01.07.2020 | Presseinfo Nr. 51

Arbeitsmarktlage im Kreis Segeberg – Juni 2020

Mehr Arbeitslose, auch wieder mehr Chancen

  • Arbeitslosenzahl steigt im Juni noch weiter
  • Personalnachfrage zieht an – mehr Menschen finden wieder Arbeit
  • Endspurt am Ausbildungsmarkt nutzen!
  Juni 2020 Mai 2020 Juni 2019
Arbeitslose 8.199 7.965 6.104
Arbeitslosenquote 5,3 5,1 4,0

Im Kreis Segeberg stieg die Arbeitslosenzahl um 234 Personen oder 2,9 Prozent gegenüber dem Vormonat. Damit waren im Juni 8.199 Menschen arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahresmonat erhöhte sich die Zahl um 2.095 oder 34,3 Prozent.

Die Arbeitslosenquote1) ist von 5,1 im Vormonat auf 5,3 Prozent gestiegen. Vor einem Jahr hatte sie 4,0 Prozent betragen.

„Die hohe Inanspruchnahme der Kurzarbeit und die allmähliche Lockerung der Beschrän-kungen für Unternehmen nehmen viel Druck vom Arbeitsmarkt. Dennoch steigt die Ar-beitslosigkeit weiter. Dazu tragen in diesen Wochen auch das Ende des Schuljahres und vieler Ausbildungsgänge bei. Zudem konnten Qualifizierungen und Praktika nicht im bis-herigen Umfang stattfinden – diese entlasteten den Arbeitsmarkt sonst zusätzlich", erklärt Thomas Kenntemich, Leiter der Agentur für Arbeit Elmshorn.

Im Juni meldeten sich 566 Menschen aus einer Beschäftigung arbeitslos. Dies waren 120 weniger als im Mai, jedoch 99 mehr als im Juni letzten Jahres.

Besonders stieg die Zahl der jüngeren Arbeitslosen unter 25 Jahre um 60,7 Prozent zum Vor-jahresmonat auf 860 Personen. Jüngere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind oft leichter zu kündigen, haben befristete Arbeitsverträge und kürzere Kündigungsfristen. Auch meldeten sich zum aktuellen Schul- und Ausbildungsende wieder mehr junge Menschen erst einmal arbeitsuchend.

Im Kreis Segeberg besuchten im Juni 396 Menschen eine berufliche Weiterbildung, die durch die Arbeitsagentur oder das Jobcenter gefördert wurde. Dies sind 13 Prozent weniger als vor einem Jahr. Weitere 279 nahmen an Kurzqualifizierungen oder betrieblichen Praktika teil. Hier liegt der Rückgang sogar bei 51 Prozent zum Vorjahr.

Vor allem die Arbeitsagentur bekam zunächst die Auswirkungen der Krise zu spüren, denn die meisten Arbeitslosen, die sich neu meldeten, kommen aus einer Beschäftigung und besitzen einen Versicherungsanspruch auf Arbeitslosengeld 1. Auch im Jobcenter gab es einen Anstieg.

Von den insgesamt 8.199 Arbeitslosen betreute die Agentur für Arbeit (Arbeitslosenversicherung) im Juni 3.966 Personen. Damit stieg die Zahl um 149 gegenüber dem Vormonat. Es waren 1.495 Personen (+60,5 Prozent) mehr als vor einem Jahr bei der Arbeitsagentur gemeldet.

Beim Jobcenter (Grundsicherung) waren 4.233 Arbeitslose registriert. Dies sind 85 Personen mehr als im Mai. Gegenüber dem Vorjahresmonat ist die Zahl um 600 Personen oder 16,5 Prozent gestiegen.

Die Personalnachfrage im Kreis Segeberg hat im Juni wieder etwas angezogen, bleibt aber noch weit hinter der Vor-Corona-Zeit zurück. Die Unternehmen gaben dem gemeinsamen Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Elmshorn und des Jobcenters Kreis Segeberg 483 sozialversicherungspflichtige Arbeitsstellen neu zur Besetzung auf. Das sind 220 mehr als im Vormonat.

Während einige Branchen wie Hotels und Gastronomie, Messebau und Veranstaltungswesen oder Reisebüros derzeit noch stark von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen sind, bessert sich die wirtschaftliche Stimmung in anderen Branchen. So wurden mehr neue Jobange-bote im Einzelhandel, im Gesundheitswesen und der Altenpflege sowie im öffentlichen Dienst aufgegeben. Deutlich mehr freie Stellen zeigten auch Zeitarbeitsfirmen an – diese Branche gilt als Frühindikator für die Entwicklung am Arbeitsmarkt.

„Rund ein Drittel des Stellenangebots war durch die Corona-Pandemie weggebrochen. Die Tendenz zeigt nun wieder eine langsame Erholung – zumindest in einigen Branchen. Mehr Menschen konnten wieder eine Beschäftigung aufnehmen - das macht Mut! Die Arbeitssu-che kann auch in dieser Krisenzeit erfolgreich sein," betont Thomas Kenntemich. Ein kurz-fristiger Rückgang der Arbeitslosigkeit sei jedoch nicht zu erwarten: „Saisonal üblich ist ein weiterer Anstieg der Arbeitslosenzahlen in den kommenden Sommerwochen. Erst mit der Herbstbelebung am Arbeitsmarkt könnten sich die Daten vom Arbeitsmarkt verbessern. Voraussetzung ist, dass wir uns alle in dieser Pandemie weiter so umsichtig und verantwortungsvoll verhalten."

Die Gesamtzahl der offenen Arbeitsangebote in der JOBBÖRSE ist zum Vorjahresmonat um 943 gesunken. Aktuell sind 1.874 freie Stellenangebote im Kreis Segeberg gemeldet.

Immer mehr Arbeitslosen gelingt wieder die erfolgreiche Arbeitsaufnahme. So haben sich 422 Menschen im Juni aus der Arbeitslosigkeit in eine Beschäftigung abmelden können – dies sind 86 mehr als im Mai und „nur noch" 22 weniger als im Juni 2019.

Mit den eServices können Arbeitsuchende ihre eigenen Daten selbst eingeben und stets aktuell halten. Um die passenden Stellenangebote online über die JOBBÖRSE zu erhalten, ist es wich-tig, dass Arbeitsuchende ihr Bewerberprofil aussagekräftig gestalten. Wer dies nutzt, steigert seine Chancen bei der Jobsuche.

Die Zahl der Neuanzeigen von Kurzarbeitergeld ging im Juni deutlich zurück. Weitere 45 Betriebe gaben Anzeigen auf Kurzarbeit auf.

Für die Monate April bis Juni sind insgesamt 2.667 Anzeigen eingegangen und wurden geprüft. Die Unternehmen im Kreis Segeberg zeigten in den drei Monaten Kurzarbeit für insgesamt 36.217 Beschäftigte an.

Die Agentur für Arbeit und das Jobcenter bleiben vor allem weiter online und telefonisch erreichbar. Mitte Juni wurden an den Standorten neue Servicebereiche fertig gestellt, so dass einzelne Kunden nach Terminabsprache zu dringend erforderlichen, persönlichen Gesprächen empfangen werden können. Aufgrund des Gesundheitsschutzes kann es einen freien ungesteuerten Publikumsverkehr weiterhin noch nicht geben.

„Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten Großartiges. Allein der Anstieg der Ar-beitslosigkeit um rund 2.100 Menschen ist eine Mammutaufgabe. Daneben wurden mehr als 2.600 Anzeigen auf Kurzarbeit geprüft und nun regelmäßig das existenzsichernde Kurz-arbeitergeld ausgezahlt. Demnächst sollen die Agenturen für Arbeit die Gewährung der neuen Ausbildungsprämien übernehmen. Viele Vermittlungs- und Beratungsfachkräfte werden daher noch weiter die Leistungsbearbeitung unterstützen. Die meisten Anliegen unserer Kunden können wir wie bisher vor allem online oder telefonisch erledigen," erläu-tert Thomas Kenntemich.

Die Online-Angebote finden sich unter http://www.arbeitsagentur.de oder www.jobcenter.digital.


Ausbildungsmarkt

Die Corona-Krise wird auch auf dem Ausbildungsmarkt immer spürbarer. Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen bleibt um 7,9 Prozent hinter dem Vorjahr zurück. Besonders Branchen, die längerfristig von Einschränkungen betroffen sind, bieten weniger Ausbildungsplätze an. Hotels und Gastronomiebetriebe meldeten bislang rund ein Viertel weniger Ausbildungsstellen. Mehr Ausbildungsmöglichkeiten gibt es hingegen besonders im öffentlichen Dienst und auch im Bau-gewerbe.

„Die Ausbildung von Nachwuchskräften schafft Zukunftsperspektiven für Unternehmen. Bitte halten Sie daher Ihre Ausbildungsleistung aufrecht. Bieten Sie Ihre Ausbildungsmög-lichkeiten über die Arbeitsagentur an. Viele Ausbildungsbewerber sind durch Ausfälle und verschobene Prüfungen in ihrer Berufswahl spät dran. Noch können Ausbildungsverhält-nisse Last Minute zustande kommen. Unternehmen sollte klar sein - die Krise wird enden, der Fachkräftemangel bleibt!", sagt Thomas Kenntemich.

Für den Ausbildungsstart in 2020 meldeten sich im Kreis Segeberg bislang 1.206 Ausbildungsplatzbewerber/innen bei der Berufsberatung, dies sind 112 weniger als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr. Von den gemeldeten Bewerbern/innen waren Mitte Juni noch 444 auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz.

Die Unternehmen im Kreis haben 1.225 Berufsausbildungsstellen zur Besetzung aufgege-ben, 105 weniger als im Vorjahreszeitraum. Von den gemeldeten Ausbildungsstellen waren im Juni noch 605 unbesetzt, beziehungsweise die Bewerbungsverfahren noch nicht abgeschlossen.

Die neuen Ausbildungs- und Übernahmeprämien nach dem Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern" können bei der Arbeitsagentur frühestens beantragt werden, wenn die Bundesre-gierung auch die dazugehörige Förderrichtlinie erlassen hat. Diese wird derzeit von der Allianz für Aus-und Weiterbildung erarbeitet.

Im Raum Norderstedt wurden bisher 422 Ausbildungsplätze gemeldet (-41 zum Vorjahreszeit-raum). Aktuell sind noch 236 offen. Mit 317 Bewerbern/innen meldeten sich 10 mehr als im Vorjahr. Von ihnen waren 127 bislang noch unversorgt. Mit einem Verhältnis von 1,9 unbesetzten Ausbildungsstellen je aktuell noch Ausbildungssuchenden bietet die Stadt weiterhin recht gute Chancen im Kreis (Agenturbezirk Kaltenkirchen: 1,2; Agenturbezirk Bad Segeberg: 1,1).

„Ausgefallene Berufsmessen, fehlende Präsenz in den Schulen sowie die Aussetzung der persönlichen Beratung erschwerte es der Berufsberatung die Jugendlichen in den Ab-gangsklassen zu erreichen. Wir unterstützen die Berufswahl mit unserem großen Online-angebot. Außerdem bieten wir unsere Beratung auf telefonischem Wege an", erklärt Thomas Kenntemich.

„Noch können Jugendliche bei der Ausbildungsplatzsuche durchstarten. Etliche Ausbil-dungsmöglichkeiten gibt es in der Jobbörse auf www.arbeitsagentur.de. Auch bei der Su-che nach Alternativen oder Überbrückungsmöglichkeiten hilft die Berufsberatung!"

Berufsberatungen finden derzeit überwiegend telefonisch oder online statt. Ausbildungssuchende können unter der kostenfreien Rufnummer 0800 4 5555 00 Kontakt aufnehmen. Arbeitgeber melden sich mit ihren Bedarfen oder Fragen beim Arbeitgeber-Service unter der 0800 4 5555 20.

Die Top-Ten der unbesetzten Ausbildungsstellen zeigt, in welchen Berufen derzeit noch viele Ausbildungsplätze offen sind. Wer noch auf der Suche ist, sollte die Jobbörse unter www.arbeitsagentur.de nach den aktuellen Angeboten sichten.


Onlineangebote für Ausbildungssuchende

Eine breite Palette an Online-Angeboten – auch zur Vorbereitung auf eine telefonische Beratung mit der Berufsberaterin oder dem Berufsberater - kann von zuhause aus genutzt werden:

  • Wer noch nicht genau weiß, welcher Ausbildungs- oder Studiengang der richtige ist, kann seine Fähigkeiten und Interessen mit dem Erkundungstool ‚heck-U‘ herausfinden (www.check-u.de).
  • Schülerinnen und Schüler, die einen Hauptschulabschluss oder einen Mittleren Schulabschluss anstreben, finden im Portal www.planet-beruf.de Informationen und Reportagen rund um die Themen Ausbildungssuche, Bewerbung und Berufswahl.
  • Ausführliche Informationen zu über 3.000 Berufen bieten das www.berufenet.arbeitsagentur.de der BA oder das Filmportal www.berufe.tv.
  • Junge Menschen, die vor dem Abitur stehen, finden passende Reportagen, Interviews und Informationen auf www.abi.de sowie auf www.studienwahl.de.
  • Die Studiensuche und die optimale Auswahl von Studienort und Studienfach unterstützt die Seite www.arbeitsagentur.de/studiensuche.