05.11.2020 | Presseinfo Nr. 66

Jahresbilanz zum Ausbildungsmarkt 2020 im Kreis Segeberg:

Ein herausforderndes Jahr für Betriebe und Jugendliche!
 

  • Unternehmen setzen auf Ausbildung und Fachkräftesicherung
  • Trotz Kontakteinschränkungen wurden viele Ausbildungssuchende erreicht
  • Abschluss von Ausbildungsverträgen weiter möglich

Das war schon ein ganz besonderes Ausbildungsjahr für alle Beteiligten! Mein großes Lob geht an alle, die in diesen schwierigen Zeiten in Ausbildung investieren. Die Betriebe in der Region setzen weiter auf Ausbildung – das ist ein gutes Signal für die Jugendlichen. Es ist aber auch die Einsicht, dass das Thema Fachkräftebedarf trotz der Pandemie aktuell und bedeutsam bleibt“, erklärt Thomas Kenntemich, Leiter der Agentur für Arbeit Elmshorn.

Während des ersten Lockdowns war zunächst eine deutliche Verunsicherung bezüglich Ausbildung sowohl auf Seiten der Jugendlichen als auch auf Seiten der Ausbildungsbetriebe spürbar. Im Laufe des Sommers hat der Ausbildungsmarkt wieder Fahrt aufgenommen und viele Jugendliche sind in betriebliche Ausbildungen eingemündet. Häufig kamen Ausbildungsverhältnisse in diesem Jahr erst etwas später als sonst zustande.

Im Kreis Segeberg gingen die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen und die der Ausbildungssuchenden bemerkbar zurück. Insgesamt waren mehr Bewerber/innen als Stellen gemeldet. Die Ausbildungssuche endet jedoch nicht an der Kreisgrenze, die Metropolregion bietet viele weitere Chancen.

„Ideenreichtum war in diesem Jahr gefragt. Alle, die mit dem Ausbildungsmarkt zu tun hatten, mussten sich schnell umstellen. Betriebe, Jugendliche, Schulen und auch die Berufsberatung. Bewährtes musste plötzlich neu gedacht werden: Vorstellungsgespräche in den Betrieben, Berufsmessen, Berufsorientierung in den Schulen oder persönliche Beratung sind nur einige Beispiele“, beschreibt Thomas Kenntemich die Situation.

„Ein großer Teil unserer Berufsberaterinnen und Berufsberater musste vorübergehend in die Bearbeitung des Kurzarbeitergeldes oder des Arbeitslosengeldes einsteigen. Die Sicherung von Existenzen hat bei der Bundesagentur für Arbeit im Frühjahr und Sommer viel Arbeitskapazität in Anspruch genommen.“

Trotz erheblicher Kontakteinschränkungen wurden viele Ausbildungssuchende erreicht

Bei der Berufsberatung im Kreis Segeberg meldeten sich im vergangenen Beratungsjahr (Oktober 2019 bis September 2020) 1.376 Jugendliche als Ausbildungsbewerber/innen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sind dies 152 oder 9,9 Prozent weniger.

„Zum einen setzt sich damit der bekannte, langjährige Trend fort: immer mehr Jugendliche streben einen höheren Schulabschluss an, viele gehen auf weiterführende Schulen. Sie fehlen dann als Bewerber um die betrieblichen Ausbildungsstellen. Zum anderen konnte die Berufsberatung viele bekannte Kontaktwege nicht wie gewohnt nutzen, um mit den Schulabgängern ins Gespräch zu kommen. Seit Mitte März konnten Beratungen nicht mehr persönlich erfolgen, die Präsenzzeiten in den Schulen entfielen und alle Ausbildungsmessen in der Region wurden abgesagt. Dennoch ist es den Berufsberaterinnen und Berufsberatern gelungen, den größten Teil der jungen Menschen zu erreichen“, erläutert Thomas Kenntemich die Entwicklung.

Die überwiegende Zahl der Jugendlichen, die sich als Bewerber/in bei der Berufsberatung meldeten, hatte einen Realschul- (34,1 Prozent) oder einen Hauptschulabschluss (28,4 Prozent). Einen Fachhochschulabschluss oder Abitur besaßen 29,0 Prozent der Ausbildungssuchenden. Jugendliche, die ausschließlich ein Studium anstreben, lassen sich häufig beraten, werden aber keine Bewerber/innen für Berufsausbildungsstellen.

Auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz meldeten sich 551 junge Frauen. Ihr Anteil lag damit bei 40,0 Prozent. Frauen streben öfter eine schulische Ausbildung oder ein Studium an. Sie melden sich dann häufig bei der Berufsberatung zu einer Beratung, werden aber keine Ausbildungssuchende.

Großer Ausbildungswille bei den Unternehmen in der Region

„Ich freue mich über den großen Ausbildungswillen der Unternehmen in der Region. Die meisten Ausbildungsbetriebe, die wirtschaftlich dazu in der Lage waren, haben wieder Ausbildungsmöglichkeiten zur Verfügung gestellt. Die betriebliche Ausbildung nimmt weiterhin eine ganz wichtige Rolle bei den Arbeitgebern ein. Die große Bedeutung für die Fachkräftesicherung ist allen auch in der aktuellen Krisenzeit bewusst“, betont Thomas Kenntemich.

Die Branchen waren sehr unterschiedlich von den Auswirkungen der Pandemie betroffen. Die Unternehmen haben auf die Unwägbarkeiten häufig sehr individuell reagiert. Besonders in den Monaten des ersten Lockdowns von März bis Mai wurden kaum neue Ausbildungsstellen gemeldet oder besetzt. Dies führte zu Verzögerungen in den Besetzungsverfahren und teilweise auch Verschiebungen der Azubiplanungen.

Branchen wie Gastronomie, Hotels, Veranstaltungswesen, Friseure, Metall- und Elektroindustrie (insbesondere Zulieferindustrie von Automobilherstellern und der Luftfahrt) haben weniger Stellen gemeldet. Einige Branchen wie der Lebensmitteleinzelhandel oder das Bauhaupt- und Baunebengewerbe machten dagegen mehr Ausbildungsangebote.

Die Ausbildungsbetriebe gaben dem Arbeitgeber-Service im Kreis Segeberg 1.304 betriebliche Ausbildungsstellen zur Besetzung auf. Dies sind 111 oder 7,8 Prozent weniger als im vorherigen Jahreszeitraum.

Die meisten Ausbildungsstellen im Kreis Segeberg wurden in den Berufen Kaufmann/-frau im Einzelhandel (125 Stellen), Verkäufer/in (70), Kaufmann/-frau Büromanagement (57), Handelsfachwirt/in (45), Fachkraft Lagerlogistik (60) und Zahnmedizinische/r Fachangestellte/r (45) angeboten.

In Norderstedt1 meldeten sich ähnlich viele Ausbildungsplatzsuchende wie im Vorjahr. Die Zahl der Ausbildungsstellen war hingegen rückläufig, überstieg jedoch noch die Bewerberzahl.

Insgesamt 375 Ausbildungsbewerber/innen meldeten sich in der Stadt bei der Berufsberatung (-2 zum Vorjahr). Die Norderstedter Ausbildungsbetriebe gaben 447 Ausbildungsplätze zur Besetzung auf (-67 zum Vorjahr). Ende September waren noch 16 Ausbildungsstellen unbesetzt und 42 Jugendliche ohne eine Ausbildung oder eine berufliche Alternative.

1 Geschäftsstellenbezirk Norderstedt (Stadt Norderstedt und Gemeinde Ellerau)

Corona-Pandemie darf keine Ausbildungskrise werden

Eins ist in diesem Jahr nicht anders als sonst - es gibt auch Ungleichgewichte am Ausbildungsmarkt. In den meisten Fällen kamen Angebot und Nachfrage zusammen. Einige Ausbildungsstellen blieben jedoch unbesetzt, während gleichzeitig noch junge Menschen Schwierigkeiten beim Einstieg in eine Ausbildung haben. Häufig passen die Berufswünsche oder das Qualifikationsprofil dann nicht zu den Anforderungen der Ausbildungsbetriebe.

Zum Ende des Beratungsjahres gab es im September 124 unversorgte Ausbildungsbewerber/innen im Kreis Segeberg, 40 weniger als im Vorjahr. Häufig gesucht waren noch passende Ausbildungsplätze im kaufmännischen Bereich, im Einzelhandel und im IT-Bereich.

Den Bewerbern standen Ende September noch 72 unbesetzte Ausbildungsstellen gegenüber, das sind 21 weniger als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr. Offene Ausbildungsmöglichkeiten gab es insbesondere noch im Lebensmittelverkauf, als Zahnmedizinische/r Fachangestellte/r und in verschiedenen Handwerksberufen.

In diesem Jahr haben sich die Auswahlprozesse Corona bedingt um ein bis zwei Monate nach hinten verschoben. Ein Ausbildungsstart ist nicht nur am 01. September möglich! Auch später können sich noch Chancen ergeben und weitere Ausbildungen starten regulär bereits im Frühjahr 2021. Die Beratung und Ausbildungsvermittlung der unversorgten Jugendlichen läuft noch weiter. In Gesprächen werden auch passende Alternativen zum direkten Ausbildungseinstieg angeboten.

„Die Corona-Pandemie darf keine Krise für junge Menschen werden! Das ist mir besonders wichtig. Es gibt viele Wege zum Wunschberuf, alle beginnen mit einem ersten Schritt. Wenn es mit der Ausbildung oder dem Studium nicht wie erhofft klappt, dann helfen wir auch bei der Suche nach Alternativen oder Überbrückungen“, sagt Thomas Kenntemich.

Mit den ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH) flankiert die Arbeitsagentur betriebliche Berufsausbildung, wenn der Ausbildungserfolg in Gefahr kommt. Die umfassenden Unterstützungsangebote wie Nachhilfe und sozialpädagogische Betreuung können auch ab Ausbildungsstart gewährt werden. Eine Hilfe für „Ausbildungsnachzügler“ wäre damit möglich.

Jugendliche, die noch nicht fit für einen direkten Ausbildungseinstieg sind oder noch Orientierung brauchen, können sich in Angeboten der beruflichen Bildungszentren und in Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen für den nächsten Ausbildungsbeginn vorbereiten. Mit Einstiegsqualifizierungen (EQ) fördert die Berufsberatung auch betriebliche Langzeitpraktika. Durch sie erhalten die Teilnehmer die Chance später in eine Ausbildung im Betrieb oder in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu wechseln.

Um einen „Corona-Jahrgang“ zu vermeiden, erhalten kleine und mittelständische Unternehmen, die in der aktuellen Situation wirtschaftliche Schwierigkeiten haben, eine Unterstützung aus dem Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“. Ziel ist es, das Ausbildungsangebot aufrechtzuerhalten und jungen Menschen die Fortführung und den erfolgreichen Abschluss ihrer Ausbildung zu ermöglichen.

Im Agenturbezirk Elmshorn (Kreise Segeberg und Pinneberg) sind bis Ende Oktober rund 200 Anträge eingegangen. Eine Auszahlung der Prämie von 2.000 bzw. 3.000 Euro erfolgt nach erfolgreich absolvierter Probezeit. Die Agentur Elmshorn konnte mehr als 80 Anträge bislang positiv bescheiden.

Perspektive Ausbildungsmarkt 2021

„Eine konkrete Prognose gestaltet sich zum aktuellen Zeitpunkt aufgrund der Rahmenbedingungen schwierig. Die weitere Entwicklung des Pandemiegeschehens und der Auswirkungen für jede einzelne Branche müssen beobachtet werden. Der Ausbildungswille der Betriebe in der Region ist vorhanden und das Thema Fachkräftesicherung im Fokus vieler Unternehmen. Uns liegen bereits Stellenmeldungen für das Ausbildungsjahr 2021 vor, sogar aus Branchen, die aktuell besonders von den Auswirkungen der Pandemie betroffen sind“, so Thomas Kenntemich.

Für die meisten Ausbildungsbetriebe wird die Azubisuche auch in 2021 nicht einfacher. Dies sollte jedoch kein Grund sein, auf Ausbildung zu verzichten. Fachkräfte bleiben am Arbeitsmarkt rar. Die Arbeitsagentur empfiehlt Unternehmen ihre Bedarfe für 2021 frühzeitig zu melden. Dies erhöht die Chancen, sich die passenden Nachwuchskräfte für das kommende Ausbildungsjahr zu sichern.

In dieser Zeit mit weniger persönlichen Kontakten wird es umso wichtiger, die eigenen Ausbildungsangebote gut im Internet zu präsentieren, z.B. auf den Webseiten des Unternehmens, in sozialen Medien oder auf digitalen Messen.

Die Berufsberatung bietet bereits ein großes Spektrum an digitalen Medien zur Berufswahl an - von der Information über die Selbstreflektion bis zur Stellensuche und Bewerbung -, alles ist bequem von zu Hause zu nutzen. Beratungen werden vermehrt telefonisch, online und auch über Videokommunikation ermöglicht. Soweit möglich, wird auch wieder der direkte, persönliche Kontakt z. B. vor Ort in den Schulen gesucht.

„Jugendlichen und Eltern rate ich für den Ausbildungsbeginn 2021: nicht warten, sondern jetzt die Zeit nutzen und die Berufswahl in die eigene Hand nehmen! Wichtig für die Jugendlichen ist, sich Klarheit über seine eigenen Interessen und Talente zu verschaffen, sich rechtzeitig zu informieren, berufliche Ideen zu entwickeln und Alternativen zu überlegen, falls der Plan A nicht greift. Der beste Tipp: das Gespräch mit der Berufsberaterin oder dem Berufsberater der Agentur für Arbeit suchen! Die Berufsberatung berät Jugendliche und Eltern individuell und neutral zu allen Ausbildungen und Studiengängen“, sagt Thomas Kenntemich.

Termine mit der Berufsberatung: 0800 – 4 5555 00 (kostenfrei)

Arbeitgeber-Service für Ausbildungsbetriebe: 0800 – 4 5555 20 (kostenfrei)

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