.

So meldeten sich im Juli 858 Personen aus einer Beschäftigung (Juni: 663) und weitere 642 aus einer Ausbildung oder Qualifizierung (Juni: 522) arbeitslos. Die Arbeitslosenzahl stieg um 629 Personen, die Arbeitslosenquote von 4,8 auf 5,1 Prozent. Dennoch liegt die Arbeitslosigkeit unter dem Niveau des Vorjahres.

„In diesem Jahr sind zwei Entwicklungen für den Juli-Anstieg maßgeblich. Saisonal typisch waren die vermehrten Arbeitslosmeldungen von jüngeren Menschen an den Übergängen von Schule, Ausbildung und Beruf zu erwarten. Als Sondereffekt aufgrund der Aufgabenübertragung zu den Jobcentern, wurden weitere ukrainische Geflüchtete als Arbeitslose neu registriert“, erklärt Thomas Kenntemich, Leiter der Agentur für Arbeit Elmshorn.

Die Zahl der ausländischen Arbeitslosen ist dadurch im Juli um 8,4 Prozent angewachsen. Einen überproportionalen Anstieg von 16,5 Prozent gab es auch bei den jüngeren Arbeitslosen unter 25 Jahren. Wie jedes Jahr zum Ferienbeginn steigt hier die Zahl, weil sich Ausbildungsabsolventen ohne Anschlussbeschäftigung und Schulabgänger melden. Häufig haben sie bereits Zusagen oder konkrete Pläne und starten nach den Ferien in einen neuen Job, eine Ausbildung oder ein Studium.

In beiden Personengruppen sind Frauen stärker vertreten, so dass ihre Arbeitslosigkeit in diesem Monat deutlich stärker gestiegen ist als die der Männer. Mit der Herbstbelebung am Arbeitsmarkt könnte sich die Situation ab September wieder entspannen. Wirtschaftliche Unsicherheiten aufgrund von Ukraine-Krieg, Materialengpässe, eingeschränkter Lieferketten und steigender Energiepreise erlauben derzeit jedoch keine verlässliche Prognose. 

Zum Ausbildungsstart bleiben noch viele Ausbildungsangebote frei -
Ausbildungserfolg jetzt absichern!

Auf 307 Ausbildungssuchende kamen im Juli noch 641 freie Ausbildungsplätze. Rechnerisch ist da also noch einiges möglich. In der Praxis passen jedoch die Berufswünsche und die vorhandene Mobilität der Jugendlichen nicht immer mit dem Ausbildungsangebot und den Erwartungen der Unternehmen zusammen. Dennoch – wer sich jetzt spontan für eine Ausbildung entscheidet hat noch eine interessante Auswahl an Möglichkeiten.

Die kurzfristigen Erfolgsaussichten hängen von Beruf und Branche ab. So gibt es beispielsweise für Ausbildungen in der Informatik, in Werbung und Marketing oder als Immobilienkaufmann/-frau mehr Bewerber/innen als Ausbildungsstellen. Diese Ausbildungen sind sehr beliebt und die Bewerbungsverfahren 2022 sind meist abgeschlossen. Wer sich hingegen für eine Ausbildung in Hotel und Gastronomie, im Einzelhandel, als Anlagenmechaniker/in (Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik) oder Elektroniker/in interessiert, hat die besseren Chancen.

Kurzentschlossene können sich unter 0800 – 4 5555 00 (gebührenfrei) bei der Berufsberatung melden. Die Arbeitsagentur berät zu Ausbildung, Studium, Alternativen und Überbrückungsmöglichkeiten – ganz nach Bedarf. Die aktuellen Ausbildungsangebote sind in der Jobbörse unter www.arbeitsagentur.de zu finden.

Viele Jugendliche beginnen in den kommenden Tagen ihre Ausbildung. „Damit der Start in die Ausbildung erfolgreich klappt, sollten Betriebe und Azubis vereinbaren, bei Problemen und offenen Fragen aufeinander zuzugehen und gemeinsam Lösungen zu suchen. Dabei können auch die Beratungskräfte der Kammern und der Arbeitsagentur helfen“, sagt Thomas Kenntemich.

Nachwuchskräfte sind die Fachkräfte von morgen! Deshalb ist Thomas Kenntemich besonders wichtig, dass möglichst alle jungen Menschen ihre Ausbildung erfolgreich durchlaufen können: „Nachwuchskräfte werden immer knapper. Um das Risiko eines Abbruchs zu minimieren, kann die Arbeitsagentur Ausbildungsbetriebe und Auszubildende bei Bedarf mit Zusatzunterricht und sozialpädagogischer Betreuung unterstützen - und das sogar schon ab Ausbildungsstart!“

Bei der „assistierten Ausbildung“ wird ein individuelles Paket geschnürt, das ganz gezielt auf die Förderbedürfnisse des jungen Menschen und des Betriebes ausgerichtet ist. Kosten entstehen weder für die Auszubildenden noch für die Betriebe.

Zahlen, Daten, Fakten

Arbeitsmarkt im Kreis Pinneberg

Beschäftigte

Mit Datenstand 31.12.2021 waren 95.673 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, ein Plus von 1,5 Prozent oder 1.414 Personen im Vergleich zum Dezember 2020.

Stellen

Die Unternehmen gaben 570 sozialversicherungspflichtige Arbeitsstellen neu zur Besetzung auf. Das sind 118 Stellen mehr als im Vormonat und drei mehr als im Juli 2021. Seit Jahresbeginn wurden insgesamt 3.808 Arbeitsangebote gemeldet – 195 mehr als in den ersten sieben Monaten des letzten Jahres.

Arbeitslose

Die Arbeitslosenzahl ist zum Vormonat um 629 Personen oder 7,5 Prozent gestiegen. Damit waren im Juli 9.058 Menschen arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahresmonat liegt die Zahl um 484 Personen oder 5,1 Prozent niedriger.

Arbeitslosenquote

Die Arbeitslosenquote ist von 4,8 im Vormonat auf 5,1 Prozent gestiegen. Vor einem Jahr hatte sie 5,4 Prozent betragen.

Langzeitarbeitslose

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen liegt mit 2.559 Personen um 566 niedriger als vor einem Jahr. Im Juli hatte ihre Zahl um 25 Personen abgenommen.

Arbeitslose nach Rechtskreisen

(Agentur für Arbeit / Jobcenter)

Von allen Arbeitslosen betreute die Agentur für Arbeit (Arbeitslosenversicherung) 3.428 Personen, das sind 313 mehr als im Vormonat. Es waren 676 Personen (-16,5 Prozent) weniger als vor einem Jahr bei der Arbeitsagentur gemeldet.
Beim Jobcenter (Grundsicherung) waren 5.630 Arbeitslose registriert. Dies sind 316 Personen mehr als im Juni. Gegenüber dem Vorjahresmonat ist die Zahl um 192 Personen (+3,5 Prozent) gestiegen.

Unterbeschäftigung1)

Zu den Arbeitslosen kamen im Juli 2.508 weitere Menschen, die ohne Arbeit waren. 11.566 Personen befanden sich damit in Unterbeschäftigung. Die Unterbeschäftigung ist innerhalb eines Jahres um 320 Personen oder 2,7 Prozent gesunken.

Arbeitsmarktpolitische Maßnahmen

Aktuell besuchen 583 Menschen eine berufliche Weiterbildung, die durch die Arbeitsagentur oder das Jobcenter gefördert wird. Dies sind neun weniger als vor einem Jahr. Weitere 438 Personen nehmen an Kurzqualifizierungen oder betrieblichen Praktika teil – sieben mehr als im Juli 2021.

Ausbildungsmarkt

Für den Ausbildungsstart in 2022 meldeten sich im Kreis Pinneberg bislang 1.224 Ausbildungsinteressierte bei der Berufsberatung, dies sind 50 weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Von den gemeldeten Bewerbern/innen waren Mitte Juli noch 307 auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz.

Die Unternehmen haben 1.607 Berufsausbildungsstellen zur Besetzung aufgegeben, 66 weniger als im Vorjahreszeitraum. Von den gemeldeten Ausbildungsstellen sind noch 641 unbesetzt, beziehungsweise die Bewerbungsverfahren noch nicht abgeschlossen.

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  1. Die Zahl der Unterbeschäftigten erfasst neben den Arbeitslosen beispielsweise auch Personen in Qualifizierungsmaßnahmen und Arbeitsgelegenheiten (1-Euro-Jobs), Krankgeschriebene, geförderte Existenzgründer und Arbeitsuchende mit Vorruhestandsregelungen. Die aktuellen Werte sind vorläufig und hochgerechnet. Endgültige Werte zur Unterbeschäftigung stehen erst nach einer Wartezeit von drei Monaten fest.