29.07.2022 | Presseinfo Nr. 43

„Doppeleffekt“ lässt Arbeitslosigkeit steigen

Arbeitsmarktlage im Kreis Segeberg - Juli 2022:

Juli 2022

Juni 2022

Juli 2021

Arbeitslosenzahl

6.918

6.586

7.594

Arbeitslosenquote

4,4

4,2

4,9

Arbeitslosenzahl steigt in den Sommerferien – viel Arbeit für Arbeitsagentur und Jobcenter

Ferienzeit bedeutet Ruhe und Entspannung? Nicht für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Arbeitsagentur und im Jobcenter! Zu den Sommerferien werden saisonal mehr Menschen arbeitslos – viele nur vorübergehend.

So meldeten sich im Juli 566 Personen aus einer Beschäftigung (Juni: 427) und weitere 430 aus einer Ausbildung oder Qualifizierung (Juni: 271) arbeitslos. Die Arbeitslosenzahl stieg um 332 Personen, die Arbeitslosenquote von 4,2 auf 4,4 Prozent. Dennoch liegt die Arbeitslosigkeit unter dem Niveau des Vorjahres.

„In diesem Jahr sind zwei Entwicklungen für den Juli-Anstieg maßgeblich. Saisonal typisch waren die vermehrten Arbeitslosmeldungen von jüngeren Menschen an den Übergängen von Schule, Ausbildung und Beruf zu erwarten. Als Sondereffekt aufgrund der Aufgabenübertragung zu den Jobcentern, wurden weitere ukrainische Geflüchtete als Arbeitslose neu registriert“, erklärt Thomas Kenntemich, Leiter der Agentur für Arbeit Elmshorn.

Die Zahl der ausländischen Arbeitslosen ist dadurch im Juli um 12,3 Prozent angewachsen. Einen überproportionalen Anstieg von 24,4 Prozent gab es auch bei den jüngeren Arbeitslosen unter 25 Jahren. Wie jedes Jahr zum Ferienbeginn steigt hier die Zahl, weil sich Ausbildungsabsolventen ohne Anschlussbeschäftigung und Schulabgänger melden. Häufig haben sie bereits Zusagen oder konkrete Pläne und starten nach den Ferien in einen neuen Job, eine Ausbildung oder ein Studium.

In beiden Personengruppen sind Frauen stärker vertreten, so dass ihre Arbeitslosigkeit in diesem Monat deutlich stärker gestiegen ist als die der Männer. Mit der Herbstbelebung am Arbeitsmarkt könnte sich die Situation ab September wieder entspannen. Wirtschaftliche Unsicherheiten aufgrund von Ukraine-Krieg, Materialengpässe, eingeschränkter Lieferketten und steigender Energiepreise erlauben derzeit jedoch keine verlässliche Prognose.

Zum Ausbildungsstart bleiben noch viele Ausbildungsangebote frei -
Ausbildungserfolg jetzt absichern!

Auf 244 Ausbildungssuchende kamen im Juli noch 598 freie Ausbildungsplätze. Rechnerisch ist da also noch einiges möglich. In der Praxis passen jedoch die Berufswünsche und die vorhandene Mobilität der Jugendlichen nicht immer mit dem Ausbildungsangebot und den Erwartungen der Unternehmen zusammen. Dennoch – wer sich jetzt spontan für eine Ausbildung entscheidet hat noch eine interessante Auswahl an Möglichkeiten.

Die kurzfristigen Erfolgsaussichten hängen von Beruf und Branche ab. So gibt es beispielsweise für Ausbildungen in der Informatik, in Werbung und Marketing oder als Immobilienkaufmann/-frau mehr Bewerber/innen als Ausbildungsstellen. Diese Ausbildungen sind sehr beliebt und die Bewerbungsverfahren 2022 sind meist abgeschlossen. Wer sich hingegen für eine Ausbildung in Hotel und Gastronomie, im Einzelhandel, als Anlagenmechaniker/in (Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik) oder Elektroniker/in interessiert, hat die besseren Chancen.

Kurzentschlossene können sich unter 0800 – 4 5555 00 (gebührenfrei) bei der Berufsberatung melden. Die Arbeitsagentur berät zu Ausbildung, Studium, Alternativen und Überbrückungsmöglichkeiten – ganz nach Bedarf. Die aktuellen Ausbildungsangebote sind in der Jobbörse unter www.arbeitsagentur.de zu finden.

Viele Jugendliche beginnen in den kommenden Tagen ihre Ausbildung. „Damit der Start in die Ausbildung erfolgreich klappt, sollten Betriebe und Azubis vereinbaren, bei Problemen und offenen Fragen aufeinander zuzugehen und gemeinsam Lösungen zu suchen. Dabei können auch die Beratungskräfte der Kammern und der Arbeitsagentur helfen“, sagt Thomas Kenntemich.

Nachwuchskräfte sind die Fachkräfte von morgen! Deshalb ist Thomas Kenntemich besonders wichtig, dass möglichst alle jungen Menschen ihre Ausbildung erfolgreich durchlaufen können: „Nachwuchskräfte werden immer knapper. Um das Risiko eines Abbruchs zu minimieren, kann die Arbeitsagentur Ausbildungsbetriebe und Auszubildende bei Bedarf mit Zusatzunterricht und sozialpädagogischer Betreuung unterstützen - und das sogar schon ab Ausbildungsstart!“

Bei der „assistierten Ausbildung“ wird ein individuelles Paket geschnürt, das ganz gezielt auf die Förderbedürfnisse des jungen Menschen und des Betriebes ausgerichtet ist. Kosten entstehen weder für die Auszubildenden noch für die Betriebe.

Zahlen, Daten, Fakten

Arbeitsmarkt im Kreis Segeberg

Beschäftigte

Mit Datenstand 31.12.2021 waren 95.784 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, ein Plus von 1,5 Prozent oder 1.441 Personen im Vergleich zum Dezember 2020.

Stellen

Die Unternehmen gaben 521 sozialversicherungspflichtige Arbeitsstellen neu zur Besetzung auf. Das sind 30 weniger als im Vormonat und 22 weniger als im Juli 2021. Seit Jahresbeginn wurden insgesamt 4.381 Arbeitsangebote gemeldet – 811 mehr als in den ersten sieben Monaten des letzten Jahres.

Arbeitslose

Die Arbeitslosenzahl ist zum Vormonat um 332 Personen oder 5,0 Prozent gestiegen. Damit waren im Juli 6.918 Menschen arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahresmonat liegt die Zahl um 676 Personen oder 8,9 Prozent niedriger.

Arbeitslosenquote

Die Arbeitslosenquote ist von 4,2 im Vormonat auf 4,4 Prozent gestiegen. Vor einem Jahr hatte sie 4,9 Prozent betragen.

Langzeitarbeitslose

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen liegt mit 2.438 Personen um 367 niedriger als vor einem Jahr. Im Juli hat ihre Zahl um 50 Personen abgenommen.

Arbeitslose nach Rechtskreisen

(Agentur für Arbeit / Jobcenter)

Von allen Arbeitslosen betreute die Agentur für Arbeit (Arbeitslosenversicherung) 2.570 Personen, das sind 174 mehr als im Vormonat. Es waren 630 Personen (-19,7 Prozent) weniger als vor einem Jahr bei der Arbeitsagentur gemeldet.
Beim Jobcenter (Grundsicherung) waren 4.348 Arbeitslose registriert. Dies sind 158 Personen mehr als im Juni. Gegenüber dem Vorjahresmonat ging die Zahl um 46 Personen zurück (-1,0 Prozent).

Unterbeschäftigung1)

Zu den Arbeitslosen kamen im Juli 1.576 weitere Menschen, die ohne Arbeit waren. 8.494 Personen befanden sich damit in Unterbeschäftigung. Die Unterbeschäftigung ist innerhalb eines Jahres um 736 Personen oder 8,0 Prozent gesunken.

Arbeitsmarktpolitische Maßnahmen

Aktuell besuchen 448 Menschen eine berufliche Weiterbildung, die durch die Arbeitsagentur oder das Jobcenter gefördert wird. Dies ist eine Person weniger als vor einem Jahr. Weitere 288 Personen nehmen an Kurzqualifizierungen oder betrieblichen Praktika teil – 128 weniger als im Juli 2021.

Ausbildungsmarkt

Für den Ausbildungsstart in 2022 meldeten sich im Kreis Segeberg bislang 883 Ausbildungsinteressierte bei der Berufsberatung, dies sind 83 weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Von den gemeldeten Bewerbern/innen waren Mitte Juli noch 244 auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz.

Die Unternehmen haben 1.408 Berufsausbildungsstellen zur Besetzung aufgegeben, 265 mehr als im Vorjahreszeitraum. Von den gemeldeten Ausbildungsstellen sind noch 598 unbesetzt, beziehungsweise die Bewerbungsverfahren noch nicht abgeschlossen.

Davon wurden im Raum Norderstedt bislang 509 Ausbildungsplätze gemeldet, 136 mehr als im Vorjahreszeitraum. Aktuell sind hier noch 210 unbesetzt. Mit 240 Bewerbern/innen meldeten sich 30 weniger als im Vorjahr. Von ihnen sind 83 bislang noch unversorgt.

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  1. Die Zahl der Unterbeschäftigten erfasst neben den Arbeitslosen beispielsweise auch Personen in Qualifizierungsmaßnahmen und Arbeitsgelegenheiten (1-Euro-Jobs), Krankgeschriebene, geförderte Existenzgründer und Arbeitsuchende mit Vorruhestandsregelungen. Die aktuellen Werte sind vorläufig und hochgerechnet. Endgültige Werte zur Unterbeschäftigung stehen erst nach einer Wartezeit von drei Monaten fest.